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Boden
1. Einleitung

Boden, im Sinne der Bodenkunde die an der Erdoberfläche oder auch am Grund von Gewässern entstandene, zum Teil mit Luft und Wasser gefüllte und von Lebewesen besiedelte Schicht der obersten Erdkruste.

Diese Schicht entsteht durch die Prozesse der Verwitterung, Ablagerung, Verlagerung und Umwandlung und besteht immer aus toter anorganischer und organischer Substanz, aber auch aus lebenden Organismen. Ein gerade abgelagerter, noch nicht von Lebewesen besiedelter Flugsand ist z. B. demnach kein Boden, sondern ein Sediment. Eine der zahlreichen Definitionen des Begriffes „Boden” nennt als Kriterium, dass ein Boden geeignet sein muss, höheren Pflanzen als Standort zu dienen; eine an der Oberfläche leicht angewitterte, mit Algen und Flechten bewachsene Felswand gilt deshalb ebenfalls nicht als Boden.

Die Besiedlung mit Lebewesen kennzeichnet die Böden als Teile der Biosphäre. In ihnen durchdringen sich die Lithosphäre, die Atmosphäre, die Hydrosphäre und die durch Tätigkeiten des Menschen stark beeinflusste Anthroposphäre. Der gesamte Durchdringungsbereich wird als Pedosphäre (griechisch pedon: Boden) bezeichnet. Im Vergleich mit den anderen Sphären ist die äußere Bodenhülle der Erde extrem dünn, im Allgemeinen misst sie wenige Dezimeter bis Meter, sehr tiefgründig verwitterte Böden sind ausnahmsweise auch einige zehn Meter dick. Bei solch tiefgründigen Böden, die vor allem in den feuchten Tropen verbreitet vorkommen, ist allerdings im Bodenprofil nicht immer eine eindeutige Grenze zwischen dem belebten Boden und dem lediglich physikalisch und chemisch verwitterten Gestein zu ziehen.

Der Boden gliedert sich in der Regel in verschiedene Horizonte. Darunter versteht man mehr oder minder parallel zur Erdoberfläche verlaufende Teilbereiche der Bodendecke. Sie werden in der Bodenkunde mit Buchstaben gekennzeichnet, z. B. als A-Horizont (der mineralische Oberboden), als B-Horizont (der mineralische Unterboden) oder als C-Horizont (das Gestein, das unter dem Boden liegt und aus dem er sich in der Regel entwickelt hat und das den untersten der Bodenhorizonte bildet). Über diese drei am häufigsten vorkommenden Horizonte hinaus unterscheidet man noch eine Reihe anderer Horizonttypen, etwa den G-Horizont, der durch Grundwasser beeinflusst ist. Eine genauere Charakterisierung der Bodenhorizonte erfolgt durch Kleinbuchstaben, die in Art einer Formel den Großbuchstaben hinzugefügt werden, beispielsweise steht das Symbol „Ah” für einen humushaltigen Oberbodenhorizont oder „Cv” für das verwitterte Gestein. Mitunter fasst man die A- und B-Horizonte zum Solum (lateinisch solum: Boden) zusammen. Bodenkrume ist eine andere Bezeichnung für den humushaltigen Oberboden.

2. Bodenbestandteile und Bodenkörper

Jeder Boden besteht aus festen, flüssigen und gasförmigen Bestandteilen. Den größten Anteil nehmen dabei – außer in Mooren – die festen mineralischen Partikel unterschiedlicher Korngröße ein. Auf der Korngrößenverteilung (Textur), die fast alle physikalischen und chemischen Bodeneigenschaften von der Bearbeitbarkeit über die Wasserspeicherung bis zur Erosionsanfälligkeit bestimmt, beruht die Unterscheidung der Bodenarten. Nur selten einmal setzt sich ein Boden aus einer einzigen Korngrößenklasse des Feinbodens (Sand, Schluff, Ton) zusammen; in der Regel liegen Gemische vor, wie die verschiedenen Unterarten des Lehms. Hinzu kommen vielfach gröbere Bestandteile (Steine, Kies, Gerölle), die Bodenskelett genannt werden. Die chemische Zusammensetzung der mineralischen Bodenbestandteile hängt zum einen vom Mineralbestand des Ausgangsgesteins, zum andern von den Vorgängen der Bodenbildung ab. Zu den typischen pedogenen (im Boden entstandenen) Verwitterungsneubildungen zählen vor allem Oxide und die zu den Silicaten gehörenden Tonminerale, von denen einige die Fähigkeit besitzen, Wasser und Nährstoffe anzulagern und ähnlich wie Ionenaustauscher wieder freizusetzen.

