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| 1. | Einleitung |
Jonathan Swift (1667-1745), irisch-englischer Schriftsteller. Mit seiner geschliffenen, teils scharf misanthropischen Prosa avancierte er zu einem der bedeutendsten Satiriker der irischen bzw. englischen Literatur. Bekannt wurde er vor allem durch sein Hauptwerk Gulliver’s Travels (1726; Gullivers Reisen).
Swift wurde am 30. November 1667 als Spross einer aus England stammenden Familie in Dublin geboren, wo er zunächst am Trinity College Theologie studierte. Da sein Vater bereits vor seiner Geburt gestorben war, war Swift in seiner Jugend auf Zuwendungen von Gönnern angewiesen. 1689 fand er im englischen Farnham eine Anstellung als Sekretär des Politikers und Schriftstellers Sir William Temple (1628-1699), einem entfernten Verwandten seiner Mutter. Swifts Verhältnis zu seinem Arbeitgeber gestaltete sich allerdings äußerst schwierig; 1694 übersiedelte er wieder nach Irland und empfing die Priesterweihen der anglikanischen Kirche. Nach einer Aussöhnung mit Temple kehrte er zwei Jahre später in dessen Haus zurück und lernte dort die junge Esther Johnson (1681-1728) kennen, die er als Hauslehrer unterrichtete und die in seinen Tagbüchern später als „Stella” auftrat. (Eine wichtige Rolle in Swifts Leben spielte auch Esther Vanhomrigh, die Tochter eines Dubliner Kaufmannes holländischer Abstammung, die der Autor ebenfalls privat unterrichtete und die er in seinen Schriften, etwa im Gedicht Cadenus and Vanessa, „Vanessa” nannte.) Bis zu Temples Tod lebte Swift auf dessen Anwesen, wo er sich intensiv der Lektüre und dem Schreiben widmen konnte. 1701 zog Esther Johnson zu Swift nach Dublin.
Politisch zunächst auf Seiten der Whigs engagiert, wechselte Swift 1710 nach einem Wahlsieg der Tories die Partei, vor allem wegen deren Position zur anglikanischen Hochkirche. Seine scharfen Satiren waren nunmehr gegen die Whigs gerichtet; auch wurde er Herausgeber des Examiner, des offiziellen Parteiorgans der Tories. Im November 1711 kam mit The Conduct of the Allies die einflussreichste Streitschrift für die Politik der Tories heraus. Hier warf Swift den Whigs vor, den Spanischen Erbfolgekrieg aus eigennützigen Motiven geschürt und verlängert zu haben. Das Pamphlet trug wesentlich dazu bei, dass John Churchill als Oberbefehlshaber der britischen Armee abgelöst wurde. Swift reiste häufig nach London, wo er gemeinsam mit Alexander Pope, John Gay, John Arbuthnot und William Congreve Mitglied des 1713 von ihm mitgegründeten Sciblerus-Clubs war.
1713 wurde Swift Dekan von Saint Patrick’s in Dublin. Mit dem Sturz der Tory-Regierung im darauf folgenden Jahr endete seine politische Einflussnahme. 1724 und 1725 brachte er anonym die Drapier’s Letters (Tuchhändlerbriefe) über spezifisch irische Probleme heraus. Durch die Drapier’s Letters wie auch durch seine wohl schärfste Satire A Modest Proposal (1729), mit der er auf die Armut und das von englischen Großgrundbesitzern provozierte Elend in Irland aufmerksam machte, erlangte Swift in seinem Heimatland große Berühmtheit. (Mit ihrem makabren Vorschlag, die einjährigen Kinder der untersten Bevölkerungsschicht zu schlachten und ihr Fleisch zu verkaufen, um die Wirtschaft anzukurbeln, gilt A Modest Proposal zudem als erstes Beispiel schwarzen Humors.) Während seiner letzten Lebensjahre, verstärkt aber nach dem Tod Esther Johnsons 1728, litt der Autor zunehmend unter Einsamkeit und psychischen Störungen. Er starb im Zustand geistiger Umnachtung am 19. Oktober 1745 in Dublin. Beigesetzt wurde er in Saint Patrick’s neben dem Sarg Esther Johnsons. Swifts von ihm selbst in lateinischer Sprache verfasster Grabspruch lautet: „Hier ruht Jonathan Swift, von geistlichem Stande und ehemals Dekan dieser Kathedrale, enthoben jeglicher brennenden Entrüstung, die im Leben sein Herz beschwerte. Gehe hin, Reisender, und tue es dem Manne nach, der unerschrocken für die Freiheit kämpfte.”