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Vereinigte Staaten von Amerika
1. Einleitung

Vereinigte Staaten von Amerika, amtlich United States of America, Kurzform USA, umgangssprachlich Vereinigte Staaten oder Amerika. Die USA sind eine präsidiale Republik mit bundesstaatlicher Verfassung in Nordamerika. Sie bestehen aus 50 Bundesstaaten (einschließlich Alaska und Hawaii) und dem District of Columbia, der eingeschränkte Selbstverwaltung besitzt. Übersee- bzw. Außengebiete der Vereinigten Staaten sind Puerto Rico, Amerikanisch-Samoa, Guam und die amerikanischen Jungferninseln. Die Vereinigten Staaten grenzen im Norden an Kanada, im Osten an den Atlantischen Ozean, im Süden an den Golf von Mexiko und an Mexiko, im Westen an den Pazifischen Ozean. Die Nordgrenze wird teilweise durch die Großen Seen und den Sankt-Lorenz-Strom gebildet, die Südgrenze streckenweise vom Rio Grande. Die größte Stadt ist New York City, Hauptstadt ist Washington D.C. (District of Columbia).

Die Gesamtfläche der Vereinigten Staaten beträgt 9 826 630 Quadratkilometer, davon umfasst Alaska 1 717 854 Quadratkilometer und Hawaii 28 311 Quadratkilometer. Binnengewässer haben einen Anteil von 507 788 Quadratkilometern an der Gesamtfläche. Entlang des durch West Quoddy Head in Maine (östlichster Punkt der USA) verlaufenden Breitengrades beträgt die größte Breite ungefähr 4 520 Kilometer. Die größte Nord-Süd-Ausdehnung misst von der Gegend um Brownsville (Texas) bis zur kanadischen Grenze circa 2 570 Kilometer. Der Mount McKinley oder Denali (6 194 Meter) in Alaska ist der höchste Punkt Nordamerikas; der niedrigste Punkt liegt in Kalifornien im Death Valley, einer Senke, die sich 86 Meter unter dem Meeresspiegel befindet.

2. Land
1. Physische Geographie

Die Vereinigten Staaten sind durch eine Vielzahl von Landschaftstypen und eine artenreiche Flora und Fauna gekennzeichnet. Diese werden in den Artikeln über die einzelnen Staaten ausführlicher dargestellt. Das Land gliedert sich in vier Großlandschaften; dies sind von Osten nach Westen die Küstenebenen, die Appalachen, die Inneren Ebenen und die Kordilleren.

Im Osten und Südosten erstrecken sich am Atlantik und am Golf von Mexiko Küstenebenen; Buchten greifen stellenweise weit in das Land hinein. Im Süden sind Lagunen und zum Teil ausgedehnte Sumpfgebiete entwickelt. Das Tiefland steigt nach Westen allmählich zu den Appalachen an. Dieses geologisch alte Gebirge ist bis zu 480 Kilometer breit; höchster Berg ist der Mount Mitchell mit 2 037 Metern. Der zentrale Bereich der USA wird von den Great Plains, dem Gebiet der Großen Seen und dem Mississippibecken eingenommen. Im Westen erheben sich die erdgeschichtlich jungen Kordilleren mit den Rocky Mountains. Die steil zur Pazifikküste abfallenden Kordilleren werden von tief eingeschnittenen Gräben (u. a. Grand Canyon, Death Valley, Kalifornisches Längstal) in mehrere Gebirgsketten gegliedert. Die nördlichen Ausläufer der Kordilleren reichen bis nach Alaska. Hawaii umfasst eine lang gestreckte Inselkette im Pazifischen Ozean.

2. Flüsse und Seen

Das größte Stromsystem der USA ist das von Mississippi und Missouri; es weist eine Gesamtlänge von 6 240 Kilometern auf. In Alaska hat der Yukon das größte Einzugsgebiet. Die Flüsse der östlichen USA wie Hudson, Delaware, Susquehanna, Potomac oder Savannah sind aufgrund hoher Niederschläge ständig wasserführend und eignen sich für die Schifffahrt. Schmelzwasser ist die Hauptquelle der in östlicher Richtung fließenden Flüsse Missouri, Platte, Arkansas und Rio Grande sowie der westwärts strömenden Flüsse Colorado, Sacramento, Snake und Columbia. Die Flüsse werden zur Wasserversorgung der Städte und zur Bewässerung von Agrarflächen genutzt, so dass sich bei einigen Flüssen die Wassermenge mit zunehmendem Verlauf reduziert.

Die fünf Großen Seen – Ontario-, Erie-, Huron-, Michigansee und Oberer See – befinden sich in eiszeitlich entstandenen Becken. Nur der Michigansee liegt vollständig auf dem Gebiet der Vereinigten Staaten; durch die anderen vier Seen verläuft die Grenze zu Kanada. Eiszeitliche Gletscher haben darüber hinaus Zehntausende kleinerer Seen hinterlassen, die verstreut über den gesamten Nordosten der USA, den Mittelwesten und große Teile Alaskas liegen. Der Große Salzsee in Utah und andere kleinere Salzseen sind Überbleibsel größerer pleistozäner Seen.

3. Klima

Aufgrund ihrer Ausdehnung und Topographie haben die Vereinigten Staaten von Amerika Anteil an mehreren Klimazonen. Der Norden liegt im kühl- bis warmgemäßigten Bereich des Westwindgürtels. Der Süden und Südosten des Landes leiten zu den sommerfeuchten Randtropen über. Der Südwesten ist subtropisch, im Lee der Gebirge ist das Klima von Trockenheit gekennzeichnet. An Teilen der kalifornischen Küste herrscht winterfeuchtes Mittelmeerklima. Auf Hawaii ist das Klima tropisch-feucht. Alaska ist im Norden arktisch, im Süden maritim geprägt.

Während die feuchten pazifischen Luftmassen sich an den in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Kordilleren im Westen abregnen und dort Jahresniederschläge von bis zu 3 000 Millimetern erreicht werden, können polare und tropische Luftmassen in Ermangelung eines von West nach Ost gerichteten Hindernisses ungehindert aufeinandertreffen. Dieser Übergang ist häufig abrupt und führt gelegentlich zur Bildung von Tornados. Im Bereich der Golf- und der Atlantikküste kommt es häufig zur Bildung von Hurrikanen. Das Landesinnere ist sehr kontinental geprägt, die Temperaturunterschiede im Jahresverlauf sind hoch. An der Ostküste sind die Jahresniederschläge wieder höher. Sie liegen hier um 1 000 Millimeter, im Südosten können 2 500 Millimeter erreicht werden. Die trockensten Gebiete liegen im Regenschatten der Gebirgsketten im Westen; hier treten in manchen Jahren weniger als 200 Millimeter Niederschlag auf.

4. Flora und Fauna

Die Vereinigten Staaten von Amerika waren die erste Nation der Welt, die bereits 1872 ein Gebiet zum Nationalpark (Yellowstone-Nationalpark) erklärten. Der Flächen- und Gebietsschutz erstreckt sich heute auf etwa 23,1 Prozent (2007) der Gesamtfläche des Landes, zum größten Teil auf weitläufige Gebiete, die sich in Alaska bzw. den westlichen Bundesstaaten befinden.

Zu Beginn der europäischen Besiedelung war ungefähr die Hälfte des heutigen Staatsgebiets bewaldet; heute sind es noch 31,5 Prozent. Im nördlichen Alaska herrscht Tundrenvegetation mit Flechten und Moosen vor; im Yukon-Becken dominiert borealer Nadelwald mit Weißfichten, im südlichen Küstenbereich wachsen Sitkafichten. Die Sitkafichte gedeiht auch in höheren und niederschlagsreichen Gebieten der Rocky Mountains; hier sind außerdem Douglasie, Mammutbaum und Ponderosakiefer anzutreffen. In den Wäldern im Nordosten und Osten der USA sind Tannen, Fichten, Kiefern, Eichen, Buchen und Ahorn zu finden. In den feuchten Regionen Floridas und Louisianas wachsen Farne, Kletterpflanzen, Epiphyten und Sumpfzypressen. Nach Westen nimmt aufgrund der zunehmenden Kontinentalität das Waldland ab, es folgt baumarme Prärie. Bei Niederschlägen unter 200 Millimetern ist noch weiter westlich Kurzgrastrockensteppe anzutreffen, im heißeren Texas gedeihen Pflanzen, die zur Dornstrauchsavanne zu rechnen sind. Ein großer Teil Kaliforniens wird von einer Hartlaubstrauchformation eingenommen – dem so genannten Chaparral.

Die natürliche Vegetation Hawaiis wird nicht nur durch das Klima, sondern auch durch die isolierte Lage der Inseln bestimmt. An den Nordostflanken kommt es zu ergiebigen Steigungsregen durch die Passatwinde. Hier herrschen Jahresniederschläge von über 10 000 Millimetern vor, die das Wachstum von Regenwäldern begünstigen. Auf den hohen Bergen gedeiht Buschwald, auf den höchsten Gipfeln des Mauna Loa und Mauna Kea sind alpine Matten anzutreffen. Der Südwesten befindet sich im Windschatten und ist relativ trocken. Hier wächst Busch- und Strauchvegetation mit Hartlaubgewächsen.

Zu den bekanntesten Säugetierarten der Vereinigten Staaten gehören Bisons, Wapitis (amerikanische Rothirsche), Elche, Braunbären (mit den Unterarten Grizzlybär und Kodiakbär), Schwarzbären, Pumas, Wölfe, Kojoten und Nordamerikanische Biber; in den Prärien sind Präriehunde verbreitet. Lebten um 1800 noch rund 40 Millionen Bisons in den Prärien Nordamerikas, waren es 100 Jahre später nur noch etwa 1 000. Heute hat sich der Bestand aufgrund strenger Schutzvorschriften erholt und liegt bei etwa 200 000 Tieren. Ebenso hat die Zahl der Pumas im Westen der Vereinigten Staaten in neuerer Zeit wieder zugenommen, wie auch der Bestand der Kojoten im Osten.

Zu den Greifvögeln gehören das Wappentier der USA, der Weißkopfseeadler, sowie Steinadler, Fischadler, Buntfalke und Rotschwanzbussard. Vom Kalifornischen Kondor, einem Neuweltgeier aus der Verwandtschaft der Störche, gibt es nur noch wenige Exemplare. Eulenarten sind u. a. Schreieule, Amerikanischer Uhu, der winzige Elfenkauz und die auch in Eurasien vorkommenden Spezies Schleiereule, Sperbereule und Schnee-Eule. Dem europäischen Ziegenmelker nahe verwandt ist die Falkennachtschwalbe. Bekannt sind die schnell am Boden laufenden Rennkuckucke. In den Vereinigten Staaten gibt es etwa zwei Dutzend Kolibriarten. Zur Reptilienfauna gehören der vor allem im Südosten lebende Mississippi-Alligator sowie Leguane, Geckos, Rennechsen, Gila-Krustenechsen, Schlangen (u. a. Klapperschlangen, Strumpfbandnattern, Schwarznattern) und Schildkröten (u. a. Amerikanische Sumpfschildkröte, Zierschildkröte, Diamantschildkröte, Gopherschildkröte).

3. Bevölkerung

Die Einwohnerzahl der Vereinigten Staaten beträgt etwa 304 Millionen (2008). Die Bevölkerungsdichte liegt bei 28 Einwohnern pro Quadratkilometer. Das jährliche Bevölkerungswachstum beträgt 0,9 Prozent (2008). Besonders hohe Zuwachsraten verzeichnen die Bundesstaaten Kalifornien, Texas und Florida.

74 Prozent der Bevölkerung sind Weiße, 13 Prozent Schwarze, 10 Prozent Hispanics, 2 Prozent asiatischer und 1 Prozent indianischer Abstammung. In einigen Städten stellen Schwarze die stärkste ethnische Gruppe; so beträgt ihr Anteil an der Bevölkerung der Hauptstadt Washington 71 Prozent. Auf Hawaii stellen Weiße mit einem Anteil von rund einem Drittel die größte Bevölkerungsgruppe. Erhebliche Anteile verzeichnen auch Japaner, Polynesier und Filipinos. In Alaska sind bei weißer Bevölkerungsmehrheit 8 Prozent Eskimo, 5 Prozent Indianer und 2 Prozent Alëuten.

Die Vereinigten Staaten von Amerika verzeichnen traditionell hohe Einwanderungsraten. Während lange Zeit die meisten Immigranten aus europäischen Staaten kamen, überwiegt seit einigen Jahren der Zustrom aus den Ländern Lateinamerikas sowie Ost- und Südostasiens. Auch wenn die Gleichberechtigung aller Staatsbürger gesetzlich festgeschrieben ist, bestehen große Spannungen zwischen Angehörigen einzelner ethnischer Gruppen. Von sozialen Benachteiligungen sind neben der schwarzen Bevölkerung auch die Bürger lateinamerikanischer und asiatischer Abstammung und vor allem die Indianer betroffen. Diesen wurden erst 1924 die staatsbürgerlichen Rechte zuerkannt. Der überwiegende Teil der indianischen Bevölkerung lebt in den mehr als 250 Reservaten.

1. Wichtige Städte

80,8 Prozent (2005) der Bevölkerung der Vereinigten Staaten leben in Städten. Die größten Städte sind New York (8,21 Millionen), Los Angeles (3,85 Millionen), Chicago (2,83 Millionen), Houston (2,14 Millionen), Philadelphia (1,45 Millionen), Phoenix (1,51 Millionen), San Diego (1,26 Millionen), Dallas (1,23 Millionen) und Detroit (887 000). Die Einwohnerzahlen der Agglomerationen liegen mitunter um ein mehrfaches höher. Charakteristisch für das Land ist die Ballung von benachbarten Großstädten auf relativ kurzer Distanz. Dies liegt daran, dass sich die randlichen Zonen der Großstädte immer weiter ausdehnen. Ein solche Megalopolis stellt der Verdichtungsraum zwischen Boston und Washington an der Ostküste der USA dar. In dieser auch „Boswash” genannten, etwa 800 Kilometer langen Verstädterungszone leben rund 40 Millionen Menschen und damit fast ein Sechstel der Gesamtbevölkerung des Landes.