Ein Boden im engeren Sinne enthält stets lebende und tote organische Substanz. Diese Stoffe beeinflussen die Ertragsfähigkeit oder Fruchtbarkeit eines Bodens noch stärker als die Tonminerale, etwa um den Faktor 3 bis 5. Im Mittel besteht die organische Substanz eines Mineralbodens zu etwa 85 Prozent aus toter organischer Substanz (Humus), zu zehn Prozent aus Pflanzenwurzeln und zu fünf Prozent aus dem Edaphon, dem Pflanzen- und Tierleben des Bodens (griechisch edaphos: Boden). Die Bodenorganismen haben zwar nur einen vergleichsweise geringen Anteil an der Masse der gesamten organischen Substanz, kommen dafür jedoch unter einem Quadratmeter Bodenoberfläche bis in 30 Zentimeter Tiefe häufig in Millionen- bis Milliardenzahlen vor. Ihre bedeutendsten Leistungen innerhalb des Ökosystems Boden sind die Zersetzung und Umwandlung der abgestorbenen organischen Substanz, die ständige Durchmischung (Bioturbation) und Lockerung des Bodens sowie die Lebendverbauung, die ein wichtiges Merkmal der so genannten Bodengare ist. In Böden mit hoher biologischer Aktivität liegen die mineralischen Bodenbestandteile nicht als einzelne Partikel vor, sondern werden durch schleimförmige Bakterienkolonien, Pilz- und Algenfäden und feine Wurzelhaare zu abgerundeten Krümeln verklebt und verbunden. Das hohlraumreiche, stabile Krümelgefüge, zu dem auch die Regenwürmer entscheidend beitragen, hat im Unterschied zu den hauptsächlich durch physikalische Vorgänge (Frost, Austrocknung) und die Bodenbearbeitung geschaffenen Gefügeformen einen sehr günstigen Einfluss auf den Bodenwasser- und -lufthaushalt sowie das gesamte Bodenklima.

Wasser kommt in Böden im flüssigen, gasförmigen (Wasserdampf) und in Klimazonen mit Frost zeitweise oder dauernd (Dauerfrostboden) im festen Zustand (Bodeneis) vor. Anders als beim Grundwasser werden die Bewegungen des Bodenwassers nicht nur von der Schwerkraft und der Reibung bestimmt. Neben dem Sickerwasser und dem Stauwasser enthält der Boden auch Haftwasser, das an den festen Bodenpartikeln haftet, und Kapillarwasser, das durch Kapillarkräfte entgegen der Schwerkraft aufsteigt. Ein Maßstab für die Wassermengen, die Boden entgegen der Schwerkraft speichern kann, ist die Feld(wasser)kapazität. Sie weist grundsätzlich bei sandigen Böden geringere Werte auf als bei tonigen, deren mittlerer Wassergehalt 40 bis 50 Volumenprozente erreichen kann. Davon ist allerdings nur ein geringer Teil für die Pflanzen verfügbar, weil das Wasser in feinkörnigen Bodenarten zu fest an den Bodenpartikeln haftet und in den winzigen Poren des Bodens gebunden wird.

Die nicht von Wasser eingenommenen Poren sind mit Luft gefüllt. Allgemein gilt, dass die Luftkapazität im Gegensatz zur Wasserkapazität mit abnehmender Korngröße niedriger wird. Die Luftkapazität von Sandböden liegt in der Regel über 30 Prozent, von Tonböden hingegen meist unter 15 Prozent. In feinkörnigen Böden kann es daher zu Sauerstoffmangel und Pflanzenschäden kommen. Ohne den ständigen Austausch mit der Atmosphäre, die Bodenatmung, würde in der Zeit starken Pflanzenwachstums der Sauerstoff der Bodenluft innerhalb von etwa 20 Tagen verbraucht sein. Im langfristigen Durchschnitt weicht jedoch der Sauerstoffgehalt der Bodenluft kaum von dem der Luft der Atmosphäre ab. Der Wasserdampfgehalt und die Konzentration von Kohlendioxid sind dagegen deutlich höher.

