Südamerika
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Südamerika
2. Land

Das Relief von Südamerika wird von vier Hochlandgebieten geprägt, die sich von der Küste ins Landesinnere ausdehnen, sowie von drei von diesen Hochländern umgebenen Tieflandregionen. Den Nord- und Westrand des Kontinents bilden die Anden, das nach dem Himalaya zweithöchste Gebirgssystem der Welt. Die Ostküste wird von weitläufigen, im Allgemeinen niedrigeren Bergländern, dem Bergland von Guayana, dem Brasilianischen Bergland und dem Patagonischen Tafelland (siehe Patagonien) gesäumt. Das größte Tieflandgebiet ist das weite Amazonasbecken, das sich in der Äquatorialzone des Kontinents ausdehnt; es wird vom etwa 6 400 Kilometer langen Amazonas durchzogen. Er ist nach dem Nil in Afrika der zweitlängste Strom der Erde. Nördlich davon liegt eine kleinere Senkungszone, die vom Orinoco durchflossen wird. Im Süden befindet sich das Paraguay-Paraná-Becken. Der tiefste Punkt Südamerikas (105 Meter unter dem Meeresspiegel) befindet sich in der Laguna del Carbón im Süden von Argentinien. Der Aconcagua im westlichen Argentinien ist mit 6 960 Metern der höchste Berg der westlichen Hemisphäre.

1. Geologie

Die ältesten geologischen Einheiten des Kontinents sind die Schilde des Brasilianischen Berglandes und des Berglandes von Guayana im Osten und Norden des Kontinents. Sie bestehen aus präkambrischen (mehr als 570 Millionen Jahre alten) Eruptivgesteinen sowie metamorphen Gesteinen. An den meisten Stellen ist der Schild von paläozoischen (570 bis 225 Millionen Jahre alten) Sedimentgesteinen überlagert. Jüngere Basalte finden sich im südlichen Brasilien. Die im Brasilianischen Bergland und in Afrika gefundenen Fossilien bestätigen die Theorie von der Plattentektonik und zeigen, dass der Kontinent während des Perm mit Gondwana, einer großen, aus Afrika und Asien bestehenden Landmasse, verbunden war.

Die Gesteinsformationen, die das Patagonische Tafelland bilden, sind von mesozoischen (225 bis 65 Millionen Jahre alt) und tertiären (65 bis 2,5 Millionen Jahre alt) Sedimenten und jüngerem Basaltgestein überlagert.

Durch die Erosion des alten Schildes entstanden mächtige Sedimentablagerungen in den angrenzenden Meeren. Diese Sedimentgesteine wurden während des Mesozoikums wiederholt gehoben und zu Gebirgen gefaltet. Der Prozess der Gebirgsbildung, der sich während des Tertiärs fortsetzte, war von Vulkanismus begleitet. An der Westküste entlang der Subduktionszone, wo sich die Pazifische Platte unter die Südamerikanische Platte schiebt, dauern vulkanische und seismische Aktivitäten bis heute an (siehe Plattentektonik). Die Gletscher der Anden gehen auf die quartäre Eiszeit zurück (Beginn vor 2,5 Millionen Jahren).

2. Physische Geographie

Den gesamten westlichen und nordwestlichen Rand Südamerikas nehmen die Anden ein. Die Ketten dieses geologisch jungen Hochgebirges wurden im Tertiär gefaltet und erheben sich steil von den schmalen Ebenen entlang der Küste am Pazifischen Ozean. In Venezuela sowie im größten Teil von Chile und Argentinien werden sie von einem einzigen Gebirgszug gebildet, während sich der mittlere Teil des Gebirgssystems in zwei oder drei parallele Bergketten (Kordilleren) auffächert. Im Westen Boliviens liegen zwischen den Bergketten weite Hochplateaus. Etwa 25 Gipfel erreichen Höhen über 5 000 Meter, darunter eine Reihe von Vulkanen; die meisten von ihnen liegen im mittleren Chile, im Süden Perus und Boliviens sowie in Ecuador.

Das Bergland von Guayana im Norden und das weite Brasilianische Bergland im Osten werden von ausgedehnten Tafelländern gebildet, aus denen hohe Tafelberge aufragen. Der Pico da Neblina ist mit 3 014 Metern höchster Berg der Region, der Roraima erreicht eine Höhe von 2 810 Metern. Im Brasilianischen Bergland liegen die höchsten Erhebungen nahe der atlantischen Küste. Das Gestein dieser Hochländer verwitterte zu unfruchtbaren Böden rötlicher Färbung. In vielen Tälern entstand jedoch fruchtbares Erdreich aus Basaltgestein. Im weniger hohen und relativ flachen Patagonischen Tafelland sind die Böden meist fruchtbar, wegen der extremen klimatischen Verhältnisse aber nur von geringer Bedeutung für die Landwirtschaft.

