Suchansicht China

Wenn Sie nach einem bestimmten Wort, Namen bzw. Thema in diesem Artikel suchen möchten, wählen Sie in Ihrem Browser die entsprechende Option für Suche innerhalb der Seite. Im Internet Explorer finden Sie diese Option im Menü Bearbeiten.

Bei der Suche wird genau das Wort bzw. die Phrase berücksichtigt, das (die) Sie eingegeben haben. Sollte die Suche keine Ergebnisse zeitigen, versuchen Sie, nach einem Schlüsselwort in Ihrem Thema zu suchen bzw. die Schreibung des betreffenden Wortes oder Namens zu überprüfen.

China
1. Einleitung

China, chinesisch Zhonghua Renmin Gongheguo (Volksrepublik China), bevölkerungsreichstes und nach Russland und Kanada drittgrößtes Land der Erde.

Die Volksrepublik China befindet sich in Ostasien; sie grenzt im Norden an die Mongolei und Russland, im Nordosten an Russland und Nordkorea, im Osten an das Gelbe Meer und das Ostchinesische Meer, im Süden an das Südchinesische Meer, Vietnam, Laos, Myanmar, Indien (umstrittener Grenzverlauf in Arunachal Pradesh und anderen Gebieten), Bhutan und Nepal, im Westen an Pakistan, Afghanistan und Tadschikistan und im Nordwesten an Kirgisistan und Kasachstan. Zu China gehören mehr als 3 400 Inseln vor der Küste. Hainan im Südchinesischen Meer ist die größte chinesische Insel. Die Gesamtfläche des Landes beträgt einschließlich Taiwan, das von China als chinesische Provinz angesehen wird, 9 607 300 Quadratkilometer. Hauptstadt von China ist Peking, größte Stadt des Landes ist Shanghai.

Mehr als ein Fünftel der gesamten Weltbevölkerung lebt innerhalb Chinas Grenzen. China ist die Wiege einer der frühesten Zivilisationen der Erde; Zhonghua, der chinesische Name für das Land, bedeutet Reich der Mitte und belegt zugleich den Glauben der Chinesen, dass ihr Land das geographische Zentrum der Erde und die einzige wirkliche Zivilisation ist.

2. Land

In China gibt es aufgrund der weiten Ausdehnung eine Vielzahl unterschiedlicher Naturräume. Die höheren Gebirgszüge mit einigen der höchsten Berge der Erde befinden sich überwiegend im Westen Chinas. Drei dieser Gebirge, Tian Shan, Kunlun Shan und Tsinling, stammen aus der Zeit der paläozoischen Gebirgsbildungen (siehe Orogenese), die im späten Karbon begannen und im Perm endeten, als sich die Landmassen der Erde zu Pangäa vereinigt hatten, dem einzigen großen Kontinent (siehe Geologie: geologische Zeitalter). Ein viertes Gebirge, der Himalaya, ist jüngeren Ursprungs. Es bildete sich, als die im mesozoischen Meer, der Tethys, abgelagerten Sedimente aneinandergepresst und beim Zusammenstoß der Indischen und Eurasischen Platten in die Höhe geschoben wurden. Dieser Vorgang fand im Oligozän, einem Zeitabschnitt des Tertiärs, vor etwa 40 Millionen Jahren statt. Im Quartär, dem geologisch jüngsten Abschnitt, äußert sich tektonische Aktivität vor allem in Form von Erdbeben, die insbesondere entlang eines breiten Bogens auftreten, der sich vom westlichen Rand des Sichuan-Beckens (Rotes Becken) nach Nordosten in Richtung Bo Hai und zur Nordküste des Gelben Meeres erstreckt.

Die zahlreichen Gebirgszüge des Landes umschließen verschiedene Hochebenen und Becken, die beträchtliche Wasserreservoire und Bodenschätze enthalten. Auch das Klima lässt sich in unterschiedliche Zonen einteilen; diese reichen von subarktischen bis zu tropischen Bedingungen, einschließlich großer Gebiete mit alpinen Lebensbereichen und Wüsten. Entsprechend den klimatischen Unterschieden bietet das Land eine enorme Artenvielfalt in Flora und Fauna.

43 Prozent der chinesischen Landfläche sind gebirgig, weitere 26 Prozent nehmen Hochebenen ein, während 19 Prozent aus Becken und hügeligem Gelände in vorwiegend trockenen Regionen bestehen. Lediglich 12 Prozent des Landes werden von Ebenen eingenommen.

1. Geographische Regionen

China lässt sich in sechs geographische Hauptgebiete einteilen, wobei die einzelnen Regionen beträchtliche topographische Unterschiede aufweisen.

1.1. Der Nordwesten

Diese Region besteht aus zwei Becken, der Dsungarei (Junggar Pendi) im Norden und dem Tarimbecken im Süden, sowie dem hoch gelegenen Tian Shan. Das Tarimbecken umfasst die weite Sandwüste Takla Makan (Taklimakan Shamo), die trockenste Wüste Asiens. Die Dünen in ihrem Inneren erreichen Höhen bis zu 100 Metern. Die Tiefebene Turfan (Turpan Pendi) liegt bis zu 154 Meter unter dem Meeresniveau. Die Dsungarei enthält zwar ebenfalls Sand- und Steinwüsten, ist jedoch eine überwiegend fruchtbare Region, die bewässert und landwirtschaftlich genutzt wird.

1.2. Das mongolische Grenzland

Im Norden Zentralchinas liegt das mongolische Grenzland. Dieses Plateaugebiet besteht vorwiegend aus sandigen, steinigen oder schotterbedeckten Wüsten, die sich nach Osten in eine fruchtbare Steppenregion ausdehnen. Diese flache bis abschüssige Ebene wird von verschiedenen Tafelgebirgen gegliedert. An seiner östlichen Grenze liegt das bewaldete Hochland des Großen Chingan (Da Hinggan Ling).

1.3. Der Nordosten

Diese Region umfasst die gesamte Mandschurei (chinesisch: Dongbei Pingyuan) im Osten des Großen Chingan und die umliegenden Hochgebiete. Die weite Ebene verfügt über fruchtbare Böden. Die Hochgebiete sind hügelig bis gebirgig und von zahlreichen breiten Tälern und sanften Hängen durchzogen. Im Süden erstreckt sich die Liaodong-Halbinsel, die über einige Naturhäfen verfügt.

1.4. Nordchina

Dieser Großraum erstreckt sich zwischen dem mongolischen Grenzland im Norden und dem Fluss Jangtsekiang im Süden. Das Gebiet lässt sich in verschiedene topographische Einheiten gliedern. Das Lößplateau im Nordwesten wird von mächtigen Lagen von durch den Wind angewehtem Löß bedeckt. Der locker aufgeschichtete Lößboden ist ständiger Erosion ausgesetzt, weshalb zahlreiche, zum Teil steilwandige Täler entwickelt sind. Das Gebiet wird überwiegend im Terrassenfeldbau landwirtschaftlich genutzt. Die Nordchinesische Ebene, das größte Flachland Chinas, besteht aus fruchtbaren Böden, die sich auf Löß gebildet haben. Die meisten Gebiete werden intensiv bewirtschaftet. Die im Osten gelegenen Shandong-Hochländer auf der gleichnamigen Halbinsel setzen sich aus zwei unterschiedlichen Gebirgsregionen zusammen, die von Geröllhügeln flankiert werden. Die felsige Küste der Halbinsel umfasst einige natürliche Häfen. Im Südwesten bildet das Zentralgebirge eine Barriere gegen alle in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Luftmassenbewegungen.

1.5. Südchina

Die Region umfasst das Jangtsekiang-Tal und einige Gebiete im Süden des Landes. Das Jangtsekiang-Tal besteht aus einer Reihe von Becken mit fruchtbaren Schwemmlandböden. Diese Tiefebenen werden von natürlichen und angelegten Wasserwegen durchzogen. Außerdem gibt es hier zahlreiche Seen. Das Sichuan-Becken (Rotes Becken) im Westen wird von zerklüfteten Felsvorsprüngen des Zentralhochlandes eingeschlossen. Das Gebiet ist wegen seiner weiten, landwirtschaftlich genutzten Terrassenanlagen bekannt. Die Plateaus Südchinas erstrecken sich von der Tibetischen Hochebene nach Osten bis zum Meer. Das tief erodierte Yunnan-Guizhou-Plateau im Westen wird von verschiedenen Gebirgsketten eingerahmt, die durch tiefe Täler und steile Schluchten voneinander getrennt sind. Eine der bizarrsten Landschaften ist im östlichen Guizhou zu finden, wo das Gelände von hohen Bergen mit säulenartigen Gipfeln gekennzeichnet ist. Im Osten liegen die zum großen Teil kahl geschlagenen und stark erodierten Nan-Ling-Hügel. Entlang der Küste erstrecken sich die zerklüfteten südöstlichen Hochebenen. Die vielen vorgelagerten Inseln verfügen über zahlreiche natürliche Häfen. Im Süden der Nan-Ling-Hügel liegt das Xi-Jiang-Becken. Diese überwiegend hügelige Region ist mit fruchtbaren Böden ausgestattet; auch die Flusstäler sind nährstoffreich und werden landwirtschaftlich genutzt. Das breite Flussdelta des Xi Jiang wird auch Kantondelta genannt.

1.6. Die Tibetische Hochebene

Im abgelegenen äußersten Südwesten Chinas liegt die Tibetische Hochebene. Das zerklüftete Bergland gehört zu den höchstgelegenen Plateauregionen der Welt. Die durchschnittliche Höhe beträgt 4 510 Meter. Die Hochebene wird von Hochgebirgen begrenzt; dies sind im Süden Himalaya, im Westen Pamir und Karakorum und im Norden Kunlun Shan und Qilian Shan. Auf der Hochebene gibt es Salzseen und Sumpflandschaften; zudem wird sie von verschiedenen Gebirgszügen durchkreuzt und ist Quellgebiet der wichtigsten süd- und ostasiatischen Flüsse wie Indus, Ganges, Brahmaputra, Mekong, Jangtsekiang und Huang He (Gelber Fluss). Die Landschaft ist karg und felsig.

2. Flüsse und Seen

Die drei längsten Flüsse des Landes, Jangtsekiang (6 300 Kilometer), Huang He (5 464 Kilometer) und Xi Jiang (2 100 Kilometer) münden in den Pazifik; nur ein kleiner Teil des Landes entwässert zum Indischen Ozean hin. Der Huang He durchfließt das Lößbergland und mündet in das Ostchinesische Meer; aufgrund der von ihm transportierten Lößmengen erhielt er den Namen „Gelber Fluss”. Der Xi Jiang fließt in das Südchinesische Meer. Der bedeutendste Fluss im äußersten Norden des Landes ist der Amur (Heilong Jiang), der über eine lange Strecke die nordöstliche Grenze zu Russland markiert. Der Songhua (Sungari) und der Liaoe entwässern mit ihren Nebenflüssen den größten Teil der Mandschurischen Ebene und der sie umgebenden Hochländer. Zu den größten Seen Chinas zählt der Qinghai Hu. Die meisten der großen Seen Chinas liegen im mittleren und unteren Tal des Jangtsekiang. Dongting Hu und Poyang Hu gehören zu den größten Seen im Mittellauf des Flusses. Im Sommer steigen die Wasserstände der Seen stark an. Der größte Salzsee der Tibetischen Hochebene ist der Qinghai Hu (Koko Nor) im weniger hoch gelegenen Nordosten; weitere Salzseen ähnlichen Ausmaßes befinden sich auf dem Hochplateau. Über 2 000 Wasserspeicheranlagen wurden in China errichtet, vorrangig zum Zweck der Bewässerung und der Hochwasserregulierung. Die meisten dieser Anlagen sind relativ klein, die größte am Huang He umfasst ein Volumen von rund 35,4 Milliarden Kubikmetern.

3. Klima

China hat Anteil an mehreren Klimazonen; gemäßigte Temperaturen herrschen in den halbtrockenen Regionen des Westens und des Landesinneren vor, während im äußersten Süden tropische Bedingungen überwiegen. Für weite Teile des Landes ist starke Kontinentalität mit kalten Wintern und heißen Sommern charakteristisch.

Der asiatische Monsun beeinflusst das Klima des Landes weiträumig. Im Winter strömen kalte, trockene Winde aus dem ausgedehnten Hochdruckgebiet über Zentralsibirien nach China. Dies führt in allen Gebieten nördlich des Jangtsekiang zu niedrigen Temperaturen und bringt dem gesamten Land Trockenheit. Im Sommer strömt warme, feuchte Luft vom Pazifik ein, die reichlich Niederschläge bringt. Vereinzelt treten auch tropische Wirbelstürme auf. An der Leeseite der Berge nehmen die Niederschläge mit zunehmender Entfernung vom Meer ab. Die Becken im Nordwesten erhalten nur geringe Niederschläge. Die sommerlichen Temperaturen sind im ganzen Land bemerkenswert konstant; im Winter herrscht zwischen Norden und Süden jedoch ein extremes Temperaturgefälle.

Im südöstlichen China, südlich des Jangtsekiang-Tales, herrscht im Allgemeinen subtropisches, im äußersten Süden sogar tropisches Klima vor. Die Sommertemperaturen in dieser Region liegen im Durchschnitt bei 26 °C. Im Winter fallen die Temperaturen bis auf 18 °C im tropischen Süden und auf 4 °C am Jangtsekiang. Die Hochplateaus und Becken im Südwesten weisen ebenfalls subtropisches Klima mit beträchtlichen regionalen Unterschieden auf. Wegen der Höhenlage sind die Sommer kühler, und durch den Schutz vor Nordwinden sind die Winter relativ mild. Im Sichuan-Becken (Rotes Becken) dauert die Vegetationszeit aufgrund der großen Feuchtigkeit mit häufiger Nebelbildung elf Monate. Die Niederschläge sind vor allem im Sommer hoch; sie betragen in fast allen Teilen Südchinas jährlich mehr als 1 000 Millimeter.

Nordchina umfasst keine Gebirgskette, die das Gebiet vor den Kaltlufteinbrüchen aus Sibirien schützt, weshalb die Winter hier kalt und trocken sind. Die Temperaturen im Januar reichen von 4 °C im Süden bis -10 °C nördlich von Peking und in den höheren Lagen des Westens. Im Juli liegen die mittleren Temperaturen bei 26 °C und erreichen in der Nordchinesischen Ebene sogar 30 °C. Beinahe der gesamte Jahresniederschlag von etwa 760 Millimetern fällt im Sommer. Im Nordwesten ist es weniger feucht, denn hier herrscht trockenes Steppenklima. Die Niederschläge variieren in diesen Gebieten von Jahr zu Jahr sehr stark. Vereinzelt treten Sandstürme und Hagelschauer auf. An etwa 40 Tagen im Jahr herrscht dichter Nebel, an der Küste bisweilen sogar an 80 Tagen.

