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| 7. | Die Osmanen und die moderne Periode |
Ab etwa dem 13. Jahrhundert nahmen verschiedene Monarchen in der gesamten muslimischen Welt, besonders die osmanischen Sultane, den Titel Kalif für sich in Anspruch, ohne Rücksicht auf die festgeschriebenen Anforderungen an ein Kalifat. Der Titel hatte für die osmanischen Sultane bis zum Untergang ihres Reiches kaum Bedeutung. Im 19. Jahrhundert, als im Nahen Osten christliche Mächte in Erscheinung traten, begann der Sultan seine Rolle als Kalif zu betonen, um die Unterstützung von Muslimen außerhalb seines Machtbereichs zu gewinnen. Das Osmanische Reich brach im 1. Weltkrieg (1914-18) zusammen. Nach dem Krieg entmachteten türkische Nationalisten den Sultan, und schließlich wurde das Kalifat durch die türkische Nationalversammlung abgeschafft (März 1924).
Die Abschaffung des Kalifats löste in weiten Teilen der muslimischen Welt Bestürzung aus; es kam zu Protesten gegen das Vorgehen der türkischen Regierung. Daraufhin wurde der Titel von König Hussein ibn Ali von al-Hijaz (Hedschas, heute zu Saudi-Arabien gehörig) beansprucht, da er direkt vom Propheten abstamme und die beiden heiligen Städte Mekka und Medina beherrsche. Sein Anspruch stieß jedoch außerhalb Palästinas, Syriens und Teilen von Arabien kaum auf Widerhall. Die Eroberung von al-Hijaz durch Abd al-Asis ibn Saud (1925), dem Herrscher des arabischen Najd, entzog dem Anspruch Husseins die Grundlage.
Ein in Kairo 1926 abgehaltener internationaler muslimischer Kongress zur Wahl eines annehmbaren Nachfolgers für das Amt des Kalifen scheiterte. Heute darf die Restauration des Kalifats als aussichtslos betrachtet werden.