3. Bodenanalyse und Bodeneigenschaften

Zur Untersuchung der Böden werden zahlreiche Methoden aus den Bereichen der Physik, Chemie und Biologie angewendet. Der genauen Analyse der Bodenproben im Labor geht meist eine bodenkundliche Untersuchung des Bodens im Gelände mittels einfacher Verfahren voraus. Zur Feldansprache der Bodenart dient z. B. die Fingerprobe. Dabei wird eine durchfeuchtete Bodenprobe mit den Fingerspitzen geknetet und gerieben und auf die Merkmale Formbarkeit, Bindigkeit und Glanz untersucht. Die Bodenfarbe, ebenfalls ein wichtiger Indikator für wichtige Bodeneigenschaften, bestimmt man visuell, in der Regel durch den Vergleich mit den Farbtönen genormter Farbtafeln.

Zur Analyse weiterer physikalisch-chemischer Bodeneigenschaften, etwa der Kationen-Austauschkapazität, der Bodenreaktion, der Pufferung und des Redox-Potentials, sind aufwendigere Methoden erforderlich. Unter Kationen-Austauschkapazität versteht man die Fähigkeit eines Bodens, an elektrisch negativen Ladungsplätzen von Austauschern Kationen austauschbar zu binden. Die Austauschkapazität hängt entscheidend von der Größe der Gesamtoberfläche der Austauscher ab, die von Ionen besetzt werden kann. Besonders die Tonminerale und die Huminstoffe zeichnen sich durch eine enorm große äußere und innere Oberfläche aus; sie beträgt bis zu 800 Quadratmeter je Gramm Substanz. Unter Bodenreaktion ist der Säuregrad eines Bodens (sauer, neutral, alkalisch) zu verstehen. Er wird durch den pH-Wert der Bodenlösung wiedergegeben. Die Bodenreaktion hat Auswirkungen auf nahezu alle Prozesse, die im Boden ablaufen (u. a. chemische Verwitterung, Neubildung von Mineralen, Humifizierung), und entscheidet darüber hinaus, ob sich ein Boden als Standort für bestimmte Nutzpflanzen eignet (siehe Bodenversauerung). Das Puffervermögen eines Bodens bezeichnet seine Fähigkeit, plötzliche und starke Änderungen der Bodenreaktion aufzufangen, d. h., den pH-Wert weitgehend konstant zu halten. Viele Pflanzen reagieren empfindlich auf solche Änderungen. Die wichtigste Rolle im Puffersystem des Bodens spielen wiederum die anorganischen und organischen Austauscher sowie die Basen.

Das Redox-Potential bezeichnet das Verhältnis von Oxidation zu Reduktion und umfasst die Oxidations- und Reduktionsvorgänge im Boden (siehe Redoxsysteme). Die Redoxeigenschaften beeinflussen u. a. den Abbau der organischen Substanz und die Verfügbarkeit der Pflanzennährstoffe.

4. Bodenbildung und Bodenentwicklung

In der Pedosphäre durchdringen und überlagern sich alle Sphären der Erde. Die Bodenbildung (und -zerstörung) wird daher von den verschiedensten Faktoren beeinflusst: Ausgangsgestein, Relief, Klima, Wasser, Pflanzen, Tiere und Menschen. Sie wirken stets zusammen, müssen aber nicht immer die gleiche Bedeutung haben. In einer Region mit kalt-trockenem Klima überwiegt z. B. die physikalische Verwitterung, was die Gesteinsunterschiede stärker hervortreten lässt, während umgekehrt ein warm-feuchtes Klima durch intensive chemische Umwandlung den Einfluss des Ausgangsgesteins und seines primären Mineralbestands eher zurückdrängt.

Die Vorgänge der Bodenbildung umfassen drei große Gruppen: Abbauprozesse, Aufbauprozesse und Verlagerungsprozesse. Zu den Abbauprozessen des Ausgangsgesteins und der mineralischen Bodenbestandteile gehören die unterschiedlichen Verwitterungsvorgänge. Sie müssen nicht zwangsläufig zu Böden im engeren Sinne führen, sondern können lediglich auch ein verwittertes Gestein hinterlassen. Der Abbau der organischen Bodenbestandteile endet ebenfalls nicht immer mit der vollständigen Zersetzung (Mineralisierung) der organischen Stoffe in Kohlendioxid, Wasser und Mineralstoffe. Meist bleiben organische Zwischen- und Endprodukte zurück.

