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| 1. | Einleitung |
Bankwesen, alle von Banken durchgeführten Transaktionen und die damit befassten Einrichtungen. Die Gesamtheit der Banken besteht aus Zentralbanken, privaten und öffentlichen Geschäftsbanken, Bausparkassen, Sparkassen und Spezialkreditinstituten. Alle Länder unterstellen ihre Banken der Aufsicht durch Regierungsbehörden, in der Regel sind dies die Zentralbank sowie ggf. weitere Aufsichtsbehörden, wie in Deutschland die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht.
| 2. | Aufgaben |
Im weitesten Sinn befasst sich das Bankwesen mit der Aufbewahrung und Übertragung von Geldmitteln, der Gewährung von Krediten, dem Umtausch von Währungen sowie der Überprüfung der Bonität (Kreditwürdigkeit) von Wirtschaftseinheiten.
Eine ihrer traditionellen Hauptaufgaben, nämlich die sichere Aufbewahrung von Geld und anderen Vermögensgegenständen, erfüllen die Banken durch den Einsatz von Sicherungseinrichtungen wie Tresoren sowie meist durch Versicherung gegen Diebstahl. Einige Institute bieten auch Depots für Wertgegenstände an. Die Übertragung von Geld erfolgt mit Hilfe von Wertpapieren, Schecks oder mittels direkter Überweisungen auf elektronischem Weg. Kreditkarten und Kundenkarten der Kaufhäuser, Geldautomaten, Bankgeschäfte per Computer (siehe Homebanking), Telefonbanking und andere Dienstleistungen, die die Banken heute anbieten, bieten dem Kunden eine Vielzahl von Möglichkeiten, jederzeit über sein Geld zu verfügen. Elektronische Abrechnungsstellen leisten ähnliche Dienste für Geschäftskunden, indem sie regelmäßige Zahlungen, beispielsweise der Angestelltengehälter, durchführen. Neben den Banken bieten auch Treuhandgesellschaften (Kapitalanlagegesellschaften) längerfristige Anlageformen an.
Das bei ihnen eingelegte Geld verwenden die Banken zur Vergabe von Krediten an ihre Kunden. Dafür erhalten sie Zinsen. Diese wiederum stellen, nach Abzug der auf die Einlagen gezahlten Zinsen und aller übrigen Kosten, ihren Gewinn dar. Die Sicherung der Kreditforderungen gegen die Gefahr von Zahlungsausfällen kann über die Belastung von Grundstücken mittels Hypotheken oder Grundschulden oder durch Bürgschaften von Seiten Dritter erfolgen. Durch Überbrückungskredite und Bürgschaften können Banken auch Kunden unterstützen, die ein Darlehen von einer anderen Institution aufnehmen. Schließlich bieten die Banken auch den Umtausch von Devisen sowie die Abwicklung grenzüberschreitender Finanztransaktionen an.
| 3. | Frühes Bankwesen |
Die Anfänge des Bankwesens reichen zurück bis ins Mittelalter. In den reichen norditalienischen Handelsstädten stiegen Geldwechsler zu Bankiers auf, die Einlagen annahmen, Kredite gewährten und örtliche wie überregionale Zahlungen ihrer Kunden per Giroverkehr (siehe Girosystem) und Wechselbriefe abwickelten. Messen wurden von Waren- zu Kapitalmärkten. Beispielsweise übertraf auf den bedeutenden Messen der Champagne schon im 13. Jahrhundert der Wechselumlauf den Wert der Waren. Die Templer, ein militärischer und religiöser Orden, verwahrten zur Zeit der Kreuzzüge Wertsachen für andere und vergaben Darlehen. Da sie regelmäßig Geld und Güter von Europa nach Palästina transferierten, schufen sie ein gut funktionierendes Bankensystem, das bald auch die europäischen Herrscher und Adelshäuser in Anspruch nahmen. Die großen Bankiersfamilien der Renaissance, wie die Medici in Florenz, waren im Geldverleih und in der Finanzierung des internationalen Handels aktiv. Die ersten modernen Banken wurden im 17. Jahrhundert gegründet, so etwa die Riksbank in Schweden (1656) und die Bank von England (1694).