Das Klima der Mandschurei ähnelt dem Nordchinas, ist aber kälter. Im Januar liegen die mittleren Temperaturen in der Mandschurischen Ebene bei -18 °C, im Juli bei 22 °C. Die Jahresniederschläge liegen zwischen etwa 600 Millimetern im Osten und 300 Millimetern im Westen; Hauptregenzeit ist der Sommer.

In den nordwestlichen Grenzgebieten zur Mongolei herrscht überwiegend Wüsten- und Steppenklima. Im Januar liegen die Durchschnittstemperaturen überall mit Ausnahme des milderen Tarimbeckens um -10 °C. Im Juli belaufen sie sich auf etwa 20 °C. Der Jahresniederschlag liegt zwischen 100 und 250 Millimetern.

Wegen der Höhenlage herrscht in der Tibetischen Hochebene arktisches Klima; die Temperaturen bleiben ganzjährig unter 15 °C. Die Luft ist das ganze Jahr über klar und trocken. Die jährlichen Niederschläge liegen mit Ausnahme des äußersten Südostens überall unter 100 Millimetern.

4. Flora

Aufgrund der verschiedenen klimatischen und topographischen Bedingungen weist die Pflanzenwelt Chinas eine große Artenvielfalt auf. Ein Großteil der ursprünglichen Vegetation ist jedoch während der Jahrhunderte der Besiedlung und intensiven landwirtschaftlichen Nutzung zerstört worden. Natürliche Wälder gedeihen nur noch in den abgelegenen Bergregionen.

In der Region südlich des Xi-Jiang-Tales wachsen dichte tropische Regenwälder. Diese bestehen aus Laubbäumen, die mehr als 50 Meter Höhe erreichen können, und vereinzelten Palmen. Subtropische Vegetation gedeiht im Norden des Jangtsekiang-Tales und im Westen des Tibetischen Plateaus. In dieser Zone ist die Artenvielfalt besonders reichhaltig und umfasst Eichen, Ginkgos, Bambus, Pinien, Azaleen und Kamelien. Auch Wälder aus Lorbeerbäumen und Magnolien sowie dichtes Unterholz aus kleineren Büschen und Bambusdickichten sind hier zu finden. In den höheren Lagen überwiegen Nadelbäume.

Im Norden des Jangtsekiang-Tales liegt ein noch sehr ursprünglich erhaltener Wald mit Eichen, Eschen, Ulmen und Ahorn; Linden und Birken wachsen in der nördlichen Mandschurei. Hier gibt es im Bergland noch große Gebiete mit Lärchenwäldern, die wichtige Holzreserven darstellen. Die heute kultivierte Mandschurische Ebene wurde früher von Grassteppen mit verstreuten Baumbeständen eingenommen.

Steppenlandschaften mit dürreresistenten Gräsern sind im Grenzgebiet zur Mongolei verbreitet. Die Vegetation dieser Region ist jedoch u. a. aufgrund von Bodenerosion stark beeinträchtigt. In den kargeren Gebieten im Nordwesten gedeihen vor allem krautige Pflanzen. Tundrenvegetation wächst in großen Teilen des Tibetischen Hochlandes. In den günstigeren Lagen der Trockenregionen gedeihen auch höhere Büsche und Bäume; in vielen Berggebieten finden sich Fichten- und Tannenwälder.

Zum Schutz von Lebensräumen hat die chinesische Regierung landesweit 400 Naturreservate, die 14,8 Prozent (2007) der gesamten Landesfläche einnehmen, eingerichtet. Auch auf Provinzebene gibt es Schutzgebiete. Einige neu eingerichtete Parks, z. B. der staatliche Waldpark Zhangjiajie in Hunan, haben sich als hervorragende Investitionen erwiesen, da die lokale Wirtschaft vom Zustrom der Touristen profitiert. Auf internationaler Ebene hat China im Rahmen des Biosphäre-Programms der UNESCO sieben Biosphärenreservate deklariert.

5. Fauna

Die unterschiedlichen Lebensräume in China haben eine vielfältige Fauna zur Folge. Diese reicht von arktischen Arten in der Mandschurei bis zu einer reichen tropischen Tierwelt im südlichen China. Der stark gefährdete Große Panda lebt nur im Südwesten Chinas. Weitere Großraubtiere wie Braunbären und Tiger sind in abgelegenen Gebieten heimisch. Leoparden leben in der nördlichen Mandschurei, Tibet ist Lebensraum des Schneeleoparden. In manchen Regionen sind Wölfe verbreitet. Im tropischen Süden kommen mehrere Primatenarten vor, darunter Gibbons und Rhesusaffen. Antilopen, Gazellen, Gämsen, Wildpferde und andere Huftiere bewohnen die Bergregionen und Täler im Westen, der Elch besiedelt die nördliche Mandschurei. Ein seltener Paarhufer ist das Chinesische Wasserreh.

Auffallende Arten der Vogelwelt sind Fasanen, Pfauen, Papageien, Reiher und Kraniche. Reptilien sind u. a. durch Alligatoren repräsentiert. Das Meeresleben, insbesondere an der Südküste, ist reichhaltig. Hier finden sich Flundern, Kabeljau, Thunfische, Krabben, Garnelen und Tintenschnecken. Die Flüsse Chinas bieten Lebensraum für verschiedene Karpfenarten, Lachse, Forellen und Welse; seltene Arten im Jangtsekiang sind der Chinesische Schwertstör und der möglicherweise ausgestorbene Chinesische Flussdelphin (Baiji). Viele Binnengewässer Chinas werden für die Fischzucht verwendet.

3. Bevölkerung

Die Bevölkerung Chinas besteht zu 93 Prozent aus Chinesen (Han-Chinesen). Die Chinesen sind überwiegend mongolischer Abstammung und unterscheiden sich innerhalb Chinas nicht durch verschiedene Herkunft, sondern durch sprachliche Variationen.

Mehr als 70 Millionen Menschen gehören den 56 nationalen Minderheiten an. Die meisten dieser Gruppen unterscheiden sich von den Chinesen durch Sprache oder Religion und weniger durch ethnische Merkmale. Zu den größten Minderheiten zählen die mit den Thais verwandten Zhuang (14,6 Millionen, überwiegend in der Autonomen Region Guangxi Zhuang), die Hui (8 Millionen chinesische Muslime in der Autonomen Region Ningxia Hui), die Gansu und Qinghai, die turksprachigen Uigur (6,5 Millionen in der Autonomen Region Singkiang), die Yi (6 Millionen in Sichuan, Yunnan und Guangxi), die Miao (5,5 Millionen in Guizhou, Hunan und Yunnan), die Tibeter (4,3 Millionen in der Autonomen Region Tibet und Qinghai) sowie die Mongolen (3,7 Millionen in der Inneren Mongolei, Gansu und Singkiang). Weitere zahlenmäßig starke Gruppen sind Koreaner, Bonyei und Mandschu. Die Qing stammen von jener Volksgruppe ab, die im 17. Jahrhundert China eroberte und die Qing- oder Mandschu-Dynastie begründete; sie sind von den Han-Chinesen kaum zu unterscheiden.

Mit der ersten nationalen Volkszählung seit der kommunistischen Machtübernahme 1953 versuchte man, die menschlichen Ressourcen für den ersten Fünfjahresplan zu erfassen. Zu dieser Zeit betrug die chinesische Bevölkerung 585,5 Millionen. Eine zweite Volkszählung von 1964 zeigte eine Zunahme auf 694,6 Millionen und die dritte Zählung von 1982 ergab eine Einwohnerzahl von knapp über einer Milliarde (nicht einbezogen sind Hongkong, Macao und Taiwan). Die Einwohnerzahl ist mittlerweile auf 1,33 Milliarden gestiegen (2008). Das jährliche Bevölkerungswachstum beträgt 0,63 Prozent (2008). Die Bevölkerung ist sehr ungleichmäßig über das Land verteilt. Der Großteil lebt in den 19 östlichen Provinzen, dem historischen Kernland Chinas. Dies zeigen die unterschiedliche historische Landnutzung und die Siedlungsmuster der Chinesen im Osten und der nicht zu den Han-Chinesen gehörenden Völker im Westen. Seit 1960 propagiert die chinesische Regierung die Besiedlung der westlichen Provinzen und der autonomen Regionen.

Der Geburtenrückgang zwischen 1950 und 1980 basierte zum großen Teil auf den Anstrengungen der Regierung, späte Eheschließungen zu befürworten und, erst in jüngerer Zeit, chinesische Familien auf die Zeugung nur eines Kindes zu verpflichten. Dieses Programm wurde mit einem kontinuierlichen Ausbau medizinischer Versorgungseinrichtungen gekoppelt, die über Geburtenkontrolle informieren und empfängnisverhütende Mittel gegen geringes Entgelt oder kostenfrei ausgeben. Offizielle Schätzungen im Jahr 1984 ergaben, dass 70 Prozent aller verheirateten Paare im zeugungsfähigen Alter Verhütungsmittel anwenden und 24 Millionen Paare formell einem Verzicht auf mehr als ein Kind zugestimmt haben. Die Abtreibung ist in China legal, und der soziale Druck, eine Schwangerschaft abzubrechen, ist insbesondere für jene Frauen hoch, die bereits ein Kind oder mehrere geboren haben. Die nationalen Minderheiten wurden generell vom Programm der Geburtenkontrolle ausgenommen. Dadurch soll eine Politik aufrechterhalten werden, die allen nicht den Han-Chinesen zugehörigen Menschen größtmögliche Unabhängigkeit bietet.

Trotz starker Industrialisierung ist China nach wie vor ein stark agrarisch geprägtes Land. Obwohl im Gebiet des heutigen China bereits vor der Zeit des Römischen Reiches wichtige Stadtzentren existierten, nahm der Anteil der in Städten lebenden Bevölkerung nur langsam zu. Etwa 59 Prozent der Bevölkerung leben auf dem Land (2005).

Spontane Umsiedlungen vom Land in die Städte wurden Mitte der fünfziger Jahre verboten, da es an Produktivkraft zur Errichtung weiteren Wohnraumes in der Stadt mangelte. Dieses Verbot entsprang auch dem Glauben Mao Tse-tungs, dass der Klassenunterschied zwischen Stadt- und Landbevölkerung eine der Ursachen für soziale Ungleichheit in China sei. Während der sechziger Jahre und in der ersten Hälfte der siebziger Jahre verwendeten die Chinesen beträchtliche Energien auf ein Konzept, bei dem die ausgebildete Stadtjugend für mehrere Jahre oder sogar für eine dauerhafte Ansiedlung auf das Land geschickt wurde. Mit dieser Bewegung sollten die in den Städten erworbenen Kenntnisse in ländliche Gebiete transportiert werden, und sie sollte das Interesse der Bauern dämpfen, in die Städte abzuwandern. Dieses Landentwicklungsprogramm wurde nach dem Tod von Mao 1976 nicht weiterverfolgt und Ende 1978 komplett aufgegeben. Zu dieser Zeit nahm die Abwanderung in die Städte zu. Innerhalb der Städte wird ein Wohnsitzwechsel ebenfalls von der Regierung beschränkt. Wer umziehen will, muss eine offizielle Erlaubnis besitzen und den Nachweis eines Wohnsitzes und einer Arbeitsstelle erbringen. Dennoch hat der Wohnsitzwechsel innerhalb der großen Städte zum Abriss vieler alter Häuser geführt, an deren Stelle dann moderne Wohn- oder Bürogebäude errichtet wurden.

1. Wichtige Städte

Die ersten Städte Chinas entstanden um 1500 v. Chr. zur Zeit der Shang-Dynastie. Die Städte erfüllten damals überwiegend hoheitliche (administrative oder halbreligiöse) Funktionen. Außerdem waren sie für den Materialnachschub an den chinesischen Hof von Bedeutung und dienten als Marktplätze. Im 20. Jahrhundert und besonders seit den fünfziger Jahren haben die chinesischen Städte einen großen Stellenwert als Industrie- und Produktionszentren erlangt. Doch auch heute haben die Städte hoheitliche Bedeutung, die von der kommunistischen Regierung gepflegt wird.

In China gibt es 40 Städte, deren Einwohnerzahl über einer Million liegt. Zu den bevölkerungsmäßig größten Städten zählen Kanton (Guangzhou) (7,61 Millionen), Hafenstadt am Xi Jiang; Shanghai (13,68 Millionen), größte Stadt des Landes mit dem wichtigsten Hafen; Peking (11,81 Millionen), Hauptstadt und kulturelles Zentrum Chinas; Tientsin (9,39 Millionen), Hafenstadt am Zusammenfluss des Hai mit dem Kaiserkanal; Shenyang (6,80 Millionen) sowie Wuhan (7,81 Millionen), Hafenstadt am Zusammenfluss von Han und Jangtsekiang.

2. Sprache

Die Amtssprache ist Chinesisch, das zur sinotibetischen Sprachfamilie gehört, basierend auf dem Dialekt Putonghua, im Westen auch als Mandarin bekannt. Die chinesische Schrift ist über 3 000 Jahre alt. Obwohl die chinesische Sprache mehr als ein Dutzend gesprochener Dialekte umfasst, z. B. Kantonesisch, Fukienesisch und Hakka, deren Sprecher sich kaum untereinander verständigen können, schreiben alle Chinesen mit denselben Schriftzeichen.

Seit 1949 versucht die kommunistische Regierung des Landes eine Änderung der chinesischen Sprache. Die offizielle Landessprache der Chinesen, der Dialekt Putonghua, wurde bei der Nationalkonferenz zur Reform der chinesischen Schriftsprache 1955 zur Amtssprache erklärt. Die Verwendung einfacherer traditioneller Zeichen mit einer geringeren Anzahl von Strichen oder in einer Art Kurzschrift ist inzwischen durchaus üblich. Ziel war es, das Analphabetentum einzudämmen. Die chinesische Schriftsprache umfasst insgesamt mehr als 50 000 Zeichen, von denen aber nur etwa 8 000 ständig gebraucht werden. Um eine Zeitung lesen zu können, muss man rund 3 000 bis 4 000 Schriftzeichen beherrschen.

1977 reichte China eine formelle Anfrage bei den Vereinten Nationen ein, um mit Hilfe der Alphabetschrift Pinyin eine Benennung geographischer Örtlichkeiten in lateinischer Schrift zu ermöglichen. Diese Übertragungstechnik wurde Ende der fünfziger Jahre erfunden und ist seitdem ständigen Änderungen unterworfen. Einige chinesische Funktionäre wünschen, dass Pinyin die chinesische Schrift bald ganz ersetzen soll.

