Indonesien
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Indonesien
6. Wirtschaft

Wichtige wirtschaftliche Stützen Indonesiens bilden Erdgas und Erdöl. Das OPEC-Mitglied ist weltweit der bedeutendste Exporteur von Flüssiggas und zählt zu den großen Erdölförderstaaten der Erde. Beim Abbau von Zinnerzen steht Indonesien weltweit an Position zwei. Ein weiterer Wirtschaftsfaktor ist der Fremdenverkehr. Trotzdem ist die Wirtschaftsstruktur weitgehend vom Agrarsektor geprägt. So ist beispielsweise gut die Hälfte aller Erwerbstätigen in der Landwirtschaft beschäftigt. Der größte Teil der Bevölkerung betreibt Subsistenzlandwirtschaft, Fischfang und Forstwirtschaft. Das Bruttoinlandsprodukt beträgt 364 790 Millionen US-Dollar (2006). Hiervon erwirtschafteten Industrie und Dienstleistungssektor je 40 Prozent, während der Agrarsektor 20 Prozent erzielte.

Mitte 1997 wurde auch Indonesien von der schweren Wirtschafts- und Währungskrise in Südostasien erfasst. Allein die Inflationsrate stieg von 9,7 Prozent (1997) auf mehr als 46 Prozent (1998). Der enorme Verfall der Landeswährung führte Anfang 1998 zu starken Preiserhöhungen für Grundnahrungsmittel sowie Güter des täglichen Bedarfs. Vor diesem Hintergrund kam es 1998 immer wieder zu heftigen Unruhen, bei denen mehrere Hundert Tote zu beklagen waren. Dadurch wurde auch eine schwere Staatskrise ausgelöst; eine Folge war u. a. der Rücktritt Präsident Suhartos am 21. Mai 1998.

1. Landwirtschaft

Normalerweise sind tropische Böden aufgrund der hohen Niederschläge sehr nährstoffarm und nur für wenige Jahre für die Landwirtschaft nutzbar. Aufgrund der zahlreichen vulkanischen Aschenregen wurden den Böden Indonesiens jedoch immer wieder Nährstoffe zugeführt. Sie sind, vor allem auf Java, äußerst fruchtbar und gestatten drei Ernten in zwei Jahren. Ungefähr 42 Prozent der annähernd 109 Millionen Erwerbstätigen sind in der Landwirtschaft beschäftigt, sei es als Kleinbauern oder als Arbeiter auf den Plantagen. Hier werden Kautschuk (weltweit an zweiter Stelle), Tabak, Zuckerrohr, Palmkerne (weltweit an dritter Stelle), Kaffee (weltweit an vierter Stelle), Tee und Kakao angebaut.

Das Hauptnahrungsmittel der Bevölkerung ist Reis. Der größte Teil davon wird auf Java angebaut. Weitere bedeutende Produkte sind Maniok, Mais, Süßkartoffeln, Kokosnüsse, Sojabohnen, Erdnüsse. Mit Hilfe der Bildung von Kooperativen und Banken für Kleinbauern konnten die Ernteerträge und der Anteil der Exportware gesteigert werden. Demgegenüber spielt die Viehwirtschaft eine nur untergeordnete Rolle. Die Tierhaltung umfasst vor allem Ziegen, Rinder, Schafe, Büffel, Schweine und Hühner.

2. Forstwirtschaft und Fischerei

Etwa zwei Drittel Indonesiens bestanden ursprünglich aus tropischem Regenwald; ausgedehnte Wälder befinden sich noch auf Borneo und Sumatra sowie im östlichen Landesteil. Beinahe alle Wälder sind in staatlichem Besitz. Über 80 Prozent des Holzeinschlags werden als Brennholz verwendet. Ferner werden bedeutende Mengen an Edelhölzern für die Möbelindustrie geschlagen, u. a. Teakholz und Ebenholz; außerdem werden Bambus und Rotangpalmen (für die Rattangewinnung) genutzt. Indonesien ist weltweit führender Exporteur von Sperrholz. Unbearbeitetes Holz darf seit 1985 nicht mehr exportiert werden, um die ökologisch verheerende Waldzerstörung einzudämmen.

Für die Gesamtwirtschaft ist der Fischfang nur von untergeordneter Bedeutung. Fische bzw. Meerestiere sind jedoch wichtiger Bestandteil des Speiseplanes. Gefangen werden Thunfische, Makrelen, Stachelmakrelen, Sardinen, Karpfen und Garnelen.