In England geriet im 17. Jahrhundert das Geschäft der Goldschmiede zum Modell für das moderne Bankwesen. Die Goldschmiede nahmen Edelmetallbestände zur Aufbewahrung in ihre Lager und händigten sie den Eigentümern auf Wunsch wieder aus. Bald entdeckten sie, dass die Menge Gold, die die Eigentümer abriefen, in jedem Zeitpunkt nur einen gewissen Teil des insgesamt gelagerten Goldes ausmachte. Daraus folgte, dass sie die verbleibende Menge Goldes vorübergehend an Dritte ausleihen konnten. Im Gegenzug erhielten sie einen Schuldschein über den Wert des verliehenen Goldes zuzüglich Zinsen. Mit der Zeit traten an die Stelle des Goldes Papierzertifikate, die bestimmten Goldmengen gleichwertig waren, da sie gegen Goldmünzen getauscht werden konnten. Da die Inhaber ihre Papierzertifikate nie alle zugleich umtauschten, konnten die Goldschmiede Zertifikate im Wert eines Vielfachen des Goldes ausgeben, die ebenso wie das Edelmetall als Zahlungsmittel dienten. Auf diese Weise überstieg der Gesamtwert der in Umlauf befindlichen Zertifikate den Wert des Goldes, das ihnen zugrunde lag.
Zwei Merkmale dieses Goldreservesystems (siehe Goldwährung) kennzeichnen auch heute noch das Geldwesen und die Bankgeschäfte: Erstens übersteigen die monetären (geldlichen) Verbindlichkeiten des Bankensystems bzw. die monetären Forderungen der Nichtbanken gegen die Banken die Reserven des Bankensystems. Diese Eigenheit war eine der Voraussetzungen für die Industrialisierung der westlichen Welt und gilt unverändert als eine notwendige Bedingung für Wirtschaftswachstum: eine Wirtschaft kann nur dann wachsen, wenn die Unternehmen Finanzmittel für Investitionen aufnehmen können, die erst später, wenn die mit Hilfe der Investitionsgüter hergestellten Konsumgüter verkauft wurden, wieder zurückgezahlt werden müssen. Allerdings gilt es, die Geldmenge zu kontrollieren, denn der Umlauf von zu viel Geld kann zu Inflation und damit zur Störung des Wirtschaftsablaufs führen. Das zweite Merkmal besteht darin, dass die kurzfristigen Verbindlichkeiten der Banken, d. h. die Einlagen ihrer Kunden und das von anderen Banken geliehene Geld, jederzeit verfügbar, d. h. ohne Verzug in Bargeld umtauschbar sind, während die Aktiva (Darlehensforderungen und Geldvermögensanlagen), die in den Bilanzen der Bank ausgewiesen sind, in der Regel für eine gewisse Zeit gebunden sind.
Die Existenz von Geld, das nur zu einem Teil durch Sachvermögen gedeckt ist, ermöglicht es also Verbrauchern, Unternehmen und Regierungen, Geschäfte zu finanzieren, die sonst zurückgestellt oder gestrichen würden. Andererseits birgt sie aber auch die Gefahr von Liquiditätskrisen im Bankgewerbe: Wenn ein ungewöhnlich großer Teil der Kontoinhaber die Auszahlung seiner Guthaben verlangt und das Bankensystem darauf nicht lückenlos reagieren kann, weil nicht genügend flüssige (liquide) Mittel vorhanden sind, müssen die Banken entweder die Auszahlung verweigern oder aber so lange zahlen, bis ihre Geldbestände erschöpft sind. Eine Schlüsselfunktion der Zentralbanken ist daher die Überwachung der Kreditvergabe und der Reservehaltung der Geschäftsbanken, um so die Möglichkeit eines Ansturms auf einzelne Banken auszuschließen. Solch ein Ansturm könnte letztlich das gesamte System der über Kreditbeziehungen miteinander verflochtenen Banken erschüttern. Die Zentralbank ist in der Regel auch darauf vorbereitet, als Verleiher für das Bankgewerbe tätig zu werden, d. h., sie stellt im Falle umfangreicher Rückforderungen von Einlagen die nötigen liquiden Mittel zur Verfügung. Dies geschieht allerdings nicht in jedem Fall, wie sich im Jahr 1995 zeigte, als die Bank von England sich weigerte, die in Zahlungsschwierigkeiten geratene Investmentbank Barings vor dem Zusammenbruch zu retten.
| 4. | Bankwesen in Europa |
| 1. | Großbritannien |
Seit dem 17. Jahrhundert nimmt Großbritannien eine herausragende Stellung im Bankgewerbe ein. London ist nach wie vor eines der großen Finanzzentren der Welt. Fast alle führenden Geschäftsbanken sind dort vertreten.