Die etwa 70 Millionen Angehörigen der Minderheiten in China verfügen über eigene Sprachen. Dazu zählen beispielsweise Mongolisch, Tibetisch, Miao, Tai, Uigur und Kasachisch. Früher hatten viele der Minderheitensprachen keine geschriebene Form. Die chinesische Regierung hat dazu ermutigt, mit Hilfe von Pinyin auch für diese Sprachen eine Schrift festzulegen. Die Minderheiten wurden auch darin unterstützt, ihre Tradition und Sprache zu pflegen. Mandarin wird in den Schulen meist als zweite Sprache unterrichtet.

3. Religion

Eine der ersten Amtshandlungen der Chinesischen Kommunistischen Partei nach deren Regierungsübernahme 1949 war die offizielle Abschaffung organisierter Religionen. Bis dahin waren Konfuzianismus, Taoismus und Buddhismus bestimmend gewesen. Tempel und religiös orientierte Schulen wurden säkularisiert.

Unter den formellen Religionen in China finden sich neben dem Buddhismus und dem Taoismus auch Christentum und Islam. In der Verfassung von 1978 wurden die Rechte religiöser Gemeinschaften wieder etwas fester verankert.

3.1. Feiertage

Das chinesische Neujahrsfest (auch Frühlingsfest genannt) findet entsprechend dem chinesischen Mondkalender im Januar oder Februar statt und ist der bedeutendste Feiertag. Der Jahreszeitenwechsel vom Winter zum Frühling erfolgt um den 5. März und heißt Jing zhe (Ching Che) oder „Fest der aufgeregten Insekten”. Für Chinesen ist dies der Tag, an dem „der Drache sein Haupt erhebt” und die Insekten aus ihrer Überwinterung reißt. Am 8. März ist Internationaler Frauentag. Der 1. Mai ist der Tag der Arbeit. Der Internationale Tag der Bildung wird in China und anderen Ländern, die den Vereinten Nationen (UN) angehören, seit den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts am 8. September begangen. Am 28. September feiert man den Geburtstag von K’ung-fu-tzu (Konfuzius) bzw. den Lehrertag. Weitere gesetzliche Feiertage sind der Nationalfeiertag (1. und 2. Oktober), gefolgt vom Tag der Vereinten Nationen am 24. Oktober. An diesem Tag trafen sich 1945 die Nationalisten Chinas mit Repräsentanten anderer Länder, um die Charta der Vereinten Nationen zu verabschieden. Am 12. November ist der Geburtstag von Sun Yatsen, der aufgrund seiner Planung der industriellen Entwicklung als der Vater des modernen Chinas gilt und in der chinesischen Politik zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine führende Rolle spielte. Weitere traditionelle Feste, die in China zu unterschiedlichen Jahreszeiten stattfinden, sind das Laternenfest (15. Tag des ersten Mondmonats), das Drachenbootfest (5. Tag des fünften Mondmonats) und das Herbstmitte- oder Mondfest (15. Tag des achten Mondmonats).

4. Soziales

In China trägt die Regierung die Verantwortung für das Wohlergehen der Bevölkerung. Das Programm einer sozialen Versorgung war ein wesentliches Element für die Machtübernahme der kommunistischen Partei. Zu den wichtigsten sozialen Maßnahmen gehören die Wohnraum- und Arbeitsplatzbeschaffung, die Gesundheits- und Altersversorgung sowie die Übernahme der Bestattungskosten.

Die wichtigsten Reformen wurden im Bereich der Gesundheitsvorsorge erzielt. 1949 lag die Lebenserwartung in China bei 45 Jahren. Mittlerweile ist sie bereits auf 71,4 Jahre für Männer und auf 75,2 Jahre für Frauen angestiegen (2008). Während desselben Zeitraumes ist die Zahl der Mediziner stark angestiegen; trotz der rapiden Bevölkerungszunahme kommt jetzt auf etwa 662 Einwohner ein Arzt. 1949 belief sich das Verhältnis noch auf einen Arzt pro 27 000 Einwohner. Kliniken wurden auf Dorf- und Bezirksebene eingerichtet, während die großen Städte und die Landkreise mit Krankenhäusern versorgt sind. Für Klinikaufenthalte wird eine geringe Gebühr erhoben. Intensivere Behandlungen in städtischen oder Provinzkrankenhäusern zahlt die Arbeitsstelle oder die Regierung.

Zu den wesentlichsten Änderungen im Gesundheitswesen aus neuerer Zeit zählt das wieder erwachte Interesse an der Traditionellen Chinesischen Medizin, beispielsweise an der Medikation mit heimischen Kräutern, der Volksmedizin und der Akupunktur. Solche Behandlungsmethoden sind heutzutage in China gängiger als in westlichen Ländern. In den ländlichen Gebieten basieren vier Fünftel der verabreichten Medikamente auf homöopathischer Basis. So genannte Barfuß-Doktoren spielen ebenfalls eine wichtige Rolle; sie sind überwiegend im Bereich der Hygiene, der Präventivmedizin, der Akupunktur und der Behandlung üblicher Krankheiten ausgebildet und wirken vor allem auf dem Land, wo es sowohl an chinesischen Ärzten als auch an mit westlichen Methoden vertrauten Fachleuten mangelt.

In China wurden im Bereich der Gesundheitsfürsorge groß angelegte Kampagnen durchgeführt. Dazu gehörten Kinderschutzimpfungen und die systematische Bekämpfung von Geschlechtskrankheiten, Tuberkulose, Malaria oder Filariose. Bei der Familienplanung durch Geburtenkontrolle zeigte die Regierung zunächst eine eher unentschlossene Haltung. Seit der Kulturrevolution Ende der sechziger Jahre wurde ein Programm zur Geburtenkontrolle entschieden vorangetrieben. Die Politik der Einkindfamilie ist in der Verfassung verankert.

Bei Erwerbsunfähigkeit, Mutterschaft, Schwerbeschädigung und im Alter sorgt die Regierung für die Betroffenen.

4. Bildung und Kultur

China hat eine lange und reiche kulturelle und bildungsgeschichtliche Tradition. Während der Kaiserzeit (221 v. Chr. bis 1912 n. Chr.) erhielten lediglich höhergestellte Personen eine Position in der sozialen und politischen Führungselite. 124 v. Chr. entstand die erste Universität, an der künftige Staatsbedienstete im Konfuzianismus und der chinesischen Klassik unterrichtet wurden. Historisch betrachtet hatten jedoch nur einige Chinesen die Möglichkeit, die komplexe Sprache und die chinesische Literatur zu studieren. 1949 waren noch etwa 80 Prozent aller Chinesen Analphabeten; danach bemühten sich die chinesischen Kommunisten um eine weitgehende Alphabetisierung der Bevölkerung.

1. Bildung und Schulwesen

Zu den ehrgeizigsten Programmen der Kommunistischen Partei zählt die Einrichtung eines umfassenden Erziehungssystems. Zwischen 1949 und 1951 schrieben sich 60 Millionen Bauern in so genannten Winterschulen ein, deren Unterricht in der beschäftigungslosen Periode der Landarbeiter gehalten wurde. Durch Bildung für alle sollten Klassenunterschiede beseitigt werden.

Während der Kulturrevolution von 1966 bis 1969 wurden 131 Millionen Kinder und Jugendliche vom Unterricht ausgeschlossen. Die Grundschulen und weiterbildenden Schulen öffneten erst in den Jahren 1968 und 1969 wieder, die höheren Bildungsstätten zwischen 1970 und 1972.

Die Regierungspolitik änderte sich in Hinsicht auf die Erziehung in dieser Periode drastisch. Die traditionell 13 Jahre währende Schulausbildung wurde durch einen Neun- oder Zehnjahresplan für die Grund- und Mittelschulen ersetzt. Universitäten mit Studienzeiten von vier bis fünf Jahren stellten auf dreijährige Zyklen um. Ein Teil der gewonnenen Zeit wurde in Produktivarbeit zur Unterstützung der Schule oder eines Bereiches des jeweiligen Studienfaches verwendet. Für die meisten Absolventen von Mittelschulen, die eine Universität besuchen wollten, wurde eine zweijährige praktische Ausbildung zur Pflicht.

Nach Maos Tod 1976 wurde diese Politik zum großen Teil wieder revidiert. Danach glichen sich die Stundenpläne wieder jenen an, die vor der Kulturrevolution Gültigkeit hatten. Es besteht eine Schulpflicht von 9 Jahren (2002–2003). Der Alphabetisierungsgrad beträgt 87,3 Prozent. Die Programme für die Grund- und Mittelschulen wurden allmählich wieder dem Zwölfjahresschema angepasst, und die Hochschulanwärter mussten keine zweijährige Landarbeit mehr verrichten, um an den Universitäten angenommen zu werden.

Eine bedeutende Änderung im Erziehungssystem war die Wiedereinführung standardisierter Aufnahmeexamen, die bereits vor der Kulturrevolution zu einem wesentlichen Instrument für den sozialen Aufstieg in China gehört hatten. In der Zeit der revolutionären Experimente waren die Eingangsprüfungen mit dem Argument abgeschafft worden, dass dadurch eine Elite begünstigt würde, die bereits eine familiäre intellektuelle Tradition habe. Als die Universitäten nach der Schließung zwischen 1970 und 1972 wieder geöffnet wurden, erhielten viele politisch opportune Bewerber eine Aufnahmegenehmigung. Diese Auswahlkriterien wurden 1977 revidiert, als die Chinesen mit ihrem neuen Konzept der Vier Modernisierungen begannen. Die Regierung wollte eine schnelle Modernisierung der Landwirtschaft, Industrie, Verteidigung sowie Wissenschaft und Technik erreichen. Diese setzte ein hohes Bildungsniveau voraus. Um die hierfür erforderlichen Erziehungsprogramme zu stabilisieren, mussten Grundlagen für die theoretische und formale Ausbildung erarbeitet werden. Politische Haltung und revolutionärer Geist standen nun nicht mehr im Vordergrund.

China bedient sich heute eines „Punktesystems”. Dabei werden die vielversprechendsten Studenten in den besten Schulen untergebracht, die zur Ausbildung einer akademischen Elite geeignet sind. Die Absolventen von Mittelschulen können ebenfalls Universitäten und verschiedene technische bzw. Berufsschulen besuchen. Zu den bekanntesten Universitäten in China zählen die Universität Peking (1898), die Universität Hangzhou (1952), die Universität Fudan in Shanghai (1905) und die Universität für Wissenschaft und Technik von China (1958) in Hefei. Die höheren Schulen sind in China kostenfrei. Eine Neuheit im chinesischen Erziehungswesen ist die Fernsehuniversität (siehe nachfolgend unter Medien).

2. Kultur

Die pädagogischen Ziele der kommunistischen Regierung Chinas beschränkten sich jedoch nicht auf die schulische Erziehung. Während der sechziger und siebziger Jahre wurden auch didaktische Theaterstücke, Opern, Literatur und Musik gefördert.

Ausländische Kunst und Literatur, seit den sechziger Jahren verboten, durfte in China im Rahmen eines verstärkten Kulturaustauschs seit Mitte der siebziger Jahre wieder veröffentlicht werden. 1978 und 1979 wurden im Verlag der Volksliteratur etwa 200 ausländische Werke übersetzt, darunter auch Romane aus dem Westen.

Im Bereich der Musik kam es Anfang der achtziger Jahre zu Lockerungen, so dass nicht nur politische Lieder Verbreitung fanden. Auch die Volksmusik erfuhr so wieder eine Würdigung. Die Kinos waren meist ausverkauft, und die reisenden Akrobaten, Zirkusartisten und Jongleure standen in der Gunst der Zuschauer ebenso hoch wie das Ballett und die Oper. In den Kleinstädten und Gemeinden fanden die Aufführungen in voll besetzten Häusern statt. In den achtziger Jahren öffneten sich die chinesischen Bühnen auch für klassische Stücke oder Popmusiker aus dem Westen.

1957, während der Hundert-Blumen-Bewegung, ermutigte man Schriftsteller und Intellektuelle, sich zu Wort zu melden und Perspektiven für die Regierungspolitik und die Bedürfnisse des Volkes zu entwickeln. Die dadurch herausgeforderte Kritik war so vehement, dass die Regierung sich zu einer sofortigen Kehrtwende entschloss. Viele Intellektuelle wurden wegen ihrer vorgetragenen Meinungen verfolgt. Die Angst vor ähnlichen Aktionen von Seiten der Regierung führte Ende der siebziger und Anfang der achtziger Jahre dazu, dass die chinesischen Künstler, Autoren, Komponisten und Filmemacher eher zurückhaltend auf den offiziellen Wunsch reagierten, sich freier und unabhängiger künstlerischer Gestaltung hinzugeben.

3. Kultureinrichtungen

Peking, Shanghai und Kanton spielen in China eine führende kulturelle Rolle. Hier befinden sich die meisten bekannten Museen und Theater, und hier werden die meisten kulturellen Darbietungen aufgeführt.

Peking ist auch kulturelle Hauptstadt. In der Nähe des berühmten Platzes des Himmlischen Friedens liegt die Verbotene Stadt, ehemals kaiserliche Residenz und heute Museum, sowie die Gedächtnishalle für Mao Tse-tung und das Museum der chinesischen Revolution. In Peking befanden sich auch die berühmte „Wand der Demokratie” und die Plakate mit den großen Zeichen, auf denen die öffentliche Meinung über die Regierungspolitik nach Maos Tod 1976 wiedergegeben werden durfte. Ende der siebziger Jahre wurde die Wand verboten. Der Sommerpalast, der Tempel des Himmels, die Gräber der Ming-Dynastie und die Chinesische Mauer befinden sich in der Nähe von Peking. Diese großen Denkmäler der Ming- und Ching-Dynastie bilden ein kulturelles Zentrum für die zunehmend mobile Bevölkerung Chinas.

In Shanghai befinden sich das Museum für Kunst und Geschichte, in dem eine der wertvollsten Kunstsammlungen Chinas untergebracht ist, sowie das Museum der Naturwissenschaften. Auch der Garten des Mandarin Yu liegt hier. Nach 1949 öffnete die kommunistische Regierung viele ehemalige Privathäuser, Gärten und Parks der Öffentlichkeit; heute dienen sie als Treffpunkte zum Teetrinken oder Spazierengehen.

In Kanton (Guangzhou) liegen einer der größten Zoos Chinas, das Guangzhou-Museum, die Sun-Yatsen-Gedächtnishalle, der Yuexiu-Park mit der Zhenhai-Pagode aus der Ming-Dynastie, der Tempel der Sechs Banyan-Bäume und die Huaisheng-Moschee aus dem Jahr 627. In der Nähe von Xi’an (Sian) wurde eines der eindrucksvollsten Werke der chinesischen Antike entdeckt: Eine Terrakotta-Armee mit mehr als 6 000 lebensgroßen Figuren im Grab des Kaisers Shi Huangdi (gestorben 210 v. Chr.) aus der Qin-Dynastie.