2. Sprache

Die Amtssprache ist Englisch, regional auch Spanisch. Amerikanisches Englisch unterscheidet sich vom britischen Englisch in der Rechtschreibung, Aussprache, Zeichensetzung und in einigen Fällen sogar im Wortschatz. Immigranten aus lateinamerikanischen Ländern sprechen Spanisch. Viele Einwanderer der ersten, zweiten oder sogar der dritten Generation sprechen weiterhin ihre Muttersprache. Ein Teil der indigenen Bevölkerung beherrscht neben Englisch auch noch die Sprache ihrer Vorfahren (siehe Indianersprachen).

3. Religion

Um ihrem Glauben gemäß und ohne Einspruch der Kirche von England leben zu können, wanderten Separatisten und Puritaner im 17. Jahrhundert nach Nordamerika aus. Als erste Siedlergruppe gründeten die so genannten Pilgerväter 1620 die Plymouth-Kolonie. Die Kirchengemeinden der Separatisten waren als eigenständige Glaubensgemeinschaften organisiert, deren Mitglieder sich durch religiöse Bekenntnisse aneinanderbanden. Bis 1691 war die Massachusetts-Bay-Kolonie eine Theokratie, in der Kirchenbesuch Pflicht und die Kirchenmitgliedschaft Voraussetzung für Wahlrecht und Ämterübernahme waren. Anderen Glaubensgemeinschaften gegenüber, vor allem Baptisten und Quäkern, war man nicht eben wohlgesonnen.

In der atlantischen Küstenregion, die Virginia, North und South Carolina und Georgia umfasste, dominierte die Kirche von England. Alle Siedler mussten Steuern an sie zahlen. Nichtanglikanische Geistliche, beispielsweise Baptisten oder Presbyterianer, unterlagen häufig dem Predigtverbot und durften keine Trauungen durchführen.

In den mittelatlantischen Kolonien herrschte ein günstigeres Klima für Religionsfreiheit. Die ersten europäischen Siedler dort waren Niederländer, die 1625 die Kolonie Neuniederlande ausriefen und die reformierte Kirche einführten. 1654 kam die erste Gruppe jüdischer Siedler in deren Hauptstadt Neuamsterdam. Nachdem die Engländer 1664 Neuniederlande unterworfen hatten, gewann die Kirche von England auch dort Einfluss. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts war sie die führende Kirche in den vier einwohnerstärksten Countys der Kolonie New York. Pennsylvania wurde 1681 mit königlicher Charta von dem englischen Quäker William Penn als Heimat für Gläubige aller Bekenntnisse gegründet. Methodisten siedelten in dieser Region, vor allem in New York, ab der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war die Bevölkerung überwiegend protestantisch. Ab etwa 1820 stieg die Zahl der Katholiken mit der Ankunft irischer Einwanderer stark an. Zwischen 1845 und 1855 wanderten über eine Million Iren nach Amerika aus. Nach der gescheiterten Revolution von 1848 kamen viele Deutsche evangelischen Glaubens in die Vereinigten Staaten. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kamen die meisten Einwanderer aus Ländern Süd- und Osteuropas, vor allem aus Italien, Österreich, Ungarn und Russland – diese waren meist Katholiken und Juden.

Unter den religiösen Entwicklungen des 19. Jahrhunderts ist die Gründung verschiedener US-Kirchen zu nennen, so die Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage, besser bekannt als Mormonen, die Christian Science, die Siebenten-Tags-Adventisten und die Zeugen Jehovas. Heute ist die katholische Kirche die größte Einzelkirche der USA und repräsentiert circa ein Viertel der Bevölkerung. Zu den großen protestantischen Kirchen gehören die Baptisten (19,4 Prozent), Methodisten (8 Prozent), Presbyterianer (2,8 Prozent), die Pfingstbewegung (1,8 Prozent) und Episkopalisten (1,7 Prozent). Größte nichtchristliche Religion in den USA ist das Judentum (2 Prozent); Islam, Buddhismus und Hinduismus haben ebenfalls bedeutende Mitgliederzahlen.

3.1. Feiertage

Alle Bundesstaaten haben eigene Feiertage, selbst in einigen Städten werden besondere Festtage begangen. Feiertage sind z. B. der Neujahrstag (1. Januar), der Geburtstag von Martin Luther King, der Präsidententag (am dritten Montag im Februar), Memorial Day (am letzten Montag im Mai zum Gedenken an gefallene Soldaten), der Unabhängigkeitstag (4. Juli), Tag der Arbeit (am ersten Montag im September), Kolumbustag (am zweiten Montag im Oktober), Veteranentag (11. November), Thanksgiving Day (Erntedankfest, am vierten Donnerstag im November) und Weihnachten (25. Dezember). Einige Feiertage werden nur von bestimmten Bevölkerungsgruppen oder in bestimmten Regionen begangen. Groundhog Day (2. Februar) z. B. ist ein Fest auf dem Land, bei dem ein offener Behälter mit einem Murmeltier aufgestellt wird. Kriecht es heraus, so kündigt es eine Verlängerung des Winters um sechs Wochen an. Der Valentinstag (14. Februar) wird wie in der Bundesrepublik Deutschland gefeiert. Saint Patrick’s Day (17. März) wird zu Ehren des irischen Nationalheiligen mit Paraden begangen, alles ist dann festlich geschmückt. Halloween (31. Oktober) hat seinen Ursprung in alten britischen Herbstfesten, mit denen böse Geister vertrieben und die Ernte gefeiert werden sollte. Jüdische Festtage sind u. a. Rosch Haschana (das jüdische Neujahrsfest) im September oder Oktober (nach dem Mondkalender) und Jom Kippur (der Versöhnungstag).

4. Soziales

Gemäß dem kooperativen Föderalismus finanzieren die Regierungen von Bund und Einzelstaaten die Sozialleistungen für den einzelnen Bürger. Das Sozialversicherungsgesetz von 1935 sichert Lohnempfänger und deren Familien finanziell ab für Arbeitsunfähigkeit, Ruhestand oder Tod. Beiträge zur Sozialversicherung werden über die Lohnsummensteuer und Arbeitgeberbeiträge finanziert, Versicherungsleistungen der Inflation angepasst.

Die Regierungen auf Bundes- und Staatsebene finanzieren ferner Arbeitsbeschaffungs- und sonstige Programme der Arbeitslosenversicherung. Das staatliche Gesundheitswesen umfasst Medicare, ein Seniorenprogramm der Krankenversicherung, und Medicaid, ein Hilfsprogramm für Arme.

4. Bildung und Kultur

Der Alphabetisierungsgrad liegt in den USA bei 99,5 Prozent (1995). 83 Prozent der über 25-jährigen US-Amerikaner haben einen High-School-Abschluss, 1940 waren es circa 25 Prozent.

1. Bildung und Schulwesen

Das öffentliche und private Bildungsangebot erstreckt sich auf alle Bereiche, von der Betreuung vor dem Kindergarten bis hin zur Hochschule. Der Primar- und Sekundarunterricht umfasst zwölf Jahre Schule, an deren erfolgreichem Abschluss ein High-School-Zeugnis steht. Theoretisch liegt die Zuständigkeit für das öffentliche US-Schulsystem bei den lokalen Behörden. In der Praxis jedoch ist diese Zuständigkeit vor Ort aufgehoben, und die einzelstaatliche Gesetzgebung bestimmt die Mittelvergabe, Schulanforderungen sowie die schulpolitischen Richtlinien und Lehrpläne. Da das öffentliche Schulsystem in die Zuständigkeit des jeweiligen Staates fällt, bestehen zwischen den Einzelstaaten zum Teil erhebliche Unterschiede.

Das öffentliche Primar- und Sekundarschulsystem wird in dreifacher Zuständigkeit finanziert: lokal, einzelstaatlich und bundesstaatlich. Ein Problem, das sich aus der großen Abhängigkeit der Schulfinanzierung vom regionalen Steueraufkommen ergibt, sind die großen Qualitätsunterschiede im Bildungsangebot. Wohlhabende Gemeinden können mehr Mittel pro Schüler zur Verfügung stellen als einkommensschwache Gemeinden oder Bezirke.

1.1. Rassentrennung

Vor dem Amerikanischen Bürgerkrieg war Rassentrennung im öffentlichen Schulsystem die Regel. Mit Ausnahme von Kentucky und Maryland bestanden in jedem Staat des Südens Gesetze, die Schwarzen den Schulbesuch untersagten. Ab 1867 entstanden in verschiedenen Teilen des Südens Schulen für Afroamerikaner. Noch fast ein Jahrhundert lang, bis 1954, herrschte per einzelstaatlicher Gesetzgebung in den meisten Schuleinrichtungen des Südens Rassentrennung. In dem berühmten Rechtsstreit des Klägers Brown gegen die Schulbehörde von Topeka von 1954 erklärte der Oberste Gerichtshof der USA die Rassentrennung für gesetzwidrig.

1.2. Hochschulwesen

Die ersten Hochschulen der späteren USA wurden zwischen Mitte des 17. und Mitte des 18. Jahrhunderts gegründet. Zu ihnen gehören: Harvard University, College of William and Mary, Yale University, Universität von Pennsylvania, Princeton University, Columbia University, Brown University, Rutgers University und Dartmouth College. Diese privaten Hochschulen bereiteten ihre Studenten ursprünglich auf theologische, juristische und medizinische Laufbahnen und Lehrberufe vor.

Auch im US-Hochschulwesen herrschte früher wie im Primar- und Sekundarbereich Rassentrennung. Vor 1954 fanden die meisten Afroamerikaner Zugang zu den Hochschulen nur über solche Colleges und Universitäten, die – fast sämtlich in den Südstaaten – speziell für afroamerikanische Bürger eingerichtet worden waren. Mit dem schrittweisen Abbau der Rassenschranken schrieben sich mehr und mehr Afroamerikaner auch an „weißen” Hochschulen ein.

1.3. Akkreditierung

Ein besonderes Merkmal des US-Hochschulwesens ist das Verfahren der so genannten Akkreditierung, das eine freiwillige Selbstbewertung der jeweiligen Hochschule und die Bewertung durch qualitativ ebenbürtige Hochschuleinrichtungen umfasst. Diese Rangermittlung und Qualitätssicherung funktioniert mittels bundesweit anerkannter Akkreditierungsagenturen und Wertungsverbände sowie bestimmter Behörden der Einzelstaaten. Diese Agenturen oder Verbände haben Bildungsstandards erarbeitet, anhand derer Hochschuleinrichtungen bezüglich ihrer selbst gesteckten Bildungsziele bewertet werden und die transparent machen, ob die Forschungs- und Lehrprogramme auch tatsächlich erfüllt werden.

2. Kultureinrichtungen
2.1. Museen

Zu den bedeutendsten Kunstmuseen der USA gehören das Museum of Modern Art mit seinen Sammlungen der klassischen Moderne und das Guggenheim Museum in New York City, das Hirshhorn Museum and Sculpture Garden in Washington D.C., ebenfalls mit Sammlungen der Moderne, das San Francisco Museum of Modern Art, das Metropolitan Museum of Art in New York City, das Art Institute of Chicago, das Museum of Fine Arts in Boston, das M. H. de Young Fine Arts Museum in San Francisco, das Philadelphia Museum of Art sowie das Museum of Fine Arts in Houston.

Die USA verfügen insgesamt über mehr als 7 000 Museen. Zu den bekanntesten Naturkunde- und naturwissenschaftlichen Museen zählen das American Museum of Natural History in New York City, die Smithsonian Institution in Washington D.C., das Field Museum of Natural History sowie das Museum of Science and Industry in Chicago, die Academy of Natural Sciences of Philadelphia, die Maryland Academy of Sciences in Baltimore und das Natural History Museum of Los Angeles County.

2.2. Bibliotheken

Von den rund 32 000 Bibliotheken und deren Zweigstellen sind circa 48 Prozent öffentliche Einrichtungen, rund 4 600 sind College- und Universitätsbibliotheken. Größte Bibliothek ist die Kongressbibliothek in Washington D.C. Andere Bibliotheken mit großen Sammlungen sind einige der Stadtbibliotheken sowie die Universitätsbibliotheken von Harvard, Stanford, Yale und Berkeley.

2.3. Orchester und Ballett

1842 wurde mit der Philharmonic Society of New York das erste Sinfonieorchester des Landes gegründet. Die ersten Musikkurse eines Konservatoriums fanden 1865 am Oberlin College statt. Die bedeutendsten US-Sinfonieorchester sind das Boston Symphony Orchestra, das Chicago Symphony Orchestra, die New York Philharmonic, das Philadelphia Orchestra und das San Francisco Symphony. Neben diesen großen Orchestern gibt es eine wachsende Zahl von Kammermusikensembles an Universitäten und in den Städten wie das Juilliard String Quartet, das Guarneri String und das Kronos Quartet. Die führenden Opernhäuser sind die Metropolitan Opera in New York City, die New York City Opera, die Lyric Opera of Chicago, die San Francisco Opera, die Washington Opera und die Houston Grand Opera.

Das New York City Ballet und das American Ballet Theatre, beide in den dreißiger Jahren gegründet, haben erheblichen künstlerischen Einfluss auf die zeitgenössische Ballettszene der Vereinigten Staaten. Andere wichtige Ballettensembles sind die Kompanien von Merce Cunningham und Paul Taylor, das San Francisco Ballet, das Joffrey Ballet in New York City, das Dance Theatre of Harlem, das Alvin Ailey American Dance Theatre, das Tulsa Ballet, das Boston Ballet und das Pennsylvania Ballet in Philadelphia. Sehr bekannte Choreographen sind George Balanchine, Jerome Robbins und Merce Cunningham. Siehe auch Tanz, populärer Tanz

2.4. Theater

Das Theater in den USA erlebte in den achtziger Jahren einen Zuschauerboom. Die Broadwaybühnen stützten sich neben der Inszenierung neuer Stücke sehr stark auf Revivals, lang laufende Stücke und Shows. Theater konzentrieren sich in den größten Städten. Bekannte experimentelle Ensembles sind das The New York Shakespeare Festival, La Mama Etc., der Experimental Theatre Club, einige Theatertruppen in Los Angeles und San Francisco und die Guthrie Theatre Company in Minneapolis. Arthur Miller, Edward Albee, Neil Simon und Sam Shepard gehören heute zu den bekanntesten zeitgenössischen Dramatikern. Musical-Ensembles finden wachsenden Zuspruch unter dem Einfluss einiger besonders kreativer Gruppen wie denen von Richard Rodgers und Oscar Hammerstein II. oder auch Alan Jay Lerner und Frederick Loewe.