Abgesehen von der altehrwürdigen Bank von England, die als öffentliche Körperschaft gegründet wurde und in London residiert, befanden sich die frühen englischen Banken in privater Hand. Zusammenbrüche waren an der Tagesordnung. Daher wurden im frühen 19. Jahrhundert verstärkt Aktienbanken mit einer größeren Kapitaldecke gebildet, um so der Industrie langfristige und sichere Kredite gewähren zu können. Seit 1833 war es diesen erlaubt, Einlagen in London anzunehmen und zu übertragen. Banknoten durften sie jedoch nicht ausgeben; das war Vorrecht und Monopol der Bank von England. Die Aktienbanken wurden, nachdem 1858 der Gesetzgeber die begrenzte Haftung für Aktiengesellschaften eingeführt hatte, immer bedeutender. Eine große Zahl von Instituten konnte jedoch nicht erhalten werden. Um 1900 verminderte eine Welle von Bankzusammenschlüssen sowohl die Zahl der Privatbanken wie auch der Aktienbanken.
Die derzeitige Struktur der britischen Geschäftsbanken zeichnete sich bereits in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts in Grundzügen ab. Der damals privatwirtschaftlichen Bank von England waren elf Londoner Clearingbanken (siehe Abrechnungsstelle) untergeordnet. Derartige Banken existieren nur im britischen Bankwesen; sie haben die Aufgabe, Einlagen entgegenzunehmen, Kredite zu gewähren und eingereichte Schecks durch Aufrechnung auszugleichen.
Die Bank von England wurde 1946 von der Labour-Regierung wieder verstaatlicht. 1968 schlossen sich die fünf größten Clearingbanken der Industrie zusammen, so dass lediglich die vier Banken Barclays, Lloyds, Midland (heute Teil der Hong Kong Shanghai Banking Corporation Group) und National Westminster (heute Teil der Royal Bank of Scotland Group) verblieben. Eine Liberalisierung im Finanzwesen hat in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts zum Heranwachsen von Bausparkassen geführt, die heute in vielerlei Hinsicht ähnliche Funktionen wie die traditionellen Clearingbanken erfüllen.
Die großen Clearingbanken mit ihrem nationalen Zweigstellensystem spielen immer noch die entscheidende Rolle im britischen Bankensystem. Sie sind die wichtigsten Bindeglieder bei der Übertragung von Geschäftszahlungen über das Girosystem und Hauptquelle für kurzfristige Geschäftsfinanzierungen. Außerdem beeinflussen die großen britischen Banken durch ihre Tochtergesellschaften andere Finanzmärkte im Bereich von Konsumenten- und Bausparkrediten, Handelsbankgeschäften, Factoring (Übernahme und Eintreibung von Forderungen) und Leasing. Der Konkurrenz durch Bausparkassen sind sie mit dem Ausbau ihrer Dienstleistungs- und Serviceabteilungen begegnet.
Ende der siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts wurde das Bankwesen neu strukturiert. Die neuen Bankengesetze (Banking Act) von 1979 übertrugen der Bank von England auch offiziell die Kontrolle über das britische Bankwesen, welches sie bis dahin bereits ohne gesetzliche Grundlage beaufsichtigt hatte. Nur Institute, die von der Bank von England als anerkannte Banken oder autorisierte Geldanlageinstitute genehmigt werden, dürfen Einlagen von der Öffentlichkeit annehmen. Die Bankengesetze haben die Kontrolle der Bank von England auch auf die neuen Geld- und Kapitalvermittlungsstellen ausgedehnt, die seit 1960 aufblühten.
London ist das Zentrum des Eurodollarmarktes, an dem sich Finanzinstitute aus allen Teilen der Welt beteiligen. In diesem Markt, der sich Ende der fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts bildete und von Beginn an sehr stark gewachsen ist, werden US-Dollar und andere konvertierbare Währungen außerhalb des jeweiligen Währungsgebiets geliehen und verliehen.
| 2. | Europäischer Kontinent |
Das Europäische System der Zentralbanken wird von der 1998 gegründeten, in Frankfurt/Main ansässigen Europäischen Zentralbank angeführt. Zu den großen nationalen Zentralbanken in der Europäischen Union gehören die Deutsche Bundesbank, die französische Banque de France sowie die italienische Banca Nazionale de Lavoro. Große Geschäftsbanken sind beispielsweise die Deutsche Bank AG, die Dresdner Bank AG und die französischen Banken BNP PARIBAS, Le Crédit Lyonnais und Société Générale. In seiner Struktur unterscheidet sich das Bankwesen in diesen Ländern Europas zum Teil stark von dem anderer Industrienationen. Dabei liegen die Hauptunterschiede in den Besitzverhältnissen sowie in Art und Umfang der Geschäftstätigkeit.