Das seit der Revolution von 1949 geförderte nationale Bewusstsein hat dazu geführt, dass in fast jeder Stadt eine Art kulturelles Denkmal errichtet wurde. In jenen Städten, in denen keine offiziellen Museen existieren, wurden ehemalige Gutsbesitzungen in einen öffentlichen Garten oder ein Teehaus umgewandelt. Hierdurch erhielten die Städte einen zunehmend urbanen Charakter.

4. Medien

Die kommunistische Regierung Chinas nutzte seit den frühen fünfziger Jahren vor allem das Radio: So wurden von 1950 bis 1970 auf öffentlichen Plätzen und in Fabriken Lautsprecher aufgestellt. Symbol für das freiere Klima Mitte der achtziger Jahre ist der 1986 in Südchina eingeführte kommerzielle Rundfunk.

Ein Zentraler Volkssender für das Fernsehen entstand 1958 in Peking. Im selben Jahr wurden die ersten chinesischen Fernsehgeräte in der staatlichen Radiofabrik Tientsin gefertigt. Später erweiterte man das Standardprogramm des Zentralen Volkssenders um zwei Kanäle. In vielen Städten und Provinzen entstanden eigene lokale Sendestationen.

Die Fernsehuniversität unter Verwaltung des Zentralen Volkssenders ist ein weiterer Aspekt im Kommunikationsnetz von China. In Peking werden täglich neun Stunden Fernsehunterricht angeboten. Hunderttausende von Studenten haben sich für die Programme dieser Fernuniversität eingeschrieben. Diese Einrichtung ist für China besonders sinnvoll, denn der Anteil der Bevölkerung im Studienalter ist hier extrem hoch.

Über 200 Tageszeitungen haben eine tägliche Auflage von insgesamt 50 Millionen. Die am weitesten verbreitete Zeitung ist die in Peking erscheinende Renmin Ribao (Volkszeitung). Sie untersteht der direkten Kontrolle des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei. Die tägliche Auflage beträgt fünf Millionen. Weitere wichtige Zeitungen und Magazine sind Guangming Ribao (Tageszeitung Kuangming), Jiefang Ribao (Befreiung), Renmin Huabao (Volksillustrierte) und Tiyu Kexue (Sportanzeiger). Ausländische Beobachter nutzen die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua als erste Quelle.

Die Verlagsbranche in China ist sehr aktiv. Die Intention der Regierung, eine möglichst universelle Erziehung zu erreichen, führte zu einer Förderung im Bereich Belletristik und Sachbuch. Darüber hinaus wurden Übersetzungen ausländischer Werke in Auftrag gegeben.

Post- und Telekommunikationsdienste unterstehen der Regierung. Das Telefonnetz ist zwar in nahezu allen Landesteilen ausgebaut, aber nur wenige Haushalte verfügen über eigene Anschlüsse.

5. Verwaltung und Politik

In der Volksrepublik China gilt die 1982 verabschiedete Verfassung, die 2004 letztmals geändert wurde. Diese Verfassung ersetzte die erst 1980 in Kraft getretene Verfassung; deren Vorläuferin wiederum war 1954 in Kraft getreten.

1. Exekutive

Seit der Verfassung von 1982 wird der Präsident durch den Nationalen Volkskongress für eine fünfjährige Amtszeit gewählt. Das Amt des Präsidenten umfasst jedoch vorwiegend repräsentative Pflichten. Die exekutive Macht liegt in Händen des Ministerrates, dem der Erste Vorsitzende voransteht. Der Ministerrat ist mit der Verwaltung der verschiedenen Bereiche der Staatsgeschäfte beauftragt. Die nationale militärische Befehlsgewalt liegt in den Händen der Zentralen Militärkommission. Die Positionen der größten Autorität innerhalb der chinesischen Regierung sind auf den Ministerpräsidenten und den Generalsekretär der Kommunistischen Partei verteilt.

2. Legislative

Der Nationale Volkskongress ist das höchste Organ staatlicher Macht in China. Seine etwa 3 000 Mitglieder werden in mehreren Wahlgängen für eine Amtszeit von fünf Jahren gewählt. Jede Provinz wählt einen Repräsentanten (oder Abgeordneten) pro 400 000 Einwohner für den Kongress. Auf diese Weise wird jede Provinz durch mindestens zehn Abgeordnete vertreten.

Der Nationale Volkskongress kann Gesetze verabschieden, die Verfassung ändern, den Staatshaushalt billigen und ökonomische Pläne genehmigen. Ihm obliegt auch die Macht, die Mitglieder des Ministerrates (Kabinett) zu bestellen und zu entlassen. Der Ministerrat ist das mit der höchsten Macht ausgestattete Instrument der chinesischen Regierung.

In der Praxis hat der Nationale Volkskongress allerdings nur geringe Befugnisse. Wegen seiner fast unüberschaubaren Größe kommt der Kongress lediglich in unregelmäßigen Abständen zur Geschäftsführung zusammmen. Wenn der Kongress nicht tagt, führt ein Ständiger Ausschuss die Geschäfte. Der Ständige Ausschuss repräsentiert den Kongress auch in einer Vielzahl von Regierungsfunktionen, einschließlich des Empfangs ausländischer Gesandter und der Ratifizierung oder Annullierung von Verträgen mit ausländischen Regierungen.

Der Ministerrat ist das zentrale Regierungsinstrument des Nationalen Volkskongresses. Dieser wird vom ersten Vorsitzenden und dessen Stellvertreter geleitet. Die einzelnen Ministerien, Kommissionen und Büros sind dem Ministerrat gegenüber rechenschaftspflichtig.

3. Judikative

Die chinesische Tradition der Rechtsprechung unterscheidet sich beträchtlich von der westlicher Nationen. Die bürgerliche Ordnung wurde in der Geschichte durch die Verantwortlichkeit der Familie, der Nachbarschaft oder der Gemeinde aufrechterhalten. Allgemein ausgedrückt hat die chinesische Gerichtsbarkeit meist versucht, den Kontext eines Individualverbrechens zu verstehen, um die Ursachen zu beseitigen. Die Entwicklung eines formalen juristischen Systems lag ihr eher fern. Mit der Verfassung aus dem Jahr 1978 unternahm China jedoch große Anstrengungen, das System der Rechtsprechung und die Gesetze den westlichen Modellen anzugleichen. Die Verfassung von 1982 garantiert das Recht auf eine Verteidigung. Das chinesische Rechtssystem besteht aus drei Komponenten: einem System von Gerichtshöfen, einer öffentlichen Sicherheitsabteilung oder der Polizei und der öffentlichen Strafverfolgungsbehörde. Das höchste Organ der Judikative ist der Oberste Volksgerichtshof. Dieser wacht über die Einhaltung der Verfassung und der Gesetze des Ministerrats. In allen Provinzen und Gemeinden befinden sich Büros dieser drei judikativen Einrichtungen. Die Polizei hat ihre Reviere auf die einzelnen Stadtviertel verteilt.

Ein weiterer Grund für die Bemühungen Chinas, ein formaleres juristisches Netzwerk zu entwickeln, liegt darin begründet, dass die Kommunistische Partei in vielen, schwereren zivilen Strafverfahren als Vermittler dienen musste. Durch diese Rolle hat die Partei bei der Bewältigung täglicher Routineangelegenheiten in der chinesischen Gesellschaft eine wichtige Funktion erhalten. Die Lösung von nachbarschaftlichen Konflikten, Scheidungen, Familienstreitigkeiten und kleineren Diebstählen wurde durch diese übergeordnete Vermittlung besonders stark beeinflusst. Der lokale Parteisekretär war in diesen Fällen meist in der Position des Vermittlers. Gelegentliche öffentliche Gerichtsverhandlungen trafen auf starkes Interesse.

4. Kommunalverwaltung

Die lokale Regierungsstruktur in China ist auf drei Ebenen organisiert: Provinzen, Bezirke und Städte bzw. Dörfer. Die erste Ebene untersteht direkt der Zentralregierung; sie besteht aus 23 Provinzen (darunter auch Taiwan), fünf autonomen Regionen und den vier direkt regierten Städten Peking, Shanghai, Tientsin und Chongqing. Auf der zweiten Ebene sind die Präfekturen, Bezirke und Gemeinden angesiedelt und auf der dritten Ebene Gemeinden, Städte und Dörfer. Auf jeder dieser Ebenen sind auch spezielle autonome Verwaltungseinheiten eingerichtet, sofern das betreffende Gebiet überwiegend von nichtchinesischen Minderheiten bewohnt ist.

Ab Ende der fünfziger Jahre bis in die siebziger Jahre hinein wurde in den meisten Regionen die Verwaltung der Städte und Dörfer durch Kommunen ersetzt, welche als administrative Basiseinheiten dienen. Die Kommunen waren wiederum in Produktionsbrigaden unterteilt. 1985 wurde ein fünfjähriger Plan abgeschlossen, der den Abbau von 56 000 ländlichen Kommunen zum Ziel hatte.

Obwohl jede Verwaltungsebene der darüber liegenden Ebene rechenschaftspflichtig ist, wurde den kleinen lokalen Einheiten von jeher große Eigenverantwortlichkeit zugesprochen. Das war mit ein Grund für den Erfolg der chinesischen Kommunisten. Die Regierung investierte beträchtliche Energien, um diese Lokalregierungen als Diskussionsforum zu etablieren und eine von unten nach oben durchgängige Basisstruktur zu erhalten.

5. Politik

Gemäß der Verfassung von 1982 ist China eine sozialistische Volksrepublik, angeführt von der Kommunistischen Partei auf der Basis einer Einheitsfront, zu der auch andere demokratische Parteien gehören. In der Praxis bestimmt jedoch ausschließlich die Kommunistische Partei das nationale politische Geschehen. Die meisten wichtigen Regierungsposten werden von Parteimitgliedern belegt.

Die Kommunistische Partei Chinas zählt mehr als 52 Millionen Mitglieder (dies sind 4,5 Prozent der Gesamtbevölkerung) und ist die größte kommunistische Partei der Welt. Der erste nationale Parteikongress wurde 1921 abgehalten. Damals nahmen nur 57 Mitglieder daran teil. Die Mitglieder überschritten 1956 die 10-Millionen-Grenze. Die Organisation und die Funktionen der Kommunistischen Partei werden in den Grundsatzprogrammen der Partei ausgearbeitet. Das sechste Parteistatut wurde 1982 beim 12. Kongress angenommen. Beachtenswert an der jüngsten Entwicklung ist, dass die Führungsrolle der Partei herabgesetzt wurde; der ehemalige erste Vorsitzende erhielt den Titel eines Generalsekretärs. Der Nationale Parteikongress ist das höchste Organ der Partei. Das Zentralkomitee, gewählt vom Nationalen Parteikongress, wählt wiederum das Politbüro und den Ständigen Ausschuss sowie den Generalsekretär der Partei. Oberstes Entscheidungsgremium über den Parteiapparat sind das Politbüro und der Ständige Ausschuss.

Darüber hinaus sind in China verschiedene kleinere politische Parteien und Massenorganisationen aktiv. Zu diesen zählen die Demokratische Chinesische Liga, der Chinesische Sportverband und der Chinesische Frauenverband. Die einzige Partei mit potentiellem politischem Einfluss ist jedoch die Kommunistische Jugendliga mit mehr als 50 Millionen Mitgliedern. Diese Organisation spielt für die Kommunistische Partei bei der Rekrutierung von Nachwuchspolitikern, die das 18. Lebensjahr vollendet haben, eine wichtige Rolle.

6. Umweltschutz

In der Verfassung von 1978 sah China erstmals Maßnahmen zum Umweltschutz vor. Dies ist um so beachtenswerter als das Land bis zu diesem Zeitpunkt eine Politik des rigorosen Zuwachses nationaler Produktion betrieb. Unter der Verantwortung des Staatsrates wurde ein Umweltschutzbüro eingerichtet, das jedoch über keinerlei Kompetenzen verfügt. Hier werden lediglich Lösungsvorschläge zu Umweltproblemen koordiniert. Das Nationalinstitut zum Schutz der Umwelt überwacht die Verwendung von Chemikalien, Herbiziden und Insektiziden. Der Schwerpunkt der Umweltschutzbemühungen liegt in der Wiederaufforstung, der Erosionskontrolle und dem Wasserschutz. Zur Erhaltung der Wasserqualität sind umfangreiche Projekte für alle wichtigen Flusssysteme des Landes geplant. Eine bedeutende Rolle für den Umweltschutz in China spielen die Terrassenanlagen. Zusammen mit der Anpflanzung von Bäumen und der Einrichtung kleiner Wasserreservoire in Form von Teichen stellt das Anlegen von Terrassen eine jener Methoden landwirtschaftlicher Nutzung dar, die bereits seit Jahrhunderten erfolgreich praktiziert werden. Diese Techniken bieten eine hervorragende Möglichkeit, die Bodenerosion einzuschränken und die Erhaltung der Wasserqualität lokaler Verantwortung zu übergeben.

7. Verteidigung

Die chinesische Verfassung von 1982 übertrug die höchste Befehlsgewalt über die bewaffneten Streitkräfte an die Zentrale Militärkommission. Die militärischen Streitkräfte des Landes tragen seit dem Jahr 1946 die Bezeichnung Volksbefreiungsarmee. Das Heer, die Marine und die Luftwaffe sind der Volksbefreiungsarmee unterstellt. Diese umfasst etwa 2 Millionen Soldaten (2004) und ist damit die größte Militärmacht der Welt. Davon sind etwa 255 000 Soldaten in der Marine, einschließlich der 25 000 auf den Luftwaffenstützpunkten der Marine und weiteren 6 000 bei der Marineinfanterie. Die Armee wird von einer Nationalmiliz aus etwa zwölf Millionen Chinesen und von einer Sicherheitspolizei mit etwa 1,8 Millionen Mitgliedern gestützt. Die Marine verfügt über 1 700 Schiffe, von denen einige mit atomaren Raketen bestückt sind. Die Luftwaffe ist mit 5 000 Kampfflugzeugen ausgestattet. China hat bei der Entwicklung nuklearer Waffen bedeutende Fortschritte gemacht, aber im Vergleich zu den Vereinigten Staaten oder Russland ist das Arsenal eher klein. Die Volksbefreiungsarmee spielt auch in der wirtschaftlichen Produktion und bei der Konstruktion technischer Anlagen wie Staudämmen, Bewässerungssystemen und Landgewinnungsprojekten eine wichtige Rolle. Die Armee war maßgebliches staatliches Organ während der Kulturrevolution (1966-1969) und unterdrückte die prodemokratischen Demonstrationen im Juni 1989 in Peking.

