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| 4. | Wirtschaft |
Die Wirtschaft in den einzelnen Ländern Asiens ist sehr unterschiedlich entwickelt. Hoch industrialisierten Ländern wie Japan und reichen Rohstoffländern wie Kuwait oder Katar stehen auf der anderen Seite wirtschaftlich nur schwach entwickelte Ländern wie z. B. Laos oder Myanmar gegenüber. Die Mehrheit der Einwohner ist in der Landwirtschaft beschäftigt. Der Agrarsektor stellt für viele Staaten Asiens die wirtschaftliche Basis dar. Im produzierenden Gewerbe und im Dienstleistungsbereich sind wesentlich weniger Arbeitskräfte tätig. Ein schwieriges Problem für die wirtschaftliche Entwicklung ist in vielen Ländern eine nur wenig ausgebaute Infrastruktur. So sind etwa die Verkehrsverbindungen in vielen Gebieten immer noch schlecht. In einigen Ländern hatte die Wirtschaft unter Naturkatastrophen wie Dürren und Überschwemmungen oder unter mitunter langen Kriegen zu leiden.
Den höchsten Entwicklungsstand aller asiatischen Länder hat Japan, gefolgt von Südkorea, Singapur und Hongkong. In den reichen Erdöl fördernden Staaten ist das hohe Einkommen auf eine kleine Bevölkerungsschicht konzentriert. Mit Hilfe ausländischer Investitionen sowie Privatisierungmaßnahmen verzeichnete die Volksrepublik China Mitte der neunziger Jahre das schnellste Wirtschaftswachstum in ganz Asien.
| 1. | Landwirtschaft |
Nur etwa ein Drittel der Fläche des Kontinents ist landwirtschaftlich nutzbar. Für die Landwirtschaft in Süd-, Südost- und Ostasien sind kleine Landbesitze in den Schwemmlandebenen und Landwirtschaft zur Deckung des Eigenbedarfs charakteristisch. Reis ist eines der wichtigsten Nahrungsmittel in diesen Regionen. In Süd- und Südostasien sind die Erträge allerdings relativ gering, Bewässerungsgssysteme nur teilweise entwickelt und daher zwei Ernten im Jahr eher selten. In Pakistan und Indien konnte der Ernteertrag durch besondere Züchtungen gesteigert werden. In jüngerer Zeit hat die Bedeutung von Weizen und Mais zugenommen. Weizen ist heute z. B. in Indien das zweitwichtigste Getreide. In Ostasien überwiegen die Nassreisfelder, die bis etwa 40 Grad nördlicher Breite reichen. Verglichen mit Südostasien sind die Erträge sehr hoch, zwei Ernten im Jahr sind in den meisten Anbaugebieten möglich. Nördlich des Huang He in China gedeihen anstelle von Reis vermehrt Weizen und andere Trockengetreide wie z. B. Sorghum und Mais. Ein Grund für die höher gewordenen Erträge ist neben der Verbesserung der Anbaumethoden auch die Förderung der Privatinitiative bei den Landwirten.
Weitere wichtige Anbauprodukte in Süd-, Südost- und Ostasien sind Tee, Jute, Baumwolle und Zuckerrohr. Die Viehzucht ist gegenüber dem Ackerbau von geringer Bedeutung. Wichtige Tierarten sind Rinder, Ziegen und Büffel. In einigen Teilen Asiens, wie z. B. auf den Philippinen, hat der Export von Kautschuk, Palmöl, Kokosnussprodukten, Ananas und Abakafasern große wirtschaftliche Bedeutung. Die Produktionsweise wurde aus der Kolonialzeit übernommen.
In Vorderasien wurde die Landnutzung durch Bewässerungsfeldbau ausgeweitet, wodurch die den Nomaden zur Verfügung stehende Landfläche kleiner wurde. Hauptanbauprodukte sind dort Getreide, Baumwolle und Früchte. In manchen Wüstengebieten sind bei hoch anstehendem Grundwasser auch ausgedehntere Oasen entwickelt. Bei günstigen Bedingungen erfolgt die Landnutzung dort in mehreren Stockwerken. Unter hoch wachsenden Dattelpalmen gedeihen Obstbäume, die Orangen, Zitronen oder Granatäpfel tragen. Auf der Bodenoberfläche werden Kräuter und Getreide kultiviert. Die Weidewirtschaft beschränkt sich vorwiegend auf Schafe und Kamele.
