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| 2. | Land |
Der überwiegende Teil der Türkei erstreckt sich auf asiatischem Gebiet zwischen Mittelmeer und Schwarzem Meer. Der türkische Teil von Thrakien bildet den europäischen Anteil des Landes und umfasst rund drei Prozent der Gesamtfläche. Die Meerengen Dardanellen und Bosporus sowie das zwischen ihnen liegende Marmarameer trennen den europäischen Teil der Türkei vom asiatischen. Innerhalb der Grenzen der Türkei liegen mehrere seismische Zonen; dadurch kommt es im Land häufig zu Erdbeben. Die Gesamtfläche des Landes umfasst 779 452 Quadratkilometer.
| 1. | Physische Geographie |
Die Türkei kann in sieben Landschaftsräume untergliedert werden: Thrakien und die an das Marmarameer angrenzenden Gebiete, die Regionen am Ägäischen Meer und am Mittelmeer, das Gebiet am Schwarzen Meer, Westanatolien, das inneranatolische Hochland, das Gebirgsland im Osten des Landes und Südostanatolien.
Thrakien und die Gebiete am Marmarameer werden im Landesinneren von einem flachwelligen Hügelland eingenommen. Es ist fruchtbar und wird von zahlreichen Wasserläufen durchzogen. Trotzdem wird nur etwa ein Viertel der Region als Ackerland genutzt. Im Ostteil dieses Gebiets erhebt sich der Uludağ (in der Antike Mysischer oder Bithyrischer Olymp) bis 2 543 Meter. Von den schmalen und hügeligen Küstengebieten am Ägäischen Meer und am Mittelmeer wird nur rund ein Fünftel als Ackerland bewirtschaftet. Im Osten davon, in der Ebene Çukurova, liegt das größte Baumwollanbaugebiet der Türkei. Diese Region ist mit dem Landesinneren durch die Kilikische Pforte (Külek Boğazı) im Taurus verbunden.
Die anatolische Küstenregion ist überwiegend schmal; sie erhebt sich direkt von der Schwarzmeerküste zum Pontischen Gebirge. Auf Grund der steilen Berghänge werden nur etwa 16 Prozent des Gebiets ackerbaulich genutzt. Westanatolien besteht aus unregelmäßig verlaufenden Bergzügen und tiefen Taleinschnitten, die die stark gegliederte ägäische Küste vom Hochland Inneranatoliens trennen; nur knapp ein Fünftel des Landes ist hier für den Ackerbau geeignet. Das inneranatolische Hochland mit der Hauptstadt Ankara liegt durchschnittlich um 1 000 Meter hoch und ist die geographisch größte Region der Türkei. Das Hochland ist vollständig von Gebirgen umschlossen. Höchster Gipfel des inneranatolischen Hochlandes ist der Erciyes Dağı mit 3 916 Metern.
Im Hochgebirgsland im Osten der Türkei vereinigen sich die östlichen Ausläufer von Pontischem Gebirge und Taurus. Dieses ostanatolische Hochland ist die unzugänglichste Gegend der Türkei. Hier liegt der Berg Ararat (Ağrı Dağı), an dem nach der Bibel die Arche Noah landete, und der mit 5 165 Metern der höchste Berg der Türkei ist. In diesem Gebiet entspringen auch die beiden Flüsse Tigris (Dicle) und Euphrat (Fırat). Der Südosten Anatoliens wird von einem flachwelligen Plateau eingenommen, das im Norden, Osten und Westen von Bergen umgeben ist. Diese Gegend ist Teil des Fruchtbaren Halbmondes und seit der Antike von großer Bedeutung für die Landwirtschaft.
| 2. | Flüsse und Seen |
Wegen der großen Höhenunterschiede im Land sind in fast allen Flüssen der Türkei Stromschnellen ausgebildet. Deshalb sind nur wenige Flüsse in Teilabschnitten schiffbar. Aufgrund der jahreszeitlich wechselnden Regenmengen sind einige Flüsse starken Schwankungen des Wasserstandes unterworfen. Eine Reihe von Fließgewässern führt während des trockenen Sommers kein Wasser. Einige Flüsse haben jedoch Bedeutung für die Erzeugung elektrischer Energie durch Wasserkraft oder liefern das Wasser für Bewässerungsanlagen. Der Kızılırmak ist mit einer Länge von 1 150 Kilometern der längste Fluss innerhalb der Landesgrenzen und mündet in das Schwarze Meer. Der Büyük Menderes entwässert Westanatolien in die Ägäis. Euphrat und Tigris entspringen in der Osttürkei und münden nach Durchqueren von Syrien und dem Irak in den Persischen Golf. Der Euphrat wird durch den 1990 fertig gestellten Atatürk-Staudamm (169 Meter Höhe, 1,6 Kilometer Breite) aufgestaut. Damit wird sein Wasserfluss um bis zu 90 Prozent reduziert, was Auswirkungen auf das gesamte Ökosystem hat.
