Lebensmittelversorgung
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Lebensmittelversorgung
4. Umgang mit dem Problem

Die Herausforderung besteht zum einen darin, Angebot und Nachfrage von Nahrungsmitteln in Einklang zu bringen, und zum anderen darin, den fairen Umgang der Länder untereinander zu fördern, die Armut zu reduzieren und ausreichende Mengen an Nahrung für alle Menschen zu sichern. Weltweit wird im Grunde genügend produziert, um eine ausreichende Versorgung mit Kalorien zu gewährleisten, doch ist die Verteilung ungleich und ungerecht. Könnte die Verteilung gerecht vorgenommen werden, wäre eine um das Bevölkerungswachstum gesteigerte Nahrungsmittelproduktion die Lösung des Problems. Gleichzeitig ist es notwendig, besonders in den Entwicklungsländern, die Geburtenraten zu senken. Dies ist ein schwieriges Ziel, das soziale, ethische, medizinische, ökonomische und politische Voraussetzungen erfordert.

Vordringlich ist es jedoch, die Einstellung der Menschen zu ihrer Umwelt zu ändern. Ausbeutung muss der Erkenntnis weichen, dass die Kapazitäten der Erde begrenzt sind und dass Verfahrensweisen notwendig sind, die diese Kapazitäten bewahren oder sogar erhöhen.

Im Allgemeinen können nur 10 Prozent der verfügbaren Energie von einem Glied der Nahrungskette zum nächsten transferiert werden. Daher ist es für den Menschen, energetisch betrachtet, wesentlich effizienter, sich von Pflanzen zu ernähren als von Pflanzenfressern, die sich ihrerseits bereits von Pflanzen ernährt haben. Obwohl vielfach Pflanzen und pflanzliche Produkte eine wesentliche Rolle in der Ernährung spielen, besteht in den Industrienationen ein hoher Pro-Kopf-Verbrauch an tierischen Produkten. Ein Großteil dieser Produkte wurde weitgehend durch die Fütterung der Tiere mit Körnerfrüchten hergestellt. Wenn sich mehr Menschen pflanzlich ernährten und so auf einer niedrigeren Ebene in die Nahrungskette einstiegen, könnte die deutliche Verringerung der Fütterung zu einer effektiveren Energieumwandlung und somit zu einer produktiveren Ausnutzung der Anbaufläche führen.

Tiere spielen trotzdem eine wesentliche Rolle in der menschlichen Ernährung und sind für eine langfristige Sicherung der Nahrungsversorgung notwendig. Große Landflächen bestehen aus Weideland, das als Ackerland nicht geeignet wäre. Zu effektivem Ackerbau gehören Bodenschutz und Fruchtwechsel, bei dem der Anbau von Tierfutter mit dem Anbau von Feldfrüchten zur menschlichen Ernährung abwechselt. Weidegras, Grünfutter und Abfallprodukte u. a. aus der Getreideproduktion sollten auch weiterhin von Tieren in menschliche Nahrung umgesetzt werden. So enthalten Fleisch, Eier und Milch essentielle Aminosäuren und bestimmte Vitamine, die nur in geringen Mengen oder gar nicht in Pflanzen enthalten sind.

Die größten Steigerungen der Nahrungsmittelproduktion wurden durch wissenschaftliche und technologische Fortschritte ermöglicht. Dazu gehören insbesondere verbesserte Kenntnisse über die ernährungsphysiologische Qualität von Nahrung, über Tier- und Pflanzengenetik, Krankheits- und Schädlingsbekämpfung sowie Veränderungen der Umwelt. Erfolge wurden vorwiegend in den Industrienationen erzielt, doch auch in einigen anderen Ländern sind Verbesserungen hinsichtlich der Nahrungsversorgung zu verzeichnen. So wurde Thailand 2001 auf der Welternährungskonferenz der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) als positives Beispiel hervorgehoben: Der Anteil unterernährter Kinder unter fünf Jahren konnte dort aufgrund staatlicher Maßnahmen seit 1982 von 50 Prozent auf 10 Prozent gesenkt werden. Das 1996 gefasste Ziel der internationalen Staatengemeinschaft, die Zahl der weltweit Hungernden bis 2015 zu halbieren, wird sich nach einer Einschätzung der FAO von 2003 kaum realisieren lassen: Die Zahl der Hungernden habe in den letzten fünf Jahren des 20. Jahrhunderts um 18 Millionen auf 842 Millionen zugenommen.

Bereits 2001 hatte die Welternährungskonferenz der FAO festgestellt, das ursprüngliche Ziel ließe sich nur verwirklichen, wenn die landwirtschaftliche Produktion in den Entwicklungsländern deutlich gesteigert werden könne. Kritisiert wurde von Experten, dass die Weltbank zu wenig in die ländliche Entwicklung investiere, zudem stellten die Entwicklungsländer einen zu geringen Teil ihrer Staatsausgaben für den landwirtschaftlichen Sektor zur Verfügung. So bräuchte es nach einer Einschätzung der Vereinten Nationen in Afrika keinen Hunger zu geben, da allein das fruchtbare Kongobecken ausreichte, um den gesamten Kontinent mit Lebensmitteln zu versorgen; es gebe jedoch kaum einen afrikanischen Staat, der die Landwirtschaft fördere. Neben mangelndem politischen Willen in den Entwicklungsländern werde die Situation durch Agrarsubventionen in den Industriestaaten verschärft: Die zu Dumpingpreisen auf dem Weltmarkt angebotenen Überschussprodukte zerstörten die Existenz von Kleinbauern. Von besonderer Bedeutung ist es nach Ansicht der Welternährungskonferenz darüber hinaus, Böden besser vor Erosion und Versalzung zu schützen und der Wüstenbildung entgegenzuwirken.