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| 1. | Einleitung |
Jesaja, das längste prophetische Buch des Alten Testaments. Jesaja, der als Autor des Buches gilt, wurde um 760 v. Chr. als Sohn des Amos in einer aristokratischen Familie Jerusalems geboren. Seine Prophezeiungen fallen in die Regierungszeit der judaischen Könige Achas und dessen Sohnes und Nachfolgers Hiskia. Der Überlieferung nach erlitt er den Märtyrertod 701 oder 690 v. Chr. Obwohl eigentlich das gesamte Buch Jesaja zugeschrieben wurde, gehen die meisten heutigen Gelehrten davon aus, dass es sich dabei um Schriften verschiedenen Ursprungs handelt und dass sich das Werk in seiner heutigen Form bis etwa 180 v. Chr. weiterentwickelte.
Die Kommentatoren unterscheiden bei dem Buch Jesaja häufig zwischen zwei Teilen, die sowohl von ihrem zeitlichen Ursprung wie auch von den theologischen Anschauungen und literarischen Stilen her unterschiedlich geprägt sind. Die ersten 39 Kapitel stammen überwiegend aus der Zeit des historischen Jesaja, d. h. etwa aus der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts v. Chr. Der Großteil dieses Abschnitts wird somit der historischen Person des Propheten zugeschrieben und wird Erster Jesaja genannt. Beim zweiten Teil, den Kapiteln 40 bis 66, wurden verschiedene Zuordnungen vorgenommen, und man unterscheidet häufig zwischen einem Zweiten und Dritten Jesaja.
| 2. | Erster Jesaja |
Die theologischen Hauptideen sind in den ersten zwölf Kapiteln zusammengefasst. Verhandlungen mit anderen Nationen gelten als fruchtlos, da Gottes Arm über alle geschichtlichen Ereignisse regiert und bloß diejenigen errettet, die ausschließlich ihm vertrauen. Und letztendlich wird das Volk Israels für seine Sünden bestraft werden, wobei ein Teil jedoch gerettet und in einem vollkommenen Zeitalter unter der Herrschaft eines rechtmäßigen Nachfolgers Isais leben wird.
Die Kapitel 13 bis 23 sprechen sich in erster Linie gegen fremde Nationen und Feinde der Königreiche Israel und Juda aus, wobei sich die meisten auf die Zeit des historischen Jesaja beziehen, jedoch nicht notwendigerweise aus jener Zeit stammen.
Der Stoff aus den Kapiteln 24 bis 27 kehrt in den späteren apokalyptischen Schriften wieder, einer literarischen Gattung, die sich mit endzeitlichen Themen auseinandersetzt. In der Bibelwissenschaft wird dieser Unterabschnitt häufig als Jesajas Apokalypse bezeichnet.
Die Kapitel 28 bis 33 werden hauptsächlich auf die späteren Prophetenjahre Jesajas datiert. Im Mittelpunkt steht das Bestreben des judaischen Reiches, durch eine Allianz mit Ägypten Unterstützung im Kampf gegen die Assyrer zu finden. Der Prophet warnt jedoch vor derartigen Bemühungen, die notwendigerweise fehlschlagen würden, da das Volk das Vertrauen in die Suche nach Gott und auf eine göttliche Errettung verloren habe. Diese Kapitel umfassen auch Verurteilungen der Samariter (siehe Samaria) und Assyrer sowie einige trostspendende Abschnitte. Letztere versprechen zukünftiges Glück in einem wiedergewonnenen Land unter der Herrschaft eines gerechten und friedliebenden Königs.
| 3. | Der spätere Jesaja |
Der zweite Hauptteil des Buches Jesaja, der die Kapitel 40 bis 66 umfasst, kann in zwei Abschnitte unterteilt werden. Der erste, die Kapitel 40 bis 55, wird heute einem anonymen Verfasser zugeschrieben, der über die Zeit der Niederlage Babylons 539 v. Chr. berichtet. Er wird allgemein Deutero-Jesaja oder Zweiter Jesaja genannt, während der Autor (oder die Autoren) des zweiten Unterabschnitts, der Kapitel 56 bis 66, als Trito-Jesaja bzw. Dritter Jesaja bezeichnet wird. Bei diesem Teil handelt es sich um einzelne in der Zeit nach dem Exil entstandene Prophezeiungen.