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Ideologie

Ideologie (griechisch: die Lehre von den Ideen), ursprünglich eine von dem französischen Philosophen Antoine Destutt de Tracy begründete sensualistische philosophische Richtung, deren Vertreter auf der Grundlage genauer und systematischer Kenntnis der Ideen, der physiologischen und psychischen Wahrnehmungen der Welt, ein auf die Praxis gerichtetes Regelwerk für Ethik, Politik und Erziehung erstellen wollten. Die Ideologen hatten Ende des 18. Jahrhunderts nicht unbedeutenden politischen Einfluss. Bis ins 19. Jahrhundert blieb der Begriff Ideologie neutrale Bezeichnung für die Wissenschaft von der Entstehung und Entwicklung geistesgeschichtlicher Ideen. Danach wurde er im allgemeinen Verständnis zunehmend gleichbedeutend mit einer praxis- und realitätsfernen Wirklichkeitsauffassung.

Im heutigen Sprachgebrauch steht der Begriff Ideologie für das gesamte Denk-, Wertungs- und Normensystem einer Gesellschaftsgruppe, besonders aber in pejorativem Sinne für weltfremde Dogmatismen und starre, einseitige, interessenverzerrte Weltkonzepte, die alle (gesellschaftlichen) Probleme auf sehr wenige oder gar eine einzige Ursache zurückführen und für deren Lösung den richtigen Weg zu wissen vorgeben. Von einer Ideologisierung spricht man demgemäß dann, wenn an die Stelle einer kritischen Objektivität ein als unhintergehbar behauptetes, den objektiv beobachtbaren Tatsachen zuwiderlaufendes Wert- und Wahrheitsmaß gesetzt wird. Dies war insbesondere der Fall im Faschismus (in Deutschland in seiner spezifischen Ausformung des Nationalsozialismus) und im Kommunismus, den beiden großen Ideologien des 20. Jahrhunderts.