2.5. Literatur

Mit Werken wie The Last of the Mohicans (1826; Der Letzte der Mohikaner) und The Prairie (1827; Die Prairie) avancierte James Fenimore Cooper zum ersten bedeutenden Romancier der amerikanischen Literatur. Zur Zeit der amerikanischen Romantik Mitte des 19. Jahrhunderts konnten Nathaniel Hawthorne mit The Scarlet Letter (1850; Der scharlachrote Buchstabe) und The House of the Seven Gables (1851; Das Haus mit den sieben Giebeln) sowie Herman Melville mit Moby Dick (1851) diese Tradition innovativ weiterschreiben. Harriet Beecher Stowe schuf mit ihrem Bestseller Uncle Tom’s Cabin (Onkel Toms Hütte) 1852 nicht zuletzt eine Streitschrift gegen die Sklaverei.

Dem amerikanischen Realismus, der vom Ende des Bürgerkrieges bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts bestimmend war, sind sehr unterschiedliche Autoren zuzurechnen, darunter Mark Twain mit seinen Jugenderzählungen Tom Sawyer (1876; Die Abenteuer des Tom Sawyer) und Huckleberry Finn (1884; Huckleberry Finns Abenteuer) oder Henry James, dessen Romane The Portrait of a Lady (1881; Bildnis einer Dame) und The Ambassadors (1903; Die Gesandten) Meilensteine des psychologischen Realismus sind.

Theodore Dreiser (Sister Carrie, 1900; Schwester Carrie; An American Tragedy, 1925; Eine amerikanische Tragödie) verschrieb sich der Schilderung des industriellen Alltags und gilt als Wegbereiter des amerikanischen Naturalismus, zu dem auch F. Scott Fitzgerald (The Great Gatsby, 1925; Der große Gatsby) zugerechnet wird. Sinclair Lewis (Main Street, 1920; Die Hauptstraße; Babbitt, 1922) war der erste Literatur-Nobelpreisträger der USA: Ihm folgte Ernest Hemingway, der 1954 die Auszeichnung erhielt und zu dieser Zeit bereits durch Werke wie The Sun also Rises (1926; Fiesta) und A Farewell to Arms (1929; In einem anderen Land) berühmt geworden war. William Faulkner leistete Innovatives zur literarischen Technik der Moderne, vor allem mit The Sound and the Fury (1929; Schall und Wahn), Light in August (1932; Licht im August) oder Absalom, Absalom! (1936; Absalom, Absalom!). Noch radikaler experimentierte Gertrude Stein (The Making of Americans, 1925; Everybody’s Autobiography, 1936) mit der Sprache.

Hemingway und Faulkner bestimmten auch in den fünfziger Jahren die literarische Landschaft. Daneben traten der Nobelpreisträger von 1962, John Steinbeck (The Grapes of Wrath, 1939; Früchte des Zorns), Robert Penn Warren (All the King’s Men, 1946; Der Gouverneur), James Jones (From Here to Eternity, 1951; Verdammt in alle Ewigkeit), James Baldwin (Go Tell it on the Mountain, 1953), Norman Mailer (The Naked and the Dead, 1948; Die Nackten und die Toten.The Executioner’s Song, 1979; Gnadenlos: Das Lied des Henkers) und Vladimir Nabokov (Lolita, 1955; Lolita und Pale Fire, 1962; Fahles Feuer). Bedeutende zeitgenössische Schriftsteller sind u. a. Flannery O’Connor (Wise Blood, 1952), Carson McCullers (The Heart is a Lonely Hunter, 1940; Das Herz ist ein einsamer Jäger), Eudora Welty (The Ponder Heart, 1954; The Optimist’s Daughter, 1969; Die Tochter des Optimisten), Saul Bellow (The Adventures of Augie March, 1953; Die Abenteuer des Augie March und Humboldt’s Gift, 1975; Humboldts Geschenk; Nobelpreis 1976), Kurt Vonnegut (Slaughterhouse-Five, 1969; Schlachthof 5), John Updike (Rabbit, Run, 1960; Hasenherz), der Nobelpreisträger von 1993, Toni Morrison (Beloved, 1987; Menschenkind) und Alice Walker (The Color Purple, 1982; Die Farbe Lila).

Eine eigenständige amerikanische Lyrik entstand im 19. Jahrhundert mit Edgar Allan Poe, Walt Whitman (Leaves of Grass, 1855; Grashalme) und Emily Dickinson. Die amerikanische Dichtung der Moderne fand in den dramatischen Gedichten von Robert Frost, den Cantos von Ezra Pound und in The Waste Land (1922; Das wüste Land) von T. S. Eliot ihren Anfang. Weitere bedeutende Lyriker des 20. Jahrhunderts sind Wallace Stevens, William Carlos Williams, Anne Sexton, Robert Lowell, Allan Ginsberg, Richard Wilbur und Adrienne Rich.

2.6. Musik

Im 20. Jahrhundert errangen US-amerikanische Komponisten wie Charles Ives, Virgil Thomson, Aaron Copland, George Gershwin, Leonard Bernstein und John Cage Weltgeltung. Gospel, Blues und Jazz sind Schöpfungen der Afroamerikaner, bedeutende Interpreten Louis Armstrong, Billie Holiday, Duke Ellington und Miles Davis.

Siehe auch US-amerikanische Musik; Popmusik

2.7. Film

Seit den zwanziger Jahren dominieren die USA den Filmmarkt. In Hollywood entstanden ab den zehner Jahren zahlreiche große Produktionsfirmen, die mit ihrem Erzählkino und der Herausbildung von Genres die Filmästhetik weltweit stark beeinflussten. Zu den führenden Vertretern des frühen amerikanischen Films gehören David Wark Griffith, der entscheidend zur technischen und ästhetischen Fortentwicklung des neuen Mediums beitrug, sowie in der Folge John Ford und Howard Hawks. Das Hollywoodkino wurde auch bestimmt durch eine ganze Reihe von europäischen Immigranten wie Charlie Chaplin, Alfred Hitchcock, Ernst Lubitsch, Billy Wilder u. a. In den sechziger Jahren trat eine neue Generation von Filmemachern hervor, die unter dem Namen New Hollywood zusammengefasst werden, darunter Robert Altman oder Francis Ford Coppola.

Siehe auch amerikanischer Film

2.8. Architektur

In der Frühzeit der USA folgte die Architektur des Landes britischen Mustern. Der erste eigenständige Beitrag zur amerikanischen Architektur war das Hochhaus bzw. der Wolkenkratzer, der im Chicago des späten 19. Jahrhunderts von Architekten wie Louis Henri Sullivan entworfen wurde. Spätere Entwicklungen nahmen die Neuerungen der europäischen Moderne auf, die zum typisch schachtelförmigen Glasfront-Wolkenkratzer amerikanischer Städte führten. Ein erstes Beispiel dieser Bauweise ist das Hauptverwaltungsgebäude der Vereinten Nationen in New York City. Seit den achtziger Jahren entstanden bedeutende Werke der Postmoderne, so das AT&T Building in New York City von Philip Johnson oder das Public Office Building von Michael Graves in Portland (Oregon).

2.9. Kunst

Zu den bekannten Werken der amerikanischen Kunst des 18. Jahrhunderts gehören die Porträts historischer Persönlichkeiten des Malers John Singleton Copley. Die Landschaftsmalerei etwa von Asher B. Durand, der Hudson River School oder die dramatischen Meeresbilder von Winslow Homer stießen im 19. Jahrhundert auf große Resonanz, ebenso wie Thomas Eakins mit seinen eindrucksvollen realistischen Porträts.

Die europäische Moderne beeinflusste viele Maler wie etwa John Marin und Georgia O’Keeffe. Die umfangreichste Sammlung dieser Kunstrichtung befindet sich im Museum of Modern Art, das 1929 in New York City gegründet wurde. Hier werden u. a. Exponate des abstrakten Expressionismus von Willem de Kooning, Jackson Pollock, Mark Rothko und Robert Motherwell oder des Bildhauers David Smith gezeigt; daneben findet sich Pop-Art von Andy Warhol, Roy Lichtenstein und George Segal.

Weitere Informationen siehe Malerei, Skulptur.

3. Medien

Sämtliche US-Radio- und -Fernsehstationen müssen von der Federal Communications Commission lizenziert werden. Rund 1 300 Fernsehstationen sind in Betrieb. Alle Einzelstaaten verfügen über Fernsehsender, über 40 Prozent sind in den folgenden neun Staaten konzentriert: Texas, Kalifornien, New York, Florida, Pennsylvania, Ohio, Michigan, Illinois und Georgia. Eine schnell wachsende Zahl von US-Haushalten (etwa 57 Millionen) verfügt über Kabelfernsehen; über 98 Prozent aller US-Haushalte besitzen mindestens einen Fernsehapparat.

Es gibt mehr als 10 000 kommerzielle US-Radiostationen und 1 486 Tageszeitungen (2004). Diese haben eine Gesamtauflage von etwa 57 Millionen. Wichtigste Tageszeitungen mit jeweils über einer Million Auflage sind das in New York City verlegte Wall Street Journal, USA Today (Arlington, Virginia), Los Angeles Times, New York Times und New York Daily News. Weitere führende Tageszeitungen mit über 500 000 Auflage sind die Washington Post und die Chicago Tribune.

In den USA erscheinen über 11 000 Zeitschriften. Jährlich werden etwa 50 000 neue Bücher publiziert und etwa zwei Milliarden Bücher verkauft.

5. Verwaltung und Politik

Die Vereinigten Staaten sind eine präsidiale Bundesrepublik mit einer bundesstaatlichen Verfassung. Die Verfassung der Vereinigten Staaten wurde 1787 von einem Konvent entworfen, bis Juni 1788 mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit der Einzelstaaten ratifiziert und trat 1789 in Kraft. Die letzten Änderungen erfolgten 1992. Für Ergänzungen oder Änderungen der Verfassung ist eine Zweidrittelmehrheit in beiden Häusern des US-Kongresses erforderlich, oder ein extra einberufener Nationalkonvent beschließt unter der Zustimmung einer Dreiviertelmehrheit in den Parlamenten der Bundesstaaten. Die ersten zehn Verfassungszusätze, die Bill of Rights, wurden 1791 angenommen. Sie beinhalten die Rechte auf freie Rede, Religion und Presse, die Rechte auf Versammlungsfreiheit und auf Eingabe bei der Regierung sowie verschiedene Rechte im ordentlichen Gerichtsverfahren und in der Strafprozessordnung. 26 weitere Verfassungszusätze wurden seit der ursprünglichen Verfassung aufgenommen, so z. B. die Abschaffung der Sklaverei, die Einführung der Einkommensteuer und das allgemeine Wahlrecht für Bürger ab 18 Jahren.

1. Exekutive

Artikel II der Verfassung regelt die Wahl des US-Präsidenten und des Vizepräsidenten für eine vierjährige Amtszeit mittels Stimmenmehrheit des Wahlmännerkollegiums. Der 22. Verfassungszusatz (von 1951) begrenzt die Dauer auf maximal zwei Amtszeiten. Durch Gesetze der einzelnen Staaten und des Districts of Columbia werden Wahlmänner und -frauen in allgemeiner Wahl gewählt.

Der amerikanische Präsident ist sowohl Staatsoberhaupt als auch Regierungschef. Die exekutive Gewalt des Bundes liegt in seiner Hand. Außerdem ist er Vorsitzender seiner Partei und Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Nach dem Gesetz arbeitet der Präsident einen Haushalt und einen Wirtschaftsbericht aus, die er jährlich im Kongress einbringt. Schließlich ist er Vorgesetzter der verschiedenen Bundesministerien und Bundesbehörden.

Der Präsident wird in seinen Aufgaben von einem weit verzweigten Beraternetz unterstützt. Seine Berater im Weißen Haus – Amtssitz und Privatresidenz des US-Präsidenten – unterstützen ihn in Sachfragen, bei der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, überwachen seine Termine und bereiten seine Dienstreisen vor. Sie halten die Verbindungen zum Kongress, zu den Bundesministerien, Lobbyistengruppen und zur Partei des Präsidenten. Behörden im Präsidentenamt sind: Office of Management and Budget, das die Haushaltsvorschläge des Präsidenten erarbeitet und die Bundesausgaben überwacht; Nationaler Sicherheitsrat, der die US-Verteidigungspolitik koordiniert; Wirtschaftsrat. Mitglieder des US-Kabinetts sind die verschiedenen Bundesminister und wenige andere hohe Beamte wie der Leiter der Central Intelligence Agency (CIA) und der US-Botschafter bei den Vereinten Nationen (UNO). Das Kabinett hat keine eigenen Machtbefugnisse.

Die Regierung als exekutive Gewalt umfasst 14 Ministerien: Auswärtige Angelegenheiten, Finanzen, Verteidigung, Justiz, Inneres, Landwirtschaft, Arbeit, Gesundheit und Soziales, Bildung, Wohnungswesen, Stadtentwicklung, Transport, Energie sowie Veteranen. Einige Bundesbehörden werden nicht unmittelbar vom Präsidenten geleitet, z. B. unabhängige Einrichtungen wie der Zwischenstaatliche Wirtschaftsrat, die Bundesbehörde für Kommunikation und die US-Bundesbank.

2. Legislative

Die Legislative geht gemäß Artikel I der Verfassung der Vereinigten Staaten vom Kongress aus. Er setzt sich aus zwei Kammern zusammen, dem Senat und dem Repräsentantenhaus. Der Senat besteht aus 100 Senatoren, zwei aus jedem Bundesstaat. Dieser Verfassungsgrundsatz kann durch keinen Verfassungszusatz geändert werden. Die 435 Abgeordneten des Repräsentantenhauses werden von den Einzelstaaten entsprechend deren jeweiliger Einwohnerzahl nach der jüngsten Volkszählung gewählt. Kalifornien stellt mit 52 die meisten Abgeordneten; einige Staaten wie Delaware und Vermont haben nur je einen Abgeordneten. Diese Parlamentarier werden für eine Amtszeit von je zwei Jahren gewählt, Senatoren für sechs Jahre.

