Handel
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Handel
2. Die Geschichte des Handels
1. Handel im Altertum

Schon in frühgeschichtlicher Zeit besaßen Handel und Fernhandel große Bedeutung. Handelsstraßen über Land und zur See wurden erschlossen, um begehrte Waren aus fernen Ländern erwerben zu können. Handelsknotenpunkte waren Begegnungsorte für Menschen verschiedener Kulturen. Der Handel wirkte als Motor des zivilisatorischen Fortschritts, indem er Techniken und Ideen aus verschiedenen Ländern zusammenführte und somit die städtische Lebensform und das Herausbilden der Hochkulturen förderte. Vielerorts waren es Vertreter der aufstrebenden Händlerschicht, die überlieferte Wertvorstellungen hinterfragten, Machtstrukturen aufbrachen und somit erste Ansätze für republikanische Strukturen schufen.

Eine Drehscheibe des Handels war das Mittelmeer. Schon zur Zeit der frühen Hochkulturen ist hier ein ausgeprägter Seehandel nachzuweisen. Im 1. Jahrtausend v. Chr. waren es dann vor allem Griechen und Phönizier, die das Mittelmeer für ihren Fernhandel erschlossen. Zu diesem Zweck gründeten sie weit über ihre ursprünglichen Siedlungsbereiche in Griechenland bzw. der Levante zahlreiche Handelskolonien: Die Griechen schufen sich Stützpunkte hauptsächlich an der heutigen Westküste der Türkei, am Schwarzen Meer und im westlichen Mittelmeer (Stadtgründungen u. a. Byzanz, Marseille, Neapel, Syrakus), die Phönizier in Nordafrika (u. a. Karthago) und auf der Iberischen Halbinsel. Doch auch über das Festland spannte sich schon früh ein Netz aus Handels- und Fernhandelsbeziehungen: Bereits in der Bronzezeit waren weite Teile des europäischen Kontinents durch ein enges Handelsnetz verbunden.

Das Erbe dieser Handelsmächte trat Rom an, das seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. den gesamten Mittelmeerraum kontrollierte und seit dem 1. Jahrhundert v. Chr. zunehmend nach Norden vordrang. Durch Bekämpfung der Piraten des Mittelmeeres und den Aufbau eines hervorragenden Verkehrswegenetzes aus Straßen und Kanälen waren die Voraussetzungen für einen regen Warenaustausch geschaffen, der die große wirtschaftliche und kulturelle Blüte des Römischen Reiches ermöglichte. Doch die Handelsbeziehungen reichten weit über den römischen Herrschaftsbereich hinaus: Über die Seidenstraßen, ein System aus Fernhandelsrouten, war Rom seit etwa 100 v. Chr. mit China verbunden. China war ebenfalls das Zentrum eines großen Wirtschaftsraums; die dort herrschende Han-Dynastie hatte einen großen Teil Zentralasiens für den Karawanenverkehr gesichert. Auf der rund 6 000 Kilometer langen Verbindung wurden chinesische Seide, römische Wolle und wertvolle Metalle sowie viele andere hochwertige Güter über Zwischenstationen in Indien und Arabien befördert. Der Seehandel an den Küsten des Arabischen Meeres, des Indischen Ozeans und des Nordpazifiks war ebenfalls bedeutend. Auch eine Leitwährung kannte der antike Welthandel bereits: Der vom römischen Kaiser Konstantin im 4. Jahrhundert geschaffene Gold-Solidus wurde über Jahrhunderte hinweg von China bis Portugal akzeptiert.

2. Handel im Mittelalter

Nach dem Zusammenbruch des Römischen Reiches in der Zeit der germanischen Völkerwanderung ging der europäische Handel zurück. Die mittelalterlichen Feudalstaaten stellten fast alle von ihnen benötigten Güter selbst her, zudem war durch den Aufstieg des Islam im 7. und 8. Jahrhundert die Einheit des Mittelmeerraums zerstört. Nur langsam wurde der Fernhandel wieder aufgenommen, zunächst vor allem durch jüdische Händler, weil Juden in christlichen wie in muslimischen Ländern lebten.