Gleichzeitig mit oder nach dem Abbau werden im Boden Stoffe gebildet, die vorher nicht vorhanden waren, etwa bei der Neubildung von Tonmineralen und Oxiden oder bei der Humifizierung (siehe Humus). Zu den Aufbauprozessen gehören darüber hinaus Vorgänge, die ein regellos angeordnetes Gemisch einzelner Bodenpartikel in Aggregate, in einen Boden mit Aufbaugefüge, verwandeln.

Die Verlagerung kann sowohl einzelne Bodenbestandteile als auch die Bodenhorizonte oder sogar den Boden als Ganzes betreffen, wie bei der Solifluktion, dem Bodenfließen. Bodenwühlende Lebewesen durchmischen das Bodenmaterial (Bioturbation), ebenso der Frost (Kryoturbation) oder der Landwirt beim Pflügen (Kultoturbation). Zu den häufigsten Verlagerungsvorgängen, die neue charakteristische Bodenhorizonte schaffen, zählen die Verlagerung der Stoffe in gelöster Form, die Lösungswanderung in vertikaler und/oder horizontaler Richtung sowie die mechanische Verschlämmung toniger und teilweise auch humoser Substanzen mit dem Sickerwasser aus dem Oberboden in den Unterboden.

Meist wirken mehrere Prozesse gleichzeitig bei der Bildung des Bodens zusammen. Jeder Phase der Bodenbildung entspricht eine bestimmte Kombination von Prozessen. Diese Bündel von Bodenbildungsvorgängen werden häufig unter einem Namen zusammengefasst, etwa als Bodenversalzung (siehe Bodenverschlechterung) oder Vergleyung, die über die Phasen Lösung, Fortführung und Ausfällung der gelösten Stoffe unter dem Einfluss des Grundwassers zu einem Gley (Grundwasserboden) führt.

Alle Vorgänge der Bodenbildung sind zeitabhängig. Ähnlich wie bei der Sukzession der Pflanzengemeinschaften schreitet die Entwicklung von Pionierstadien bis zum Klimaxstadium fort. Ein Beispiel ist die Entwicklung der Böden auf den Dünen an der Nordseeküste, wo – nach der Bodenfärbung benannt – die Weißdünen als jüngste Stadien, die Graudünen als mittlere und die Braundünen mit sehr langer Bodenentwicklung (Jahrhunderte bis Jahrtausende) unterschieden werden. Allgemein dauert die Bodenbildung sehr lange; es können 200 bis 300 Jahre vergehen, bis sich ein neuer Zentimeter Boden gebildet hat.

Der Begriff „Klimax” beinhaltet die Vorstellung, dass das Endstadium den heutigen Klimaverhältnissen entspricht. Es kommt jedoch häufig vor, dass die Böden in einem bestimmten Gebiet unter einem anderen als dem heutigen Klima gebildet wurden, z. B. die im Vogelsberg noch weit verbreiteten Laterite unter einem feucht-tropischen oder -subtropischen Klima. In diesem Fall spricht man von Paläoböden (griechisch palaios: alt). Derartige mitunter mehrere Millionen Jahre alte Böden liegen zum Teil als reliktische Böden an der heutigen Erdoberfläche, viele sind aber auch fossil, d. h. unter jüngeren Sedimenten begraben. Sie liefern wertvolle Hinweise zur Klima- und Landschaftsgeschichte.

5. Bodentypen und Bodensystematik

Selbst in einem relativ kleinen Ausschnitt der Erdoberfläche, etwa auf einem Hektar, kommt oftmals eine Vielfalt von Böden vor, die von der Bodenkunde benannt und ähnlich wie die Forschungsobjekte der Biologie in ein bestimmtes System (siehe Systematik) eingeordnet werden müssen. Die in Deutschland übliche Bodensystematik verwendet ein genetisches, d. h. auf den Faktoren und Prozessen der Bodenbildung beruhendes System. Sie fasst dabei die Böden zu Gruppen zusammen, die alle etwa den gleichen Entwicklungszustand und damit die gleiche charakteristische Horizontfolge bzw. das gleiche Bodenprofil haben. Diese Bodentypen werden höheren Kategorien wie Abteilungen und Klassen zugeordnet und in niedrigere Kategorien wie Subtyp, Varietät weiter aufgegliedert.

Am umfangreichsten ist die Abteilung der terrestrischen Böden (Landböden). Sie umfasst die Böden, die ohne Grundwassereinfluss entstanden sind. Zwei Klassen sind in Mitteleuropa häufiger vertreten: die Ah/C-Böden, die wie der Ranker oder die Rendzina einen voll entwickelten Ah-Horizont besitzen, der dem C-Horizont unmittelbar aufliegt, sowie die Ah/B/C-Böden (z. B. die Braunerde oder der Podsol), die sich dagegen durch ein (mindestens) dreigliedriges Bodenprofil auszeichnen.