Der wichtigste Unterschied liegt in der Rolle, die der Staat einnimmt, besonders in den romanischsprachigen Ländern. So gut wie alle Kreditinstitute in den USA, Kanada und Großbritannien sind in Privatbesitz. In Frankreich und Italien jedoch haben die Regierungen die großen Geschäftsbanken über weite Strecken ihrer Geschichte entweder ganz besessen oder waren Hauptanteilseigner. Die französische Bank Crédit Lyonnais geriet Anfang der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts in die Kritik, als die Regierung ihr half, ihre hohen Handelsverluste auszugleichen. Die europäischen Banken handeln in Bereichen, in denen die Banken anderer Länder nicht handeln dürfen, wie z. B. Ausgabe und Erwerb von Aktien. Die Geschäftsbanken Europas sind stark gewinnorientiert und begrenzen ihr Kreditwesen auf kurzfristige Ausleihen. Langfristige Kredite werden von Tochterunternehmen gewährt. Die großen europäischen Banken unterhalten ein umfangreiches Netz von Filialen in ihrem jeweiligen Heimatland. Ende der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts setzte in allen mitteleuropäischen Ländern im Bankwesen eine Fusionswelle ein.
Aufgrund ihrer Erfolge bei der Kontrolle der Inflation und der Stärkung der Wirtschaftskraft Deutschlands war die Deutsche Bundesbank, die 1957 gegründete Nachfolgerin der Bank deutscher Länder, zur einflussreichsten Zentralbank in der Europäischen Union geworden. Die Verfassung hatte ihr eine weitgehende Unabhängigkeit gegenüber der Regierung eingeräumt. Im Zusammenhang mit der Vollendung der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion wurde sie, wie alle übrigen Notenbanken der EU-Mitgliedstaaten, in das Europäische System der Zentralbanken eingegliedert.
| 3. | Bankenzentrum Schweiz |
Die Schweiz ist als Zentrum weltweiter Bankgeschäfte berühmt. Aufgrund der politischen Neutralität, der wirtschaftlichen Stabilität und des Schweizer Bankgeheimnisses gilt das Land als einer der wichtigsten Bankenplätze der Welt. Das Bankgeheimnis geht auf ein Gesetz von 1934 zurück, demzufolge sich die Banken eines strafbaren Vergehens schuldig machten, wenn sie Einzelheiten über ihre Kunden ohne deren ausdrückliche Zustimmung an Dritte weitergaben. Spätere Gesetzesänderungen und internationale Vereinbarungen haben das schweizerische Bankgeheimnis kaum verändert. Nach wie vor gelten Nummernkontos bei Schweizer Banken als sicheres Versteck für die Gelder von Steuerflüchtlingen. Bankgeschäfte mit Privatkunden tragen entscheidend zum Bruttosozialprodukt des Landes bei.
Die halbstaatliche Schweizerische Nationalbank, die Zentralbank der Schweiz, ist als Aktiengesellschaft im gemeinsamen Besitz der Kantone, anderer Banken und der Öffentlichkeit. Die Schweizer Geschäftsbanken werden durch zwei große Konzerne beherrscht: die UBS AG (Union Bank of Switzerland) und die Credit Suisse Group. Zahlreiche kleinere Banken und Niederlassungen ausländischer Banken arbeiten von der Schweiz aus. Außerdem gibt es 24 Kantonalbanken, die von ihren jeweiligen Kantonen mit Mitteln ausgestattet und kontrolliert werden.
Im Jahr 1997 richteten die drei Schweizer Großbanken Credit Suisse Group, Schweizerischer Bankverein und Schweizerische Bankgesellschaft (die beiden letztgenannten schlossen sich 1998 zur UBS zusammen) auf internationalen Druck hin einen Fonds zur Entschädigung von Holocaust-Opfern ein. Den Schweizer Banken war vorgeworfen worden, Guthaben von mehreren hundert Millionen US-Dollar zu lagern, die aus jüdischen Vermögen stammen; diese Vermögen seien von deutschen Nationalsozialisten geraubt und in der Schweiz deponiert worden. Nach einem Bericht der US-Zentralbank und des US-Finanzministeriums beläuft sich der Wert des Goldes, das jüdischen Bürgern im Dritten Reich geraubt wurde (siehe Raubgold), auf rund 1,79 Milliarden Euro; 85 Prozent davon wurden bei Schweizer Banken eingelagert.
