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| 7. | Geschichte |
In Mexiko entstand eine der ältesten und am höchsten entwickelten Kulturen der westlichen Hemisphäre. Einige Funde sprechen dafür, dass ein Volk von Jägern das Land schon 21 000 Jahre v. Chr. besiedelt hatte. Die Olmeken bauten die erste große mesoamerikanische Zivilisation auf, die zwischen 1200 und 400 v. Chr. ihre Blütezeit erlebte. Die Kultur der Maya erreichte nach archäologischen Erkenntnissen ungefähr im 6. Jahrhundert n. Chr. den höchsten Entwicklungsstand. Eine andere Gruppe, die kriegerischen Tolteken, wanderte vom Norden her ein und errichtete im 10. Jahrhundert ein Reich im Tal von Mexiko. Die Tolteken gründeten die Städte Tulum und Tulancingo (nördlich des heutigen Mexiko-Stadt) und entwickelten eine hoch stehende Zivilisation, von der heute noch die Ruinen großartiger Bauten und Denkmäler zeugen.
| 1. | Das Reich der Azteken |
Im 11. Jahrhundert wurden die Tolteken von den Chichimeken, die die toltekische Zivilisation übernahmen, besiegt und vertrieben. Ein Jahrhundert später drangen sieben miteinander verbündete Nahuastämme vom Norden her in das Tal ein. Sie kamen wahrscheinlich aus der Gegend des heutigen New Mexico und Arizona. 1325 gründeten die Azteken, nach dem führenden Stamm auch Mexica genannt, in dem von Sümpfen umgebenen Gebiet in Texcoco, in einem der Talseen eine Siedlung mit dem Namen Tenochtitlán. Als die Siedlung größer wurde, sicherte man sie durch den Bau von Dämmen, die das Wasser der umliegenden Sümpfe aufstauten und die Stadt zu einer uneinnehmbaren Inselfestung machten. Unter Itzcoatl, ihrem ersten Kaiser, dehnten die Azteken ihr Einflussgebiet auf das gesamte Tal von Mexiko aus und wurden damit im 15. Jahrhundert zur vorherrschenden Macht im zentralen und südlichen Mexiko. Ihre Kultur, die auf der der Tolteken und Chichimeken gründete, war hoch entwickelt. Die Wirtschaft dieser Kultur war von der Landwirtschaft abhängig, vor allem vom Maisanbau. Als sich ihr Reichtum und ihre Macht vergrößerten, bauten die Azteken riesige Städte und entwickelten ein kompliziertes soziales, politisches und religiöses Gesellschaftssystem.
Der erste europäische Entdecker, der auf das Gebiet von Mexiko vordrang, war Francisco Fernández de Córdoba. 1517 entdeckte er Spuren der Maya in Yucatán. Ein Jahr später leitete Juan de Grijalva eine Expedition, welche die Ostküste von Mexiko erforschte. Er brachte die ersten Berichte vom Reichtum der Azteken in die spanische Kolonie auf Kuba. Diese Berichte veranlassten Diego Velázquez, den Gouverneur von Kuba, 1519 eine starke Streitmacht unter dem Befehl von Hernán Cortés zu entsenden. Zur Eroberung Mexikos durch die Spanier siehe Cortés, Hernán.
| 2. | Die Kolonialzeit |
Mehrere Jahre nach dem Fall der aztekischen Hauptstadt wurde 1535 mit der Ernennung von Antonio de Mendoza zum ersten spanischen Vizekönig die Grundlage für die Kolonialregierung in Mexiko gelegt. Während der gesamten spanischen Kolonialzeit von 1535 bis 1821 herrschten insgesamt 61 Vizekönige über Mexiko. Mendoza und seine Nachfolger führten eine Reihe von militärischen und Forschungsexpeditionen durch, und vergrößerten Neuspanien um die heutigen US-Bundesstaaten Texas, New Mexico und Kalifornien.
Die spanische Kolonisierung Mexikos war geprägt durch Ausbeutung und Versklavung der indianischen Bevölkerung. Obwohl während der spanischen Eroberung Tausende von Indianern getötet worden waren, stellten sie in Neuspanien trotzdem die Bevölkerungsmehrheit, sprachen ihre eigenen Sprachen und behielten auch zum großen Teil ihre alte Kultur bei. Viele lebten allerdings in faktischer Sklaverei, die u. a. durch das System der Encomienda verursacht wurde. Danach erhielten spanische Adelige, Priester und Soldaten nicht nur großen Landbesitz zugesprochen, sondern auch die Gerichtsbarkeit über die gesamte indianische Bevölkerung. Die Regierung in Spanien unternahm mehrere Versuche, die Ausbeutung der Indianer auf den Landgütern und in den Minen gesetzlich einzuschränken. Die von Spanien erlassenen Reformen waren jedoch weitgehend wirkungslos, da sie sich nur schwer durchsetzen ließen.
