Bakterien
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Bakterien
2. Klassifikation

In der derzeit angewandten biologischen Systematik bilden Bakterien das Reich der Prokaryonten: Organismen, in deren Zellen das Kernmaterial nicht von einer Membran umgeben ist. Etwa 1 600 Arten sind bekannt. Im Allgemeinen werden Bakterien aufgrund bestimmter Eigenschaften systematisch zugeordnet, z. B. nach ihrer Form als Kokken (kugelförmig), Bazillen (stäbchenförmig, Bacillus) oder Spirochäten (spiralförmig); nach ihrer Zellwandstruktur; nach unterschiedlicher Färbbarkeit (siehe Gram-Färbung); nach der Fähigkeit, in An- oder Abwesenheit von Luft zu leben und zu wachsen (aerob bzw. anaerob); nach der Fähigkeit, unter ungünstigen Bedingungen Sporen zu bilden; nach serologischer Bestimmung ihrer Oberflächenbestandteile sowie nach ihrer Nucleinsäureverwandtschaft.

In einer gängigen Klassifizierung werden Bakterien aufgrund ihrer Zellwandeigenschaften vier Hauptgruppen zugeordnet. Zur Hauptgruppe der Gracilicutes zählen Bakterien mit dünnen, gramnegativen Zellwänden. Firmicutes besitzen dicke, grampositive Zellwände. Tenericutes verfügen über keine Zellwände, und bei den Mendosicutes sind sie aus einem anderen Material als dem für Bakterien typischen Peptidoglycan aufgebaut. Zu den Mendosicutes zählen die Archaebakterien, eine Gruppe ungewöhnlicher Organismen wie die methanbildenden Bakterien, die völlig anaerob leben und aus Kohlendioxid und Wasserstoff Methan bilden. Weitere Beispiele für Archaebakterien sind Halobakterien, die bei hohem Salzgehalt gedeihen, und die Thermoacidophilen, die schwefelabhängig und äußerst wärmeliebend sind. Es besteht die Ansicht, dass die Archaebakterien als eigenes Reich klassifiziert werden sollten, da sie sich, wie jüngste biochemische Untersuchungen ergaben, von den übrigen Bakterien grundsätzlich unterscheiden: Sie sind Eukaryonten, d. h., ihr Zellkern ist von einer Membran umgeben. Die vier Hauptgruppen werden weiter in 30 nummerierte Gruppen unterteilt. Einige davon werden wiederum in Ordnungen, Familien und Gattungen klassifiziert. Als Gruppe 1 sind z. B. die Spirochäten angeführt, lange, spiralförmige Bakterien mit gramnegativer Zellwand und zwischen Zellwand und Zellmembran liegenden, faserigen Flagellen (Geißeln), die Fortbewegung ermöglichen. Der Syphilis-Erreger Treponema pallidum ist eine Spirochäte der Ordnung Spirochaetales und der Familie Spirochaetaceae.

Nicht alle Bakterien können sich bewegen, doch die mobilen unter ihnen sind im Allgemeinen mit schraubenartigen Fortsätzen versehen, den Flagellen. Diese können rund um die Zelle verteilt, an einem oder zwei Enden, einzeln oder in Büscheln auftreten. Je nachdem, in welche Richtung die Flagellen schlagen, bewegen sich Bakterien entweder vorwärts oder drehen sich auf der Stelle. Ob sich das Bakterium fortbewegt oder dreht, hängt von Rezeptoren in der Membran ab. Mit Hilfe dieser unterschiedlichen Bewegungsarten können sich Bakterien z. B. auf Nahrungsquellen zubewegen und von ungünstigen Umweltbedingungen entfernen. Bei einigen im Wasser lebenden Bakterien, die eisenreiche Partikel enthalten, wurde festgestellt, dass ihre Bewegung am Magnetfeld der Erde orientiert ist.