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| 1. | Einleitung |
Klassizismus, allgemeine Bezeichnung all jener Kunstströmungen, die sich bewusst auf antike Vorbilder berufen. In diesem Sinne sind im 16. Jahrhundert architektonische Richtungen in Frankreich (Classicisme) sowie in England und den Niederlanden (Palladianismus) als klassizistisch zu bezeichnen. Auch der Neoklassizismus und Historismus Ende des 19. Jahrhunderts haben klassizistische Tendenzen, ebenso die ironisch zitierende Architektur der Postmoderne.
Im Besonderen bezeichnet der Begriff des Klassizismus eine in Europa und Nordamerika vorherrschende Stilepoche zwischen 1750 und 1830, zu der Biedermeier, Directoire, Empire und Louis-seize gehören. Ziel dieser Strömung war es, die intime Verspieltheit des Rokoko und die Überladenheit des Spätbarock zugunsten einer „klassischen” Formstrenge zu überwinden. Mehr als nur eine Wiederbelebung der Antike, steht dieser Klassizismus im engeren Sinne u. a. mit den revolutionären Ereignissen in Frankreich (siehe Französische Revolution) und Nordamerika in Zusammenhang. Er hatte somit auch eine ideologische Funktion, indem er das demokratische Ideal der griechischen Antike, welches man in der antiken Kunst reflektiert sah, zum Ausdruck bringen sollte. Aber auch die absolutistischen Fürsten fanden in der Architektur des Klassizismus eine repräsentative Monumentalität vor.