Nach jahrelangen Verhandlungen mit der EU um das Bankgeheimnis erzielte die Schweiz 2003 einen Kompromiss: Unter Einhaltung des Bankgeheimnisses erhebt sie für EU-Steuerbürger eine Quellensteuer auf die erzielten Zinsen, die zu 75 Prozent an deren Heimatland abgeführt wird.
| 5. | Bankwesen in Nordamerika |
| 1. | USA |
Das Bankwesen in den USA unterscheidet sich grundlegend von dem Frankreichs oder Großbritanniens. In den beiden letztgenannten Ländern beherrschen, anders als in den USA, vergleichsweise wenige Institute das Bankwesen. In den Vereinigten Staaten von Amerika wurden in der Vergangenheit Banken durch wirtschaftspolitische Vorgaben an der Expansion gehindert; es war ihnen untersagt, außerhalb eines bestimmten Bundesstaates, manchmal sogar außerhalb der Grenzen des Verwaltungsbezirks, tätig zu werden. Damit sollten die vielen kleinen Bankhäuser vor Konkurrenz geschützt werden. Infolgedessen entstand ein landesweites Netz von zeitweise fast 12 000 Geschäftsbanken.
Anfang der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts hoben die meisten Bundesstaaten wie auch die Regierung in Washington die gesetzlichen Einschränkungen auf, insbesondere für Fusionen und Aufkäufe. Zahlreiche Banken übernahmen andere Banken inner- und außerhalb der Bundesstaaten, in denen sie ansässig waren, und vergrößerten sich dadurch erheblich. Damit einher ging ein prägnanter Konsolidierungsprozess: Die Zahl der Geschäftsbanken sank von über 11 000 im Jahr 1997 auf rund 8 000 im Jahr 2004. Dennoch ist in den USA der Konzentrationsgrad des Bankensektors noch immer weitaus geringer als in Großbritannien, Frankreich, Spanien oder gar der Schweiz. 2003 bestritten in den USA die fünf größten Banken, angeführt von der Bank of America, ein knappes Viertel der Bilanzsumme aller in den USA ansässigen Banken. In den anderen genannten Ländern lag der entsprechende Wert zwischen 41 Prozent (Großbritannien) und 80 Prozent (Schweiz).
Das 1913 gegründete US-amerikanische Zentralbanksystem (Federal Reserve System) besteht aus dem siebenköpfigen Board of Governors mit Sitz in Washington und zwölf Reservebanken (Federal Reserve Banks) in den großen Städten der USA (unter anderem New York, Boston, Philadelphia, Chicago), die jeweils das Zentrum eines Zentralbankdistrikts (Federal Reserve District) bilden. Die „Fed” fungiert als Notenbank, als Bank der amerikanischen Regierung und führt die Aufsicht über das Bankengewerbe.
Sparinstitute besitzen in den USA eine lange Tradition. Sie wurden gegründet, weil die Geschäftsbanken die Privatkunden traditionell stark vernachlässigten. In den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts entstanden erstmals bausparkassenähnliche Vereinigungen (Savings and Loan Associations, SLAs), die nach dem Muster der Genossenschaftsbewegung in Schottland und England aufgebaut waren. Diese Institute handeln hauptsächlich mit Hypothekendarlehen für den Bau und Kauf von Wohnungen. Ihr gesellschaftliches Ziel ist die Förderung von Wohneigentum. Amerikanische Sparkassen, die mit ähnlichen Zielsetzungen gegründet wurden, legen die Einlagen ihrer Kunden in Aktien und Schuldverschreibungen, insbesondere Staatsschuldverschreibungen, an. Außerdem bieten sie ebenfalls Hypothekenkredite an. Auch Kreditgenossenschaften (Credit Unions) legen Geld für ihre Mitglieder an.
Die bundesstaatlichen Reglementierungen für Geschäftsbanken führten dazu, dass es seit Mitte der dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts nur zu wenigen Bankenzusammenbrüchen gekommen ist; in einigen Marktbereichen blieb der Wettbewerb trotz dieser Reglementierungen sehr ausgeprägt. Andererseits wurde auf lokaler Ebene die Monopolbildung gefördert.
| 2. | Kanada |
Die Bank of Canada mit Sitz in Ottawa fungiert als nationale Zentralbank. Toronto ist das Finanzzentrum Kanadas, denn hier befinden sich die Zentralen der meisten in Kanada tätigen Banken. Der kanadische Bankensektor umfasst 21 inländische Banken sowie 45 Tochtergesellschaften und Filialen ausländischer Banken. Diese betreiben ein ausgedehntes Filialnetz mit rund 8 000 Einheiten. Die größten Geldhäuser sind, gemessen an der Bilanzsumme, die Royal Bank of Canada und die Toronto-Dominion Bank. Die sechs größten konzessionierten Banken in Kanada verwalten mehr als 90 Prozent des gesamten Bankenvermögens.
