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| 3. | Saurischia (Echsenbecken-Dinosaurier) |
Diese Ordnung ist vermutlich die ursprünglichere der beiden und umfasst auch einige Gattungen der Trias, die noch nicht alle typischen Eigenschaften echter Dinosaurier aufweisen, z. B. Staurikosaurus oder Eoraptor. Saurischia haben meist lange Hälse und an den ersten Fingern und Zehen Klauen. Die vierten und fünften Finger der Hand sind zurückgebildet oder fehlen (wie bei Vögeln, die nur die ersten drei Finger haben). Die Echsenbecken-Dinosaurier umfassen zwei Unterordnungen: die großenteils vegetarisch lebenden Sauropodomorpha und die Fleisch fressenden Theropoda (Raubtierfuß-Dinosaurier). Die Sauropodomorpha umfassen die gigantischen, langhalsigen, vierbeinig laufenden Sauropoda (Elefantenfuß-Dinosaurier) wie Diplodocus, Brachiosaurus und Apatosaurus (früher als Brontosaurus bezeichnet) und die ursprünglichen, weniger bekannten Prosauropoda, zu denen der auch in Deutschland und in der Schweiz gefundene Plateosaurus gehörte. Zu den zweibeinig laufenden Theropoda zählt man riesige räuberische Gattungen wie Allosaurus, Albertosaurus, Tyrannosaurus und Spinosaurus, der mit bis zu 17 Meter Länge als größter Raubsaurier aller Zeiten gilt; außerdem mittelgroße, schnell laufende Dinosaurier wie Deinonychus, Struthiomimus und Velociraptor; und relativ kleine, vogelähnliche Vertreter wie Compsognathus. Von dem bis zu 12,5 Meter langen Mapusaurus roseae wurden 1995 im Norden Patagoniens am selben Fundort Knochen gefunden, die sich mindestens sieben Individuen zuordnen lassen; man vermutet deshalb, dass diese Spezies in Gruppen jagte (Geodiversitas, 2006).
Zu den Sauropoda, die auf vier Beinen liefen, gehören die größten jemals lebenden Tiere. Der bis zu 30 Meter lange Diplodocus hatte einen extrem langen Schwanz, der etwa die Hälfte seiner Körperlänge ausmachte. Offensichtlich diente der Schwanz dem Dinosaurier als Stütze, wenn dieser sich auf die Hinterbeine stellte, um von hochwüchsigen Pflanzen zu fressen. Brachiosaurus hatte im Gegensatz dazu einen relativ kurzen Schwanz; seine vorderen Gliedmaßen waren jedoch länger als seine hinteren, was ihn in Verbindung mit seinem extrem langen Hals ebenfalls in die Lage versetzte, Vegetation in größerer Höhe zu erreichen. Der dem Brachiosaurus ähnliche, in Oklahoma gefundene Sauroposeidon aus der mittleren Kreide war mit 20 Meter Kopfhöhe der wohl am höchsten aufragende Dinosaurier. Der aus der mittleren Kreide stammende und in Argentinien gefundene Argentinosaurus, dem man nach Skelettfunden (Schädel, Rippen, Schienbein und Rückenwirbel) eine Länge von bis zu 45 Metern und maximal 100 Tonnen Gewicht zuordnet, könnte neben dem Blauwal eines der größten Tiere überhaupt sein. Das rund 150 Millionen Jahre alte Fossil eines ungewöhnlich kleinen Sauropoden wurde demgegenüber bei Goslar im Harz entdeckt: Der Europasaurus holgeri erreichte als erwachsenes Tier die für einen Sauropoden extrem geringe Körperlänge von etwa sechs Metern (Nature, 2006).