Ein zweiter wichtiger Faktor der spanischen Kolonialzeit in Mexiko war Stellung und Macht der römisch-katholischen Kirche. Die Missionare der Franziskaner, Augustiner, Dominikaner und Jesuiten kamen zusammen mit den Conquistadores in das Land. Juan de Zumárraga wurde 1528 der erste Bischof von Mexiko. Um 1548 wurde das Land zum Erzbistum. Bevor 1859 das Kirchenvermögen verstaatlicht wurde, hatte die Kirche ein Drittel allen Eigentums und Landes in ihrem Besitz.
Ein drittes Kennzeichen waren die scharf voneinander abgegrenzten gesellschaftlichen Klassen: die indianische Bevölkerung, Mestizen (während der Kolonialzeit eine beständig anwachsende Gruppe), schwarze Sklaven, freigelassene Schwarze und weiße Mexikaner. Unter den weißen Mexikanern gab es ein weiteres Klassensystem. Die höchste Klasse stellten die in Spanien geborenen Peninsulares dar, die sich von den Criollos oder Kreolen unterschieden, die in Neuspanien geboren und dort aufgewachsen waren. Die Peninsulares wurden aus Spanien geschickt, um die höchsten Kolonialämter sowohl in der zivilen als auch der kirchlichen Verwaltung zu besetzen. Sie hielten sich gesellschaftlich von den Criollos fern, die fast nie hohe Ämter erhielten. Diese Benachteiligung der Criollos wurde später ein wichtiger Faktor in der Unabhängigkeitsbewegung.
Vor der Einsetzung des Vizekönigtums war die Regierung im heimatlichen Spanien beunruhigt über Ineffizienz und Korruption in der Kolonialverwaltung. Trotz regelmäßiger königlicher Untersuchungskommissionen waren Bestechung und Erpressung allgemein üblich. Ende des 18. Jahrhunderts versuchte Spanien vor allem in den Jahren von 1789 bis 1794 unter dem Vizekönig Juan Vicente Güémez Pacheco, conde de Revilla Gigedo, eine Reihe von Verwaltungsreformen einzuführen. Diese Reformen beseitigten aber die grundlegenden Schwächen des Systems nicht, und so belasteten Anfang des 19. Jahrhunderts der Unmut der Criollos und die ineffiziente Regierung Neuspaniens die Verbindung zwischen der Kolonie und dem Mutterland. Hinzu kam der Einfluss liberaler politischer Ideen aus Europa, vor allem nach der Französischen Revolution von 1789.
Die Besetzung Spaniens durch Napoleon löste in Mexiko weitere Autonomiebestrebungen aus. Es kam zu Konflikten innerhalb der mexikanischen Führungselite, bei denen die spanische Zentralmacht nicht eingreifen konnte. 1808 erlaubte der Vizekönig unter dem Druck einflussreicher Criollos, dass auch Kreolen in der Verwaltung eingesetzt wurden. Beamte der Peninsulares protestierten dagegen und vertrieben den Vizekönig. Während dieser Auseinandersetzungen kam es zu Volksaufständen.
| 3. | Unabhängigkeitskrieg |
Am 16. September 1810 rief Miguel Hidalgo y Costilla, Priester in dem kleinen Ort Dolores, zum Kampf gegen die spanische Regierung auf und forderte die Aufhebung der Standesunterschiede sowie die Abschaffung der Leibeigenschaft der Indianer. Trotz anfänglicher Erfolge war Hidalgos Revolution nur von kurzer Dauer. Der Priester wurde von königlichen Truppen gefangen genommen und 1811 in Chihuahua erschossen. Die Führung der Befreiungsbewegung ging auf einen anderen Priester über, José María Morelos y Pavón, der 1814 eine von Spanien unabhängige Republik in Mexiko ausrief. Ein Jahr später besiegten königliche Truppen unter der Führung des Kreolengenerals Agustín de Itúrbide Morelos und seine Armee. Die Revolution wurde unter der Führung von Vicente Guerrero fortgesetzt, der eine relativ kleine Armee anführte.