Bis in die sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts waren die Geschäftsbereiche von Banken, Wertpapierhändlern und Versicherungen voneinander getrennt. Seitdem ist es auch in Kanada zu einer Konsolidierung des Finanzdienstleistungssektors gekommen. Im Zug dessen nahmen die Banken neben dem Einlagen- und dem Kreditgeschäft eine ganze Palette weiterer Finanzdienstleistungen in ihr Angebot. Umgekehrt bieten die so genannten Trust Companies (Kapitalanlagegesellschaften) nicht nur im Auftrag ihrer Kunden Kapital an, sondern verwalten auch Einlagen und vergeben Kredite. Sie können außerdem im Rahmen der Treuhandverwaltung das Vermögen ihrer Kunden betreuen und staatlich anerkannte Altersvorsorgeprogramme anbieten sowie in Hypotheken, Wertpapiere und andere Kreditinstrumente investieren. Schließlich sind traditionell auf die Vermögensverwaltung spezialisierte Institute heute zusätzlich am Geldmarkt, im Einlagen- und Kreditgeschäft aktiv, und Lebensversicherungsgesellschaften steht es frei, daneben auch Bankgeschäfte zu betreiben.
| 6. | Bankwesen an anderen wichtigen Wirtschafts- und Finanzstandorten |
| 1. | Japan |
Als eines der reichsten Länder der Welt übt Japan über seine Banken starken Einfluss auf die Weltwirtschaft aus. Unter den weltweit 30 größten befinden sich vier japanische Banken, die größte von ihnen, die Mitsubishi Tokyo Financial Group, rangiert auf Platz drei der Welt. Die Bank von Japan mit Sitz in Tokyo kontrolliert als Zentralbank das nationale Bankwesen. Ihre von der Verfassung garantierte Selbständigkeit ist im Vergleich mit den Zentralbanken anderer Länder weniger weitreichend.
Einige öffentliche Finanzinstitute betätigen sich in Geschäftsfeldern, in denen sie tendenziell mit den privaten Geschäftsbanken konkurrieren: Die japanische Entwicklungsbank (Japan Bank for International Cooperation, JBIC) vergibt Mittel zur Finanzierung von Auslandsinvestitionen und Außenhandelsgeschäften, eine Wohnungsbaugesellschaft, die Government Housing Loan Corporation (die allerdings nach den Plänen der japanischen Regierung privatisiert werden soll), unterstützt die Bereitstellung von Firmenwohnungen, und die Agriculture, Forestry and Fisheries Finance Corporation, eine staatliche Finanzierungsgesellschaft für Land- und Forstwirtschaft und Fischerei, vergibt Darlehen für die Anschaffung von Maschinen und Ausrüstungsgütern.
Die Geschäftsbanken sind oft Teilbereiche der so genannten Keiretsu (siehe Zaibatsu), der großen japanischen Unternehmensgruppen, in denen sie traditionell die Rolle von Hausbanken spielen. Kleine Genossenschaften und Kreditvereine, die auf Bezirksebene gruppiert sind, haben sich auf Bankgeschäfte mit Landwirten und Kleinbetrieben spezialisiert. Japans Sparkassen wurden nach einer Reform 1989 in Geschäftsbanken umgewandelt. Die staatliche Postsparkasse (Japan Post) bietet hauptsächlich Anlagemöglichkeiten für private Sparer.
Durch die Reform der Bankgesetze Mitte der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts konnten die Banken auch im internationalen Wertpapierhandel tätig werden, der bis dahin von sehr erfolgreich wirtschaftenden Finanzhäusern betrieben worden war. Umgekehrt wurde den Wertpapierinstituten die Möglichkeit gegeben, Bankgeschäfte anzubieten.
| 2. | Australien und Neuseeland |
Die australische Notenbank, die Reserve Bank of Australia mit Sitz in Sydney, wurde 1959 gegründet. Ihr Vorläufer war die 1911 gegründete Commonwealth Bank of Australia. Diese bestand weiter und wurde im Jahr 1996 vollständig privatisiert. Nach der National Australia Bank ist sie die zweitgrößte Geschäftsbank in Australien. Eine Reform des Bankwesens in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts ermöglichte es, ähnlich wie in Großbritannien, vielen Bausparkassen, Vollbanken zu werden oder eine breitere Palette von Bankgeschäften anzubieten. Diese Reform öffnete auch den Markt für ausländische Konkurrenz.
Die Zentralbank Neuseelands ist die 1933 gegründete Reserve Bank of New Zealand mit Sitz in Wellington. Die Postsparkasse, die größte Sparkasse des Landes, und die Bank of New Zealand gehörten ursprünglich der Regierung. Beide Institute wurden im Jahr 1987 privatisiert. Die PostBank wurde an die Australia and New Zealand Banking Group verkauft, die Bank of New Zealand wurde 1992 in die National Australia Bank Group integriert. Weitere große Geschäftsbanken sind die Kiwibank, eine Tochter der öffentlichen New Zealand Post Limited, und die australischstämmige Westpac Banking Corporation. Verbreitet sind auch Treuhandsparkassen (Trustee Savings Banks), deren ideelle Wurzeln in Großbritannien liegen.
| 3. | Singapur |
Die ehemalige britische Kolonie Singapur ist eines der größten Finanzzentren der Welt und in der Region Südostasien ein Wirtschaftsriese. Die Funktionen einer Zentralbank sind der Monetary Authority of Singapore zugewiesen, allerdings ist die Ausgabe der Banknoten und Münzen einer anderen Regierungsbehörde vorbehalten.