In den ariden und semiariden Gebieten Zentralasiens überwiegt die Viehhaltung durch Nomaden. Landwirtschaft ist traditionell nur entlang den Flussufern oder in den Gebirgsfußoasen möglich. Durch Förderung des Bewässerungsfeldbaus konnte die landwirtschaftliche Nutzfläche jedoch in einigen Gebieten Zentralasiens stark erweitert werden, wodurch auch Steppen- und Halbwüstengebiete gute Erträge liefern können. Baumwolle wird etwa in Usbekistan in Monokulturen angebaut. Das Land zählt weltweit zu den wichtigsten Produzenten und Exporteuren von Baumwolle. Das Wasser wird vorwiegend den Flüssen Amudarja und Syrdarja entnommen, wodurch deren Wasserführung massiv zurückging. Die Fläche des Aralsees, in den beide Flüsse münden, ist durch den verringerten Wassereintrag mittlerweile drastisch reduziert worden.
| 2. | Forstwirtschaft und Fischerei |
Die Holzindustrie hat in den südostasiatischen Ländern große wirtschaftliche Bedeutung; besonders in Indonesien, Malaysia, Thailand und auf den Philippinen ist sie zu einer wichtigen Einnahmequelle geworden. In den dichter besiedelten Gebieten Indiens und Chinas wurde die Waldfläche stark reduziert. Einen größeren Stellenwert hat die Holzwirtschaft dagegen in Japan, wo ausgedehnte Waldpflanzungen die ursprüngliche Vegetation zum großen Teil verdrängt haben. In Sibirien gibt es riesige Holzbestände, die zum größten Teil noch nicht genutzt werden. Die forstwirtschaftliche Nutzung der Wälder wird durch die ungenügende verkehrsmäßige Erschließung behindert.
Die Meeresfischerei ist in Asien sehr wichtig. Fische stellen als Träger hochwertiger Proteine eine wichtige Nahrungsquelle dar. Japan verzeichnet bei einigen Fischarten eine der weltweit größten Fangmengen. Die Fischzucht in Teichen spielt besonders in China eine tragende Rolle.
| 3. | Bergbau |
Auch der Bergbau hat mit seinen Bodenschätzen in vielen Ländern eine große wirtschaftliche Bedeutung: Malaysia, Thailand und Indonesien decken zusammen fast die gesamte Zinnproduktion der Welt ab, Indien ist im Abbau von Mangan führend. Wichtigster Rohstoff ist aber das Erdöl. Die Arabische Halbinsel und vor allem auch die Länder des Mittleren Ostens besitzen neben Russland die größten Reserven an Erdöl. Die Wirtschaft der meisten Förderländer ist mehr oder weniger vollständig von den Einnahmen aus den Exporten dieses Rohstoffes abhängig. Erdgasvorkommen werden nur in Russland und China in größerem Umfang genutzt. In jüngerer Zeit wurden Erdölvorkommen in Indonesien sowie in China und Malaysia erschlossen. In China, Mittel- und Ostsibirien, im Nordosten Indiens und im Iran liegen große Kohlelagerstätten. Gold, Silber, Uran, Blei, Zink und Edelsteine sind ebenfalls in einigen Teilen des Kontinents – vor allem in Russland – in abbauwürdigen Mengen vorhanden.
| 4. | Industrie |
Die nach Japan bedeutendsten Wirtschaftsmächte Asiens sind China, Russland, Indien und die vier so genannten „asiatischen Tiger” Taiwan, Hongkong, Singapur und Südkorea. In China konzentrierte sich die verarbeitende Industrie, in der 15 Prozent aller Erwerbstätigen arbeiten, früher auf den Nordosten und die rohstoffreichen Gegenden im Landesinneren. Wichtigste Produktionszentren waren Shanghai, Tientsin, Tsingtau und Wuhan. Inzwischen verlagert sich die Investitionstätigkeit aber zunehmend in die südlichen Provinzen. In Indien konzentriert sich die verarbeitende Industrie auf Kalkutta, Mumbai, auf die zentralen Bereiche des Landes sowie auf rohstoffreiche Gebiete. Insgesamt sind etwa 10 Prozent aller Erwerbstätigen in diesem Wirtschaftssektor beschäftigt. In Sibirien liegen die großen Industriegebiete in der Nähe des Urals und entlang der Transsibirischen Eisenbahn (z. B. Nowosibirsk). Seit den sechziger Jahren ist die Industrieproduktion in Singapur, Taiwan, Südkorea und Hongkong sowie in Thailand, Malaysia, Indonesien und auf den Philippinen rasch angewachsen. In vielen asiatischen Ländern wird versucht, ausländische Investoren durch Steuervorteile, billige Löhne und Gehälter in das Land zu ziehen. Bekannte Beispiele dieser Entwicklung sind die elektronische und die Textilindustrie Südkoreas und Taiwans.
