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| 1. | Einleitung |
Recht (fachsprachlich auch Jura, von lateinisch jus: Recht), die Gesamtheit der Rechtsvorschriften, die das Verhältnis der Menschen zueinander sowie zu den Hoheitsträgern regeln. Das Wesen und die Funktionen des Rechtes haben sich im Laufe der Geschichte geändert. In modernen Gesellschaften ersetzt eine autorisierte Körperschaft wie z. B. die Legislative oder ein Gericht das Recht. Es wird vom Staat mit seinem Gewaltmonopol gestützt. Der Staat, das heißt hier seine Exekutive, setzt das Recht durch geeignete Strafen und andere Mittel durch.
Formale rechtliche Regeln und Handlungen werden im Allgemeinen von anderen Mitteln der sozialen Kontrolle und Verhaltensleitfäden wie Sitten, Moral, öffentlicher Meinung, Gebräuchen und Tradition unterschieden. Natürlich kann ein Gesetzgeber auf die öffentliche Meinung oder einen anderen Druck reagieren, und ein formales Gesetz kann verbieten, was moralisch nicht akzeptiert ist.
Das Recht hat unterschiedliche Funktionen. Gesetze gegen Straftaten z. B. tragen zum Erhalt einer friedlichen, geordneten und relativ stabilen Gesellschaft bei. Gerichte tragen zur gesellschaftlichen Stabilität und Rechtssicherheit bei, indem sie Streitigkeiten auf eine zivilisierte Art schlichten. Eigentumsrecht und Vertragsrecht erleichtern geschäftliche Aktivitäten und private Planungen. Gesetze, die die Macht von Regierungen beschränken, stellen eine gewisse Freiheit sicher, die sonst nicht möglich wäre. Das Recht dient auch als Mechanismus für soziale Veränderungen. So sind z. B. schon öfters Gesetze verabschiedet worden, die soziale Diskriminierung verhindern und die Verbesserung der Lebensumstände im Hinblick auf Gesundheit, Ausbildung und Wohlfahrt verbessern sollen.
Einige Experten meinen, dass die formalen Zwangsaspekte des Rechtes überschätzt werden. Sie weisen darauf hin, dass soziale Gebräuche oder Normen in der Praxis den Stellenwert von Gesetzen haben können, weil deren Einhaltung allgemein akzeptiert wird. Andererseits ist eine Satzung, die weder befolgt noch durchgesetzt wird, ein leeres Gesetz. Die Einstellung der Gesellschaft dem formellen Recht gegenüber ist ein wichtiger Bestandteil der Entwicklung des Rechtes. Die Rolle des Rechtes in China und Japan unterscheidet sich z. B. von der in den westlichen Ländern. Die Rolle des formellen Gesetzes ist dort außerhalb des geschäftlichen und des industriellen Bereiches gering und die Tradition spielt im täglichen Leben eine größere Rolle. Die Zuflucht zur rechtlichen Beilegung eines Streites ist wirklich das letzte Mittel, wobei der Ausgleich der Mechanismus ist, der für die soziale Kontrolle bevorzugt wird.
Das Gesetz ist nach naturphilosophischen Ansichten nicht nur eine Einrichtung von Menschen, es umfasst auch das Naturrecht. Die bekannteste Version dieser Ansicht, dass nämlich das Gesetz Gottes den höchsten Stellenwert hat, hat in vielen westlichen Gesellschaften einen beachtlichen Einfluss. Ein solcher Glaube scheint untrennbar mit der Ansicht verbunden zu sein, dass das Recht der Förderung der Menschenwürde dienen sollte. Moslemische Gesellschaften enthalten auch eine Version der Naturrechtslehre, die eng mit der Religion des Islam verbunden ist.