Die Spanische Revolution von 1820 hatte auch Einfluss auf Mexiko. Die liberalen politischen Tendenzen in Spanien stießen auf Widerstand bei den konservativen mexikanischen Anführern, die nun ihrerseits eine Intrige in Gang setzten, die das Vizekönigtum von Spanien abspalten sollte. In ihrem Auftrag traf sich Itúrbide 1821 mit Guerrero. Sie unterschrieben ein Abkommen, um die Unabhängigkeit herbeizuführen. Ihr Vorhaben, das als Plan von Iguala bekannt wurde, sah folgende Ziele vor: Erreichen der Unabhängigkeit und Etablierung einer konstitutionellen Monarchie, die römisch-katholische Kirche sollte Staatskirche werden und Spanier und Kreolen sollten rechtlich gleichgestellt werden. Der Vizekönig ging nicht aktiv gegen Itúrbide vor und wurde zum Rücktritt gezwungen. Der letzte Vizekönig von Neuspanien war Juan O’Donojú. Nach seiner Ankunft in Mexiko wurde er gezwungen, den Vertrag von Córdoba anzunehmen, mit dem am 27. September 1821 formell die mexikanische Unabhängigkeit begann.
| 4. | Kaiserreich und Republik |
1822 machte sich Itúrbide durch einen Staatsstreich unter dem Namen Agustín I. zum Kaiser. Er wurde aber schon zehn Monate später durch eine Revolte abgesetzt, die von seinem früheren Berater Antonio López de Santa Anna angeführt wurde. Die Republik wurde ausgerufen, und Guadalupe Victoria wurde der erste Präsident. In der Folgezeit kam es zur Auseinandersetzung zwischen den Zentralisten, einer konservativen Gruppe von Kirchenführern, reichen Landbesitzern, Kreolen und Offizieren der Armee, die entschlossen waren, eine stark zentralistische, koloniale Regierungsform zu bewahren, und den Föderalisten, einer liberalen, antiklerikalen Fraktion, die den Aufbau föderalistischer, unabhängiger Gliedstaaten unterstützte und der indianischen Bevölkerung und anderen unterdrückten Gruppen mehr Rechte verschaffen wollte. Guerrero wurde 1829 Präsident und 1831 von den Truppen Anastasio Bustamantes erschossen. Bis zum Jahr 1833 folgte eine Revolte der anderen, bis der bei der Armee beliebte Zentralist Santa Anna zum Präsidenten gewählt wurde. Kurz nach der Machtübernahme kam es zum Krieg mit den Vereinigten Staaten.
| 5. | Der Mexikanische Krieg |
Die Einwohner von Texas, das zu dieser Zeit zu Mexiko gehörte, widersetzten sich dem Regierungserlass von 1829, der die Sklaverei aufhob. Santa Annas Plan, die Regierung stärker zu zentralisieren, verstärkte ihren Widerstand. Die Texaner rebellierten und erklärten 1836 die Unabhängigkeit, nachdem der texanische Anführer Samuel Houston am 21. April 1836 Santa Anna bei San Jacinto entscheidend geschlagen hatte. Konflikte zwischen US-Bürgern und Mexikanern, Grenzstreitigkeiten und das Bestreben der Amerikaner, Kalifornien einzugliedern, waren die Gründe dafür, dass die Vereinigten Staaten am 12. Mai 1846 Mexiko den Krieg erklärten (siehe Mexikanischer Krieg). Die mexikanischen Streitkräfte wurden erneut vernichtend geschlagen, und die amerikanischen Truppen besetzten den Norden Mexikos sowie 1847 Mexiko-Stadt. Auf der Grundlage des Vertrags von Guadalupe Hidalgo vom 2. Februar 1848 wurde der Rio Grande als Grenze zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten festgelegt. Mexiko verlor etwa die Hälfte seines Staatsgebiets, das Territorium der heutigen US-Bundesstaaten Arizona, Kalifornien, Colorado, New Mexico, Nevada, Utah und Wyoming wurde Teil der Vereinigten Staaten. Der Gadsden-Vertrag von 1853 legte die Grenze von New Mexico eindeutig fest und brachte den Vereinigten Staaten einen zusätzlichen Landstreifen (heute der Süden von Arizona und ein Teil des Südwestens von New Mexico).