Die Legislative umfasst ferner Behörden wie die Haushaltsbehörde des Kongresses, die Allgemeine Finanzbehörde, die Kongressbibliothek und die Druckerei der US-Bundesregierung.

3. Judikative

Das System der US-Bundesgerichtsbarkeit ist im Artikel III der Verfassung der Vereinigten Staaten geregelt. Die Judikative umfasst den Obersten Gerichtshof der USA, per US-Verfassung gegründet, und zwölf Berufungsgerichte (manchmal Bezirksgerichte genannt), 91 Distriktgerichte und Gerichte mit besonderer Zuständigkeit wie das Steuergericht, Klagegericht (Claims Court) und das Berufungsgericht für Veteranen. Sie alle werden vom Kongress eingesetzt.

US-Bundesgerichte haben nach der amerikanischen Verfassung zwei Funktionen. Sie legen erstens die erlassenen Gesetze und administrativen Verordnungen aus (statutory construction). Zweitens wachen die Bundesgerichte darüber, ob ein vom Kongress oder einem einzelstaatlichen Parlament verabschiedetes Gesetz bzw. eine von der US-Bundesregierung oder von einer Staatsregierung beschlossene Regierungsmaßnahme gegen die US-Verfassung verstößt; dieses Verfahren wird Gesetzesprüfung (judicial review) genannt. Bundesgerichte können die Gesetze oder Entscheidungen auf nationaler bzw. einzelstaatlicher Ebene, die gegen die US-Verfassung verstoßen, für null und nichtig erklären.

4. Kommunalverwaltung

Die amerikanische Verfassung sieht ein föderales System vor, dem zufolge die nicht bei der Bundesregierung liegenden Zuständigkeiten von den einzelnen Bundesstaaten wahrgenommen werden. Diese dürfen keine eigenen auswärtigen Beziehungen pflegen, keine Verträge mit dem Ausland abschließen, in Bündnisse eintreten oder Zölle erheben. Des Weiteren haben die einzelnen Staaten kein Münzrecht, dürfen weder Steuern auf den zwischenstaatlichen Handel erheben noch den Personenverkehr über ihre Grenzen hinweg verhindern. Sie können jedoch mittels zwischenstaatlicher Verträge zusammenarbeiten, die allerdings der Zustimmung des US-Kongresses bedürfen. Derartige Verträge betreffen oft Wasserressourcen, Schifffahrt, Umweltschutz, Hafenentwicklung etc.

Die Regierungen des Landes und der Staaten arbeiten eng zusammen. Die Kooperation umfasst z. B. projektbezogene Finanzierungsprogramme, wobei nach vorgegebenen Kriterien bis zu 90 Prozent der Projektkosten vonseiten der Regierung getragen werden. Projektträger ist der Einzelstaat. Darüber hinaus werden projektungebundene Mittelzuweisungen für allgemeine Zwecke wie Bildung oder kommunale Entwicklung gewährt. Staatseinkünfte leitet die nationale Regierung jährlich zum Teil an die Staaten und Kommunen weiter.

Zu den Hauptaufgaben der Einzelstaaten gehört die qualifizierte Überwachung der Einhaltung aller Wahlrechtsbestimmungen, Durchführung von staatlichen und Bundeswahlen, Überwachung von städtischen und County-Regierungen bzw. Verwaltungen, Förderung und Regelung von Wirtschaft, Industrie und Landwirtschaft sowie Unterhalt von Straßen, Gefängnissen, Krankenhäusern und psychiatrischen Kliniken. Die Staaten unterhalten darüber hinaus ein breit gefächertes Hochschulsystem. Gemeinsam mit kommunalen Verwaltungseinheiten übernehmen sie Aufgaben der Sozialhilfe, medizinischen Versorgung der einheimischen Bevölkerung, beschäftigungspolitische und weitere soziale Leistungen.

Beinahe alle Staaten sind in Countys aufgeteilt. Die USA umfassen mehr als 3 000 Countys. Louisiana besteht aus 64 Kreisen, die den Countys vergleichbar sind. Alaska hat keinen den Countys vergleichbaren Verwaltungsaufbau. In einigen Staaten wie Connecticut haben Countys praktisch keinerlei Selbstverwaltungsfunktion. In anderen, wie etwa in Virginia, gibt es freie Städte, die damit unmittelbare politische Einheiten des Staates bilden. In den relativ dicht besiedelten Gebieten erfolgt die Einteilung nach selbst verwalteten Einheiten wie Städten und Stadtbezirken. Diese sichern Grundleistungen wie Polizei, Feuerwehr und Krankenversorgung. Bildungseinrichtungen im Grund- und Hauptschulbereich und auf High-School-Ebene werden in der Regel von Schulräten überwacht, in deren Zuständigkeit die Finanzen, Unterrichtspläne und die staatlichen Lehrerexamina liegen.

5. Politische Parteien

In den USA gibt es zwei landesweit bedeutende politische Parteien. Die Demokratische Partei wurde in den neunziger Jahren des 18. Jahrhunderts aus der Bewegung der Antiföderalisten gegründet. Sie wurde 1801 die Demokratisch-Republikanische Partei, um schließlich 1828 in Demokratische Partei umbenannt zu werden. Die Republikanische Partei wurde 1854 gegründet und entwickelte sich ab 1860 zu einer der beiden großen Parteien. Daneben treten in den meisten Bundes- und Staatswahlen nur wenig bedeutsame andere Parteien an. Kein Kandidat einer jeweils dritten Partei hat je die US-Präsidentschaftswahlen gewonnen. Auch im Kongress haben dritte Parteien nur eine geringe Rolle gespielt.

In jüngster Zeit zeichnet sich eine Teilung der Demokraten in zwei Hauptrichtungen ab. Diejenigen in den nördlichen Staaten sprechen sich in der Regel für nationale Initiativen zur Lösung sozialer Probleme aus, favorisieren stärkere Wirtschaftseingriffe der Bundesregierung und sind für eine nachdrückliche Unterstützung von Minoritäten. Die Demokraten in den südlichen Staaten sind konservativer bezüglich finanzpolitischer und wirtschaftlicher Eingriffe und der Minderheitenpolitik.

Die Republikaner sind in Wirtschaftsfragen weniger geteilt, befürworten einen Abbau von Sozialleistungen zur Entlastung des Haushalts und zur Dämpfung der Inflation sowie Steuerreduzierungen zugunsten des Wirtschaftsaufschwungs. In Fragen wie Abtreibung und Bürgerrechten zeigen sich die Republikaner ebenfalls uneinig.

6. Verteidigung

Der Präsident ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Die Befehle des Präsidenten laufen über den Verteidigungsminister zu den verschiedenen militärischen Oberkommandostellen. Die Oberbefehlshaber des Heeres, der Marine, der Luftwaffe und der Marineinfanterie bilden den Vereinigten Generalstab. Dieser berät den Präsidenten und den Kongress in militärstrategischen Fragen und spricht Empfehlungen zu Rüstungsausgaben und Waffensystemen aus.

Obwohl im Selective Service System alle männlichen Staatsbürger über 18 Jahre registriert werden, setzen sich die US-Streitkräfte seit 1973 ausschließlich aus männlichen und weiblichen Freiwilligen zusammen. Die Freiwilligenarmee umfasst rund 1,5 Millionen Soldaten (etwa 500 000 beim Heer, je rund 400 000 bei der Luftwaffe und der Marine sowie circa 200 000 bei der Marineinfanterie).

7. Internationale Organisationen

Die Vereinigten Staaten nehmen in der Weltpolitik eine herausragende Stellung ein und sind in zahlreichen internationalen Organisationen vertreten. Sie sind Mitglied der Vereinten Nationen (UNO: United Nations Organization) mit ständigem Sitz im Weltsicherheitsrat. Die USA gehören zahlreichen UN-Behörden an, wie der Internationalen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, der Internationalen Organisation für Arbeit und dem Internationalen Währungsfonds. Die USA spielen auch in zahlreichen anderen internationalen Organisationen eine tragende Rolle, wie in der Organisation Amerikanischer Staaten und der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Darüber hinaus sind sie Mitglied der NATO und des ANZUS-Pakts.

6. Wirtschaft

Die USA sind eine der bedeutendsten Industrienationen der Erde. Bis weit in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts hinein blieb die Landwirtschaft wichtigster Wirtschaftsbereich. Im Zuge des Amerikanischen Bürgerkrieges und vor allem danach setzte verstärkt die Industrialisierung des Landes ein. Während des 1. Weltkrieges war der Export von Fertiggütern bereits wichtiger als die Ausfuhr von Rohstoffen. Mit der Technisierung ging eine Mechanisierung der Landwirtschaft und deren Produktivitätssteigerung mit einer ständig abnehmenden Zahl von Arbeitskräften einher. Wichtigste Entwicklung in der Volkswirtschaft seit Ende des 2. Weltkrieges ist die Ausdehnung des Dienstleistungssektors mit staatlichen und kommerziellen Dienstleistern, Handels- und Finanzdienstleistungen.

1996 war die Wirtschaft der USA durch ein moderates Wachstum gekennzeichnet. Dieser Trend setzte sich 1997 verstärkt fort. Die Staatsverschuldung konnte beispielsweise von 49,9 Prozent (1996) auf 47,6 Prozent (1997) des Bruttoinlandsproduktes gesenkt werden. Als wichtigen Erfolg sahen Experten die Senkung der Arbeitslosenquote an – vor allem im internationalen Vergleich. Im Dienstleistungssektor sind 78 Prozent (2005) aller Erwerbstätigen beschäftigt. In der Industrie arbeiten 21 Prozent und in der Landwirtschaft 2 Prozent aller Werktätigen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt 13 164 Milliarden US-Dollar (2006; Dienstleistungen 76,7 Prozent, Industrie 22 Prozent, Landwirtschaft 1,3 Prozent), woraus sich ein BIP pro Kopf von 43 967,80 US-Dollar ergibt. Die Inflationsrate liegt bei durchschnittlich 3,20 Prozent (2006), die Wachstumsrate bei 2,90 Prozent (2006).

1. Land- und Forstwirtschaft, Fischerei

In der Landwirtschaft erwirtschaften 2 Prozent der US-Arbeitskräfte 1,3 Prozent des jährlichen Bruttoinlandsprodukts (2004). Gleichwohl sind die USA in zahlreichen Teilbereichen weltweit führend. US-Farmer produzieren mehr Agrarprodukte für den jährlichen Export als jedes andere Land.

Für die Viehwirtschaft sind vor allem Rinder von Bedeutung, die meist auf großen Ranches in den südwestlichen US-Staaten gehalten werden. Die wichtigsten Anbauprodukte sind Weizen, Mais, Sojabohnen, Tabak, Zitrusfrüchte, Kartoffeln, Zuckerrohr, Rüben, Reis und Trauben.

31,5 Prozent des US-Territoriums sind bewaldet. Ein großer Teil des eingeschlagenen Holzes ist wirtschaftlich verwertbares Nutzholz zur Gewinnung von Schnittholz, Papier und anderen Holzprodukten.

Die Fischerei ist von wirtschaftlich hoher Bedeutung. Die USA liegen weltweit, gemessen am Fanggewicht, an sechster Stelle hinter Russland, China, Japan, Peru und Chile.

2. Bergbau

Die Vereinigten Staaten sind reichlich mit natürlichen Ressourcen ausgestattet. Auf Grund des hohen Eigenbedarfs ist das Land jedoch bei einigen Rohstoffen auf Importe angewiesen. Bodenschätze werden in sämtlichen Einzelstaaten gefördert, wobei die fünf führenden Bergbaustaaten Texas, Louisiana, Alaska, Oklahoma und Kalifornien sind. Hier wird die Hälfte der in den USA geförderten Mengen abgebaut.

Die drei wichtigsten Rohstoffe des Landes sind Erdöl, Erdgas und Steinkohle. An der Weltproduktion haben die USA bei Erdgas einen Anteil von circa 24 Prozent, bei Erdöl von 13 Prozent und bei Steinkohle von 23 Prozent. Auch bei der Förderung von Kupfer-, Eisen- und Bleierz sowie Gold und Silber nehmen die USA im internationalen Vergleich Spitzenpositionen ein.

3. Industrie

Obgleich der Produktionssektor nach wie vor ein Schlüsselbereich der US-Volkswirtschaft ist, hat sich seine Bedeutung seit den späten sechziger Jahren verringert.

Bedeutende Industriezweige sind neben der chemischen Industrie, der Metallgewinnung und -verarbeitung sowie dem Flugzeug- und Fahrzeugbau beispielsweise die Computer- und Elektronikindustrie sowie die Rüstungsindustrie. Ebenfalls wichtig sind außerdem die Textil- und Bekleidungsindustrie, die Biotechnologie sowie die Papier- und Zellstoffherstellung.

4. Währung und Bankwesen

Die amerikanische Währung ist der US-Dollar, wobei ein Dollar 100 Cents entspricht. Münzen zu sechs Nennwerten sind in Umlauf: der Penny oder 1 Cent; Nickel oder 5 Cents; Dime oder 10 Cents; Quarter oder 25 Cents; halber Dollar oder 50 Cents; schließlich Ein-Dollar-Münzen, die mittlerweile nicht mehr hergestellt werden.

Es gibt etwa 12 000 versicherte US-Banken mit über 66 000 Bankfilialen. Das Federal Reserve System, die US-Bundesbank, ist die zentrale Bankorganisation der Vereinigten Staaten. Sämtliche nationalen US-Banken sind Zwangsmitglieder des Federal Reserve System; einzelstaatliche Banken können freiwillig bei Erfüllung bestimmter Bedingungen Mitglied werden. Bedeutende Bank-Holdinggesellschaften sind beispielsweise Citicorp, Chemical Banking Corp., J. P. Morgan Co Inc. und Chase Manhattan Corp., alle mit Sitz in New York City.

