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Animismus (lateinisch anima: Atem oder Seele), der Glaube an die Beseeltheit der Natur und unbeseelter Gegenstände. Der Arzt und Chemiker Georg Ernst Stahl prägte im 18. Jahrhundert den Begriff Animismus und stellte die Theorie auf, dass die Seele entscheidend für die organische Entwicklung aller Lebewesen sei. Seit Ende des 19. Jahrhunderts beschäftigt sich jedoch vor allem die Ethnologie mit diesem Phänomen. Der englische Ethnologe Sir Edward Burnett Tylor benutzte den Begriff, um den Ursprung von Religionen und primitivem Glauben zu beschreiben.
In seinem Werk Primitive Kulturen (1871) stellte Tylor die These auf, dass alle Religionen, von der einfachsten bis zur komplexesten, irgendeine Form von Animismus enthalten. Nach Tylor glauben „primitive Völker”, dass der Geist bzw. die Seele die Ursache menschlichen Lebens sei. Diese Völker stellen sich eine Seele als Phantom vor, das von einem Menschen in einen anderen, und von Pflanzen und Tieren zu leblosen Gegenständen wandern kann.
In der heutigen Ethnologie findet der Begriff Animismus kaum noch Verwendung, da es als erwiesen gilt, dass es sich beim Leib-Seele-Dualismus um ein abendländisches Konstrukt handelt, welches nicht auf andere Kulturen übertragbar ist. Mit animistischen Religionen wurden zudem sehr unterschiedliche Glaubensvorstellungen zusammengefasst, deren hauptsächliche Gemeinsamkeit die Nicht-Zugehörigkeit zu so genannten Hochreligionen ist.