Modern Dance
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Modern Dance
2. Typische Merkmale

Da der Modern Dance als Gegenbewegung zum klassischen Ballett entstand, wird er in der Regel anhand der Merkmale definiert, die ihn vom Ballett unterscheiden. Es gibt jedoch auch allgemeinere Charakteristika, die viele der im 20. Jahrhundert entstandenen, außerordentlich vielfältigen Formen des modernen Tanzes gemeinsam haben.

1. Der Choreograph und Tänzer

Beim Modern Dance treten die Choreographen (siehe Choreographie) häufig gleichzeitig als Tänzer auf und sind sogar häufig an Bühnenbild-, Kostüm- und Lichtgestaltung beteiligt, während dies beim klassischen Ballett eher selten der Fall war. Hier traten Choreographen, wenn sie ein bestimmtes Erfolgsniveau erreicht hatten, nur selten weiter als Tänzer auf. Im Unterschied zum klassischen Ballett, wo die Choreographen auf ein genau festgelegtes Schrittvokabular zurückgreifen, entwickelten sie beim Modern Dance ihre eigene Tanzsprache mit neuen, völlig subjektiven Bewegungsfolgen, wobei Ausdrucksmittel mit einbezogen werden, die für das klassische Ballett undenkbar wären. Auch der Spitzenschuh wurde im Modern Dance abgeschafft. Die Tänzer treten in der Regel barfuß auf.

2. Entwicklung einer neuen Tanzsprache

Die „Sprache” des Tanzes umfasst Elemente wie Körperhaltung, Einsatz des Körpergewichts, die Form des Bewegungsablaufs (weich und fließend, eckig oder abgehackt), aber auch Einzelbewegungen von Körperteilen, wie des Kopfes, des Oberkörpers, der Hände, der Arme, der Beine und der Füße, die sich oft aus einer bestimmten Situation heraus ergeben. Aus diesem Grund halten es viele Choreographen des Modern Dance für unumgänglich, ihren eigenen Bewegungsstil zu untersuchen und seine Ursprünge zu reflektieren. Solche Deutungen können physische Aspekte der tänzerischen Bewegung mit berücksichtigen, wie beispielsweise die Rolle der Schwerkraft, der Atmung und der Wirbelsäule oder das Wechselspiel von Kontraktion und Expansion, und es können die verschiedensten ethnischen Tanztraditionen außerhalb des traditionellen westlichen Balletts mit einbezogen werden.

3. Einbeziehung des Raumes

Nach der herkömmlichen Ballett-Tradition entwickeln sich die Bewegungen der Tänzer aus einer Grundausrichtung auf den vorderen Teil der Bühnen, wobei das Gesicht dem Publikum zugewandt ist. Gleichzeitig behält der Tänzer eine aufrechte Haltung, wobei die Beine von der Hüfte aus auswärts gedreht werden. Beim Modern Dance dagegen richten sich die Tänzer in der Regel an den unterschiedlichsten Gegebenheiten des Bühnenraumes aus und nutzen in ihren Bewegungen sämtliche Dimensionen, besonders die Horizontale, die Vertikale und die Diagonale. Sie können seitwärts oder mit dem Rücken zum Publikum stehen, wobei sie auch keineswegs immer eine aufrechte Haltung einnehmen müssen, sondern auch Fallbewegungen in ihre Choreographie mit einbeziehen. Obgleich die Ausdrucksformen des Modern Dance äußerst vielfältig sind, berücksichtigen sie doch häufig den Aspekt des Körpergewichts zwischen betonter Schwere und Leichtigkeit, während es das Ziel des klassischen Balletts ist, die Gravitation aufzuheben und den Eindruck von Schwerelosigkeit zu vermitteln.

4. Beziehung zur Musik

Ein weiterer Gesichtspunkt des modernen Tanzes ist die Beziehung zwischen tänzerischer Bewegung und Musik. Während das klassische Ballett eine weitgehende Übereinstimmung zwischen Tanzbewegung und musikalischem Rhythmus anstrebte, ist eine solche Entsprechung im Modern Dance nicht grundsätzlich das Ziel. Nicht selten wird auch zuerst der Tanz choreographiert und die Musik erst später geschrieben. Dabei kann sie einerseits die Bewegungsabläufe unterstreichen, aber auch in ihrem Rhythmus im Gegensatz zum Schwung der Bewegung stehen. Häufig fehlt sie sogar ganz, so dass die von den Tänzern verursachten Geräusche in der Stille eigene Akzente setzen. Das Fehlen einer Abhängigkeitsbeziehung zwischen tänzerischer Bewegung und Musik wirkte auch auf das zeitgenössische Ballett weiter.