5. Außenhandel

Die Vereinigten Staaten gehören zu den führenden Handelsnationen der Erde. Seit Mitte der siebziger Jahre führen die teueren Rohölimporte und die Gütereinfuhr aus Kanada und Asien zu einem hohen Handelsbilanzdefizit. Die wichtigsten Exportgüter sind neben Maschinen, elektronischen Geräten (Computer) und Fahrzeugen, die zusammen einen Anteil von 40 Prozent am Gesamtexport ausmachen, vor allem chemische Erzeugnisse, Nahrungs- und Genussmittel, Mineralölprodukte und Steinkohle. Kanada und Japan sind die wichtigsten Handelspartner; große Bedeutung haben auch Mexiko, Deutschland, China, Großbritannien und Südkorea.

6. Verkehrswesen

Die frühesten Reise- und Transportwege waren die Flüsse. Daneben gab es Pfade, die für Fußmärsche und Ritte geeignet waren. In den neunziger Jahren des 18. Jahrhunderts wurden die ersten richtigen Straßen gebaut. Diese waren gebührenpflichtig. Neben den Überlandwegen wurden vom späten 18. Jahrhundert bis 1850 zahlreiche Kanäle gebaut, um die Flüsse und Seen in den östlichen USA mit den Großen Seen zu verbinden. Vom Osten ausgehend wurde das Territorium ab 1820 mit Schienen erschlossen. Die erste transkontinentale Eisenbahn wurde von 1862 bis 1869 von den Eisenbahngesellschaften Union Pacific und Central Pacific erbaut. 1916 hatte das Eisenbahnnetz seine größte Ausdehnung. Mit zunehmender Bedeutung von Autos und Flugzeugen als Verkehrsmittel wurden seither viele Streckenabschnitte stillgelegt.

Der Luftverkehr trat nach dem 1. Weltkrieg in Wettbewerb mit den älteren Transportträgern, wobei der Passagierverkehr per Flugzeug ab den späten zwanziger Jahren zunehmend an Bedeutung gewann. Nach Ende des 2. Weltkrieges entwickelte sich der Passagierluftverkehr zu einem führenden Träger des Reiseverkehrs.

Der Güterverkehr wird zu 38 Prozent über die Schiene, zu 26 Prozent über die Straße, zu 20 Prozent durch Ölpipelines und zu 16 Prozent über die Binnenwasserstraßen abgewickelt.

Die Personenbeförderung wird zu 81 Prozent mit Privatfahrzeugen durchgeführt, Fluggesellschaften stehen mit 17 Prozent an zweiter Stelle der Personenbeförderung. Von nur mehr geringer Bedeutung ist der Transport mit Bus und Bahn; er liegt bei 1,1 (Bus) bzw. 0,6 Prozent (Eisenbahn).

Über 190 Millionen Autos sind in den USA registriert, davon sind über 75 Prozent Pkw und rund 20 Prozent Lkw.

6.1. Schifffahrt

Die Vereinigten Staaten verfügen nur über eine relativ kleine Handelsflotte. Zu ihr gehören weniger als 650 Schiffe über 1 000 Bruttoregistertonnen. Viele Reeder lassen ihre Schiffe aus Kostengründen unter liberianischer und panamáischer Flagge laufen.

Führende Seehäfen sind beispielsweise New Orleans, Baltimore und New Port. Obwohl New York City nicht mehr größter Seehafen ist, hat er nach wie vor große Bedeutung für den Passagier- und Frachtverkehr.

Das Netz der Binnenwasserstraßen besteht aus drei Hauptzweigen: dem Mississippi-Flusssystem, den Großen Seen und dem Netz der Küstenwasserstraßen. Circa 64 Prozent des jährlichen Wasserfrachtaufkommens im Binnenland werden über den Mississippi und seine Nebenflüsse abgewickelt, ein Wasserstraßennetz von insgesamt über 24 140 Kilometer Länge. Saint Louis (Missouri) ist der größte Binnenhafen in diesem System; Duluth (Minnesota) und Superior (Wisconsin) sind die größten Häfen der Großen Seen. Hochseeschiffe fahren zwischen den Großen Seen und im Atlantik durch den Sankt-Lorenz-Seeweg (eröffnet 1959). Die Küstenwasserstraße Intracoastal Waterway ist ein schiffbarer, zollfreier Schifffahrtsweg, der sich über circa 1 740 Kilometer entlang der Atlantikküste und über circa 1 770 Kilometer entlang dem Golf von Mexiko erstreckt. Rund 45 Prozent des gesamten Verkehrsaufkommens aller Küstenwasserstraßen laufen durch den Gulf Intracoastal Waterway, circa 30 Prozent werden über den Atlantic Intracoastal Waterway abgewickelt und etwa 25 Prozent über die Pacific Coast Waterways.

6.2. Luftverkehr

Die nationalen Fluggesellschaften befördern jährlich über 460 Millionen Passagiere, davon sind die meisten US-Amerikaner. Das Land hat circa 5 100 öffentliche und 12 400 Privatflugplätze bzw. Flughäfen. Größte Flughäfen sind Chicago-O’Hare in Atlanta, John F. Kennedy International Airport in New York City, Los Angeles International und Dallas/Fort Worth Airport in Texas.

7. Tourismus

Die Zahl der Touristen aus anderen Staaten betrug 1999 etwa 47 Millionen. Die meisten Besucher kommen aus Westeuropa, Japan, Kanada und Mexiko. New York City ist sowohl bei amerikanischen als auch bei ausländischen Touristen eines der beliebtesten Reiseziele. In Kalifornien und Florida hat sich der Tourismus zu einer der wichtigsten Branchen entwickelt.

8. Energie

Die USA haben den größten Energieverbrauch der Welt. Seit 1947 sind die Vereinigten Staaten Netto-Ölimporteur; die eigene Ölförderung bleibt hinter der Nachfrage zurück. 1970 erreichte die US-Erdölförderung mit 3,5 Milliarden Barrel Öl (1 Barrel entspricht etwa 159 Liter) ihre Spitze. Bereits 1970 konnte der Bedarf an Erdöl nur durch ergänzende Importe gedeckt werden.

70,9 Prozent des Gesamtenergiebedarfs erzeugen Wärmekraftwerke. Über die Hälfte davon entfällt auf den Energieträger Steinkohle. Kernkraftwerke liefern 19,6 Prozent, und Wasserkraftwerke liefern einen Anteil von 7,1 Prozent. Wind- und Sonnenenergie haben auf nationaler Ebene eine eher untergeordnete Rolle; Windkraftanlagen gibt es vor allem in Kalifornien.

Weitere Informationen siehe Weltenergieversorgung.

7. Geschichte

Neben den Querverweisen im folgenden Abschnitt über die amerikanische Geschichte wird der Leser auf die Abschnitte zur Geschichte einzelner US-Bundesstaaten und auf die jeweiligen Artikel über die US-Präsidenten verwiesen. Zur Geschichte Nordamerikas vor der Inbesitznahme durch die Europäer siehe Indianer.

1. Kolonialzeit

Die Entdeckungs- und Erkundungsreisen des 15. und 16. Jahrhunderts von Christoph Kolumbus, John Cabot, Giovanni da Verrazano und Jacques Cartier waren die Voraussetzung für die schrittweise Besiedelung des riesigen Landes durch die Europäer. Tatsächlich war das Land zum Zeitpunkt seiner Entdeckung durch die Europäer seit ungefähr 25 000 Jahren von Indianern besiedelt, die gegen Ende der letzten Eiszeit über eine Landbrücke bei der Beringstraße von Asien her eingewandert waren. Bei Ankunft der Europäer Ende des 15. Jahrhunderts lebten wahrscheinlich zwischen drei und fünf Millionen Indianer in Nordamerika. Die Geschichte der europäischen Entdeckung und Besiedelung Nordamerikas ist zugleich die Geschichte der Vertreibung und Dezimierung der indianischen Bevölkerung und die Geschichte der Auseinandersetzung zwischen den europäischen Kolonialmächten England, Niederlande, Frankreich und Spanien um den Besitz der Neuen Welt und die Hegemonie in Amerika.

1.1. Die ersten Siedlungen

Die Gründung von Saint Augustine 1565 im heutigen Florida durch die Spanier markierte den Anfang der europäischen Kolonisierung auf dem Gebiet der heutigen USA. Zum Zeitpunkt dieser ersten Siedlungsgründung führten England und Spanien gegeneinander Krieg, der 1588 mit der Vernichtung der spanischen Armada seinen Höhepunkt fand. Nach dieser Niederlage war Spanien als Rivale Englands um die Vorherrschaft in Nordamerika nicht mehr ernst zu nehmen.

1585 suchte Sir Walter Raleigh auf Roanoke Island vor der Küste des heutigen North Carolina Kolonisten anzusiedeln und 1587 etwas weiter nördlich in einem Gebiet, das er zu Ehren Elisabeths I., der „jungfräulichen (virgin) Königin”, Virginia nannte. Beide Versuche schlugen jedoch fehl. Die erste englische Dauersiedlung in Nordamerika war das 1607 gegründete Jamestown, benannt nach König Jakob I. von England (englisch James I.).

1.2. Französische und niederländische Aktivitäten

Im Jahrzehnt nach der Gründung von Jamestown intensivierten auch Frankreich und die Niederlande ihre Bemühungen um nordamerikanisches Territorium. Frankreich erkannte schon früh die Bedeutung des Sankt-Lorenz-Stromes, des besten natürlichen Zugangs zum Landesinneren, und gründete 1608 in einem ersten Schritt der Landnahme die Stadt Quebec. Während der folgenden 75 Jahre nahm Frankreich zudem riesige Gebiete im Landesinneren einschließlich des gesamten Mississippi-Tales, die von Männern wie Jacques Marquette, Louis Jolliet und Robert Cavelier de La Salle entdeckt und erforscht worden waren, nominell in Besitz.

Die Niederlande erhoben Anspruch auf die New York Bay und das Gebiet um den Hudson; beides war 1609 von dem englischen Seefahrer Henry Hudson, der im Dienste der niederländischen Ostindien-Kompanie segelte, entdeckt und erkundet worden.

1.3. Die Kolonien Neuenglands

Die englische Kolonisierung Nordamerikas erhielt 1620 einen entscheidenden Impuls, als eine Gruppe separatistischer Puritaner, die später so genannten Pilgerväter, das Siedlungsrecht in Virginia erhielt. Mit der Mayflower stachen im September 1620 von Plymouth aus 101 Kolonisten – Männer, Frauen und Kinder – Richtung Nordamerika in See, landeten jedoch nicht wie geplant in Virginia, sondern bei Kap Cod (im heutigen Massachusetts), ließen sich hier nieder und gründeten die Plymouth-Kolonie. Noch an Bord der Mayflower hatten sie als Grundlage für ihr zukünftiges Gemeinwesen den Mayflower-Compact unterzeichnet, die erste schriftliche amerikanische Verfassung.

1632 erhielt Lord Baltimore, ein Katholik, von dem anglikanischen König Karl I. die Konzession für die Kolonisierung von Maryland. Diese beiden Kolonien – Plymouth-Kolonie und Maryland – mit ihrem konfessionellen Hintergrund – hier eine Puritanergruppe, dort Katholiken – sind beispielhaft für die religiöse Vielfalt, die unter den weißen Siedlern in Nordamerika herrschte. Und eben diese religiöse Vielfalt, gepaart mit religiöser Toleranz, war es, die im 17. Jahrhundert zahllose Einwanderer aus dem von Religionskriegen und religiöser Verfolgung geprägten Europa nach Nordamerika zog. Ein weiterer Grund für den massiven Zustrom von Kolonisten im 17. Jahrhundert vor allem aus England war die zunehmende Verarmung weiter Teile der Bevölkerung in Europa, insbesondere in England, wo besonders die Landbevölkerung unter den wirtschaftlichen Veränderungen zu leiden hatte.

Die meisten der von der englischen Krone autorisierten und privilegierten Kolonien wurden noch vor Ende des 17. Jahrhunderts gegründet. Ausnahme war Georgia, das erst 1732 als Kolonie entstand. Die Kolonie Neuniederlande eroberten die Engländer 1664 von den Niederlanden; den Hauptort der Kolonie, Neu-Amsterdam, benannten sie in New York um, außerdem gliederten sie New Jersey als eigenständige Kolonie aus der ehemaligen Kolonie Neuniederlande aus. New Hampshire wurde 1679 zur Kolonie, und 1681 erhielt schließlich William Penn eine königliche Konzession für das spätere Pennsylvania.

Erster Ausdruck der Kontrolle des englischen Parlaments über die nordamerikanischen Kolonien war das Handels- und Schifffahrtsgesetz von 1651 (Navigationsakte), das den Warenverkehr zwischen den englischen Kolonien und dem Mutterland ausschließlich auf englischen Schiffen zuließ. Eine weitere Navigationsakte von 1660 untersagte Handelsbeziehungen zwischen den englischen und nichtenglischen Nationen. Doch wegen der nachlässigen Überwachung dieser Gesetze waren Schmuggel und Schwarzhandel weit verbreitet.

1660 wandelte König Karl II. von England New Hampshire und Massachusetts in Kronkolonien um. 1686 verfügte Jakob II. die Zusammenlegung von New York, New Jersey und den Neuengland-Kolonien zum Dominion of New England. Die Kolonien wehrten sich gegen diesen Zusammenschluss, die ihre Rechte gegenüber der englischen Krone schwächte: Connecticut und Rhode Island verweigerten die Rückgabe ihrer Konzessionen; in Massachusetts brach 1689 eine bewaffnete Rebellion aus; die Einwohner Bostons übernahmen die Macht in der Kolonialregierung, und in New York gab es ebenfalls einen bewaffneten Aufstand. Nach der Glorious Revolution wurde die Verfügung wieder zurückgenommen.

Die Thronbesteigung von Wilhelm III. und seiner Frau Maria II. 1689 markierte eine Neuorientierung in der englischen Außenpolitik: England wandte sich von der profranzösischen Politik Jakobs II. ab und profilierte sich nun sowohl in Europa wie auch in den Kolonien als einer der Hauptgegner Frankreichs. In den Kolonien war Frankreich der schärfste Konkurrent Englands um die Vormachtstellung.