| 5. | Außenhandel |
Für den Welthandel hat der asiatische Kontinent große Bedeutung. Japan zählt zu den führenden Wirtschaftsmächten der Welt. Es wickelt aber nur ein Drittel seines Export mit anderen asiatischen Ländern ab. Viele Länder Süd-, Südost- und Ostasiens sowie Russland unterhalten auch umfangreiche Handelsbeziehungen zu nichtasiatischen Ländern. Während ein Großteil der Exporteinnahmen der Erdöl fördernden Länder auf diesem Rohstoff basiert, bieten die meisten anderen asiatischen Länder auch zahlreiche industrielle Erzeugnisse an.
| 6. | Verkehrswesen |
In großen Teilen Asiens ist das Verkehrswesen noch unzureichend entwickelt. Es gibt kein Verkehrsnetz, das den ganzen Kontinent umfassend erschließt. Dies liegt zum Teil auch an der schweren Passierbarkeit von Gebirgen und Wüstengebieten. Viele Straßen in Südostasien sind nicht befestigt und daher während der Regenzeit nicht befahrbar. Große Bedeutung hat die Binnen- und Seeschifffahrt, die in allen Teilen Asiens gut ausgebaut ist, obgleich die Ausstattung der Häfen stark variiert. Abgesehen von den Häfen in China, Japan, Indien, Hongkong und Singapur können nur wenige andere Häfen größere Schiffe abfertigen. Das Flugnetz verbindet alle größeren Städte. Tokyo ist der wichtigste asiatische Flughafen. Die meisten asiatischen Länder haben eigene Fluggesellschaften.
Die Ströme Mekong, Menam und Irawadi trugen in Südostasien zur Erschließung des Landes bei. Auch die großen Ströme Chinas sind wichtige Verkehrsadern zwischen den zentralen Landesteilen und den Küstengebieten am Pazifischen Ozean.
Das wichtigste Transportmittel des Kontinents ist die Eisenbahn. Japan verfügt über ein dichtes Eisenbahnnetz. China, dessen Eisenbahnnetz zu den längsten der Welt zählt, hatte bis Mitte der siebziger Jahre alle wichtigen Industriezentren in einem ausgedehnten Netz erfasst. In Südasien wurde das ursprünglich von den Briten gebaute Eisenbahnsystem durch die politische Teilung der ehemaligen Kolonie Indien in die unabhängigen Staaten Indien, Pakistan und Bangladesch getrennt. Die bedeutendsten Eisenbahnlinien in Zentralasien sind die Transkaspische und die Turkestan-Sibirische-Eisenbahn, in Sibirien die Transsibirische Eisenbahn mit der Baikal-Amur-Magistrale. Auch die Türkei, Pakistan und Indien verfügen über gut ausgebaute Schienennetze.
| 7. | Energie |
Obwohl seit den sechziger Jahren in allen asiatischen Ländern die Energieproduktion stark gestiegen ist, ist der Pro-Kopf-Verbrauch in den meisten Staaten immer noch sehr gering. Die Energiegewinnung ist in vielen Gebieten von den jeweiligen regionalen Ressourcen abhängig. In Südwestasien stellt das Erdöl die Hauptenergiequelle dar. Indien erzeugt über die Hälfte seiner Elektrizität durch Wasserkraft. In China sind vor allem im Süden Tausende von Wasserkraftwerken in Flussläufen ohne zusätzlichen Dammbau in Betrieb. Trotzdem ist die Kohle Chinas wichtigste Energiequelle. Auch in Nordasien spielt die Kohle als Energieträger eine bedeutende Rolle. In einigen Ländern – z. B. in Russland, Japan und Indien – erfolgt ein Teil der Energieversorgung auch durch Kernkraftwerke.