Zwischen diesen alten Rumpfgebirgen erstrecken sich ausgedehnte Tieflandregionen. Das nördlichste unter den Tiefländern ist das Orinocobecken, bestehend aus den Llanos (Schwemmlandebenen und flache Tafelberge) und einem System weit verzweigter Wasserläufe, die alle zwischen den beiden Flüssen Caquetá und Madeira in den Amazonas münden. Das Amazonasbecken ist leicht hügelig. Weiter im Süden liegen die flachen Täler und die Ebenen des Gran Chaco und der Pampas, die beide in die sumpfigen Überschwemmungsebenen der Flüsse Paraguay und Paraná übergehen. Die Küstenlinie Südamerikas weist nur wenige Buchten auf; nur im äußersten Süden und Südwesten ist sie von zahlreichen Fjorden gegliedert. Diese durch nacheiszeitlichen Anstieg des Meeres überfluteten Täler greifen zum Teil weit in das Landesinnere hinein.

3. Flüsse und Seen

Die Anden bilden die wichtigste Wasserscheide des Kontinents. Nur etwa 7 Prozent Südamerikas werden zum Pazifischen Ozean entwässert. Die längsten Flüsse münden in den Atlantischen Ozean. Die meisten kleineren Flüsse Südamerikas münden in einen von den drei Hauptströmen Amazonas, Orinoco und das Stromsystem von Paraguay und Paraná. Diese durchqueren überwiegend flaches Gelände, bilden keine Stromschnellen und sind somit Verkehrsleitlinien in das Innere des Kontinents. Der São Francisco durchfließt den Nordosten Brasiliens; der Magdalena und sein Nebenfluss, der Cauca, fließen durch die Andentäler im Westen Kolumbiens Richtung Norden zum Karibischen Meer. Eine Vielzahl kurzer Andenflüsse wie Guayas, Santa und Bío-Bío dient seit Jahrhunderten dem Bewässerungsfeldbau in Peru, Chile und im Nordwesten Argentiniens. Die Flüsse der Anden, des Brasilianischen Berglandes und des Berglandes von Guayana stellen ein beachtliches Wasserkraftpotential dar.

Viele der wenigen großen Seen befinden sich in den Hochlagen der Anden, unter ihnen Titicacasee, Poopósee, Lago Buenos Aires, Lago Argentino und Lago Nahuel Huapí.

4. Klima

Der Kontinent Südamerika hat Anteil an allen Klimazonen von der Subarktis im Süden bis zu den nördlichen Randtropen. Außer der geographischen Breite sind für die Ausprägung des Klimas vor allem auch die Entfernung zum Meer und dessen Einflüsse durch Meeresströmungen sowie die Höhe eines Ortes und dessen Lage zu den niederschlagsbringenden Winden von hoher Bedeutung.

In den Gebieten nahe dem Äquator herrscht immerfeuchtes Tropenklima. Die Temperaturen sind ganzjährig hoch und variieren im Jahresverlauf nur gering. Die mittleren Jahrestemperaturen liegen um 25 °C. Niederschläge fallen zu allen Jahreszeiten, es gibt keinen Wechsel von Regen- und Trockenzeiten. Die Jahressummen betragen zwischen 1 500 und 2 500 Millimetern; am östlichen Rand der Anden werden aufgrund von Staueffekten bis zu 5 000 Millimeter verzeichnet. Mit einer Jahressumme von etwa 11 000 Millimetern gehört die pazifische Küste Kolumbiens zu den niederschlagsreichsten Regionen der Erde.