1.4. Die britisch-französischen Kriege

Von 1689 bis 1763 führten England und Frankreich vier große Kriege gegeneinander, die alle sowohl in Europa als auch parallel dazu in den Kolonien ausgetragen wurden: den Pfälzischen Erbfolgekrieg und sein nordamerikanisches Pendant den King William’s War (1689-1697), den Spanischen Erbfolgekrieg bzw. den Queen Anne’s War (1702-1713), den Österreichischen Erbfolgekrieg bzw. den King George’s War (1744-1748) und schließlich den Siebenjährigen Krieg bzw. den Britisch-Französischen Kolonialkrieg (1754-1763).

Die ersten drei Kriege brachten keine klare Entscheidung, obgleich der Friede von Utrecht, der 1713 den Spanischen Erbfolgekrieg beendet hatte, Frankreich zur Abtretung großer Territorien zwang, darunter Akadien, Neufundland und die Region um die Hudsonbai. Die Entscheidung brachte schließlich der vierte Krieg, aus dem nach anfänglichen Niederlagen am Ende Großbritannien als Sieger hervorging. Im Frieden von Paris, der 1763 den Britisch-Französischen Kolonialkrieg beendete, musste Frankreich alle seine Besitzungen östlich des Mississippi sowie Kanada an Großbritannien abtreten; Spanien, Frankreichs Verbündeter, musste zugunsten Großbritanniens auf Florida verzichten, erhielt aber die bislang französischen Territorien westlich des Mississippi. Großbritannien war nun die Vormacht in Nordamerika.

2. Unabhängigkeit und Staatsgründung
2.1. Widerstand gegen das Mutterland

Durch die Kriege hatte Großbritannien beträchtliche Schulden angehäuft und suchte nun auch die Kolonien stärker zur Finanzierung des Staatshaushaltes heranzuziehen. Dies, verbunden mit einer wieder stärkeren Kontrolle der Kolonien durch das Mutterland, provozierte mittelfristig den offenen Widerstand der Kolonien. Bereits 1764 verschärfte das britische Parlament die Navigationsakte, und 1765 beschloss es die so genannte Stempelakte. Dieses Gesetz stieß in den Kolonien auf scharfen Protest, der seinen vorläufigen Höhepunkt im Oktober 1765 im Stamp Act Congress fand. Der Kongress verabschiedete eine Declaration of Rights and Grievances, in der die Kolonien u. a. größere Selbstbestimmung und eine parlamentarische Vertretung einklagten. Das britische Parlament erkannte die Declaration zwar nicht an, nahm 1766 die Stempelakte aber wieder zurück.

1767 verabschiedete das Parlament die Townshend Acts, die u. a. eine Reihe von Waren, wie z. B. Tee, Papier, Blei, Farbe und Glas, mit Zöllen belegten. Der Widerstand der Kolonien gegen diese Gesetze manifestierte sich im Boykott britischer Waren, kolonienübergreifenden Protestaktionen und – in Massachusetts – im offenen Aufruhr gegen die britische Regierung. In Reaktion darauf verstärkte Großbritannien 1768 seine Truppen in Boston, einem Zentrum des kolonialen Widerstandes. Das wiederum verschärfte die antibritische Stimmung. Am 5. März 1770 kam es in Boston zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen britischen Soldaten und Bostoner Bürgern, dem so genannten Boston Massaker.

1770 nahm Großbritannien alle Zölle aus den Townshend Acts zurück mit Ausnahme des Teezolles. Die Kolonisten, die den Teezoll als Kontroll- und Unterdrückungsmaßnahme interpretierten, intensivierten nun den Warenboykott und entluden ihren Protest schließlich am 16. Dezember 1773 in der Boston Tea Party.

2.2. Der Nordamerikanische Unabhängigkeitskrieg

1774 erließ Großbritannien mehrere Zwangsgesetze, die so genannten Intolerable Acts, die sich vor allem gegen die unbotmäßige Kolonie Massachusetts richteten und sie in Handel und Selbstverwaltung erheblich einschränkten. In Reaktion auf die Intolerable Acts versammelten sich die britischen Kolonien in Nordamerika am 5. September 1774 zum 1. Kontinentalkongress und formulierten hier eine gemeinsame Protesterklärung an König Georg III. Die Fronten verhärteten sich zusehends. Im April 1775 kam es bei Lexington zu ersten bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen britischen Soldaten und der Kolonialmiliz. Der Nordamerikanische Unabhängigkeitskrieg hatte begonnen.

Am 10. Mai 1775 trat in Philadelphia der 2. Kontinentalkongress zusammen. Der Kongress beschloss den Aufbau einer eigenen Armee, ernannte George Washington zu deren Oberbefehlshaber, gab eigenes Papiergeld aus und übernahm eine Reihe von exekutiven Funktionen, die bisher beim König lagen. Darüber hinaus appellierte er an die britische Regierung, die Krise auf friedlichem Weg beizulegen. Im August 1775 jedoch antwortete Georg III. mit einer Proklamation, in der er seine „loyalen Untertanen” dazu aufrief, „Rebellion und Aufruhr (in Nordamerika) niederzuschlagen”. Trotz der erneuten Verschärfung der Lage lehnte die Mehrheit des Kontinentalkongresses vorerst noch die Loslösung von Großbritannien ab, wie sie von einer radikalen Minderheit favorisiert wurde. Erst die Veröffentlichung von Thomas Paines Common Sense im Januar 1776 bewirkte in den Kolonien einen klaren Meinungsumschwung: Am 2. Juli 1776 erklärte der 2. Kontinentalkongress die Loslösung der Kolonien von der britischen Krone, und am 4. Juli 1776 verabschiedete er die im Wesentlichen von Thomas Jefferson entworfene Unabhängigkeitserklärung.

Im Unabhängigkeitskrieg gewannen nach und nach die amerikanischen Truppen, die ab 1778 von Frankreich unterstützt wurden, die Oberhand über die Briten und zwangen sie schließlich am 19. Oktober 1781 bei Yorktown zur Kapitulation. Mit der Unterzeichnung des Friedens von Paris am 3. September 1783 endete der Nordamerikanische Unabhängigkeitskrieg. Großbritannien erkannte seine ehemaligen Kolonien in Nordamerika (außer Kanada) als die freien und unabhängigen Vereinigten Staaten an und trat alle seine Besitzungen östlich des Mississippi an den jungen Staat ab.

3. Die Konsolidierung der Vereinigten Staaten

Zwischen 1776 und 1789 gaben sich die Einzelstaaten Verfassungen, die auf dem Prinzip der Volkssouveränität basierten, Gewaltenteilung festschrieben und zumeist auch einen Grundrechtekatalog enthielten. Durch die 1777 beschlossenen und 1781 verabschiedeten Articles of Confederation schlossen sie sich zu einem lockeren Staatenbund zusammen, ohne jedoch ihre einzelstaatliche Souveränität aufzugeben. Der Staatenbund verfügte allerdings kaum über Kompetenzen, was sich bald in vielen Bereichen negativ bemerkbar machte, so z. B. in Wirtschaft und Handel, aber auch in den Beziehungen zwischen den Einzelstaaten. 1787 trat daher ein Verfassungskonvent zusammen, der unter dem Vorsitz von George Washington eigentlich nur die Articles of Confederation überarbeiten sollte, am Ende aber eine völlig neue Bundesverfassung ausarbeitete. Die neue Verfassung installierte einen Bundesstaat mit einer relativ starken, nach dem Präsidialsystem organisierten Bundesregierung, verlieh aber auch föderalen Elementen ein sehr hohes Gewicht. Bis 1789 hatten die meisten der Einzelstaaten die Verfassung ratifiziert, und bereits 1791 wurde sie um die ersten zehn Amendments, die Bill of Rights, erweitert, die die wesentlichen Grundrechte garantieren. Erster Präsident der Vereinigten Staaten wurde George Washington, der von 1789 bis 1797 amtierte.

Bereits unter der Regierung Washington bildeten sich in der Auseinandersetzung um den innen- und den außenpolitischen Kurs der USA die beiden ersten wichtigen politischen Parteien der US-Geschichte heraus: die Federalists und die Republicans oder Democratic-Republicans, aus denen später die Demokratische Partei hervorging. Außenpolitisch suchten die Federalists unter der Führung von Schatzminister Alexander Hamilton die Annäherung an Großbritannien; innenpolitisch strebten sie eine hierarchisch gegliederte Gesellschafts- und politische Ordnung mit einer Besitz- und Bildungsaristokratie an der Spitze an. Demgegenüber favorisierten die Republicans unter James Madison und Thomas Jefferson eine egalitäre und agrarisch geprägte Gesellschaftsordnung, und außenpolitisch tendierten sie zu einem Bündnis mit Frankreich. Zu einer Vertiefung der Kluft zwischen Federalists und Republicans kam es durch den Jay’s Treaty mit Großbritannien, der in den USA auf heftige Kritik stieß. Unter Washington bewahrten die USA in den britisch-französischen Auseinandersetzungen im Rahmen der Koalitionskriege Neutralität; sein Nachfolger, der Federalist John Adams, dagegen leitete trotz formell weiterhin andauernder Neutralität einen klar probritischen Kurs ein, was zu schweren Spannungen im Verhältnis zu Frankreich und schließlich zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen und einigen militärischen Zusammenstößen führte. Gegen diese Außenpolitik, aber auch gegen den innenpolitischen Kurs der Regierung Adams, der sich u. a. in den Alien and Sedition Acts niederschlug, formierten sich die Republicans zu einer starken Opposition; bei den Wahlen 1800 konnten sie sich mit ihrem Präsidentschaftskandidaten Thomas Jefferson klar gegen die Federalists durchsetzen.

Unter Präsident Jefferson (1801-1809) schritt sowohl die innere Konsolidierung der USA als auch ihre territoriale Expansion voran: 1803 wurde Ohio als Erster der Northwest Territory-Staaten in die Union aufgenommen, und im selben Jahr erfolgte der Kauf von Louisiana, durch den das Staatsgebiet der USA auf weit über das Doppelte anwuchs. Begleitet war die Expansion Richtung Westen von nahezu ständigen Kämpfen gegen die Indianer, die dem Vordringen der weißen Siedler Widerstand entgegenzusetzen suchten (siehe Indianerkriege). Außenpolitisch kam es unter Jefferson und seinem Nachfolger James Madison (1809-1817) zunehmend zu Konflikten mit Frankreich und besonders Großbritannien, die vor dem Hintergrund der Koalitions- und der Napoleonischen Kriege fortgesetzt die Neutralität der USA zum Teil gewaltsam missachteten. Der Konflikt mit Großbritannien eskalierte schließlich im Britisch-Amerikanischen Krieg von 1812, der allerdings auch durch die Aspirationen der USA auf Kanada und Florida ausgelöst worden war. Der Krieg endete 1814 mit dem Frieden von Gent für beide Seiten ergebnislos, d. h., es wurden die Vorkriegsverhältnisse wiederhergestellt.

Die folgenden Jahre bis zum Ausbruch des Bürgerkrieges waren von der fortschreitenden Expansion der USA nach Westen und Süden und einem starken wirtschaftlichen Wachstum geprägt. Unter Präsident James Monroe (1817-1825) erwarben die USA von Spanien Florida, das 1845 als Bundesstaat in die Union aufgenommen wurde. Weitere bedeutende Gebietsgewinne verzeichneten die USA 1845 durch die Annexion von Texas, den Mexikanischen Krieg (1846-1848), der ihnen Kalifornien und New Mexiko einbrachte, sowie durch den Gadsden-Vertrag von 1854. Zwischen 1815 und 1861 wurden die USA um insgesamt 16 neue Bundesstaaten erweitert, und zugleich schob sich die Siedlungsgrenze sukzessive nach Westen bis an den Pazifik vor. Verbunden war die Expansion auch weiterhin mit der Vertreibung, Umsiedelung oder sogar Vernichtung ganzer Indianerstämme. Parallel zur territorialen und inneren Konsolidierung, mit der das Entstehen eines starken nationalen Selbstbewusstseins einherging, erfolgte die Abgrenzung nach außen gegenüber den „alten” Mächten in Europa: In der Monroedoktrin von 1823 verbaten sich die USA jegliche Art der Einmischung seitens der europäischen Mächte auf dem gesamten amerikanischen Kontinent, verzichteten ihrerseits aber auch auf jegliche Intervention in Europa.

Das starke Wirtschaftswachstum in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts basierte zum einen auf der territorialen Expansion, zum anderen auf dem enormen Zustrom an Einwanderern. Es bildeten sich drei wirtschaftliche Großregionen heraus, die sich sozial, politisch und auch kulturell voneinander unterschieden: Im Norden und Nordosten dominierten Industrie, zum Teil in Aktiengesellschaften organisiert, und Finanzgeschäfte, im Süden der Baumwollanbau in großflächiger Plantagenwirtschaft und im Westen die Landwirtschaft und Viehzucht, d. h. die Nahrungsmittelproduktion. Unterstützt wurde das Wirtschaftswachstum, der Austausch der Regionen untereinander und damit auch die Integration der Bundesstaaten durch den forcierten Ausbau von Verkehrswegen – Straßen, Kanälen und ab 1830 des Schienennetzes. Insgesamt waren die wirtschaftlichen und die gesellschaftlichen Strukturen von hoher sozialer Durchlässigkeit geprägt, die sich wiederum positiv auf die Demokratisierung des Landes auswirkte. Im Wahlkampf des Jahres 1828, aus dem Andrew Jackson (1829-1837) als Sieger hervorging, formierten sich die beiden, bis heute das politische Leben der USA dominierenden Parteien, als sich die Republicans in die von Jackson geführten Demokraten und die Nationalrepublikaner spalteten, die später in der Whig Party aufgingen und sich schließlich mit anderen zur Republikanischen Partei vereinten.

3.1. Die Sklavereifrage

Mit dem wirtschaftlichen Wachstum verschärften sich die Spannungen zwischen den wirtschaftlichen Großregionen, insbesondere zwischen dem industrialisierten Norden und dem auf der Plantagenwirtschaft basierenden Süden. Im Zentrum des Konflikts stand die Sklavereifrage: Technische Innovationen sowie eine ständig steigende Nachfrage nach Baumwolle hatten einen enormen Anstieg der Baumwollproduktion im Süden zur Folge, der wiederum eine starke Zunahme der Sklaverei nach sich zog. Der Norden lehnte die Sklaverei ab, der Süden verteidigte sie als seine wesentliche wirtschaftliche Grundlage. Und mit der territorialen Expansion der USA erhob sich zudem die Frage, ob die Sklaverei auch auf die neuen Bundesstaaten im Westen ausgedehnt werden solle bzw. dürfe. Die Auseinandersetzung um die Sklavereifrage führte 1860/61 schließlich zum Austritt der Südstaaten aus der Union und zum Amerikanischen Bürgerkrieg.