Zu den größten Geschäftsbanken zählen die Development Bank of Singapore (DBS), die United Overseas Bank (UOB) und die Oversea-Chinese Banking Corporation (OCBC). Neben einigen inländischen beherbergt Singapur zahlreiche ausländische Banken. Anhand der vergebenen Lizenzen wird zwischen Vollbanken, eingeschränkt tätigen Banken und so genannten Offshore-Banken, die ähnlich wirtschaften wie die Banken des Londoner Eurodollarmarktes, unterschieden.
Die 1998 von der DBS übernommene Postsparkasse, die Post Office Savings Bank (POSBank) fungiert als nationale Sparkasse. Die Regierung von Singapur betreibt ein Pflichtsparprogramm für Angestellte, den Central Provident Fund.
| 4. | Volksrepublik China |
Die 1948 gegründete, in Peking ansässige chinesische Volksbank, die People’s Bank of China, war bis 1978 die einzige Bank des einwohnerreichsten Landes der Welt. Sie fungierte als Zentralbank und als kommerzielle Bank gleichermaßen. 1984 stellte sie ihr Einlagen- und Kreditgeschäft ein und erfüllt seitdem offiziell die Aufgaben der Zentralbank.
Im Zug marktwirtschaftlicher Reformen und der Öffnung Chinas für den Welthandel – das Land trat im Jahr 2001 in die Welthandelsorganisation ein – wird auch der Finanzsektor geöffnet. Mit der Umstrukturierung der vier großen Staatsbanken – Bank of China (BOC), China Construction Bank (CCB), Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) und Agricultural Bank of China (ABC) – und Anreizen zu marktwirtschaftlich orientierten Entscheidungen wurden die Voraussetzungen für den Börsengang geschaffen, den bis Ende 2006 alle genannten Institute außer der ABC vollzogen hatten.
Die Zusammenarbeit chinesischer Geschäftsbanken mit ausländischen Instituten treibt die Modernisierung des Bankensektors voran. Seit 2004 sind ausländische Beteiligungen an chinesischen Banken bis zu insgesamt 25 Prozent, für einen einzelnen Investor von bis zu 20 Prozent möglich. Auch die Beschränkungen der Aktivitäten ausländischer Banken im Hinblick auf Geschäftsfelder und Regionen wurden gelockert.
Die Sonderverwaltungsregion Hongkong, in der bis 1997 britisches Recht galt, konnte aufgrund ihrer Position als eine der Wirtschaftsdrehscheiben in Asien zu einem weltweit bedeutenden Finanzzentrum aufsteigen. Hongkong dient China als wichtiger Handels- und Kapitalumschlagplatz.
| 5. | Indien |
Die 1935 gegründete, in Mumbai ansässige Reserve Bank of India fungiert als Zentralbank von Indien. Die Aufsicht über das Bankwesen liegt in der Zuständigkeit des Finanzministeriums. Die älteste und größte Geschäftsbank Indiens, die State Bank of India (SBI), gehört zu 60 Prozent dem indischen Staat. Ihr angeschlossen sind acht regionale Tochterinstitute. Der größte privatwirtschaftliche Konkurrent der SBI ist die ICICI-Bank. Die staatlichen und privaten indischen Banken teilen sich den Markt mit ausländischen Instituten. Einige Banken bieten kaufmännische Akzeptgeschäfte an, jedoch gibt es in Indien keine unabhängigen Akzeptbanken. Genossenschaften und Kreditgesellschaften ergänzen insbesondere in ländlichen Gebieten die private Bankwirtschaft.
Die meisten großen Geschäftsbanken wurden 1969 verstaatlicht; weitere Verstaatlichungen folgten 1980. Diese Tendenz wurde Anfang der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts wieder umgekehrt. Die Liberalisierung, die sich auch auf ausländische Beteiligungen erstreckt, begünstigt das Wachstum des indischen Bankensektors.
| 6. | Bankwesen in Entwicklungsländern |
Das Wirtschaftssystem eines Entwicklungslandes bestimmt auch die Art des Bankwesens. In kapitalistischen Ländern sind überwiegend privatwirtschaftliche Banken tätig. In einer Reihe von sozialistischen Ländern wurden alle Banken verstaatlicht. In anderen Ländern wie Peru oder Kenia bestehen Staatsbanken und Privatbanken nebeneinander. In vielen Ländern entwickelte sich das Bankwesen im Zeitalter des Kolonialismus, so dass viele Banken Instituten in den ehemaligen Mutterländern gehören.