Die semiterrestrischen Böden stellen Übergangsformen zwischen den Landböden und den allseits von Wasser durchdrungenen Böden dar. Sie entwickeln sich an Standorten mit hohem Grundwasserspiegel und/oder mit zeitweiliger Überflutung bzw. Überstauung. Dazu gehören z. B. Auenböden, die eigentlichen Grundwasserböden und die an der Nordseeküste weit verbreiteten Marschen. Semisubhydrische und subhydrische Böden stehen ständig unter dem Einfluss der Meeresgezeiten wie die Wattböden oder bilden sich am Grund von Binnengewässern wie die Gyttja (Grauschlamm), der Dy (Braunschlamm) oder der Sapropel (Faulschlamm).

Moore sind Böden aus Torf; als Periglazialböden werden Böden bezeichnet, die sich im Periglazialraum (mit oder ohne Permafrost) hauptsächlich unter dem Einfluss der Frostverwitterung, der Solifluktion und der Kryoturbation entwickeln. Dabei handelt es sich in Mitteleuropa fast ausnahmslos um Paläoböden, um Relikte der jüngsten Eiszeit. Die Abteilung der anthropogenen Böden (Kultosole) vereinigt schließlich vor allem jene Böden, die durch landwirtschaftliche, forstwirtschaftliche und gartenbauliche Maßnahmen so stark umgestaltet worden sind, dass das ursprüngliche Bodenprofil weitgehend zerstört wurde. Dazu zählen u. a. die Rigosole (Weinbergsböden) oder die Hortisole (Gartenböden), deren Horizontfolge sich durch eine über Jahrhunderte hinweg intensive Bodenbearbeitung und Zufuhr von Fremdmaterial vollkommen vom Profil des für den jeweiligen Standort charakteristischen natürlichen Bodentyps unterscheidet.

Die in Deutschland gebräuchliche Bodensystematik hat den Nachteil, dass sie eng auf die Verhältnisse in Mitteleuropa zugeschnitten ist. Für den weltweiten Gebrauch hat die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) eine internationale Systematik vorgelegt, die vorwiegend auf rein beschreibenden Merkmalen der Bodenhorizonte, weniger auf den Vorgängen der Bodenbildung beruht.

6. Bodengeographie

Im Gegensatz zu den innerhalb der Biosphäre als Individuen klar abgrenzbaren Pflanzen und Tieren besteht die Pedosphäre aus Bodeneinheiten, die meist gleitend ineinander übergehen. Sofern das Relief und die Vegetation keine Anhaltspunkte liefern, werden deshalb bei der Bodenkartierung die Grenzen zwischen den Arealen der verschiedenen Bodentypen in der Regel durch Interpolation zwischen den verschiedenen Bohrpunkten ermittelt. Die kleinste Bodeneinheit von meist weniger als einem Quadratmeter Größe und einer einheitlichen Bodenform nennt man Pedon. Unmittelbar benachbarte Pedons mit ähnlicher Bodenform schließen sich zu Pedotopen (siehe Biotope) zusammen. Diese bilden wiederum eine Pedochore (Bodengesellschaft), ein regionales Mosaik verschieden gestalteter Böden. Das Pedobiom als größte Einheit bezeichnet einen Ausschnitt der Erdoberfläche, in dem die Wirkung der dort verbreiteten Böden den Einfluss aller anderen ökologischen Faktoren, insbesondere des Makroklimas, übertreffen.

In Gebieten mittlerer Größe und ohne schroffe Klimagegensätze decken sich die Areale der Bodengesellschaften weitgehend mit den Verbreitungsgebieten bestimmter Gesteinsarten. Das Gebiet der in Norddeutschland von Flüssen, eiszeitlichen Gletscherbächen und dem Wind abgelagerten Sandsedimente ist z. B. ein typisches Podsol-Gebiet, während in den Lößgebieten die Parabraunerden bis Schwarzerden vorherrschen. Kleinräumig ordnen sich die Bodeneinheiten vielfach in Abhängigkeit vom Relief in Form einer Catena (lateinisch catena: Kette) an; beiderseits eines Flusses folgen im Bereich der Talsohle oftmals Auenböden, Grundwasserböden und Moore aufeinander, während an den unteren Talhängen Parabraunerden und Braunerden verbreitet sind.

