Insekten
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Insekten
1. Einleitung

Insekten, Klasse des Stammes der Gliederfüßer.

Insekten sind die am höchsten entwickelte Klasse der Wirbellosen, wenn man von einigen Weichtieren absieht. Ihr gut gegen Austrocknung und andere äußere Einflüsse geschützter Körper, das relativ hoch entwickelte Nervensystem und die Flugfähigkeit der meisten Arten haben sie in die Lage versetzt, fast alle Lebensräume der Erde zu besiedeln; es gibt sogar einige meeresbewohnende Vertreter. Die Klasse ist weltweit verbreitet, ihre größte Individuenzahl und Mannigfaltigkeit erreicht sie in den Tropen, wo Insekten nahezu allgegenwärtig sind.

Etwa eine Million rezente (heute lebende) Arten wurden bisher beschrieben, womit Insekten rund 85 Prozent aller Tierarten ausmachen. Nach Ansicht von Insektenkundlern (Entomologen) ist ein Vielfaches der Zahl bereits bekannter Insekten noch unentdeckt bzw. unbenannt, da vor allem die wenig untersuchten Kronendächer tropischer Regenwälder vermutlich eine enorme Artenvielfalt beherbergen. Die ältesten fossilen Insekten fand man in Gesteinen aus dem Devon, die rund 400 Millionen Jahre alt sind; diese Tiere waren flügellos und ähnelten Hundertfüßern, mit denen die Klasse auch am engsten verwandt ist. Im Karbon fanden sich bereits Insekten, die im Körperbau den heutigen Schaben glichen.

Insekten zeigen erhebliche Größenunterschiede: Winzige parasitische Fliegen, Wespen und Käfer sowie einige Vertreter der Ordnung Springschwänze (die allerdings möglicherweise eine eigenständige Gliederfüßergruppe repräsentieren) werden nur etwa einen Viertel Millimeter lang; das kleinste bekannte Insekt ist die lediglich 0,14 Millimeter große Wespe Dicopomorpha echmepterygis, die in Costa Rica vorkommt. Fossile, mit den heutigen Libellen verwandte Arten wiesen dagegen Flügelspannweiten von mehr als 70 Zentimetern auf; ihr Körper war 45 Zentimeter lang. Die größten heute lebenden Insekten sind südostasiatische Gespenstschrecken mit einer Körperlänge von ungefähr 30 Zentimetern (inklusive der Beine sind sie fast doppelt so lang) und einige Nachtfalter mit Flügelspannweiten bis 40 Zentimeter. Als schwerste Insekten gelten die Weibchen der seltenen neuseeländischen Riesenheuschrecke Deinacrida heteracantha, die über 70 Gramm erreichen können, sowie einige tropische Käferarten aus der Familie der Blatthornkäfer.

Im Allgemeinen sind Insekten ganz spezifisch an ihre Umwelt angepasst. Viele Arten hängen von einer einzigen Pflanzenart ab; sie ernähren sich dabei oft ausschließlich von einem bestimmten Teil der Pflanze, etwa den Blättern, dem Stängel, den Blüten oder den Wurzeln. Häufig ist die Beziehung zwischen Insekt und Pflanze auch für Wachstum und Vermehrung der Pflanze notwendig, etwa wenn diese auf eine Bestäubung durch Insekten angewiesen sind (was für einen großen Teil der höheren Pflanzen zutrifft); es handelt sich dabei um Koevolution. Blattschneiderameisen leben in einer Symbiose mit Pilzen, die sie regelrecht kultivieren. Eine Reihe von Insektenarten ernährt sich von faulendem Pflanzenmaterial, andere von Dung oder Aas; sie alle tragen zur Zersetzung toter organischer Stoffe maßgeblich bei (siehe Fäulnis und Verwesung). Auch als Schädlinge an Kulturpflanzen spielen viele Insekten eine große Rolle.

Viele Arten leben räuberisch oder als Parasiten, oft im Körper von anderen Insekten. Manche Insekten parasitieren auf anderen parasitischen Insekten, ein Phänomen, das man als Sekundär- oder Hyperparasitismus bezeichnet; in vereinzelten Fällen leben sie sogar parasitisch auf Sekundärparasiten. Auch für Mensch und Tier sind zahlreiche Insekten als Parasiten und Krankheitsüberträger von Bedeutung. Einige wenige Insektenarten sind zwar nicht streng parasitisch, leben aber auf Kosten anderer Insekten, mit denen sie eng verbunden sind. Ein Beispiel für eine derartige Beziehung ist die Wachsmotte; sie lebt in Bienenstöcken und ernährt sich von den Waben der Bienen. Bisweilen ist die Beziehung zwischen zwei Arten auch symbiotisch: So versorgen Ameisenvölker bestimmte mit ihnen zusammenlebende Käfer mit Nahrung und erhalten als Gegenleistung von den Käfern abgesonderte Flüssigkeiten; auch mit Blattläusen pflegen manche Ameisen eine derartige Beziehung.