Der Vansee im Osten des Landes ist der größte See der Türkei. Er ist – wie auch der Tuz Gölü (Großer Salzsee) – ein Salzsee. Die Süßwasserseen Beyşehir, Eğridir Gölu und Burdur Gölu liegen alle im Südwesten des Landes.
| 3. | Klima |
Wegen der großen Ausdehnung und der stark gegliederten Oberfläche hat die Türkei Anteil an verschiedenen Klimazonen. An den Küsten des Mittelmeeres und der Ägäis herrscht mediterranes Klima mit langen, heißen Sommern und milden, feuchten Wintern. In Istanbul liegt die mittlere Januartemperatur bei 5 °C, die mittlere Julitemperatur bei 22 °C. Der mittlere Jahresniederschlag beträgt 720 Millimeter. An der Mittelmeerküste und an der Küste der Ägäis fällt knapp die Hälfte des jährlichen Niederschlags in den Monaten Dezember und Januar.
Das Klima im inneranatolischen Hochland hat kontinentalen Charakter mit großen Temperaturunterschieden im Jahresverlauf. Die Sommer sind heißer, die Winter wesentlich kälter als an der Küste. In Ankara beträgt die mittlere Januartemperatur bei 0 °C, die mittlere Julitemperatur bei 24 °C. Das inneranatolische Hochland liegt im Lee der Randgebirge. Der mittlere Jahresniederschlag beträgt deshalb nur rund 370 Millimeter und ist somit wesentlich geringer als in den küstennahen Regionen. Im Hochland sind die Niederschläge relativ gleichmäßig über das Jahr verteilt.
In der Schwarzmeerregion ist das Klima mild, die Niederschlagshöhen können beträchtliche Werte erreichen. Die Jahresmenge nimmt von Westen (um 800 Millimeter) nach Osten (bis 2 000 Millimeter) zu. Im östlichen Hochland sind die Winter kalt und mitunter schneereich. Die höchsten Sommertemperaturen der Türkei herrschen in Südostanatolien; im Juli und August liegen sie im Schnitt über 30 °C.
| 4. | Flora und Fauna |
Der Flächen- und Gebietsschutz der Türkei erstreckt sich über etwa 3,9 Prozent (2007) des Landes und umfasst 21 Nationalparks, 36 Wälder, zahlreiche Naturschutzgebiete, wovon zwei zum Weltnaturerbe erklärt worden sind, und mehrere besonders geschützte Gebiete. Das Land beheimatet 2 400 endemische Pflanzenarten. Thrakien und Westanatolien zeichnen sich durch einen hohen Anteil an mediterraner Vegetation aus; die Flora setzt sich vor allem aus Hartlaubgehölzen und niedrigen, immergrünen Sträuchern (Macchie) zusammen. In den küstennahen Gebieten sind Ölbäume verbreitet. Die Randgebirge sind weitflächig mit Wald bedeckt. Im Taurus herrschen Schwarzkiefern, Tannen, Zedern, Eichen und Wacholder vor, im Pontischen Gebirge sind Buchen- und Eichenmischwälder sowie Wacholderwälder heimisch. In Inneranatolien dominiert eine karge Steppenvegetation mit Gräsern und Kräutern.
Zur Säugetierfauna gehören die Großraubtiere Braunbär, Wolf, Luchs, Goldschakal und Streifenhyäne; weitere Raubtiere sind Wildkatze, Rotfuchs, Steinmarder, Dachs, Mauswiesel, Tigeriltis und Fischotter. Die Paarhuferfauna ist durch Wildschwein, Reh, Rothirsch und Bezoarziege repräsentiert. Greifvögel sind u. a. mit zahlreichen Adlerarten (See-, Stein-, Kaiser-, Schell-, Schrei-, Zwerg- und Schlangenadler) sowie Geiern (Bart-, Mönchs-, Gänse- und Schmutzgeier) vertreten. Bemerkenswerte Großvögel feuchter Gebiete sind Reiher (Nacht-, Kuh-, Rallen-, Seiden-, Silber-, Purpur- und Graureiher), Rosa- und Krauskopfpelikan, Rosaflamingo, Löffler, Sichler, Weiß- und Schwarzstorch. In den Bergflüssen gibt es viele Forellen. In den Küstengewässern leben Meeresschildkröten, Meerbrassen, Makrelen, Thunfische und Steinbutt, im Schwarzen Meer werden Anchovis gefangen.