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| 2. | Verwandtschaft und Merkmale |
Dinosaurier entwickelten sich nach heutiger Erkenntnis aus Angehörigen einer Gruppe von Kriechtieren, die man als Ornithosuchia bezeichnet und die in der Trias weit verbreitet war. Wie die amphibischen Phytosaurier zeichneten sie sich u. a. durch einen besonders leichten, beweglichen Schädel aus sowie durch hoch entwickelte Zähne, die in einer knöchernen Vertiefung saßen. Im weiteren Stammbaum der Reptilien bilden Dinosaurier denselben Ast wie die ausgestorbenen Ordnungen der Ichthyosaurier (Fischsaurier), der Sauropterygia (Paddelechsen wie die Plesiosaurier) und der so genannten Lepidosauria. Zu Letzteren gehören neben den Mosasauriern und anderen ebenfalls ausgestorbenen Gruppen die Schnabelköpfe, deren einzige überlebende Art die neuseeländische Brückenechse ist, sowie die heute weltweit verbreiteten Echsen und Schlangen. Als engste ausgestorbene Verwandte der Dinosaurier gelten die Flugsaurier. Heute existieren noch drei Zweige aus diesem Verwandtschaftskreis: die Krokodile und ihre nächsten Verwandten, die Vögel, sowie nach neuen genetischen und morphologischen Analysen auch die Schildkröten.
Nachdem gegen Ende des 19. Jahrhunderts im Westen der USA vollständige Saurierskelette gefunden worden waren, aber auch versteinerte Fußspuren, erkannte man, dass Dinosaurier meist auf zwei Beinen liefen (Bipedie) und damit eine für Reptilien sehr ungewöhnliche Haltung aufwiesen – Anlass für viele Spekulationen über ihre Fortbewegung, ihr Verhalten und ihre Physiologie.
Zweibeinige Dinosaurier zeichnen sich durch eine aufrechte Haltung aus. Ihre Gliedmaßen befinden sich wie bei Vögeln und den meisten Säugetieren direkt unter dem Körper und sind nicht seitlich vom Körper abgespreizt wie bei Krokodilen, Echsen und Schildkröten. Dies ist eine Eigenschaft, die Dinosaurier mit den Flugsauriern gemeinsam haben. Fußabdrücke zeigen, dass zweibeinige Dinosaurier wie Vögel liefen. Sie setzten einen Fuß vor den anderen, wobei die Fußspitzen leicht nach innen zeigten. Ihre Hände waren zum Greifen geeignet, da die Daumen den anderen Fingern leicht gegenübergestellt werden konnten. Ihre Gehirne waren allgemein größer als bei Reptilien üblich, insbesondere die der Fleischfresser und der entenschnabligen Hadrosaurier. 190 Millionen Jahre alte Fossilien von Embryonen der Spezies Massospondylus carinatus ließen darauf schließen, dass die Jungtiere dieser Art zunächst vierbeinig liefen und erst während ihrer Individualentwicklung zur Bipedie übergingen (Science, 2005).
Heute gilt als erwiesen, dass kleine zweibeinig laufende Dinosaurier aus der Verwandtschaftsgruppe der Theropoda die direkten Vorfahren der Vögel waren. Solche Dinosaurier zeichneten sich beispielsweise bereits durch hohle Knochen aus und besaßen Luftsäcke, die eine effizientere Atmung ermöglichten. Die Frage, ob der Vogelflug von baumlebenden Dinosauriern, die zu Boden glitten, oder von schnell laufenden, in die Luft springenden Formen abgeleitet wurde, ist umstritten. Federn haben eine ganze Reihe verschiedener Dinosaurier getragen (auch solche, die unmöglich geflogen sein können), weswegen man annimmt, dass Federn ursprünglich der Wärmeisolation dienten und nur bei bestimmten Sauriern in der Folge zu einer Anpassung an das Fliegen weiterentwickelt wurden.
In China wurden 2001 und 2002 Fossilien von nur spatzengroßen Dinosauriern (vermutlich Jungtiere) gefunden, die Federn besaßen und deren Skelettbau Anpassungen an das Leben auf Bäumen zeigt. Die Tiere könnten flugfähig gewesen sein und ihre Nester zum Schutz vor räuberischen Dinosauriern im Geäst gebaut oder dort Nahrung gesucht haben; die genaue Datierung der Funde ist unklar. Der etwa 150 Millionen Jahre alte Archaeopteryx gilt heute nicht mehr als erster Vogel oder als Bindeglied (siehe Missing Link) zwischen Dinosauriern und Vögeln, sondern als befiederter Theropode.
Wie die meisten der heute lebenden Reptilien und wie die Vögel legten die Dinosaurier Eier. Dinosauriereier wurden zuerst in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts in der Mongolei gefunden, später auch in Europa (vor allem in Südfrankreich), Nordamerika (vor allem im US-Bundesstaat Montana) und in Afrika. Die fossilen Eier sind länglich mit Durchmessern von bis zu 20 Zentimetern. Reste von Dinosauriernestern mit bis zu 24 kreisförmig angeordneten Eiern, mit Embryonen, frisch geschlüpften Dinosauriern und Jungtieren wurden ebenfalls u. a. in der Mongolei und in Montana gefunden. Die in Schichten aufgebauten Nester legen den Schluss nahe, dass die Dinosaurier Jahr für Jahr zu denselben Brutkolonien zurückkehrten. Im argentinischen Patagonien wurde eine riesige Ansammlung fossiler Dinosauriereier entdeckt; die Eier waren vermutlich von bis zu 14 Meter langen Titanosauriern im Überschwemmungsgebiet eines Flusses gelegt worden. In der Mongolei wurde 1993 das versteinerte Skelett eines 80 Millionen Jahre alten Oviraptor gefunden, der mit ausgebreiteten Vordergliedmaßen über einer Brut von 22 Eiern hockte. Die Haltung wird als die von Vögeln bekannte Bruthocke gedeutet. Ein vor etwa 95 Millionen Jahren lebender Pflanzen fressender Oryctodromeus cubicularis, dessen Fossil im US-Bundesstaat Montana gefunden wurde, hatte seine beiden Jungen in einer offenbar selbst gegrabenen, zwei Meter langen Erdhöhle untergebracht. Die Funde lassen den Schluss zu, dass Dinosaurier Brutpflege betrieben, und sie werden dahingehend interpretiert, dass Dinosaurier ein ausgeprägtes Sozialverhalten aufwiesen.
Schon in den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts erkannte der englische Anatom Harry Govier Seeley, dass Dinosaurier nach der Form ihrer Beckenknochen in zwei Ordnungen eingeteilt werden können: Die Ornithischia besaßen Schambeine (siehe Becken), die denen von Vögeln ähnlich sind. Die Saurischia dagegen hatten Schambeine, die Ähnlichkeiten mit denen heutiger Reptilien aufweisen. Dennoch gelten kleine, flinke Fleischfresser aus der Gruppe der Saurischia als Vorfahren der Vögel.