6. Wirtschaft

Mehr als 2 000 Jahre lang basierte die chinesische Wirtschaft auf einer Art Feudalsystem; der Landbesitz lag in den Händen einer relativ kleinen Gruppe von Menschen, die von den Abgaben der bäuerlichen Pächter lebten. Daneben mussten die Bauern auch Steuern an die kaiserliche Regierung entrichten und waren in manchen Regionen Naturkatastrophen wie Dürre und Überschwemmungen mehr oder weniger schutzlos ausgesetzt. Unter diesen Bedingungen war die Landwirtschaft in kleinste Bereiche aufgesplittert. Nach dem Ende der Opiumkriege 1860 begann eine Periode westlicher Einflussnahme, die vor allem von den Handelshäfen ausging. Eisenbahnschienen und Straßen wurden gebaut und die ersten Formen industrieller Entwicklung setzten ein. Diese Aktivitäten hatten für die allgemeine chinesische Wirtschaft jedoch nur geringe Bedeutung. China wurde in eine Reihe von kolonialen Interessenkonflikten verwickelt und stand unter verschiedenen Einflüssen.

Mitte der zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts organisierte sich die Chinesische Kommunistische Partei. Während der folgenden zwei Jahrzehnte konnte die Partei ihren Einfluss ausbauen, indem sie in weiten Teilen der ländlichen Gebiete ein Agrarprogramm einführte, das die Abgaben kontrollierte und den Wucher unterband. Dazu wurde ein Bauernverband gegründet. Am 1. Oktober 1949 gelang es der Kommunistischen Partei erstmals seit dem Kaiserreich im Jahr 1912, eine vereinte Nationalregierung und eine gemeinsame Wirtschaftspolitik zu etablieren. Von 1949 bis 1952 konzentrierten sich die Bemühungen der Politik auf das Eindämmen der Inflation, die Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung und die Reduzierung der Arbeitslosigkeit. Die neue Regierung rief eine Landreform ins Leben; an über 300 Millionen arme Bauern wurde Land verteilt. Im Zug des ersten Fünfjahresplanes (1953-1957) wurden 92 Prozent der Landbevölkerung in Kooperativen organisiert. 1958 entstanden die ersten bäuerlichen Kommunen. Diese spielten in der chinesischen Landwirtschaft bis Anfang der achtziger Jahre eine dominierende Rolle. Die Kommunen basierten auf dem kollektiven Besitz des Landes und aller wichtigen Maschinen. Die Produktion orientierte sich an staatlich festgelegten Zielen und die Arbeiter wurden je nach Erfüllung des Solls entsprechend entlohnt. Ein grundlegendes Auskommen war jedoch allen Mitgliedern garantiert.

Auch im urban-industriellen Bereich wurde das staatliche Eigentum allmählich auf Industriefabriken und Handelsunternehmen ausgedehnt. Die Industrie wuchs während des ersten Fünfjahresplanes auch durch entsprechende staatliche Investitionen beständig und der staatseigene Sektor gewann auf diese Weise eine immer größere Bedeutung. Der zweite Fünfjahresplan wurde 1958 eingeführt. Im Sommer dieses Jahres begann das Regime mit seiner vielfach angekündigten wirtschaftlichen Offensive. Dieses Programm war von großen Investitionen in der Schwerindustrie gekennzeichnet. Ferner wurden in dieser Phase kleinere Industriezweige, wie etwa die Stahlverarbeitung eingerichtet. Das Programm verursachte jedoch auch große Irritationen im Wirtschaftsmanagement und im tatsächlichen ökonomischen Wachstum. 1960 musste es abgebrochen werden. Die chinesische Wirtschaft durchlief eine Periode der Konsolidierung, 1965 erreichte die Produktion in vielen Bereichen jedoch wieder das Niveau der späten fünfziger Jahre. Der dritte Fünfjahresplan begann 1966, aber sowohl die landwirtschaftliche als auch die industrielle Produktion wurden durch die Auswirkungen der Kulturrevolution beträchtlich geschmälert. Der vierte Fünfjahresplan wurde 1971 eingeführt, als sich die Wirtschaft langsam wieder erholt hatte.

Nach dem Tod Maos 1976 wurde der fünfte Fünfjahresplan eingeleitet, aber 1978 durch das „Programm der vier Modernisierungen” unterbrochen. Dieses Programm forderte eine Rundumerneuerung der Landwirtschaft, der Industrie, der nationalen Verteidigung sowie der Wissenschaft und Technik bis zum Ende des Jahrhunderts. Damit sollte China zu den führenden Wirtschaftsnationen der Erde gehören. Hierzu bemühte man sich um eine Verbesserung des Wirtschaftsmanagements und versuchte, die in privatem und kollektivem Besitz (im Gegensatz zu den verstaatlichten) befindlichen Unternehmen in den Vordergrund zu rücken. Dieses Programm wurde durch einen etwas bescheideneren Zehnjahresplan für die Periode von 1981 bis 1990 ersetzt. Die Bemühungen, westliche Technologien und Investitionen zu gewinnen, dauerten aber an, ebenso wie ein Programm mit Anreizen zur Förderung der landwirtschaftlichen Produktion. Die im Oktober 1984 begonnene Politik befürwortete eine weitere Dezentralisierung der ökonomischen Planungen und ein größeres Vertrauen auf die Kräfte des freien Marktes bei der Preisentwicklung für Konsumgüter.

Der Fünfjahresplan von 1986 bis 1990 basierte auf der Annahme eines jährlichen ökonomischen Wachstums von 7 Prozent, aber die wirtschaftliche Entwicklung verlangsamte sich nach der politischen Krise 1989. Diese wirtschaftliche Schwächung war jedoch nur vorübergehend. Anfang der neunziger Jahre expandierte die chinesische Wirtschaft bereits enorm, weil die Regierung die Wirtschaftsbeschränkungen zunehmend lockerte. Die Zahl der Erwerbstätigen wird auf 781 Millionen Personen geschätzt (2006). Beschäftigungslosigkeit und Unterbeschäftigung haben die Produktivität der Arbeit und das Anwachsen der Einkommen gedämpft. Diese Probleme sind unmittelbar mit der enormen Größe und der schnellen Zunahme der Bevölkerung verbunden. In den frühen achtziger Jahren war ein Drittel der Bevölkerung 15 Jahre alt oder jünger. Dies zeigt, dass eine große Zahl junger Leute pro Jahr in den Arbeitsprozess integriert werden muss. In der Landwirtschaft sind 44 Prozent aller Erwerbstätigen beschäftigt. Die bäuerlichen Familien erhalten ihr Einkommen zu rund drei Vierteln aus der Kollektivwirtschaft, das restliche Viertel wird aus Nebenbeschäftigungen erwirtschaftet.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt 2 644 681 Millionen US-Dollar (2006; Dienstleistungen 39,9 Prozent, Industrie 48,4 Prozent, Landwirtschaft 11,7 Prozent); dies entspricht einem BIP pro Einwohner von 2 016,10 US-Dollar. Das Wirtschaftswachstum beträgt 10,7 Prozent (2006). Doch dieses schnelle Wachstum zog auch Probleme wie beispielsweise hohe Inflationsraten nach sich. Das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas erklärte im Oktober 2000 eine Verdoppelung des Bruttoinlandsprodukts bis zum Jahr 2010 als realistisches Ziel. Die Volksrepublik ist seit dem 10. November 2001 Mitglied der Welthandelsorganisation (WTO).

1. Landwirtschaft

Das traditionell wichtigste Standbein der chinesischen Wirtschaft ist auch heute noch die Landwirtschaft. Sie ernährt einen Großteil der Bevölkerung. Etwa 10 Prozent der Gesamtfläche Chinas sind landwirtschaftlich nutzbar (insbesondere der Osten des Landes) und großflächig bewirtschaftet. Etwa die Hälfte des Kulturlandes wird mit Bewässerungssystemen versorgt. In keinem Land der Welt ist dieser Anteil so hoch. Trotz des großen Wachstums der jährlichen Produktion seit 1949 ist das Pro-Kopf-Einkommen wegen der rasanten Bevölkerungszunahme deutlich weniger gestiegen. Zwischen den Jahren 1952 und 1979 wuchs beispielsweise die Getreideproduktion um 103 Prozent, das Pro-Kopf-Einkommen jedoch lediglich um 20 Prozent. 1979 wurden auch neue Gebiete für die Landwirtschaft nutzbar gemacht (insbesondere in Nordost- und Nordwestchina). Der Verlust von bewirtschaftetem Land für nichtlandwirtschaftliche Zwecke war jedoch noch größer, und durch die große Bevölkerungszunahme sank der Landesdurchschnitt von 0,18 Hektar pro Kopf 1949 auf 0,11 Hektar.

Die beständig steigende Produktion und Ernte in China lässt sich zum Teil auf die wachsende Effektivität zurückführen. Bis 1979 waren die 838 Millionen Bauern Chinas in circa 52 000 Kommunen organisiert. Die Kommunen waren sozioökonomische Einheiten, die vom Staat Produktionsziele erhielten und dafür sorgten, dass diese erfüllt wurden. Eine Kommune war meist in mehrere Brigaden eingeteilt, die sich wiederum in Arbeitsgruppen aufgliederten. Jede dieser verschiedenen Einheiten konnte Land, Maschinen oder andere Produktionsmittel aus dem gemeinsamen Fundus der Kommune erhalten und führte jeweils unterschiedliche Arbeiten aus. Etwa sechs Millionen Arbeitsgruppen bildeten die Grundlage dieses Systems.

Das Kommunensystem bot die Möglichkeit, den landwirtschaftlichen Anbau und die Struktur der Bepflanzung im großen Stil zu planen. So konnte in jenen Gebieten Weizen angebaut werden, wo der Boden und die übrigen Umstände am besten dafür geeignet waren. Auch die Bewässerungsanlagen ließen sich in sinnvollen Maßstäben errichten. Obwohl das Land in Kollektivbesitz war, stand jedem bäuerlichen Haushalt eine kleine Parzelle für die private Nutzung zu. Ferner war den Arbeitsgruppen Autonomie garantiert und die einzelnen Haushalte konnten die Produkte, deren erzeugte Menge über dem offiziellen Soll lagen, selbst vermarkten.

Anfang der achtziger Jahre wollte die Regierung den wiederkehrenden Nahrungsmangel beheben, gestattete deshalb einen höheren durchschnittlichen Pro-Kopf-Verbrauch und strukturierte den landwirtschaftlichen Sektor um. Das System der Kommunen und Brigaden wurde zum großen Teil aufgehoben und stattdessen nahmen jetzt die Haushalte die wichtige Position der kleinsten Einheit in der landwirtschaftlichen Produktion ein. Unter diesem neuen „Verantwortungssystem” schloss jeder Haushalt mit den lokalen Behörden einen Vertrag über die zu produzierende Quote eines bestimmten Getreides. Darüber hinaus erwirtschaftete Ernteerträge können die Familien auf dem freien Markt verkaufen. Die daraus erzielten Umsätze beliefen sich Ende der achtziger Jahre auf 60 Prozent der landwirtschaftlichen Produktion Chinas.

Wegen der enormen Bedeutung der Landwirtschaft in China, ist die Planung einer rationellen Landnutzung von größter Wichtigkeit. Eine Überproduktion von Getreide führte beispielsweise in den sechziger und siebziger Jahren zur Verminderung der Anbaugebiete einiger Feldfrüchte, Obstplantagen und Bäume sowie zur Vernachlässigung der Viehzucht und zu Umweltschäden. Die Regierung propagiert seitdem eine Kultivierung, die mit den natürlichen Bedingungen in Einklang steht.

Die Mechanisierung der Landwirtschaft wird aktiv betrieben, obwohl sie nach wie vor in den Kinderschuhen steckt und sich in Regionen mit relativ kleinen Anbauflächen als unpraktikabel erwiesen hat. Die Kontrolle von Überschwemmungen und das Anlegen von Bewässerungssystemen, etwa die Errichtung von Staudämmen und Kanälen werden seit den fünfziger Jahren in großem Umfang durchgeführt. Im selben Zeitraum wurde auch die Struktur des landwirtschaftlichen Anbaus wesentlich geändert. Durch die zunehmenden Wasserreservoire und die intensivere Nutzung von Kunstdünger konnte in den drei Flusstälern der Nordchinesischen Ebene eine zweite Ernte pro Jahr hervorgebracht werden. Die Erträge in den mittleren und niedrigen Lagen des Jangtsekiang-Tales, bereits damals ein Gebiet mit zwei Ernten pro Jahr, ließen sich auf drei jährliche Ernten heraufsetzen. In jüngster Zeit stand jedoch die Rückkehr zur zweimaligen jährlichen Ernte zur Debatte, da durch die dritte Ernte hohe Ausgaben für Kunstdünger entstehen und der Anbauplan ausgesprochen eng ist.

Um die landwirtschaftliche Produktion zu ergänzen, betreiben die verschiedenen Regierungsstellen weitere 2 000 staatliche Farmen. Diese Großbetriebe dienen sowohl für Experimente im Agrarbereich als auch zur Produktion bestimmter Nahrungsmittel für die städtischen Märkte oder für den Export. Diese Betriebe haben ihren Standort meist auf neu gewonnenem Agrarland, wo die ländliche Bevölkerung relativ gering ist und sich die modernen Maschinen effektiv einsetzen lassen.

1.1. Nahrungsmittelernte

Etwa 80 Prozent der Agrarfläche Chinas sind für die Produktion von Nahrungsmitteln bestimmt. Zu den wichtigsten Ernteerzeugnissen zählt der Reis, der auf etwa einem Drittel der gesamten Anbaufläche kultiviert wird. Hauptanbaugebiete sind das südliche Tal des Huai, das mittlere und östliche Tal des Jangtsekiang, das Delta des Xi Jiang bei Kanton und das Rote Becken von Sichuan. 2006 wurden 184 Millionen Tonnen Reis geerntet.

Das zweitwichtigste Ernteprodukt des Landes ist Weizen, der hauptsächlich nördlich des Huai angebaut wird. Die wesentlichen Anbaugebiete für Weizen liegen in der Nordchinesischen Ebene und den Tälern der Flüsse Wei und Fen in der Lößregion. Obwohl die Flächen für den Weizenanbau beinahe ebenso groß sind wie diejenigen für den Reis, ist der Ernteertrag dennoch geringer. Er betrug 2006 etwa 104 Millionen Tonnen

Kaoliang (eine Art Mohrenhirse) und Hirse zählen ebenfalls zu den wichtigen Nahrungsmittelprodukten im Norden und Nordosten des Landes. Kaoliang wird auch als Viehfutter verwendet und ist ein Ausgangsstoff für die Produktion alkoholischer Getränke. Die Halme werden zur Papierherstellung und zum Abdecken der Dächer benutzt. Mais wird auf etwa 20 Prozent der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche angebaut. In der Inneren Mongolei und im Westen, vor allem in Tibet, spielt auch der Hafer ein wichtige Rolle.