Die großen Bodenzonen der Erde entsprechen – mit Abweichungen – den Klima- und Vegetationszonen. Sie werden nach in ihnen verbreiteten Leitböden benannt. Die Zone der Borealen Nadelwälder ist zugleich die Zone der Podsole und Moore, Braunerden sind die zonalen Bodentypen der Zone der Sommergrünen Laubwälder, Roterden dagegen die der feuchten und wechselfeuchten Tropen.

7. Aspekte der Bodennutzung

Die Bodenkunde ist seit jeher eine Wissenschaft, die sich eingehend mit der Praxis der Bodennutzung befasst, vor allem im Zusammenhang mit der Nahrungsmittelerzeugung, aber auch mit anderen für die Volkswirtschaft und die Umwelt wichtigen Bereichen wie der Gewinnung von Forstprodukten (siehe Forstwirtschaft), der Grundwasserneubildung, dem Naturschutz und der Landespflege. Die Rolle des Bodens als Baugrund fällt dagegen eher in den Aufgabenbereich der Ingenieurgeologie.

Für die sinnvolle Bodennutzungsplanung und gerechtere Besteuerung der landwirtschaftlichen Betriebe ist die Bodenbewertung oder Bodenschätzung eine unentbehrliche Grundlage. In Deutschland wurden daher z. B. die Ackerböden in einem Ackerschätzungsrahmen nach Bodenarten, Zustandsstufen und Entstehungsarten in Klassen eingeteilt und erhalten jeweils eine so genannte Ackerzahl, die über die natürliche Ertragsfähigkeit Auskunft gibt. Die in dieser Hinsicht besten Böden (lehmige Bodenarten aus Löß) erreichen die maximal mögliche Ackerzahl von 100, die schlechtesten (Sandböden in sehr schlechtem Zustand) hingegen nur Werte um 10.

Sandige Bodenarten besitzen von Natur aus eine niedrige Feldkapazität und meist nur geringe Nährstoffvorräte. Früher konnten sie daher oft nur extensiv genutzt werden. Es kam rasch zur Bodenerschöpfung oder Bodenmüdigkeit. Beregnung und Zufuhr von organischen und mineralischen Düngern sind Mittel, die Ertragsfähigkeit von Sandböden zu steigern. Heute werden die „leichten” sandigen Bodenarten wegen ihrer leichteren Bearbeitbarkeit vielfach den „schweren” lehmigen und tonigen Bodenarten vorgezogen. Gerade bei Sandböden ist jedoch eine starke Düngung problematisch, da sie wegen ihrer niedrigen Feldkapazität hohe Düngermengen gar nicht in Pflanzensubstanz umsetzen können. Ein großer Anteil der Düngemittel wird ausgewaschen und führt zur Nitratbelastung des Grundwassers und zur Eutrophierung der Oberflächengewässer.

Die Überdüngung ist nur einer von vielen Faktoren, die den Boden und darüber hinaus andere Bereiche der Umwelt belasten und zerstören, wie Immissionen von Schadstoffen, die Bodenerosion oder der Einsatz schwerer Landmaschinen, der zu Bodenverdichtungen mit nachteiligen Folgen für den Wasser-, Luft-, Wärme- und Nährstoffhaushalt der Böden führen kann.

Der Zustand der Böden ist weltweit besorgniserregend. Allein durch Wasser- und Winderosion gehen jährlich mindestens 75 Milliarden Tonnen an Boden verloren, auf einem Hektar bis zu 40 Tonnen, während die Neubildungsraten lediglich etwa ein bis zwei Tonnen pro Hektar und Jahr betragen.

Bodenschutz als zentrale Aufgabe des Umweltschutzes wird daher in zahlreichen Rechtsvorschriften und Konzeptionen gefordert, etwa in der Europäischen Bodencharta von 1972 und dem deutschen Gesetz zum Schutz des Bodens von 1998. Alle bezeichnen den Boden als ein nur begrenzt vorhandenes und leicht zerstörbares Gut, das erhalten werden muss. Um dieses Ziel zu erreichen, können mehrere Maßnahmenpakete eingesetzt werden, vom Flächenschutz in den betroffenen Gebieten über die Verringerung von Schadstoffemissionen an den Quellen bis zur Meloriation, Sanierung und Renaturierung stark geschädigter Böden.