1820 konnte der Konflikt um die Sklavereifrage noch durch den Missouri-Kompromiss vorläufig beruhigt werden, als zugleich das sklavenhaltende Missouri und das sklavenfreie Maine als Bundesstaaten in die Union aufgenommen wurden und so das Gleichgewicht zwischen Vertretern sklavenhaltender und sklavenfreier Staaten im Senat gewahrt werden konnte. Zugleich untersagte der Kompromiss die Sklaverei im noch verbliebenen Territorium aus dem Louisiana-Kauf nördlich von 36°30′ nördlicher Breite. Der Konflikt zwischen Sklavereigegnern und -befürwortern begann sich jedoch wieder zuzuspitzen, als ab etwa 1830 die Abolitionisten-Bewegung im Norden zunehmend an Boden und Anhängern gewann und zum Teil militant gegen Sklavereibefürworter vorging. Neues Konfliktpotential lieferte 1850 die Aufnahme Kaliforniens als sklavenfreier Staat in die Union. Auch hier wurde ein – allerdings wenig tragfähiger – Kompromiss gefunden: Man ließ nach dem Prinzip der popular sovereignity die Bevölkerung des neu in die Union aufzunehmenden Staates entscheiden, ob der Staat sklavenhaltend oder sklavenfrei sein wollte.

Neuerliche schwere Auseinandersetzungen gab es, als die Zentralregion aus dem Louisiana-Kauf in Kansas und Nebraska aufgeteilt wurde, um als zwei neue Bundesstaaten in die Union eingegliedert zu werden. Kansas und Nebraska lagen zwar beide nördlich des 36. Breitengrades, aber Kansas sollte dem Süden, also den sklavenhaltenden Staaten zugeschlagen werden. Ein neuer Kompromiss, der Kansas-Nebraska-Act von 1854, hob die Bestimmungen des Missouri-Kompromisses auf und überließ nun auch in Kansas die Entscheidung über die Sklaverei der Bevölkerung. Die Folge waren blutige Auseinandersetzungen in Kansas (siehe Grenzkrieg) zwischen Sklavereibefürwortern und -gegnern, aber auch eine erhebliche Verschärfung des Antagonismus zwischen Nord- und Südstaaten.

4. Der Amerikanische Bürgerkrieg

In Reaktion auf den Kansas-Nebraska-Act bildete sich 1854 aus u. a. den Whigs und enttäuschten Demokraten die Republikanische Partei, die sich entschieden gegen die Sklaverei wandte und in Opposition zu den Demokraten stand, die der Sklaverei indifferent bis bejahend gegenüberstand. Die Republikaner fanden vor allem im Norden rasch breite Unterstützung; zu ihrem führenden Kopf wurde Abraham Lincoln.

1860 gewannen die Republikaner, in deren Wahlprogramm der Kampf gegen die Sklaverei eine zentrale Stelle einnahm, mit ihrem Kandidaten Abraham Lincoln die Präsidentenwahl. Unmittelbar nach der Wahl, am 20. Dezember 1860, trat South Carolina aus der Union aus. Mississippi, Florida, Alabama, Georgia, Louisiana und Texas schlossen sich bis Februar 1861 mit Sezessionsbeschlüssen an; Virginia, Arkansas, North Carolina und Tennessee folgten bis Mai 1861.

Im Februar 1861 konstituierten sich die bis dahin aus der Union ausgetretenen sechs Staaten als Konföderierte Staaten von Amerika, gaben sich eine provisorische Verfassung und wählten Jefferson Davis zu ihrem Präsidenten. Demgegenüber bestritt Lincoln in seiner Antrittsrede als Präsident der Vereinigten Staaten im März 1861 den Bundesstaaten das Recht zum Austritt aus der Union, erklärte aber zugleich, dass es keine Eingriffe in die Sklaverei dort geben werde, wo sie bereits bestehe. Am 12. April 1861 begannen die Konföderierten Staaten mit der Belagerung der Bundesfestung Fort Sumter in South Carolina; nach zwei Tagen musste die Festung kapitulieren. Am 15. April entsandte Lincoln Unionstruppen, die den Aufstand, als den die Union die Sezession der Südstaaten betrachtete, niederschlagen sollte. Der Amerikanische Bürgerkrieg (Sezessionskrieg) hatte begonnen.

Oberstes Kriegsziel der Union war die Wiederherstellung der nationalen Einheit, das mit der Kapitulation der Südstaaten im April 1865 auch erreicht wurde. Ein weiteres wesentliches Ergebnis des Krieges war die Abschaffung der Sklaverei: Am 1. Januar 1863 war die von Lincoln verkündete Emanzipationserklärung in Kraft getreten, die sämtliche Sklaven in den von der Union abgefallenen Staaten für frei erklärte. Und mit dem 13. Zusatz zur amerikanischen Verfassung, der am 18. Dezember 1865 in Kraft trat, wurde die Sklaverei in den USA endgültig abgeschafft.

5. Industrialisierung und Übergang ins 20. Jahrhundert
5.1. Reconstruction

Nach dem Bürgerkrieg suchte Präsident Andrew Johnson (1865-1869), ein Demokrat, mit seiner Politik der Reconstruction die Aussöhnung mit den Südstaaten und den Wiederaufbau des zerstörten Südens voranzutreiben. Seine Pläne wurden jedoch vom Kongress konterkariert: Im Kongress dominierten radikale Republikaner, die den Südstaaten Militärregierungen überstülpten und das alte Plantagensystem wirtschaftlich und sozial zerschlugen. Dies führte in den Südstaaten zu einer großen Verbitterung gegenüber dem Norden und gegenüber der Sklavenemanzipation, die sich unter dem republikanischen Präsidenten Ulysses S. Grant (1869-1877) noch vertiefte und u. a. in der Entwicklung eines gewaltbereiten Rassismus ihren Ausdruck fand (siehe Ku Klux Klan). 1877 wurde die Reconstruction offiziell beendet, die Unionstruppen wurden aus dem Süden abgezogen. Die Gleichstellung der in die Freiheit entlassenen afroamerikanischen Sklaven, wie sie formalrechtlich bestand, existierte im Süden jedoch bestenfalls auf dem Papier: Die im Süden wieder dominierenden Demokraten setzten eine Reihe diskriminierender Gesetze durch, die die Schwarzen in vielen Belangen entrechteten.

5.2. Wirtschaftliche und soziale Entwicklung nach dem Bürgerkrieg

Nach dem Bürgerkrieg erlebte vor allem im Nordosten und im Mittleren Westen die Industrie eine explosionsartige Entwicklung. Wesentlicher Motor der Industrialisierung war der Eisenbahnbau, der nun mit Nachdruck vorangetrieben wurde und der sich auf zahlreiche Industriezweige fördernd auswirkte. Insbesondere in der Öl- und der Schwerindustrie entstand eine Reihe monopolistisch ausgerichteter, mächtiger Großunternehmen, organisiert als Trusts oder Holdinggesellschaften, die weitgehende Kontrolle über ganze Wirtschaftszweige sowie den Kapitalmarkt ausübten. An den Südstaaten allerdings ging der Industrialisierungsboom mehr oder weniger vorbei. Generell bestand eine enge Verquickung zwischen Wirtschaft und Politik, die vielfach von Korruption geprägt war und zu Lasten der „Kleinen” – Farmer, Pächter, Arbeiter – ging.

Zugleich schritt die Besiedelung des Westens voran, und gegen Ende des 19. Jahrhunderts war die Erschließung der USA bis zum Pazifik als Siedlungsgebiet abgeschlossen. Die Erschließung und Besiedelung des Westens war geprägt von ständigen Kämpfen gegen die Indianer, die ihr angestammtes Land gegen die weiße Inbesitznahme zu verteidigen suchten. Trotz einiger Siege der Indianer wie etwa in der Schlacht am Little Bighorn 1876 behielten die weißen Siedler und Soldaten die Oberhand. Mit dem Massaker an 400 Sioux bei Wounded Knee 1890 endeten die Indianerkriege. Die Indianer waren geschlagen, erheblich dezimiert, unter unwürdigen Bedingungen in Reservaten zusammengedrängt und blieben vorerst weitgehend rechtlos; erst 1924 wurden ihnen die vollen Bürgerrechte zuerkannt.

Der Drang nach Westen ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen: Schon 1848 zog der Goldrausch Zehntausende Abenteurer und Siedler nach Kalifornien; ab den sechziger Jahren schritt mit dem Bau der ersten transkontinentalen Eisenbahnlinie die Erschließung des Westens und seine Anbindung an den Osten rasch voran; zudem boten die Homestead Laws beträchtliche Anreize für Siedler. Und schließlich erlebten die USA in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein enormes Bevölkerungswachstum, das vor allem durch die gewaltigen Einwandererströme aus Europa verursacht wurde. Allein in den Jahren 1865 bis 1900 kamen etwa 15 Millionen Einwanderer in die USA; ein Teil davon suchte sich als Siedler im Westen eine neue Existenzgrundlage.

Ein großer Teil der Einwanderer fand in der boomenden Industrie Arbeit. Allerdings führten die unreglementierte Industrialisierung und die Konzentration der Industrie in Großunternehmen und Trusts auf der einen, der ständige Zustrom von Arbeitskräften, die zunehmende Urbanisierung sowie das Entstehen eines breiten Industrieproletariats auf der anderen Seite bald schon zu erheblichen sozialen Problemen. Gegen die zunehmend miserablen Bedingungen der Arbeiterschaft formierten sich bereits in den sechziger Jahren erste gewerkschaftliche Organisationen; allerdings schritt der Prozess der gewerkschaftlichen Organisierung vor allem aufgrund der ethnischen Vielfalt der Arbeiterschaft nur langsam voran. 1866 schlossen sich mehrere Gewerkschaften zur National Labor Union zusammen, die allerdings 1872 wegen interner Auseinandersetzungen wieder aufgelöst wurde. 1869 wurden – zunächst als Geheimbund – die Knights of Labour gegründet, die den Arbeitern aller Wirtschaftszweige offenstanden und gegenüber den Arbeitgebern einen aggressiven bis militanten Kurs verfolgten. In den siebziger und achtziger Jahren spielten die Knights of Labour ein wichtige Rolle bei den zahlreichen, zum Teil blutigen Demonstrationen und Streiks der Bergarbeiter und Eisenbahner, so etwa in Chicago 1886 bei den Haymarket-Unruhen und 1894 beim Pullman-Streik. 1886 wurden die Knights of Labour als führende Gewerkschaftsorganisation von der American Federation of Labour (AFL) abgelöst. Trotz der eindeutig unternehmerfreundlichen Politik der Regierung und obwohl zahlreiche Streiks von Bundestruppen blutig niedergeschlagen wurden, gelang es den Gewerkschaften doch, einige Verbesserungen wie etwa höhere Löhne und kürzere Arbeitszeiten durchzusetzen. Die wirtschaftlich ins Hintertreffen geratenen Farmer, Farmarbeiter und Pächter begannen sich ab den späten sechziger Jahren ebenfalls zu organisieren, z. B. im Granger Movement.

Die zyklisch auftretenden Wirtschaftskrisen (1873-1878, 1882-1885 und 1893-1897) brachten jeweils einen starken Anstieg der Arbeitslosigkeit mit sich und verschärften sowohl die sozialen Probleme wie den Arbeitskampf, führten aber auch zu einer Ausgrenzung verschiedener sowohl von Unternehmern wie weißer Arbeiterschaft nicht erwünschter Gruppen: Die Einwanderung von Nichteuropäern, insbesondere Chinesen, wurde erheblich beschränkt, die Afroamerikaner wurden zunehmend diskriminiert. So wurde z. B. die Rassentrennung in öffentlichen Einrichtungen, Verkehrsmitteln, Schulen etc. durchgesetzt und den Schwarzen der Zugang zum politischen Leben praktisch unmöglich gemacht. Dies sowie drastische Veränderungen im „klassischen” Wirtschaftszweig der Afroamerikaner, der Baumwollindustrie, infolge zunehmender Mechanisierung drängten die schwarze Bevölkerung mehr und mehr ins soziale Abseits. In Reaktion auf ihre Diskriminierung organisierten sich die Afroamerikaner in verschiedenen Bürgerrechtsbewegungen, die allerdings bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts im Kampf um die Gleichberechtigung nur wenige Erfolge erringen konnten.

5.3. Theodore Roosevelt und der Progressivismus

Unter Theodore Roosevelt (1901-1909), der nach der Ermordung William McKinleys 1901 ins Präsidentenamt gelangte, war die Innenpolitik durch den Progressivismus (Progressive Movement) geprägt. Der Progressivismus hatte sich in den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts in Reaktion auf die sozialen Missstände und das Laissez-faire-Prinzip in der Wirtschaft herausgebildet und setzte sich – mit Roosevelt als einem seiner führenden Vertreter – in erster Linie die Behebung dieser Missstände zum Ziel. Konkret engagierte sich die Regierung Roosevelt vor allem für eine bessere Kontrolle und gegen die Korruption in Regierung und öffentlicher Verwaltung, für einen besseren Arbeitsschutz, eine bessere Arbeitsgesetzgebung, mehr soziale Gerechtigkeit sowie für mehr demokratische Elemente im öffentlichen Leben. Einer der Kernpunkte von Roosevelts Reformprogramm war die Entmachtung und Kontrolle der Großunternehmen und Großbanken. Hintergrund war u. a. die rapide Vermehrung der Trusts: Hatte es bis 1899 in den USA lediglich etwa 60 Trusts gegeben, so stieg ihre Zahl in den folgenden beiden Jahren auf etwa das Dreifache an. Manche Trusts, wie die für Rindfleisch, Rohöl, Kohle, Zucker oder die Eisenbahngesellschaft, hatten praktisch Monopolstellungen inne. Auf Roosevelts Betreiben hin verabschiedete der Kongress nun eine Reihe von Gesetzen, die die Durchsetzung der bereits bestehenden Antitrust-Gesetze unterstützen sollten. Roosevelts Nachfolger, der Republikaner William Howard Taft (1909-1913) und der Demokrat Woodrow Wilson (1913-1921), setzten seine progressive Innenpolitik in ihren Grundzügen fort. Taft allerdings geriet zunehmend unter den Einfluss des konservativen Flügels seiner Partei; in der Konsequenz gründete Roosevelt 1912 vornehmlich aus unzufriedenen Anhängern der Republikaner die Progressive Party und kandidierte für die neue Partei für das Präsidentenamt. Die Spaltung der Republikaner während des Wahlkampfes 1912 verhalf schließlich den Demokraten mit Wilson an der Spitze zum Sieg.