Im Vergleich mit den Industrieländern finanzieren Banken in Entwicklungsländern besonders häufig Regierungsvorhaben. Außerdem spielen sie eine große Rolle bei der Finanzierung von Exportgeschäften.
| 7. | Die Rolle der Zentralbanken |
Das wichtigste Währungsinstitut in einer freien Marktwirtschaft ist die Zentralbank. Diese ist für gewöhnlich eine staatliche Einrichtung. Selbst in Ländern, in denen sie im Besitz der Banken dieses Landes ist (wie in den USA und Italien), handelt die Zentralbank im nationalen Interesse.
Die meisten Zentralbanken dienen als Staatsbank und als Bank für die Geschäftsbanken. Sie steuern das Geld- und Währungssystem im Hinblick auf binnenwirtschaftliche und internationale Ziele der Politik, und sie fungieren als Notenbanken, d. h., sie geben die Währung ihres Landes aus. Als Staatsbank verwaltet die Zentralbank die Einnahmen des Staates, kümmert sich um die Ausgabe und Einlösung von Staatsschuldverschreibungen, berät die Regierung in allen Finanzfragen und leiht dem Staat Geld. Als Bank für die Banken hält und überträgt sie die Einlagen der Banken, überwacht deren Geschäfte, handelt in Notfällen als Verleiher und unterstützt die Banken mit Rat und Tat. Die Währungspolitik wird von der Zentralbank umgesetzt und in vielen Ländern zum Teil auch bestimmt. All dies erfolgt durch direkte und indirekte Kontrolle der Finanzeinrichtungen. Zu den Pflichten der Zentralbank gehört im Allgemeinen auch die Verwaltung der Banknoten und Münzen, die als Staatswährung im Umlauf sind.
Die Möglichkeit der Zentralbank, die Geldmenge und damit die Geschwindigkeit des Wirtschaftswachstums zu steuern, sorgt immer wieder für grundsätzliche wirtschaftspolitische Debatten. Einige Wirtschaftswissenschaftler befürworten die Beeinflussung der Wirtschaftsaktivität über die Geldpolitik, da dies insbesondere kurzfristig zur Verwirklichung der wirtschaftspolitischen Ziele wie Vollbeschäftigung und Wachstum (siehe Wirtschaftspolitik) beitragen könne. Andere halten dem entgegen, dass eine im Ermessen der Zentralbank liegende Geldpolitik langfristig kein erfolgreiches Steuerungsinstrument der Wirtschaftspolitik sein könne. Eine dritte Gruppe hält zwar kurzfristige Erfolge durch die Geldmengensteuerung für unwahrscheinlich, weist aber auf die wichtige Rolle der Zentralbanken bei der Bekämpfung der Inflation und von Depressionen hin. Eine vierte Schule schließlich behauptet, über die Geldpolitik ließe sich die Geschwindigkeit des Wirtschaftswachstums nicht systematisch beeinflussen. Einigkeit besteht lediglich darin, dass Probleme, die mit der Angebotsseite der Wirtschaft zu tun haben, wie etwa Rohstoffknappheit, nicht durch Aktionen der Zentralbanken gelöst werden können.
| 8. | Internationales Bankwesen |
Die Ausweitung des Handels in den letzten Jahrzehnten ging einher mit dem Wachstum des multinationalen Bankwesens. Die Banken haben traditionell den internationalen Handel finanziert. Neuere Entwicklungen im Bankwesen sind die Zunahme von Zweigniederlassungen und Tochtergesellschaften außerhalb der jeweiligen nationalen Grenzen sowie ein stark gestiegenes Kreditvergabevolumen bei internationalen Kreditnehmern. Beispielsweise unterhielten Ende 1990 deutsche Banken 199 Filialen und Töchter im Ausland; bis 2006 stieg deren Zahl um knapp 80 Prozent auf 358.
Das Wachstum des Eurodollarmarktes hat die großen Banken dazu veranlasst, weltweit Niederlassungen zu gründen. Das internationale Bankensystem spielt eine wichtige Rolle bei der Anlage von Petrodollars, d. h. von Guthaben in US-Dollar im Besitz der Erdöl exportierenden Staaten, denen spiegelbildlich Defizite der Erdöl importierenden Länder gegenüberstehen.
Siehe auch Schuldenkrise