Klassizismus
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Klassizismus
3. Architektur

Seine wichtigsten Leistungen erbrachte der Klassizismus im Bereich der Baukunst. Typisch wurde eine auf Symmetrie angelegte Konzeption mit durch Säulenformationen geprägten Vorderfronten (Kolossalordnungen).

In der Frühphase des Klassizismus schuf Jacques-Ange Gabriel zwischen 1769 und 1773 das Petit Trianon in Versailles. Das Pariser Panthéon nach Entwürfen von Jacques-Germain Soufflot ist das herausragende Beispiel eines frühklassizistischen Kirchenbaues. Etwa zeitgleich mit Gabriel setzte sich mit der Landhausarchitektur von William Chambers und Robert Adam der klassizistische Baustil in England durch. Mit seiner reichhaltigen Ornamentik blieb der so genannte Adam Style jedoch weiterhin dem Rokoko verhaftet. Beispiele des Frühklassizismus in Deutschland sind das von Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff geschaffene Schloss Wörlitz in der Nähe von Dessau (1769-1773), Friedrich Gillys Entwurf eines Denkmals für Friedrich den Großen (1796) oder das von Carl Gotthard Langhans in Berlin erbaute Brandenburger Tor (1788-1791). Als städtebauliches Gesamtkonzept ragt Simon Louis Du Rys neues Kassel mit dem Museum Fridericianum (1769-1776) heraus.

In Frankreich entwarf Claude-Nicolas Ledoux 1771 den Pavillon der Comtesse du Barry in Louveciennes, zwischen 1785 und 1789 dann eine Reihe von Pariser Stadttoren. Sein an einer stereometrischen Formensprache ausgerichteter Plan der idealen Salinenstadt Chaux ist typisch für die französische Revolutionsarchitektur Ende des 18. Jahrhunderts. Diese leitet zur zweiten Phase des Klassizismus über, welche sich nach 1800 noch stärker an der Antike orientierte und in der städtebauliche Projekte immer stärker in den Vordergrund traten. So arbeiteten nach der Kaiserkrönung Napoleons 1804 Charles Percier und Pierre François Fontaine daran, Paris zur Hauptstadt Europas umzugestalten. Zu diesem Zweck imitierten sie nicht nur in ihren Schloss- und Palastanlagen die Opulenz der Architektur der römischen Kaiserzeit. Im so genannten Empirestil gehalten sind der von Jean-François-Therèse Chalgrin nach griechischem Muster konzipierte Arc de Triomphe (begonnen 1806) sowie die Champs-Elysées, entworfen von Fontaine (1806). Auch in anderen europäischen Metropolen wurde das Stadtbild im Sinne des Klassizismus verändert, so in München (durch Leo von Klenze), Karlsruhe (durch Johann Jakob Friedrich Weinbrenner) oder Sankt Petersburg (durch Andrejan Dmitrijewitsch Sacharow). Einer der bedeutendsten deutschen Architekten dieser Phase war Karl Friedrich Schinkel.

In England führte John Nash den Klassizismus in die Städteplanung ein. Deutlich griechisch inspiriert sind seine im Regency Style gehaltene Fassadengestaltung in der Londoner Regent Street (begonnen 1812) sowie sein Royal Pavilion in Brighton (1815-1823). Das von Robert Smirke zwischen 1823 und 1847 erbaute British Museum ist ein weiteres bedeutendes Beispiel klassizistischer Baukunst in England.

In den USA war der klassizistische Federal Style zwischen 1780 und 1820 vorherrschend. An Robert Adams orientiert, entwarf etwa Charles Bulfinch sein Massachusetts State House in Boston (vollendet 1798). Das Maison-Carrée wiederum, ein römischer Tempel aus dem 1. Jahrhundert im französischen Nîmes, war Vorbild für Thomas Jeffersons State Capitol Building in Richmond, Virginia (1785-1789). Neben Jefferson ist Pierre Charles L’Enfant für die städtebaulichen Erweiterungen von Washington D.C. im Sinne des Klassizismus verantwortlich.

In den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts integrierte der klassizistische Baustil verstärkt Elemente der italienischen Renaissancearchitektur, so dass sich die Grenzen zwischen Spätklassizismus, Neorenaissance und Historismus zunehmend verwischten. Durch den Einsatz neuer Baumaterialien begann eine Phase zuvor nie gekannter architektonischer Vielfalt. Die Zeit nach 1820 wurde besonders von Architekten wie Gottfried Semper (Dresden), Friedrich von Gärtner (München), Georg Ludwig Friedrich Laves (Hannover), Caspar Frederik Harsdorff (Kopenhagen) und Charles Robert Cockerell (England) dominiert.