5.4. Außenpolitik (1865-1914)

Die Außenpolitik der USA war vor dem Hintergrund ihrer zunehmenden wirtschaftlichen Macht expansionistisch geprägt. 1867 kauften die USA Alaska von Russland ab; im selben Jahr besetzten sie die Midway-Inseln und leiteten damit den Erwerb von Stützpunkten im Pazifik entlang des Seeweges nach Ostasien ein. Die Ostasienroute war von besonderer Bedeutung, seit die USA 1854 gewaltsam die Öffnung japanischer Häfen für den Handel mit den USA erzwungen hatten.

In Bezug auf Mittel- und Südamerika wandten sich die USA nach und nach von ihrem eher passiven Kurs ab und einer die Monroedoktrin aktivistisch interpretierenden Außenpolitik zu. So betonten sie seit Mitte des 19. Jahrhunderts immer wieder nachdrücklich ihren Anspruch auf Vorrechte an den mittelamerikanischen Landengen bzw. an einem zukünftigen Kanal zwischen Karibik und Pazifik. 1901 erwarben sie durch den Hay-Pauncefote-Vertrag die alleinigen Rechte auf den zu bauenden Panamákanal und sicherten sich einen völkerrechtlich zweifelhaften Aufsichtsanspruch über die Kanalzone. Verschiedene Interventionen der USA in Lateinamerika waren von einer fortschreitenden wirtschaftlichen Durchdringung nahezu des gesamten mittel- und südamerikanischen Raumes und der weit reichenden Abschottung des amerikanischen Marktes gegen europäische und asiatische Konkurrenz begleitet. Siehe auch Panamerikanische Union

In den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts nahm die Außenpolitik der USA eindeutig imperialistische Züge an. 1898 führten sie in Unterstützung der kubanischen Unabhängigkeitsbewegung den Spanisch-Amerikanischen Krieg, der mit einem Sieg der USA endete und den USA Kuba (1902 formal in die Unabhängigkeit entlassen), Puerto Rico und Guam einbrachte; außerdem trat Spanien für 20 Millionen US-Dollar die Philippinen an die USA ab. Ebenfalls 1898 annektierten die USA Hawaii, und 1899 erwarben sie Amerikanisch-Samoa.

Infolge des Spanisch-Amerikanischen Krieges gelangten die USA an Besitzungen außerhalb ihres kontinentalen Kernlandes. Sie übernahmen damit den Status einer Kolonialmacht, der sie – neben anderen Faktoren – eine wachsende Rolle in weltpolitischen Angelegenheiten übernehmen ließen. Einen ersten bedeutenden Auftritt auf der internationalen Bühne hatten die USA bzw. Präsident Roosevelt, als er 1905 den Frieden von Portsmouth zur Beendigung des Russisch-Japanischen Krieges vermittelte.

6. Der 1. Weltkrieg

Zu Beginn des 1. Weltkrieges erklärte Präsident Wilson die Neutralität der Vereinigten Staaten.

Um zu verhindern, dass Versorgungs- und Rüstungsgüter etwa aus den USA Großbritannien erreichen konnten, erklärte das Deutsche Reich 1915 für die Gewässer um Großbritannien und Irland den uneingeschränkten U-Boot-Krieg. Im Mai 1915 torpedierte ein deutsches U-Boot ohne Vorwarnung das britische Passagierschiff Lusitania (das allerdings auch Munition und Waren transportierte) vor der irischen Küste; 1 198 Menschen – darunter 128 Bürger der Vereinigten Staaten – kamen dabei ums Leben. Der Lusitania-Zwischenfall verschärfte die antideutsche Stimmung in der US-amerikanischen Öffentlichkeit erheblich, die Forderung nach einem Kriegseintritt der USA gegen die Mittelmächte wurde immer nachdrücklicher. Die Regierung Wilson lehnte einen Kriegseintritt jedoch (noch) strikt ab, bewirkte aber durch scharfe Proteste und Drohungen die Rücknahme des uneingeschränkten U-Boot-Krieges durch das Deutsche Reich.

Ende Januar 1917 nahm das Deutsche Reich den uneingeschränkten U-Boot-Krieg wieder auf; etwa um dieselbe Zeit erhielt die Regierung Wilson Kenntnis von der so genannten Zimmermann-Note, ein gegen die USA gerichtetes Bündnisangebot des Deutschen Reiches an Mexiko. Diese beiden Faktoren sowie die sich weiter verschärfende antideutsche Stimmung in den USA und vor allem auch die sich nun durchsetzende Überzeugung, dass die USA nur dann auf eine friedliche, demokratische, an ihren Vorstellungen orientierte Weltordnung hinwirken könnten, wenn sie sich auch am Krieg beteiligten, waren es, die den Kongress auf Betreiben Wilsons am 6. April 1917 dem Deutschen Reich und seinen Verbündeten den Krieg erklären ließen. Die USA entsandten fast zwei Millionen Soldaten auf den europäischen Kriegsschauplatz, wo sie 1918 maßgeblich am Sieg der Entente über das Deutsche Reich beteiligt waren.

Bereits im Januar 1918 hatte Wilson in den Vierzehn Punkten sein Programm für eine friedliche, stabile Nachkriegsordnung vorgestellt. Zentrales Anliegen der Vierzehn Punkte war die Wiederherstellung des Selbstbestimmungsrechtes der Völker sowie die Etablierung eines internationalen friedenssichernden Instruments, des Völkerbundes. Auf der Pariser Friedenskonferenz spielte Wilson zwar eine zentrale Rolle; seine Vierzehn Punkte wurden allerdings nur sehr modifiziert in die Pariser Vorortverträge, insbesondere den Versailler Vertrag aufgenommen. Lediglich der 14. Punkt, die Schaffung des Völkerbundes, wurde weitgehend nach Wilsons Vorstellungen realisiert. In den USA jedoch stieß der Völkerbund, so wie er im Versailler Vertrag definiert war, auf breite Ablehnung: Man befürchtete eine nicht hinzunehmende Beschränkung der außenpolitischen Handlungsfreiheit der USA. Der Senat verweigerte trotz des großen Engagements Wilsons für die Annahme des Versailler Vertrages die Ratifizierung; die USA traten dem Völkerbund nie bei und kehrten nun wieder zu einer isolationistisch orientierten Außenpolitik zurück. Mit Deutschland schlossen die USA 1921 einen separaten Friedensvertrag.

7. Die goldenen zwanziger Jahre – Boom und Zusammenbruch

Innenpolitisch erreichte Wilson 1920 mit dem 19. Zusatz zur Verfassung die Einführung des Frauenwahlrechtes. Dies markierte auch in etwa das Ende der progressiven Reformpolitik. Seine Nachfolger, die Republikaner Warren G. Harding (1921-1923), Calvin Coolidge (1923-1929) und Herbert Clark Hoover (1929-1933), ließen den Kräften der erneut boomenden Wirtschaft dagegen wieder relativ freien Lauf. Neue Industriezweige, wie z. B. die Automobilindustrie und die Elektroindustrie, aber auch die Baubranche hatten enorme Zuwachsraten zu verzeichnen, die infolge von Rationalisierungen steigende Massenproduktion erlaubte Preissenkungen, während zugleich die Löhne stiegen und sich die USA zu einer Konsumgesellschaft mit vergleichsweise hohem Wohlstandsniveau entwickelten.

Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umwälzungen der Nachkriegszeit brachten aber auch eine Reihe von sozialen Problemen mit sich. So gewann z. B. der Rassismus weiter an Boden, ebenso die Fremdenfeindlichkeit. 1921 und 1924 begrenzten die USA daher die bisher unbeschränkte Einwanderung per Gesetz drastisch auf jährlich 150 000 Personen; Asiaten durften praktisch überhaupt nicht mehr einwandern, Kanadier und Lateinamerikaner dagegen waren von der Quotenregelung ausgenommen.

7.1. Prohibition

1919 führten die USA mit der Verabschiedung des 18. Verfassungszusatzes die Prohibition ein, das Verbot von Herstellung, Transport und Verkauf von Alkohol. Die von verschiedenen Temperenzbewegungen erhobene Forderung nach Eindämmung oder gar Verbot des Alkoholkonsums war so alt wie die Vereinigten Staaten selbst, und schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts hatten eine ganze Reihe von Bundesstaaten verschiedene Gesetze gegen übermäßigen Alkoholkonsum eingeführt. Bundesweit konnten die interessierten Kreise – primär ländliche, protestantische Bevölkerungskreise – die Prohibition jedoch erst 1919 verwirklichen. Allerdings hatten weder der Bund noch die Bundesstaaten ausreichende Mittel, die Prohibition auch flächendeckend durchzusetzen: Schwarzbrennereien, illegaler Verkauf und Ausschank und vor allem die nun rapide ansteigende organisierte Kriminalität erlebten eine Blütezeit. Ab Ende der zwanziger Jahre mehrten sich die Stimmen für eine Aufhebung der Prohibition, die sich inzwischen als Fehlschlag erwiesen hatte; während der Weltwirtschaftskrise sprach zusätzlich das Argument fehlender Steuereinnahmen aus Alkoholproduktion und -verkauf für eine Aufhebung, und 1933 wurde die Prohibition durch den 21. Verfassungszusatz wieder beendet.

7.2. Börsenkrach und Weltwirtschaftskrise

Die anhaltende Prosperität der zwanziger Jahre verleitete in den USA zunehmend zu Investitionen im Spekulationsgeschäft. Allein zwischen 1927 und 1929 stiegen die Aktienkurse auf das Doppelte, wobei in den ersten sechs Monaten der Regierung Hoover 1929 die größten Kurssteigerungen zu verzeichnen waren. In diesem Zeitraum wurden Milliarden US-Dollar im Aktienmarkt investiert; das Kapital dafür kam aus Bankkrediten, Hypotheken oder dem Verkauf von Staatsobligationen wie den Liberty Bonds. Allein im August 1929 handelten Aktienhändler für ihre Kunden rund 300 Millionen Aktien mit Profit (carry on margin). Bis zum Oktober 1929 hatte sich dieser Kaufrausch jedoch erschöpft und schlug nun in eine fieberhafte Verkaufswelle um. Die Kurse stürzten steil ab, Tausende Anleger verloren ihr gesamtes Vermögen. Am 25. Oktober 1929, dem „Schwarzen Freitag”, erlebte die New Yorker Börse ihre verheerendsten Panikverkäufe. Zum Jahresende hatten die Kursstürze die Summe von 15 Milliarden US-Dollar erreicht.

Dieser Börsenkrach leitete eine Wirtschaftskrise ein, die nicht nur die USA erfasste, sondern sich in den frühen dreißiger Jahren zur Weltwirtschaftskrise auswuchs. Zahlreiche Fabriken mussten schließen, die Industrieproduktion sank bis 1932 auf gut die Hälfte des Standes von 1929, die Zahl der Arbeitslosen stieg im selben Zeitraum auf 15 Millionen an, Banken gingen in Konkurs, die Warenpreise fielen stetig. Die Krise verschärfte sich bis 1932 unaufhaltsam, und die Regierung Hoover tat wenig, um der Krise entgegenzuwirken, vertraute vielmehr auf die Selbstheilungskräfte des Marktes. Eine Folge war, dass Hoover bei den Präsidentschaftswahlen klar seinem demokratischen Herausforderer Franklin D. Roosevelt unterlag, dessen New Deal eine Überwindung der Krise versprach. Der New Deal zeitigte kurz- und mittelfristig zwar nicht die erhofften und versprochenen Erfolge, brachte aber doch relativ rasch eine Stabilisierung der wirtschaftlichen und sozialen Lage.

7.3. Außenpolitik (1920-1932)

Die Außenpolitik der Regierungen Harding, Coolidge und Hoover war einerseits isolationistisch, andererseits von einer expansionistischen Außenwirtschaftspolitik geprägt. Daneben waren die USA infolge des 1. Weltkrieges zum größten Gläubigerland der Welt geworden.

Während des 1. Weltkrieges und in der unmittelbaren Nachkriegszeit hatten die USA den Alliierten Kredite in Höhe von insgesamt rund zehn Milliarden US-Dollar gewährt. Allerdings sahen sich die unter den Kriegsfolgen leidenden Schuldnerstaaten kaum in der Lage, die Forderungen mittelfristig zu begleichen, ohne die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse in ihren jeweiligen Ländern noch weiter zu strapazieren. Politische und wirtschaftliche Stabilität in Mittel- und Westeuropa hielten die USA jedoch für eine wesentliche Voraussetzung für die Abwendung des gefürchteten Übergreifens des Bolschewismus von Sowjetrussland auf den Westen. Schwächstes Glied im von den USA anvisierten Bollwerk gegen den Bolschewismus war der ehemalige Kriegsgegner Deutschland, das extrem hohe Reparationszahlungen an die Alliierten zu leisten hatte, die Deutschlands wirtschaftliche Möglichkeiten bei weitem überstiegen und für erhebliche innenpolitische Unruhen in Deutschland sorgten. Daher handelten die USA den Dawesplan (1924) und den Youngplan (1930) aus, die die Rückzahlung der Kriegskredite neu regelten und vor allem für Deutschland einen vernünftigen, langfristigen Rahmen für die Begleichung der Reparationszahlungen festlegten. Im Interesse der politischen Stabilität initiierten die USA sogar internationale Anleihen für Deutschland.

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