Die größten Sauropoden hielten ihre extrem langen Hälse vermutlich nicht ständig aufgerichtet, da der dafür erforderliche Blutdruck ein zu großes Herz sowie eine zu hohe Stoffwechselrate erfordert hätte. Derart schwere Dinosaurier entwickelten weitgehend hohle, dank eines effektiven Verstrebungssystems extrem stabile Knochen und Wirbel, um nicht unter der Last ihres eigenen Körpers zusammenzubrechen. Entgegen früheren Vermutungen hielten sich diese Tiere nicht in flachen Seen oder Sümpfen auf, um den Auftrieb des Wassers zu nutzen; der Wasserdruck hätte es ihnen unmöglich gemacht, mit dem Rumpf unter Wasser zu atmen, und auf dem weichen Boden hätten ihre Füße kaum Tritt fassen können. Im Mesozoikum gab es außerdem noch fast keine Wasserpflanzen, die Sauropoden ausreichend geeignete Nahrung geboten hätten. Geologische Analysen ergaben, dass Sauropoden aus expandierenden Feuchtgebieten sogar auswanderten und wohl vorwiegend in savannenartigen Landschaften lebten. Gegen die großen Fleisch fressenden Saurier konnten sie sich vermutlich mit Schwanzhieben oder Tritten ihrer gewaltigen Gliedmaßen verteidigen; vielleicht hatten sie auch gar keine natürlichen Feinde.
Theropoden hatten im Gegensatz zu den Sauropoden relativ große Köpfe mit zum Teil gewaltigen Kiefern, die zweireihig mit nach hinten gekrümmten, dolchartigen Zähnen besetzt waren. Ihre vorderen Gliedmaßen waren zurückgebildet, der Beckenbereich und die hinteren Gliedmaßen waren jedoch gut entwickelt. Der wohl bekannteste aller Dinosaurier, Tyrannosaurus rex, gehört in diese Unterordnung. Noch größer war der 1995 in Patagonien gefundene, bis 15 Meter lange und acht Tonnen schwere Fleisch fressende Giganotosaurus, der vor etwa 100 Millionen Jahren lebte. Die 160 Millionen Jahre alten Fossilien eines bisher unbekannten Theropoden wurden 1999 im westfälischen Wiehengebirge entdeckt; dieses Tier war schätzungsweise 14 Meter lang. Theropoden wie der auf Madagaskar gefundene Majungatholus atopus, besaßen bereits ein System von Luftsäcken, das mit teilweise hohlen Knochen in Verbindung stand. Ein solches Luftsacksystem, das den Austausch von Atemgasen optimiert, war bislang nur von Vögeln bekannt (Nature, 2005).
Aus Ansammlungen von Knochen, die von verschiedenen Individuen des Tyrannosaurus rex stammen, wurde geschlossen, dass diese Tiere in Rudeln lebten. 2001 wurden in Simbabwe überlappende Allosaurus-Fußspuren gefunden, die ebenfalls für geselliges Verhalten großer Theropoden sprechen. Viele dieser Tiere dürften sich vorwiegend von Aas ernährt haben. Dies könnte auch auf T. rex zutreffen, da dieser ein für einen Jäger sehr kleines Sehzentrum besaß, jedoch ein großes Riechzentrum und ausgeprägte Geruchsorgane; außerdem waren seine massiven Hinterextremitäten mit den langen Oberschenkeln möglicherweise für die Jagd ungeeignet.
Kleinere Theropoden dagegen, wie Deinonychus und Velociraptor, müssen flinke, ausdauernde Jäger gewesen sein: Sie hatten schlanke Beine mit längeren Unterschenkeln und kräftigen, dreizehigen Klauen sowie scharfe Sägezähne. Der in der späten Kreide lebende Troodon besaß zum Greifen geeignete Vorderextremitäten, die Fähigkeit zum räumlichen Sehen und das wohl relativ größte Gehirn aller Dinosaurier. Ein Exemplar einer neu entdeckten Spezies aus seiner unmittelbaren Verwandtschaft (Familie Troodontidae) war offensichtlich in einer Schlafposition umgekommen, wie sie für Vögel typisch ist: Der Kopf ruhte unter einer Vorderextremität (Nature, 2004). Einige Theropoden, etwa Struthiomimus und seine Verwandten, waren zahnlos und hatten hohle Knochen wie Vögel. Im Magenbereich von Theropoden wurden Steine gefunden, deren Menge und aufgeraute Oberfläche darauf schließen lassen, dass diese wie die Gastrolithen (Magensteine) heutiger Vögel dem Zermalmen pflanzlicher Nahrung dienten (die gelegentlich im Magenbereich von Sauropoden gefundenen Steine scheinen dagegen zufällig aufgenommen worden zu sein; Proceedings of the Royal Society, 2006).