3. Bergbau

Indonesien ist reich an Bodenschätzen. Neben Erdöl, Erdgas und Zinn gehören Bauxit, Nickel, Kupfer und Steinkohle zu den wichtigen Rohstoffen des Landes. Reiche Vorkommen liegen vor allem auf Sumatra, Java, Borneo und Papua. Die Erdgasförderung beträgt annähernd 70 Milliarden Kubikmeter – diese werden größtenteils zu Flüssiggas weiterverarbeitet. Bei der Gewinnung von Zinn steht Indonesien in der Spitzengruppe der Welt. Ferner sind die Bauxitproduktion mit jährlich 505 800 Tonnen, der Steinkohleabbau mit etwa 2,7 Millionen Tonnen und die Nickelerzförderung mit etwa 1,7 Millionen Tonnen von wirtschaftlicher Bedeutung.

4. Industrie

Neben der Erdöl- und der Erdgasindustrie haben vor allem Metallgewinnung, Tabakverarbeitung, Nahrungs- und Genussmittelindustrie wirtschaftliche Bedeutung. Ferner gibt es Textilindustrie, Holz- und Papierfabriken, chemische Industrie und Kautschukaufbereitung. Das Kleingewerbe (z. B. Kunsthandwerk, Weberei, Gold- und Silberschmiedehandwerk) ist ebenfalls umfangreich. Die bedeutenden Industriestandorte befinden sich fast ausschließlich auf Java. Weitere Industrieansiedlungen gibt es auf den Inseln Sumatra, Borneo und Celébes.

5. Währung und Bankwesen

Die neue Rupiah, im Wert von 1 000 alten Rupiahs, ist seit 1965 die offizielle Währungseinheit von Indonesien. Etwa drei Dutzend Landes- und Regionalbanken gewähren Handels- und Industrieunternehmen Kredite. Das Land verfügt ferner über etwa 80 private Handelsbanken und Zweigstellen ausländischer Banken.

6. Außenhandel

Seit 1964 läuft beinahe der gesamte Import und Export über staatliche Handelsgesellschaften. Erdöl und Erdölerzeugnisse, Erdgas, Holz und Textilien zählen zu den wichtigsten Exportartikeln. Ferner werden u. a. Kaffee, Kautschuk, Zinn, Palmöl, Tabak, Tee und Pfeffer ausgeführt. Zu den wichtigsten Importwaren gehören neben Rohstoffen, Maschinen- und Fahrzeugteilen sowie chemischen Erzeugnissen Eisen, Stahl und Konsumgüter. Haupthandelspartner von Indonesien sind Japan, die Vereinigten Staaten, Singapur, Länder der Europäischen Union (z. B. Deutschland, Italien), Australien und Südkorea. In der Regel liegen die Jahreseinnahmen aus den Exporten über den Ausgaben für Importe.

7. Gewerkschaften

Die indonesische Arbeiterbewegung nahm 1908 ihren Anfang, seither sind die Gewerkschaften ein wesentlicher Bestandteil des öffentlichen Lebens. Die größte Gewerkschaftsvereinigung stellt der 1973 gegründete Gesamtindonesische Gewerkschaftsbund dar. Die 40-Stunden-Woche ist in ganz Indonesien eingeführt. In Schlichtungsverfahren werden die Tarife festgelegt. Das Arbeitsrecht aus dem Jahr 1948 und weitere Gesetze legen die Rahmenbedingungen für Kinderarbeit, Frauenarbeit in der Industrie, Arbeitsplätze, Arbeitszeiten und die Zahl der Urlaubstage fest.

8. Verkehrswesen

Der Schiffsverkehr von Insel zu Insel ist für die indonesische Wirtschaft sehr wichtig. Seit der Unabhängigkeit 1949 haben die Erneuerung und der Ausbau der Werftanlangen nur geringe Fortschritte gemacht. Die wichtigsten internationalen Handelshäfen liegen in der Nähe von Jakarta und Surabaya auf Java sowie bei Medan auf Sumatra. Auf Borneo und Celébes gibt es kleinere Häfen.

Die Erschließung mit Straßen und Schienen ist nur sehr unzureichend. Es gibt 368 360 Kilometer Straßen (2002), davon sind 58 Prozent asphaltiert (2002). Das Schienennetz des Landes hat eine Länge von 6 458 Kilometern (2003) und umfasst beinahe ausschließlich die Inseln Sumatra, Java und Madura. Die wichtigste internationale Fluglinie ist die staatliche Garuda Indonesian Airways. Die größten Flughäfen liegen bei Jakarta, Medan und Denpasar.

9. Energie

86,6 Prozent des indonesischen Stromverbrauchs werden mit Hilfe von Wärmekraftwerken erzeugt, 7,7 Prozent mit Wasserkraftwerken und etwa 5,7 Prozent wird mit Windenergie produziert.