Dieser Handel gedieh zunächst vor allem südlich der Alpen, wo sich trotz der Wirren der Völkerwanderungszeit städtische Strukturen erhalten hatten. Um 1000 begann der Aufstieg einiger norditalienischer Städte (u. a. Pisa, Genua, Venedig) zu Handelsmächten. Der Handel dieser Städte mit der Levante eröffnete den Zugang zu Produkten und Know-how der muslimischen Länder und Asiens. Auch die Kreuzzüge des 12. und 13. Jahrhunderts trugen zur wirtschaftlichen Entwicklung des Abendlandes bei, weil die Kreuzfahrer neue Produkte und Technologien nach Europa brachten. Das Aufkommen von Banken beförderte den Geld- und Warenverkehr. Entstanden zunächst in Norditalien, operierten sie bald international. Dadurch konnten Händler mittels Buchgeld und Wechseln die Menge an Bargeld, die sie auf ihren oft gefährlichen Reisen bei sich führen mussten, reduzieren. Erste Versicherungen übernahmen gegen eine Gewinnbeteiligung das Risiko eines Untergangs der Handelsware (vor allem durch Schiffbruch).

Auch nördlich der Alpen gewannen zahlreiche Städte Freiheiten gegenüber ihren Landesherren und hielten regelmäßige Märkte ab. Messen, ursprünglich Beiprogramm an religiösen Festtagen („Jahrmärkte”), wurden zu internationalen Handelsveranstaltungen. Die bedeutenden Messen in der Champagne waren seit Ende des 12. Jahrhunderts so aufeinander abgestimmt, dass sie mit kurzen Pausen fast das ganze Jahr einnahmen. Als der Seehandel an Bedeutung zunahm, verlor die Champagne ihren Rang an Messestädte in Flandern (u. a. Brügge).

In Deutschland schlossen sich 1356 die Kaufleute zahlreicher Städte formal zur Hanse zusammen. Schon lange zuvor hatten sie sich zur gegenseitigen Unterstützung (etwa zur Sicherung der Rechtsstellung auswärtiger Kaufleute) verbunden und seit dem 12. Jahrhundert gemeinsam ausländische Stützpunkte unterhalten. Die Hanse wurde zur beherrschenden Handelsmacht im Nord- und Ostseeraum und besaß Verbindungen nach Süd- und Osteuropa sowie in den Orient.

3. Die frühe Neuzeit

Der Handel zwischen Europa und Asien war während des Mittelalters eingeschränkt, denn der Transport über Land war teuer, und Europa besaß wenig Wertvolles für den Export in den Osten. Durch die osmanische Eroberung Konstantinopels 1453 wurden zudem wichtige Handelswege für christliche Händler blockiert. Eine neue Belebung trat ein durch den Seehandel: Im 15. und 16. Jahrhundert verminderten leistungsfähigere Handelsschiffe die Kosten für den Transport großer, sperriger Ladungen über lange Strecken. So konnte in großem Umfang Getreide von der Ostsee in die Niederlande und andere Teile Europas importiert werden. Um 1500 wurde durch die Entdeckung Amerikas sowie des Seeweges nach Indien die Basis für den Überseehandel geschaffen. Die begehrten Güter aus Asien („Ostindien”), vor allem Gewürze, konnten nun zu niedrigeren Preisen und in größeren Mengen als durch die Überlandkarawanen eingeführt werden. Aus Amerika („Westindien”) wurden Edelmetalle, tropische Hölzer und später u. a. Baumwolle eingeführt. Durch die Einbeziehung Afrikas, von wo aus Sklaven für die amerikanischen Plantagen eingeführt wurden, entstand der transatlantische Dreieckshandel zwischen Afrika, Amerika und Europa. In Deutschland gelang es u. a. den Kaufmannsfamilien der Fugger und Welser, große Handelsimperien zu errichten; als Kreditgeber der Herrscher erlangten sie auch großen politischen Einfluss.

Mit Hilfe von Technologien und Fertigkeiten, die sie bei der überseeischen Navigation entwickelt hatten, eroberten die Europäer den Seehandel in Asien. Europäische Schiffe transportierten japanisches Kupfer nach China und Indien, indische Baumwolltextilien nach Südasien und persische Teppiche nach Indien. Der Handel mit bestimmten Haupthandelsgütern erlebte einen wahren Boom. Die Importe von Tabak aus Virginia und Maryland nach England stiegen beispielsweise im 17. Jahrhundert um mehr als das Tausendfache. Den Überseehandel dominierten inzwischen mächtige Handelsgesellschaften wie die 1599 von englischen Kaufleuten gegründete Ostindische Kompanie. In Besitz und unter Leitung von Privatleuten, wurden sie mit staatlichen Monopolen für den Handel mit bestimmten Regionen ausgestattet. Die mächtigen Kompanien aus England, Frankreich und den Niederlanden unternahmen sogar kriegerische Aktionen zur Durchsetzung ihrer Handelsinteressen.