Daneben werden auch andere Nahrungsmittel angebaut, etwa Süßkartoffeln, Kartoffeln, verschiedene Obstsorten und Gemüse. Die Süßkartoffeln überwiegen im Süden, im Norden dagegen die Kartoffeln. Zu den häufigsten Obstsorten zählen tropische Früchte wie Ananas und Bananen, die hauptsächlich auf der Insel Hainan wachsen, sowie Äpfel und Birnen in den nördlichen Provinzen Liaoning und Shandong. Zitrusfrüchte, Orangen und Mandarinen sind die Hauptprodukte in Südchina. 2006 konnten 93,4 Millionen Tonnen Obst geerntet werden.

Ölsamen spielen in der chinesischen Landwirtschaft ebenfalls eine wichtige Rolle. Sie dienen zur Herstellung industrieller Öle und nehmen einen großen Anteil am Export ein. Sojabohnen sind ein wichtiges Ausgangsprodukt von Speiseöl; sie werden auf etwa 8 Prozent der gesamten Agrarfläche überwiegend in Nordchina und der Mandschurei (chinesisch: Dongbei Pingyuan) angebaut. Bei der Produktion von Sojabohnen nimmt China den dritten Platz in der Welt ein. Auch bei der Erzeugung von Erdnüssen zählt China mit 14 722 000 Tonnen (2006) zu den führenden Ländern. Erdnüsse werden in Shandong und Hebei angebaut. Weitere wichtige Ölpflanzen sind Sesam und Sonnenblumensamen sowie Raps. Ein wertvolles Öl lässt sich auch aus dem Tungbaum gewinnen. Mehr als die Hälfte des gesamten Volumens von Tungöl wird in Sichuan gewonnen.

Der Tee ist eine traditionelle Exportware Chinas. Auch heute noch gehört das Land zu den größten Teeproduzenten. 20 Prozent der gesamten Ernte entfallen auf China. Der jährliche Ernteertrag betrug 2006 1 049 500 Tonnen. Die größten Teeplantagen liegen auf den Hügeln in der Mitte des Jangtsekiang-Tales und in den südöstlichen Provinzen Fujian und Zhejiang.

Der Zucker wird in China sowohl aus Zuckerrohr als auch aus Zuckerrüben gewonnen. 2006 lag die Rohrzuckerproduktion bei 101 Millionen Tonnen. Der Zuckerrohranbau konzentriert sich auf die Provinzen Guangdong und Sichuan. Die Zuckerrüben werden erst seit jüngerer Zeit geerntet, Schwerpunkte sind die Provinz Heilongjiang und die bewässerten Regionen der Inneren Mongolei.

1.2. Fasererzeugnisse

Die kommunistische Regierung von China hat der Entwicklung von Fasererzeugnissen für die Textilindustrie große Aufmerksamkeit gewidmet. Allen voran rangiert hier die Baumwolle mit einer Jahresproduktion von 6,73 Millionen Tonnen (2006). China ist damit weltweit führender Baumwollproduzent.

1.3. Viehzucht

In China gibt es große Viehbestände. Besondere Bedeutung kommt der Schweinezucht zu. Das Land zählt zu den führenden Exporteuren von Schweineborsten. In den westlichen Gegenden ist die Viehzucht der nomadischen Hirten die wichtigste landwirtschaftliche Tätigkeit. Die meisten Herden bestehen hier aus Schafen, Ziegen und Kamelen. Im tibetischen Hochland ist der Yak eine Quelle für Nahrungsmittel und Brennstoff (der Dung wird verbrannt). Seine Haare und seine Haut bilden Ausgangsmaterialien für die Herstellung von Bekleidung.

2. Forstwirtschaft

Die Waldreserven Chinas sind aufgrund jahrhundertelanger Abholzung relativ begrenzt; das Holz wurde als Brennholz oder Baumaterial verwendet. Die Wiederaufforstungsprogramme haben die Baumbestände von 8 Prozent der Gesamtfläche im Jahr 1949 wieder auf etwa 20,6 Prozent (2005) anwachsen lassen. Dennoch sind die Bauholzlieferungen gering.

Die Verteilung der Wälder in China ist sehr ungleichmäßig. Im Nordosten und Südwesten liegen die Hälfte aller Waldgebiete des Landes und drei Viertel der Ressourcen. Die wichtigsten Bäume sind Pinien, Fichten, Lärchen, Eichen und im äußersten Süden Teak und Mahagoni. Andere kommerziell genutzte Arten sind Tungbaum, Lackbaum, Kampferbaum und Bambus. Die landesweiten Baumbepflanzungsaktionen werden sowohl von staatlichen Projekten als auch von kollektiv organisierten Verbänden durchgeführt. Die Bäume wurden in der Nähe von Siedlungen, entlang von Straßen und Wasserwegen sowie nahe Bauernhöfen gepflanzt. Zu den wichtigsten Projekten zählt ein Programm zur Errichtung eines Waldgürtels in den Ebenen Nord- und Nordostchinas.

3. Fischerei

Der Fang von Fischen und Weichtieren wie Muscheln hat sich in China zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor entwickelt. Die Zucht von Süßwasserfischen spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Die Regierung förderte die Fischzucht in Teichen und Wasserreservoiren entlang der landwirtschaftlichen Nutzgebiete. Die wichtigsten Regionen der Fischzucht liegen in der Nähe der städtischen Märkte im mittleren und unteren Jangtsekiang-Tal und am Xi-Jiang-Delta. In Teichen gezüchtete Karpfen, eine seit Jahrtausenden traditionelle chinesische Nahrungsquelle, nehmen einen beträchtlichen Anteil an der Gesamtproduktion ein.

Anders als das Angeln von Süßwasserfischen ist der Meeresfischfang wenig entwickelt. Die meisten Fischer wurden in den sechziger Jahren in Fischereikommunen an der Küste angesiedelt und dazu ermuntert, neben der Fischerei auch landwirtschaftliche Aktivitäten zu entwickeln. Diese Kommunen unterhielten auch Fischzuchten im Meer.

4. Bergbau

China verfügt über reiche Bodenschätze, einschließlich großer Vorkommen von Mineralien, die für die industrielle Nutzung wichtig sind.

Chinas Steinkohlenbergbau ist der größte der Welt; die wichtigsten Lagerstätten befinden sich im Norden des Jangtsekiang, insbesondere in Shanxi. Die Kohle zählt zu den führenden Brennstoffquellen für die Industrie und die privaten Haushalte. Rund 70 Prozent des Energiebedarfs werden durch die Verbrennung von Kohle erzeugt.

Die schnelle Entwicklung der Erdölindustrie seit den fünfziger Jahren hat China auch in diesem Bereich zu einem der wichtigsten Produzenten gemacht. Seit 1963 kann China sich selbst mit Benzin versorgen, und seit 1973 ist der Export sowohl von Rohöl als auch von Erdölprodukten möglich. Das Ölfeld Daqing in der Provinz Heilongjiang wurde Ende der fünfziger Jahre entdeckt und zählt heute zu den ergiebigsten Ölfeldern des Landes. Die größten Ölreserven Chinas liegen im Tarim-Becken in der Autonomen Region Sinkiang Uigur.

Die Förderung von Eisenerz steigt seit den siebziger Jahren enorm an. China ist weltweit der größte Erzeuger von Eisen und Stahl. Bei der Gewinnung von Graphit liegt die Volksrepublik ebenfalls an der Weltspitze.

5. Industrie

Der industrielle Sektor in China gliedert sich in verarbeitende Industrie, Bergbau, elektrische Stromerzeugung und Bauwirtschaft. Die Industrieunternehmen bilden unabhängige, aber integrierte regionale Strukturen. Die großen und mittleren Städte, teilweise sogar die kleineren, haben wichtige industrielle Standorte aufgebaut. Etwa 18 Prozent der Erwerbstätigen sind in der Industrie beschäftigt.

Etwa gegen Ende 1978 überdachte die Regierung die industriellen Ziele neu und versuchte, ein Mittel gegen Probleme zu finden, die aufgrund einer mangelnden Planung aufgetreten waren. In vielen Städten hatte auf Kosten der Spezialisierung eine gewisse Selbstzufriedenheit eingesetzt, und viele Industriezweige führten nach wie vor längst überholte Funktionen aus. Das schnelle Wachstum in der Schwerindustrie hatte zum Teil das städtische Umfeld beschädigt und Mittel auf sich gezogen, die in der Landwirtschaft, der Leichtindustrie oder zur Verbesserung städtischer Einrichtungen fehlten. Auch die technologische Entwicklung stagnierte.

Das Korrekturprogramm forderte ein langsameres Wachstum der Schwerindustrie, während der Leichtindustrie weitere Mittel zur Entwicklung überlassen wurden. Diese Investitionen sollten sich in relativ kurzer Zeit auszahlen und somit die eigene Expansion finanzieren. Investiert wurde auch in die Bauindustrie, um die Lebensbedingungen der Stadtbewohner zu verbessern und für die Arbeitslosen in den Städten neue Arbeitsplätze zu schaffen.

Eine ebenfalls neue Reform ist die Garantie auf Autonomie für alle staatlichen Unternehmen bei der Frage, was mit der Überschussproduktion, den Umsätzen und Gewinnen, die nach Erfüllung der staatlichen Ziele übrig bleiben, geschehen soll. Daneben wurden zahlreiche Professoren, Manager und Techniker ins Ausland geschickt, um moderne Managementtechniken und die technischen Neuerungen kennen zu lernen. Ausländische Technologien wurden in Form neuer und kompletter Anlagen importiert.

5.1. Produzierender Sektor

Die Eisen- und Stahlindustrie genießt seit 1949 in China Priorität. Das Land stellte mittlerweile eine große Vielzahl von Stahlprodukten her, wie z. B Wolframstahl, rostfreien Stahl, schwere Stahlplatten und nahtlose Rohre. Hauptproduktionsgebiete hierfür sind Nord- und Nordostchina sowie das Jangtsekiang-Tal.

Wichtige Eisen- und Stahlhütten befinden sich in Anshan, Benxi, Peking, Baotou, Taiyuan, Wuhan, Maanshan, Panzhihua, Chongqing, Shanghai und Tientsin. Die Produktion von Eisen und Rohstahl konnte kontinuierlich ausgeweitet werden.

Zu den weiteren Schwerindustrien Chinas zählt der Schiffsbau und die Herstellung von Lokomotiven, Fahrzeugen, Traktoren, Bergbaumaschinen, Stromerzeugungsanlagen, Ölbohrtürmen und Raffineriemaschinen.

Die petrochemische Industrie verfügt über Anlagen in den meisten Provinzen und autonomen Regionen, wobei die wichtigsten in Peking, Shanghai, Lanzhou, Shengli, Yueyang, Anqing und Kanton liegen. Die Produktpalette umfasst synthetische Fasern, Kunststoffe und pharmazeutische Erzeugnisse.

Die chinesische Textilindustrie beschäftigt mehr als vier Millionen Arbeiter. Die meisten neuen Textilfabriken sind in den Regionen der Baumwollpflanzungen in Hubei (Hupeh), Hunan, Hebei und Shaanxi errichtet worden. Dennoch konnte die Industrie, trotz seit 1949 zunehmender Kapazität, nicht genügend Kleidung für die gesamte Bevölkerung herstellen. Aus diesem Grund war eine Rationierung der Baumwollstoffe notwendig.

6. Handel

Der Warenumsatz in China wurde früher von der Zentralplanung gesteuert und ist heute zu weiten Teilen den Kräften des Marktes überlassen. Zwischen 1978 und 1984 fiel der Umsatz im staatlich kontrollierten Einzelhandel von 90,5 auf 45,8 Prozent ab. In derselben Periode konnten die Kollektive ihre Anteile von 7,4 auf 39,6 Prozent erhöhen und die privaten Unternehmen von 2,1 auf 14,6 Prozent.

Bis Ende der siebziger Jahre wurden die von den staatlichen Unternehmen benötigten Rohmaterialien und die Ausrüstung nicht von diesen erworben, sondern den Unternehmen von Regierungsseite zur Verfügung gestellt. Nachdem die Produktion abgeschlossen war, übernahm die Regierung den Verkauf der Waren. Verbrauchsgüter, die von der ländlichen Bevölkerung benötigt wurden, vertrieb die Regierung über staatlich organisierte Liefer-Kooperativen. Die wichtigsten Waren, etwa Getreide, Öl, Fleisch, Zucker und Baumwollstoffe wurden rationiert.

Seit 1979 war es den staatlichen Unternehmen möglich, einige ihrer Güter zu behalten und die Produkte selbst auf den Markt zu bringen. Auch der Einsatz der Werbung als Informationsmedium war zu diesem Zeitpunkt erstmals erlaubt. In den städtischen Zentren führte die Neuorganisation des Handels zu einer schnellen Zunahme an kollektiven und privaten Geschäften, etwa Restaurants, Teehäusern, Gasthöfen, Friseurläden, Fotostudios, Schneiderwerkstätten und allen Arten von Reparatur- und Handwerksdiensten. Neu eröffnet wurden die Bauernmärkte, auf denen die privaten Haushalte ihre Überschussprodukte verkaufen oder andere Waren erwerben konnten.

7. Währung und Bankwesen

Die chinesische Währungseinheit ist der Yuan. Das Banksystem untersteht der vollständigen Kontrolle durch die Regierung. Die Volksbank von China ist die zentrale Finanzbehörde und gibt die Währung aus. Für internationale Kredite und Geldgeschäfte mit dem Ausland ist jedoch die Bank von China zuständig, die über 50 Filialen verfügt, einschließlich der Büros in Hongkong, Singapur und London. Daneben gibt es in China drei andere wichtige Banken: die Internationale Chinesische Vermögens- und Investmentgesellschaft, in der Fonds für Investitionen in China sowie Joint Ventures zwischen China und Übersee eingerichtet werden, die Volks-Konstruktionsbank China, die mit Fonds für Grundkonstruktionen handelt, und die Landwirtschaftsbank von China, die für Anleihen im Agrarsektor der Wirtschaft verantwortlich ist.

8. Außenhandel

Der Außenhandel unterliegt in China dem staatlichen Monopol. 1979 lockerte China bestimmte Außenhandelsbeschränkungen, um die relativ geringen Investitionen des Auslands und die Handelsaktivitäten zu beleben. Nach lange Zeit negativer Handelsbilanz übertreffen die Einnahmen aus Exporten mittlerweile die Kosten für Importe. Die wichtigsten chinesischen Exportgüter sind neben Maschinen und Produkten der Elektronikindustrie vor allem Bekleidung und Textilwaren, Stahl, Spielwaren sowie Erzeugnisse aus Kunststoff. Zu den wesentlichen Importgütern zählen Maschinen und Maschinenteile, Fahrzeuge, elektrotechnische Produkte (z. B. Kraftwerkszubehör), Elektrogeräte, Getreide (z. B. Weizen) und Rohöl. Bei den chinesischen Handelspartnern rangiert Japan an erster Stelle, gefolgt von den Vereinigten Staaten und Südkorea. China unterhält ebenfalls Handelsbeziehungen zu Deutschland, Singapur, Italien und Russland.

