| Byzantinische Kunst und Architektur | Artikelansicht | ||||
| Klicken Sie im Menü Datei auf Drucken, um die Informationen zu drucken. | |||||
| 2. | Frühbyzantinische Kunst |
Diese Epoche in der Übergangsphase von der frühchristlichen Kunst ist in der Zeit um 500 durch die Herausbildung eines eigenen Stiles gekennzeichnet, als die Porträts byzantinischer Konsuln auf den Elfenbeindiptychen den anonym-typisierten Charakter der Ikone anzunehmen begannen. Das goldene Zeitalter der frühbyzantinischen Kunst und Architektur fällt in die Regierungszeit Kaiser Justinians I. (527-565), eines bedeutenden Bauherrn und Förderers der Künste.
| 1. | Mosaiken |
Die Entwicklung der byzantinischen Kunst im Zeitalter Justinians spiegelt sich in der stilistischen Vielfalt des Mosaiks. Sie reicht von der strengen Pracht der Verklärung Christi (um 540) in der Apsis der Katharinenkirche auf dem Berg Sinai in Ägypten bis zur Prozession der Märtyrer in der Kirche Sant’ Apollinare Nuovo in Ravenna, einem Mosaik, das an die endlosen rhythmischen Abfolgen spazierender Figuren erinnert, wie sie in der griechischen Antike üblich waren.
Die umfangreichste und schönste Mosaikenreihe des justinianischen Zeitalters wurde 547 fertig gestellt und befindet sich in San Vitale in Ravenna. Die Szenen aus dem Alten Testament im Chorraum stehen für eine Erzähltradition, bei der sich das Geschehen im Rahmen malerischer Fels- und Blumendarstellungen abspielt und der Hintergrund aus rosafarbenen Wolken an die illusionistischen Landschaften der Wandmalereien in Pompeji erinnert. Auf dem Apsismosaik sieht sich Kaiser Justinian I., der als Stellvertreter Christi auf Erden verehrt wurde, Mitgliedern seines Hofes und Kaiserin Theodora gegenüber, die von ihren Hofdamen umringt ist. Beide Herrscher sind in einen Purpurmantel gehüllt, tragen ein Diadem und erscheinen wie Ikonen in Frontalansicht.
Das antike Erbe der byzantinischen Kunst zeigt sich am bartlosen Christus, der wie ein Apoll in der goldenen Halbkuppel der Apsis auf dem Himmelsglobus thront. In allen wichtigen Phasen der byzantinischen Kunst stößt man auf die erzählende, ikonische und von der Antike beeinflusste Art der Darstellung.
| 2. | Baukunst |
Der sakrale Baustil der frühbyzantinischen Zeit war ebenso vielfältig wie die Mosaikkunst und von heidnisch-antiken und frühchristlichen Traditionen beeinflusst. Es lassen sich zwei Arten des Kirchenbaus unterscheiden: Die antike Basilika, bei der das Mittelschiff mit Holzdecke von Säulengängen flankiert wird, die in eine halbrunde Apsis münden, und der überkuppelte Zentralbau, der damals dominierend war.
Die Hagia Sophia in Konstantinopel stellt eine Verbindung von Langhaus und Kuppelrundbau dar. Sie wurde in nur fünf Jahren für Justinian I. von Anthemios von Tralles und Isidor von Milet errichtet und 537 geweiht. Ihr klares, schmuckloses Äußeres steht im starken Gegensatz zur üppigen Ausgestaltung der Innenräume. Die 56 Meter hohe Zentralkuppel scheint über einem Ring aus Licht zu schweben, das durch Fensterreihen am Fuß der Kuppel einfallen kann. Vier Kugeldreiecke, die so genannten Kuppelzwickel, stützen die Ränder der Hauptkuppel. Dieser Übergang zwischen Kuppel und ihrer quadratischen Basis durch die Verwendung der Kuppelzwickel war ein wichtiger Beitrag der byzantinischen Baukunst zur Entwicklung der Architektur.
| 3. | Die Zeit des Ikonoklasmus |
Heiligendarstellungen bildeten einen integralen Bestandteil des religiösen Kultes der Ostkirche. Hinsichtlich der Frage ihrer Verehrung (im Gegensatz zur Anbetung, die nur Gott allein zukommt) entzündete sich der so genannte Bilderstreit. Im Zuge der Auseinandersetzungen kam es zur Vernichtung von Bildern (siehe Ikonoklasmus) im Jahr 726, als Kaiser Leo III. nicht nur im gesamten Reich die Zerstörung von Ikonen verfügte, sondern jede Wiedergabe der menschlichen Gestalt verbot.
Doch blühten in dieser Zeit andere Gattungen der bildenden Kunst, wie sich an den Schöpfungen der byzantinischen Mosaikkünstler ablesen lässt, die im Felsendom (685-705) von Jerusalem prachtvolle Laubverzierungen und in der Großen Moschee (706-715) von Damaskus wundervolle Landschaften mit federartigen Bäumen schufen. Aus der Zeit des Bilderstreites stammen die ältesten byzantinischen Seidenstoffe, deren Motive zum Teil auf persische Vorbilder zurückgehen. In den westlichen Kirchen dienten diese aus Byzanz importierten Kunstwerke als Wandbehänge und als Leichentücher für fürstliche Bestattungen.