In den nach Norden und Süden anschließenden Zonen ist das Klima wechselfeucht. Dieses Klima ist charakteristisch für das Bergland von Guayana, das Becken des Orinoco und das Brasilianische Bergland. Mit zunehmender Entfernung vom Äquator steigt die Anzahl trockener Monate, in denen mehr Wasser verdunstet als durch Niederschläge zugeführt wird. Es kommt zur Ausprägung markanter Trockenzeiten. Auch die jährliche Niederschlagsmenge sinkt. In diesen Breiten gibt es feuchte Sommer, trockene Winter und lang andauernde Dürreperioden. Dürren stellen vor allem im Nordosten Brasiliens und an der Küste Venezuelas und Kolumbiens ein ernst zu nehmendes Problem dar. In den randtropischen Gebieten treten häufig nur zwei bis drei humide Monate auf, in denen der Niederschlag die bei den herrschenden Temperaturen hohe Verdunstung übersteigt. Die Gebiete an den Ostküsten der wechselfeuchten Tropen sind aufgrund von Steigungsregen mit bis zu 2 000 Millimetern niederschlagsreich. In Brasilien nehmen auch nach Süden hin die Niederschläge zu; auch dort herrschen feuchtwarme Bedingungen.

An der Pazifikküste Kolumbiens und Ecuadors herrscht feuchtes und feuchtheißes Tropenklima, das aber in den Küstengebieten Perus und im nördlichen Chile durch den Einfluss des kalten Humboldtstromes schnell in trockenes Wüstenklima übergeht. In dieser Region befindet sich die Wüste Atacama. In der nördlichen Hälfte Südamerikas weisen lediglich die Anden kühlgemäßigtes Klima auf. Die Temperaturen nehmen mit steigender Höhe ab: Das Tropenklima der Tiefländer und der tieferen Lagen der Berge geht in mittleren Höhen in subtropisches bis gemäßigtes Klima über. Auf den Bergkämmen herrscht bereits kaltes, alpines Klima.

Die gemäßigten Klimazonen Südamerikas mit kühlen bis kalten Wintern und milden bis warmen Sommern liegen vorwiegend jenseits des südlichen Wendekreises, der die Tropen nach Süden begrenzt. Der Süden von Chile ist durch vom Pazifik (aus westlicher Richtung) kommende Wirbelstürme (Zyklone) intensiven Niederschlägen ausgesetzt. Im mittleren Chile herrscht mediterranes Klima mit milden, feuchten Wintern und warmen, trockenen Sommern. Im Osten der südlichen Anden herrscht semiarides und arides Klima vor. In den Pampas sowie im Süden des Brasilianischen Berglandes sind die Sommer eher feucht; in den Wintermonaten kommt es zu Wirbelstürmen, die Regen und kühle Witterung mit sich bringen. Im Bergland fällt gelegentlich Schnee; manchmal breitet sich Frost Richtung Norden bis zum südlichen Wendekreis hin aus und verursacht große Schäden in der Landwirtschaft.

5. Flora

Der dichte, in den Gebieten mit feuchtem Tropenklima wachsende Regenwald (Selva) ist das größte zusammenhängende Waldgebiet der Erde. Er bedeckt einen Großteil der Äquatorialzone Südamerikas einschließlich der Küste Brasiliens und der tieferen Lagen der Anden und besteht aus tropischen Harthölzern, Baumfarnen, Bambus und Lianen. Regionale Sonderformen innerhalb des Regenwaldes von Amazonien ergeben sich durch den wechselnden Wasserstand des Amanzonas und seiner Nebenflüsse. In den Wälder außerhalb des Hochwasserbereichs ist die Artenvielfalt am größten; außerdem sind diese Gebiete durch hohen Baumwuchs geprägt. In den Sumpfwäldern der Überschwemmungsgebiete ist das Artenspektrum kleiner, die vorkommenden Bäume auch niedriger. In diesen Gebieten sind Igapó-Wälder verbreitet, die periodisch bis zu einer Dauer von mehreren Monaten überflutet werden. Noch etwa tiefer gelegen sind die Überschwemmungsauen (Várzea). Ihre Entwicklung ist noch stärker als die der Igapó-Wälder von den Schwankungen des Wasserstandes der Flüsse abhängig. Die höheren Standorte der Várzea weisen niedrigen Graswuchs auf, in den ständig überfluteten Bereichen gedeihen Schwimmblattgewächse.

Die Küste Venezuelas, der Nordosten Brasiliens und der Gran Chaco sind von Trockenwäldern und Buschland bedeckt. Eine in diesen Bereichen verbreitete Gehölzformation ist die Caatinga, die regengrüne Bäume und Dornsträucher, in trockenen Regionen auch trockenheitsresistente Sukkulenten umfasst. Zwischen diesen eher trockenen Regionen und dem Regenwald liegen von hohem Gras (Savannen) sowie von Strauchwerk und Gras bewachsene Gebiete. In den feuchteren Campos cerrados gediehen bis zu acht Meter hohe, hartblättrige Bäume, die in den Campos sujos nur noch vereinzelt auftreten und in den trockenen, baumfreien Campos limpos vollständig zurücktreten zugunsten ausgedehnter Grasfluren.