9. Verkehrswesen

Die Eisenbahn ist das wichtigste Transportmittel in China. Etwa zwei Drittel des Passagierverkehrs und die Hälfte des Güterverkehrs werden mit der Eisenbahn bewältigt. Seit 1949 hat sich das Schienennetz der Eisenbahn verdoppelt und umfasste 2005 eine Länge von 62 200 Kilometern. Ausgebaut wurden die beiden wichtigsten Nord-Süd-Strecken (Kanton–Peking und Shanghai–Peking) sowie Strecken nach Nordosten in die Mongolei und nach Russland sowie in den Südosten. Die wichtigste Ost-West-Verbindung führt von Lianyungang nach Lanzhou und ist nun auch mit Ürümqi im äußersten Nordwesten verbunden. Die neuen Strecken haben die dicht bevölkerten und wirtschaftlich bedeutenden Regionen im Nordosten, im Zentrum und im Südwesten Chinas zugänglicher gemacht. Sobald die Strecke Lanzhou–Lhasa (Tibet) fertig gestellt ist, sind alle Provinzen und autonomen Regionen Chinas mit der Eisenbahn erreichbar.

Die chinesischen Straßen und Autobahnen sind seit 1949 erheblich ausgebaut worden. An das Straßennetz sind jedoch nur die Städte der Handelshäfen und das unmittelbare Hinterland angeschlossen. Das etwa 1 930 543 Kilometer lange Straßensystem (2005) ist zu 85 Prozent asphaltiert. Die Straßen verbinden Peking mit allen Hauptstädten der Provinzen und der autonomen Regionen sowie mit den wichtigsten Hafenstädten und den Knotenpunkten der Eisenbahn. Das Netz erstreckt sich auch in die ländlichen Gebiete und die meisten Orte sind auf der Straße erreichbar. Der motorisierte Individualverkehr nimmt in den Städten zu; kurze Strecken werden jedoch nach wie vor meist mit dem Fahrrad zurückgelegt. Pro Jahr produziert China zwar 500 000 Motorfahrzeuge; dies deckt den Bedarf einer zunehmend mobilen Bevölkerung jedoch nicht.

Die für die Schifffahrt zugänglichen Wasserstraßen nehmen im Landesinneren von China eine Gesamtlänge von 170 000 Kilometern ein. Die Binnenschifffahrt übernimmt ein Fünftel des Warentransports innerhalb des Landes. Das Potential für eine zunehmende Entwicklung ist hier noch groß. Der wichtigste Binnenschifffahrtsweg ist der Jangtsekiang, der viertlängste Fluss der Welt. Auf einer Länge von 18 000 Kilometern sind der Jangtsekiang und seine Nebenflüsse für Dampfschiffe befahrbar. Chongqing, Yichang und Wuhan sind die größten Häfen am Jangtsekiang. Der am meisten benutzte Binnenwasserweg ist jedoch der Kaiserkanal, der sich von Peking nach Jangtschou erstreckt. Der südliche Kanalteil ist eingebunden in ein lokales System aus Kanälen und Seen, wodurch sich die Städte Suzhou, Wuxi und Tschangtschou zu wichtigen Inlandshäfen entwickelten. In den ländlichen Teilen Chinas werden auch die Bewässerungskanäle von den Bauern als Binnenwasserwege benutzt.

Durch die wichtigsten Industriestandorte an der Küste hat die Küstenschifffahrt an Bedeutung zugenommen. Die internationale Schifffahrt spielt seit 1970 eine immer größere Rolle. Die chinesische Handelsflotte umfasst 3 799 Schiffe, die Häfen in mehr als 100 Ländern anlaufen. Die meisten dieser Schiffe wurden in China gebaut.

Der Lufttransport in China erhielt 1979 durch die Eröffnung des neuen internationalen Flughafens in Peking (1980) einen Aufschwung. Seither wurde der Flugverkehr zwischen China und einigen anderen Ländern intensiviert. Die Inlandsflüge verbinden heute mehr als 90 verschiedene Städte miteinander; die meisten davon liegen in Westchina.

10. Tourismus

Seit Anfang der siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts wurden die strengen Reisebeschränkungen in China ein wenig gelockert. 1979 erstellte die chinesische Regierung einen Fünfjahresplan zur Entwicklung des Fremdenverkehrs. Der Plan enthielt den Bau neuer Hotels und Restaurants im gesamten Land sowie die Ausbildung von Personal zur Betreuung der zunehmenden Anzahl von Touristen. 2001 besuchten 89 Millionen Touristen das Reich der Mitte. Laut Auskunft des chinesischen Fremdenverkehrsamt kamen davon 11 Millionen Gäste aus dem Ausland.

11. Energie

Etwa 15,42 Prozent der jährlichen chinesischen Stromerzeugung werden von Wasserkraftwerken gedeckt (2003). Beinahe die gesamte restliche Energie wird mit Hilfe der Kohleverbrennung erzeugt. Die wichtigsten Wasserkraftwerke des Landes liegen bei Liujia Xia am Huang He in Gansu, in Danjiangkou am Fluss Han in Hubei, in Gongu am Fluss Dadu in der Provinz Sichuan, am Xin’an Jiang in Zhejiang sowie am Jangtsekiang. Letzteres, der Drei-Schluchten-Staudamm, ist das größte Wasserkraftwerk der Welt; eine erste Stufe ging 2003 in Betrieb, und bis 2009 soll der Staudamm komplett fertig gestellt sein. Zahlreiche weitere große Kraftwerke wurden Ende der siebziger Jahre und in den achtziger Jahren errichtet, darunter ein Werk am Jangtsekiang, direkt unterhalb seiner Quellen, und eines am Fluss Huang He, wo dieser das Grasland Qinghai verlässt. Neue Kohlekraftwerke sind in der Nähe der großen Kohlelagerstätten in Nordchina im Bau. Ein neues Kernkraftwerk ist in Shanghai errichtet worden. Das erste chinesische Kernkraftwerk wurde im September 1996 nahe Hongkong in Betrieb genommen.

7. Geschichte

Die Anfänge der chinesischen Geschichte sind unbekannt, lediglich in der mythologischen Überlieferung finden sich Nachrichten für die Frühzeit, die bisher jedoch weder durch archäologische Funde noch durch sonstige Quellen bestätigt wurden. Bei Ausgrabungen in der Nähe Pekings fand man Werkzeuge und Überreste des Homo erectus pekinensis (Pekingmensch, siehe Evolution des Menschen), deren Alter auf rund 500 000 Jahre geschätzt wird. Sowohl für die Altsteinzeit wie für die Jungsteinzeit gibt es weitere Funde (200 000 bzw. 25 000 Jahre alt), die den Schluss nahe legen, dass der östliche Teil des heutigen China durchgehend menschliches Siedlungsgebiet gewesen ist. Der erste historische Abschnitt, der sich genauer umgrenzen lässt, ist die so genannte Yangshao-Kultur (etwa 6. bis 4. Jahrtausend v. Chr.), deren Mittelpunkt im Gebiet des Huang He (Gelber Fluss) lag und deren Hauptkennzeichen rot-schwarze Keramik ist. Es folgte die Lung-shan-Kultur (etwa 3. bis 2. Jahrtausend v. Chr.), für die der Anbau von Reis und der Bau fester menschlicher Siedlungen, die mit Schutzmauern umgeben waren, archäologisch belegt sind. In diese Jahrtausende, über die nur wenig bekannt ist, projiziert die mythologische Überlieferung verschiedene Urkaiser und Kaiserdynastien, auf welche die Entstehung der chinesischen Kultur zurückgeführt wird. Besondere Bedeutung kommt dabei dem Kaiser Huangdi („Gelber Kaiser”) und der Hsia-Dynastie (etwa 2000 bis 1600 v. Chr.) zu, die jedoch beide historisch nicht belegt sind.

1. Die ersten Dynastien
1.1. Die Shang-Dynastie (16. Jahrhundert bis 1050 v. Chr.)

Archäologisch belegt ist die Shang-Dynastie. Ihr Herrschaftsbereich umfasste das Gebiet der heutigen nordchinesischen Provinzen Henan, Hubei und Shandong sowie den nördlichen Teil von Anhui. Den Höhepunkt ihrer Entwicklung erreichte die Shang-Dynastie in ihren letzten drei Jahrhunderten.

Die Shang standen einer lockeren Föderation mehrerer Territorien vor. Eine feste Hauptstadt als Residenz der Herrscher gab es nicht; vermutlich kontrollierten die Herrscher ihr Reich als Reisekönige. Die Gesellschaft war in Klassen gegliedert und kann in vielerlei Hinsicht als feudal bezeichnet werden. Der Herrscher stützte sich auf einen zahlenmäßig starken Kriegeradel. Die gesamte Kultur war städtisch geprägt. Das Handwerk, leistungsfähig und spezialisiert, lieferte Waffen, Rüstungen und Gerätschaften aus Bronze. Die hoch entwickelte Steinschnitzerei sowie Palastanlagen aus Holz belegen das hohe künstlerische und architektonische Niveau. Die vom einflussreichen Priestertum verwendeten Symbole, mehr als 2 000, wurden Ausgangspunkt für die Entwicklung der modernen chinesischen Schriftzeichen.

Trotz der städtischen Kultur blieb die Wirtschaft im Wesentlichen landwirtschaftlich geprägt. Angebaut wurden Hirse, Weizen, Gerste und eventuell auch Reis. Die Viehhaltung umfasste Schweine, Hunde, Schafe, Ochsen, außerdem wurden Seidenraupen gezüchtet. Im religiösen Kultus wurden die Ahnen und Naturgottheiten verehrt, doch gab es mit Shang Di eine oberste Gottheit. Für die hoch entwickelte Grabkultur, die Riten der Opferung von Menschen und Tieren einschloss, finden sich zahlreiche Zeugnisse.

1.2. Die Zhou-Dynastie (1050-249 v. Chr.)

Um 1050 v. Chr. wurde die Shang-Dynastie von den Zhou abgelöst, einem Zusammenschluss von Sippen aus dem Bereich des Flusses Wei He, einem Nebenarm des Huang He. Mit vierspännigen Streitwagen verfügten sie über eine Kampfkraft, denen ihre Gegner nichts Ebenbürtiges entgegenzusetzen hatten. Die ersten großen Eroberungen von Shang-Territorien erfolgten noch unter Führung des Königs Wen. Eine endgültige Niederlage erlitten die Shang schließlich in der Ebene von Mu gegen König Wu, den Sohn des Wen. Gerechtfertigt wurde die Erhebung gegen die überlieferte Herrschaft der Shang mit dem Hinweis auf deren moralische und sittliche Haltlosigkeit, wodurch sie ihren göttlichen Herrschaftsauftrag verwirkt hätten. Mit dieser Begründung ist das Argumentationsmuster für alle späteren Ablösungen chinesischer Dynastien historisch etabliert.

Die Herrschaftszeit der Zhou wird eingeteilt in die beiden Perioden der stark expansiv orientierten Westlichen Zhou (bis 771 v. Chr.) und der Östlichen Zhou (nach 771 v. Chr.). Denn 771 v. Chr. wurden die Zhou aus ihrem im Westen gelegenen Herkunftsgebiet vertrieben und mussten den Schwerpunkt ihres Reiches nach Osten verlegen. Ihr Herrschaftsgebiet dehnte sich allmählich über beinahe den gesamten Norden Chinas aus, bis in das Tal des Jangtsekiang.

1.2.1. Der Zhou-Feudalstaat

An der Spitze der streng hierarchisch organisierten Feudalordnung stand der König, der durch Erbfolge bestimmt wurde (siehe Feudalismus). In seinem Auftrag regierten abhängige Fürsten als Vasallen über befestigte Städte und umliegende Ländereien. Die Macht des Königs stützte sich auf die Klasse der adligen Krieger, die ihre soziale Stellung ebenfalls ererbten. Die niedrigste soziale Gruppe umfasste die Bauern mit dem Statuts von Leibeigenen der jeweiligen Fürsten sowie die Haussklaven. Um ihre weitläufige Herrschaft zu gewährleisten, schufen die Zhou-Könige erstmals eine Beamtenbürokratie, die arbeitsteilig das Reich verwaltete. Dennoch prägte ein Grundproblem aller feudalen politischen Systeme auch das Schicksal Zhou-Reiches: Das Streben der Vasallen, die sich erfolgreich als lokale Herren etabliert hatten, nach mehr Selbständigkeit und Macht wurde immer stärker und führte schließlich zum Niedergang der Zentralautorität. In der Folge mussten die Westlichen Zhou schließlich dem Druck der Barbareneinfälle im Norden nachgeben, als zugleich einige der Feudalstaaten rebellierten. Aus ihrer Hauptstadt in der Nähe der heutigen Stadt Xian vertrieben, errichteten die Zhou eine neue Hauptstadt im Osten bei Luoyang.

In der Östlichen Zhou-Zeit nahm die Herrschaft der Zhou schließlich immer stärker einen rein formalen Charakter an, und der Zhou-König beschränkte sich als „Sohn des Himmels” weitgehend auf seine sakrale Rolle, während die wirkliche Macht von anderen ausgeübt wurde. Im ersten Abschnitt der Östlichen Zhou-Zeit, der „Frühling- und Herbstperiode” (722-481 v. Chr.), die auch die „Zeit der Hegemonien” genannt wird, vollzog sich eine Entwicklung hin zur Zusammenfassung der örtlich zersplitterten Macht in der Hand einiger weniger Staaten, die in sich nicht mehr feudal, sondern bereits mit Hilfe zentraler staatlicher Verwaltungsstrukturen organisiert waren. Aus zahllosen kleinen und kleinsten Gebilden entstanden sieben Großstaaten (Ch’in, Wei, Han, Zhao, Zhou, Yen und Qui), deren Tendenzen zur Verselbständigung nicht mehr eingedämmt werden konnten.

In der letzten Phase der Zhou, in der „Zeit der Streitenden Reiche” (453-256 v. Chr.) löste sich angesichts der Machtkämpfe der Territorialherren die Herrschaft der Dynastie vollends auf. Am Ende setzte sich der durch Waffen aus Eisen und Reiterverbände überlegene Staat Ch’in (Qin) zwischen 256 und 221 v. Chr. in blutigen Kriegen gegen die anderen sechs durch und eroberte sie.

