Semantik
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Semantik
4. Richtungen der Semantik

In Anbetracht dieser Schwierigkeiten ist es nicht verwunderlich, dass die Aufgaben der Semantik ihren Niederschlag in einer Vielzahl von Ansätzen gefunden haben, wobei jeweils bestimmte Aufgabenbereiche in den Vordergrund gestellt wurden:

In Deutschland hat die diachronische Wortsemantik historisch zunächst die größte Verbreitung gefunden. So war die Etymologie Grundlage der historisch-vergleichenden Sprachwissenschaft im 18. und 19. Jahrhundert bei ihrer Rekonstruktion des Indogermanischen. Dabei standen Untersuchungen des Wortschatzes im Vordergrund.

Der Strukturalismus des 20. Jahrhunderts brachte mit der so genannten Komponentialsemantik sowohl die Untersuchung von synchronischen Bedeutungsrelationen als auch die Suche nach Bedeutungsmerkmalen in das Zentrum des Interesses. Dabei wurden Relationen im Wortschatz wie Synonymie, Antonymie, Homonymie und andere systematisch beschrieben. Dazu versuchte man Bedeutung in ihre lexikalischen Komponenten zu zerlegen. Hierher gehört etwa die Beschreibung von Verwandtschaftsbeziehungen wie Vater, Mutter, Tante, Kind, Sohn usw. nach Merkmalen wie [MÄNNLICH], [MENSCH], [DIREKT VERWANDT]. Die Bedeutung eines Lexems (Grundeinheit des Lexikons) sollte demnach aus einer Matrix von Merkmalen bestehen.

Unter dem Einfluss der aufkommenden Kognitionswissenschaft rückte die so genannte Prototypensemantik ins Zentrum des Interesses. Waren die Merkmale der Komponentialsemantik zwar streng distinkt, so zeigte es sich jedoch, dass sie bei vielen Wortbedeutungen keine Hilfe boten. Sollte etwa die Bedeutung von „Mann” lediglich aus den Merkmalen [+MENSCH] [+MÄNNLICH] bestehen? Die Vorstellung der Prototypensemantik besteht darin, dass Bedeutungen im menschlichen Bewusstsein nicht in distinkten Merkmalen, sondern vielmehr in Bereichen mit zentraler (prototypischer) und peripherer Bedeutung strukturiert sind. Eine Amsel ist somit ein „prototypischer Vogel”, wohingegen ein Pinguin nur ein „peripherer Vogel” ist.

Allen diesen Ansätzen ist gemeinsam, dass es sich dabei in der einen oder anderen Form um Wortsemantik handelt. Diese Beschränkung wurde mit dem Aufkommen der logisch-formalen Semantik in den siebziger Jahren aufgehoben. Ausgehend von der mathematischen Logik unternahm man den Versuch, die Bedeutung von Sätzen „rechnerisch” aus der Bedeutung seiner Bestandteile abzuleiten. Diese Art von Semantik findet heute immer mehr Interesse und kann nahezu als das herrschende Paradigma der Semantik in der Gegenwart bezeichnet werden. Zu den Grundannahmen zählt das auf Gottlob Frege zurückgehende Kompositionsprinzip, wonach die Bedeutung eines Satzes als Funktion der Einzelbedeutungen seiner Teile aufzufassen ist. Für die Sprachwissenschaft von großer Bedeutung waren die Arbeiten des Logikers Richard Montague (1970, 1973), der als Begründer der formalen Semantik innerhalb der Linguistik gelten kann.