In den südlichen Landesteilen Brasiliens wachsen subtropische Feuchtwälder und tropische Trockenwälder. Der Süden Brasiliens wird von Grasland bedeckt, das von bewaldeten Hügeln durchsetzt ist. Im Gran Chaco herrschen Grasland und Dornsträucher vor. Die flachen Pampas im Kernraum Argentiniens bilden die größte Graslandzone in den gemäßigten Klimazonen Südamerikas. Im Süden schließt sich eine Dornbuschzone an. Das kühle, trockene Patagonien ist von niedrigen Sträuchern und Büschelgräsern bewachsen. An den trockensten Standorten herrschen halbwüstenhafte Bedingungen vor.

Die tropischen Gebiete der Anden sind in Höhen bis zu 3 000 Meter mit Nebelwald bedeckt. Dominierende Pflanzen sind tropische Epiphyten und Baumfarne. Oberhalb der Waldgrenze sind Graslandschaften (Páramo) die wichtigsten Vegetationsformationen. Typische Vertreter der Flora sind Schopfrosettenpflanzen. Mit zunehmender Höhe wird diese Formation von der Puna abgelöst. In diesem Grasland fehlen Schopfrosettenpflanzen; verbreitet treten in der Puna Dornsträucher und Polsterpflanzen auf. Puna ist auch in den nach Süden anschließenden Gebieten der Anden verbreitet. Sie gedeiht in den Hochebenen Perus, Boliviens, des nördlichen Chile und des nördlichen Argentinien in etwas tieferen Lagen als in tropischen Breiten. Die Küstenregionen am Pazifischen Ozean sind infolge des kalten Humboldtstromes trocken; die Westhänge der Anden tragen deshalb Halbwüsten- oder Wüstenvegetation. Die Osthänge erhalten wesentlich mehr Niederschläge und sind häufig bewaldet.

6. Fauna

Südamerika, Mittelamerika, das mexikanische Tiefland und die Karibik werden zu einer eigenständigen tiergeographischen Region, der Neotropis, zusammengefasst. Charakteristisch für die Tierwelt sind ihre Artenvielfalt, bedingt durch das bunte Mosaik an unterschiedlichen Lebensräumen, und die große Zahl endemischer Tiergruppen, die keinerlei Verwandtschaft mit Tieren anderer Kontinente einschließlich Nordamerikas nördlich des mexikanischen Hochlands aufweisen. Ein Hauptgrund ist die relative Isolierung Südamerikas von anderen Kontinenten.

Nur in dieser Region vorkommende Säugetiere sind viele Arten von Neuweltaffen, Fledermäusen und Nagetieren. Für diesen Kontinent sind außerdem Vikunjas, Guanakos, Alpakas, Jaguare, Pekaris, Ameisenbären und Nasenbären typisch. Überaus artenreich präsentiert sich die Vogelwelt. Aufgrund des großen Artenspektrums wurde Südamerika als „Vogelkontinent” bezeichnet. Es gibt mehr als 20 Familien und etwa 600 Arten rein neotropischer Vögel. Andere Familien sind hauptsächlich in Südamerika anzutreffen, darunter Kolibris (etwa 330 Arten), Tangaren und Aras sowie eine Reihe von Seevögeln. Zu den größten Vögeln gehören Nandus, Kondore und Flamingos. Die Reptilienfauna umfasst u. a. Boas, Anakondas, Leguane, Kaimane und andere Krokodile. Süßwasserfische sind in einer großen Artenvielfalt vertreten. Auch viele Insekten und andere wirbellose Tiere haben nur hier ihren Lebensraum. Mit mehr als 10 000 Arten ist die Schmetterlingsfauna die vielfältigste der Erde.

Aufgrund der noch geringen Erschließung weiter Teile des tropischen Regenwaldes und der Hochlagen der Anden können über die genaue Anzahl der in Südamerika lebenden Tierarten nur Mutmaßungen angestellt werden. Wahrscheinlich leben mehr als vier Fünftel aller Arten innerhalb der tiergeographischen Grenzen des Kontinents. Die Galápagos-Inseln sind als Lebensraum großer Landschildkröten und anderer einzigartiger Kriechtiere sowie einer spezifischen Vogelwelt bekannt geworden.