1.2.2. Das goldene Zeitalter der chinesischen Philosophie

Die politische Instabilität seit dem 7. Jahrhundert war begleitet von sozialen Umbrüchen und von langen Phasen intellektueller und kultureller Fruchtbarkeit und Vielfalt. Insbesondere das Nachdenken über Fragen der politischen und sozialen Ordnung gewann große Bedeutung und prägte in seinen Ergebnissen die chinesische Kultur über mehr als zwei Jahrtausende bis in die Gegenwart.

Konfuzianismus Der erste und wohl einflussreichste Philosoph dieser Periode war K’ung-fu-tzu (westlicher Name: Konfuzius, 551-479 v. Chr.). Der Sohn einer kleinen Adelsfamilie aus dem Staat Lu (heute Shandong) repräsentierte die aufsteigende Klasse von Verwaltungsfachleuten und Ratgebern, ohne die die Aufgaben der neuen staatlichen Verwaltungen nicht zu bewältigen waren. Konfuzius’ Hauptforderung war die Restauration jener politischen und sozialen Einrichtungen, wie sie die Zeit der frühen Zhou gekannt hatte. Er glaubte, dass die weisen Herrscher dieser Periode auf der Grundlage persönlicher Tugend eine ideale Gesellschaft entwickelt hätten, und versuchte, eine neue integre und kultivierte Elite zu etablieren. Eine Wiederbelebung der feudalen Ethik der frühen Jahrhunderte schien ihm der beste Weg zur Wiederherstellung gefestigter Ordnungen in Politik und Gesellschaft zu sein (siehe Konfuzianismus).

Taoismus Die Lehren des Taoismus, der zweiten großen philosophischen Schule der Zhou-Zeit, finden sich im Tao-te king (Buch vom Tao und seiner Kraft). Als Urheber dieser philosophischen Richtung gelten Lao-tse (etwa 4. Jahrhundert v. Chr.) und Zhuangzi (ca. 369-286 v. Chr.). Die Taoisten lehnten das System des Konfuzius ab. Anstatt auf die Wiederbelebung der feudalen Ethik setzten sie auf die Abwendung von der Zivilisation und die Suche nach Übereinstimmung mit der Natur. Das Nicht-Eingreifen (wu wei) ist dabei eines der grundlegenden Prinzipien.

Legalismus Die dritte politische Schule der Zeit, die auf die weitere Entwicklung der chinesischen Zivilisation großen Einfluss hatte, war der Legalismus. Er forderte angesichts der allgemeinen Auflösungstendenzen neue und drastische Maßnahmen. Ziel war eine soziale Ordnung, die auf strikten und objektiven Gesetzen fußen und jeden Aspekt menschlicher Aktivität durch Lohn und Strafe reglementieren sollte. Um ein solches System zu errichten, musste ein machtvoller und wohlhabender Staat gebildet werden. Verstaatlichung des Kapitals, Einrichtung von Regierungsmonopolen, Beseitigung der überlieferten Familienstrukturen und Aufbau einer effektiven Verwaltung sollten unumschränkte staatliche Macht gewährleisten. Nach außen sollte eine auf Autarkie gerichtete Politik dem Staat Handlungsfreiheit verschaffen. Die wichtigsten Vertreter der Legalisten waren zwei Minister des Staates Ch’in: Shang Yang (4. Jahrhundert v. Chr.) und Han Feizi (spätes 3. Jahrhundert v. Chr.).

Zu den zahlreichen anderen, im Westen heute weniger bekannten philosophischen Schulen der Zeit gehören: Hedonisten, Rhetoriker, Logiker, Strategen, Agronomisten und insbesondere die Schule des Mo Ti (gestorben 391 v. Chr.), der im Prinzip der allumfassenden Liebe den Schlüssel zur Lösung der Probleme des Menschen erkannte.

2. Entstehung des Kaiserreiches
2.1. Die Qin-Dynastie (221-206 v. Chr.)

Durch die Eroberung der rivalisierenden Reiche führte Zheng, der Herrscher der Ch’in (deren Name künftig auch für die Bezeichnung des Gesamtstaates stehen sollte), zum ersten Mal alle chinesischen Gebiete zusammen (1. Reichseinigung 221 v. Chr.) und begründete das Kaiserreich, indem er sich zum Shi Huangdi („göttlich erhabener Kaiser”) erhob. Er übertrug die grundlegenden Reformen, die wesentlich zum Aufstieg von Ch’in beigetragen hatten, jetzt auf das gesamte neue Reich. Die feudalen Strukturen wurden beseitigt und ein Verwaltungsstaat etabliert. Gesetze und Vorschriften wurden durchgehend vereinheitlicht – von den Vorgaben für den Bau von Wagen über Gewichte und Maße bis hin zur Schrift. Die Infrastruktur, insbesondere der umfassende Ausbau des Straßen- und Wasserwegenetzes, wurde ebenso zur Sache des Staates wie die Sicherung des Reiches nach außen.

Auch das kulturelle Leben orientierte sich am Ziel der Einheitlichkeit. Nur die Denkschule des Legalismus war noch zugelassen, die wichtigsten Schriften der anderen philosophischen Richtungen wurden verbrannt (Bücherverbrennung 213 v. Chr.). Das gesamte Staatsgebiet wurde in 36 Gaue eingeteilt, die einer zivilen Verwaltung durch eine differenzierte Beamtenbürokratie und einer militärischen Führung unterstanden. Gegen diese Veränderungen fand sich jedoch eine Opposition der alten Führungsschichten und der Anhänger des Konfuzianismus zusammen, die sich schließlich gegen die neue Dynastie erhob.

Nach außen verfolgten die Ch’in einen expansiven Kurs: Im Süden stießen sie bis in das Gebiet des heutigen Vietnam vor; im Südwesten wurde das Kaiserreich auf die heutigen Provinzen Yunnan, Guizhou und Sichuan ausgedehnt; im Nordwesten erstreckten sich die Eroberungen bis Lanzhou in der heutigen Provinz Ganzhou, und im Nordosten erkannte ein Teil des heutigen Korea die Vorherrschaft der Ch’in an. Zugleich sicherten sie die Grenze in Nordchina durch einen durchgehenden Verteidigungswall, den Vorläufer der später errichteten Chinesischen Mauer, um die Verteidigung gegen Invasionen der Hiung-nu (Hunnen) zu erleichtern.

2.2. Die Frühere Han-Dynastie/Westliche Han (206 v. Chr. bis 9 n. Chr.)

Aus dem 210 v. Chr. entbrannten Bürgerkrieg, den Shi Huangdi mit seinen radikalen Reformen provoziert hatte, ging der Rebellenführer Liu Bang 206 v. Chr. als Sieger hervor. Er stürzte die Ch’in, ernannte sich 202 v. Chr. selbst zum Kaiser und begründete als Gaozu die Han-Dynastie. Die Han-Dynastie baute auf der von den Ch’in erreichten Einheit des Reiches auf, liberalisierte aber das Herrschaftssystem. Die umfassenden, straffen Reglementierungen wurden abgeschafft, die Steuern gesenkt. Seinen Verbündeten und Verwandten gewährte Gaozu die Erbfolge für ihre Regionalherrschaften. Doch die Politik der Refeudalisierung schwächte die Autorität des Kaisers. Ab Mitte des zweiten vorchristlichen Jahrhunderts, maßgeblich unter Kaiser Wudi (140-87 v. Chr.), zentralisierten die Han deshalb erneut das Reich und unterstellten es ihrer Kontrolle, indem sie eine aufgabenteilige zentrale Verwaltung für das ganze Reich schufen, die bis in die örtlichen Belange eingriff. Mit diesem zentralistischen Verwaltungsaufbau entstand ein ausgedehnter staatlicher Beamtenapparat.

Zu den wichtigsten geschichtlichen Beiträgen der Han-Dynastie zählt die Einführung des Konfuzianismus als offizielle Ideologie. In dem Versuch, eine alles umfassende Staatsideologie zu entwickeln, waren die Han allerdings weniger rigide als die Ch’in; die Han bezogen auch andere philosophische Richtungen und Elemente der Volksreligion in ihr neues System ein.

Unter Kaiser Wudi erreichte die frühe Han-Dynastie ihre Blütezeit. Das Reich umfasste beinahe das gesamte Territorium des heutigen China, wenn auch viele Gebiete, insbesondere südlich des Jangtsekiang, sich noch nicht wirklich assimilierten. Im Norden fielen Teile der Mandschurei und Koreas an China, im Westen wurden die Hiung-nu abgewehrt, im Zuge von Vorstößen durch das Tal des Flusses Jaxartes (dem heutigen Syrdarja) geriet auch Zentralasien ins Blickfeld des Expansionsinteresses, und schließlich kam der Süden der Insel Hainan unter die Kontrolle der Han. Im Delta des Xi Jiang, in Annam und Korea entstanden Kolonien. Der Karawanenverkehr über die Seidenstraßen ermöglichten den Handel mit Zentralasien und stellten die Verbindung zum Mittelmeerraum her, in dem zu dieser Zeit Rom zur Vormacht aufstieg.

Die expansive Politik des Kaisers Wudi zog schwere finanzielle Belastungen nach sich und löste soziale Krisen aus. Steuererhöhungen, Wiederbelebung der staatlichen Monopole und Entwertung des Geldes sollten die Staatskassen wieder füllen. Die angesichts dieser Entwicklungen bereits schwierige Lage der unteren sozialen Schichten verschlechterte sich zusätzlich durch ein starkes Bevölkerungswachstum, dem die wirtschaftliche Entwicklung nicht Rechnung tragen konnte. Zu diesen negativen Entwicklungen im sozialen und wirtschaftlichen Bereich kam schließlich noch politische Instabilität. Wiederholt bestiegen Thronfolger noch im Kindesalter den Kaiserthron; die Macht wurde dann von den Müttern der jeweiligen Herrscher und deren Familien ausgeübt, Zersplitterung und Inkompetenz schwächten die kaiserliche Regierung. Die mächtigen Landbesitzerfamilien in den Provinzen verstanden es, sich durch ihre Verbindungen in den Beamtenapparat der Steuerpflicht zu entziehen. Der Versuch, die sinkenden Staatseinnahmen durch stärkere Belastung der Bauernschaft auszugleichen, führte zu Bauernaufständen und der Bildung zahlreicher Räuberbanden.

2.3. Die Zwischenherrschaft der Xin (9-23 n. Chr.)

In dieser Phase des Verfalls der kaiserlichen Autorität gelang es der Familie Wang, die mit dem Herrschergeschlecht verwandt war, die Macht an sich zu reißen. Wang Mang, der 9 n. Chr. den Kaiserthron bestieg, brachte ein umfangreiches und tief greifendes Reformwerk in Gang. Alles Land sollte in Staatsbesitz übergehen und an die Bauern verteilt werden, deren Wirtschaft staatlich kontrolliert werden sollte, um die private Wucherei einzuschränken. Besitz von und Handel mit Sklaven sollten eingedämmt werden. Doch der Widerstand der Großgrundbesitzer und eines großen Teils der Beamtenschaft ließen das Projekt schnell scheitern.

Der wirtschaftliche Niedergang führte zu Bauernaufständen, die sich unter der Führung der „Roten Augenbrauen”, einer vom Taoismus inspirierten Gruppe, bald über das gesamte Reich ausbreiteten. Im Jahr 23 wurde Wang Mang von den „Roten Augenbrauen” getötet.

2.4. Die Spätere Han-Dynastie/Östliche Han (25-220 n. Chr.)

Liu Xin, der aus einer der alten Familien der Oberschicht stammte und der ein bedeutender militärischer Führer der rebellierenden Bauern geworden war, ernannte sich 25 n. Chr. selbst zum Kaiser Guangwudi (25-57) und begründete die Han-Dynastie neu.

Außenpolitisch versuchten die Östlichen Han, die seit dem Niedergang der Westlichen Han verloren gegangenen Positionen zurückzugewinnen. Insbesondere gegen die Hiung-nu, die sich in eine nördliche und eine südliche Gruppe gespalten hatten, war man militärisch erfolgreich. Die südliche Gruppe wurde zum großen Teil im Norden Chinas angesiedelt, wo sie fortan innerhalb der Reichsgrenzen lebte. Die nördliche Gruppe konnte man zwar nicht unterwerfen, doch blieb die Bedrohung durch sie relativ gering. Die Herrschaft der Han über Zentralasien war bis zum Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. in vollem Umfang wieder hergestellt, und bald gab es Vorstöße über den alten Machtbereich hinaus bis an das Kaspische Meer.

Schwäche und Ineffizienz der Staatsverwaltung blieben weiterhin ein dominierendes Problem; familiäre Intrigen um Macht und Einfluss angesichts minderjähriger Thronfolger (nur die ersten drei Kaiser der Östlichen Han traten ihr Amt volljährig an) schwächten nach wie vor die staatliche Autorität. Als neuer Faktor im Machtkampf am kaiserlichen Hofe traten im 2. Jahrhundert zunehmend die Eunuchen, die durch ihre zentralen Funktionen in der Bürokratie politischen Einfluss gewonnen hatten, hervor. Ihre Versuche, die Herrschaft im Staat zu usurpieren, schuf bürgerkriegsähnliche Konflikte. Truppen der Provinzmachthaber beendeten 189 die Herrschaft der Eunuchen am Hofe, indem sie die Hauptstadt Luoyang eroberten und alle etwa 2 000 Eunuchen töteten.

Verstärkte Machtansprüche der Grundbesitzerklasse ließen alte innenpolitische Konflikte wieder aufbrechen. In Ostchina setzte sich die taoistisch orientierte Gruppe Tai-ping tao („Straße des großen Friedens”), deren Anhänger gelbe Turbane trugen, an die Spitze eines breiten Bauernaufstandes, der schließlich 215 grausam unterdrückt wurde.

Der Zerfall der Macht der Han-Dynastie war unaufhaltsam. Die wirklichen Machthaber waren die Kriegsherren, die in den Provinzen herrschten und die sich bald gegenseitig bekämpften. Nominell bestand die Dynastie noch bis 220.

Während der Ära Späteren Han-Dynastie hielt der Buddhismus von Indien aus Einzug in China.

2.5. Die Periode der Spaltung (220-589)

Im Machtvakuum des Zentralstaates entstanden die „Drei Reiche” Shu-han (221-263) im Westen, Wei (220-265) im Süden und Wu (222-280) im Norden. Die gesellschaftlichen Konfliktkonstellationen, wie sie das geeinte Reich geprägt hatten, blieben jedoch erhalten. Neben den inneren Auseinandersetzungen bestimmten nun zusätzlich erbitterte Kriege zwischen den Drei Reichen das Bild der Zeit. Vorübergehend gelang es der Tsin-Dynastie, die Einheit militärisch zu erzwingen (265). Zu Beginn des 4. Jahrhunderts, als die Hiung-nu die Hauptstädte des Nordens, Luoyang (311) und Ch’ang-an (heute Xian, 316) eroberten, war die Reichseinheit erneut zerstört und e