Indianersprachen
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Indianersprachen
4. Klassifikation

Bei der Klassifikation der Indianersprachen in Sprachfamilien wurde bis heute noch kein Konsens erreicht. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts teilten zahlreiche Forscher die nordamerikanischen Sprachen in etwa 60 verschiedene Familien ein, zwischen denen sie keine vorzeigbaren genetischen (von einer gemeinsamen Proto-Sprache abstammenden) Verwandtschaftsbeziehungen erkennen konnten. Für Mittelamerika fanden sie 19 Familien und für Südamerika circa 80 Familien. Andere Wissenschaftler behaupteten, zwischen den meisten Indianersprachen genetische Beziehungen zu erkennen, und gingen daher von weniger Familien aus. Obwohl man annimmt, dass die ersten Menschen in Amerika aus Asien über die Beringstraße kamen, darf aus der großen genetischen Vielfalt der altamerikanischen Sprachen geschlossen werden, dass die Neue Welt in mehreren Wanderungsbewegungen bevölkert wurde.

Ein Hauptziel der Erforschung der Indianersprachen ist ihre genetische Klassifikation – die Einteilung dieser unglaublichen Vielzahl verschiedener Sprachen in überschaubare Familien. Diese Aufgabe scheint kaum lösbar, da ein enormer Datenbestand zu bearbeiten ist und immer mehr Sprachen aussterben. Im Jahr 1891 ging der amerikanische Ethnograph, Geologe und Sprachforscher John Wesley Powell von 58 Familien in Nordamerika aus, zu denen er allerdings aufgrund oberflächlicher Ähnlichkeiten gekommen war. Ungefähr zur selben Zeit stellte der amerikanische Sprachforscher Daniel Brinton für Südamerika 80 Familien vor. Wenn auch die Methodik seitdem strengere Richtlinien anlegt, so bilden doch diese beiden Klassifikationsschemata die Grundlage für alle späteren Einteilungen. 1929 fasste der amerikanische Sprachwissenschaftler und Ethnologe Edward Sapir die Familien Nordamerikas in sechs Großgruppen (Sprachphyla) und die Mittelamerikas in 15 zusammen. In jüngster Zeit haben jedoch Arealstudien – Untersuchungen des gegenseitigen Austausches grammatikalischer und anderer Besonderheiten unter den Familien innerhalb eines bestimmten geographischen Gebiets – gezeigt, dass zahlreiche der früher angenommenen, entfernten genetischen Ähnlichkeiten überprüft werden müssen. Der amerikanische Linguist Joseph Greenberg und andere reduzierten ihr Klassifikationsschema auf nur drei Familien: Eskimo-Alëut, Na-Dené und Amerind (mit elf Zweigen).