Nach dem Krieg hatte Mexiko enorme Probleme beim Wiederaufbau. Die Finanzlage war katastrophal, und das ohnehin geringe Ansehen der Regierung hatte weiter beträchtlich gelitten. Santa Anna wurde nach dem Krieg zum Rücktritt gezwungen. Mit Unterstützung der Zentralisten kehrte er jedoch 1853 aus dem Exil zurück, setzte sich an die Spitze des Staates und regierte diktatorisch. Anfang 1854 begann eine Revolte der Liberalen, und nach über einem Jahr heftiger Kämpfe floh Santa Anna aus Mexiko. Diese Revolte war der erste Schritt in einer Reihe langer, heftiger Kämpfe zwischen den Führungseliten, die bis dahin Mexiko beherrscht hatten und den liberalen Demokraten, die ein Mitspracherecht in der Regierung forderten.
| 6. | Juárez und Maximilian |
Benito Pablo Juárez García trat als Führer aus den Reihen der Liberalen hervor. Er wurde für seine Integrität und sein Eintreten für die Demokratie bekannt. Während der nächsten 25 Jahre übte Juárez großen Einfluss auf die Politik Mexikos aus. Eine föderalistische Regierungsform, das uneingeschränkte Wahlrecht für alle Männer, die Redefreiheit und andere Bürgerrechte wurden in die Verfassung von 1857 aufgenommen. Die konservativen Gruppen stellten sich vehement gegen die neue Verfassung und erhielten dabei Unterstützung von Spanien. 1858 kam es zum Kampf zwischen konservativen und liberalen Gruppierungen. Juárez’ Regierung wurde von den Vereinigten Staaten unterstützt. 1860 hatten die Armeen der Juáristas endgültig gesiegt. In der Zwischenzeit hatte Juárez als provisorischer Präsident zwischen 1858 und 1861 mit einem Erlass das Eigentum der Kirche verstaatlicht, Kirche und Staat getrennt und die Macht religiöser Orden zurückgedrängt. Nach seiner Wahl zum Präsidenten 1861 begann Juárez, die Ordnung wiederherzustellen. Eine seiner ersten Maßnahmen war, die Zinszahlungen für Auslandsanleihen, die frühere Regierungen aufgenommen hatten, einzustellen. Provoziert durch diesen Erlass, entschieden sich Frankreich, Großbritannien und Spanien, zum Schutz ihrer Investitionen in Mexiko gemeinsam zu intervenieren. Der Hauptbefürworter dieses Übereinkommens war Napoleon III. von Frankreich. Ein gemeinsames Expeditionskorps besetzte 1861 Veracruz. Als jedoch Napoleons kolonialistische Bestrebungen deutlich wurden, zogen sich die Engländer und Spanier 1862 zurück. Ein Jahr lang befanden sich die französischen Truppen in Mexiko und drangen schließlich im Juni 1863 in Mexiko-Stadt ein. Juárez und sein Kabinett flohen. Eine provisorische konservative Regierung erklärte Mexiko zum Kaiserreich und bot auf Betreiben Napoleons die Krone dem österreichischen Erzherzog Maximilian an.
Von 1864 bis 1867 regierte Maximilian mit seiner Frau Carlotta das Reich. 1867 zog Frankreich unter dem Druck der Vereinigten Staaten, die weiterhin Juárez anerkannten, seine Truppen zurück. Juárez Streitkräfte eroberten das Land 1867 nach dem Abzug der Franzosen zurück, und die republikanischen Truppen unter dem Befehl von General Porfirio Díaz besetzten Mexiko-Stadt. Maximilian wurde bei der Belagerung von Querétaro zur Aufgabe gezwungen, von einem Standgericht zum Tod verurteilt und erschossen.
Juárez war mit Revolten konfrontiert und versuchte erneut, die Ordnung wiederherzustellen. 1871 erklärte der mexikanische Kongress nach einer unentschiedenen Wahl Juárez zum Präsidenten. Díaz, ein geschlagener Präsidentschaftskandidat, führte einen Aufstand an, der erfolglos blieb. Juárez starb 1872. Sein Nachfolger war Sebastián Lerdo de Tejada, der Präsident des mexikanischen Obersten Bundesgerichts. 1876, als Lerdo de Tejada die Wiederwahl anstrebte, führte Díaz erneut eine Revolte an. Diesmal hatte er Erfolg und wurde 1877 Präsident.
| 7. | Das Porfiriat |
Mit Ausnahme der Amtszeit von 1880 bis 1884, in der die Macht nominell in der Hand einer seiner Berater lag, regierte Díaz Mexiko bis 1911 diktatorisch. Unter der Diktatur Díaz’ machte Mexiko enorme Fortschritte in der wirtschaftlichen Entwicklung und im Handel. Der Bau von Industrieanlagen, Erweiterung der Eisenbahnverbindungen, der Ausbau der Häfen und die Errichtung öffentlicher Bauten gehörten zum Programm von Díaz. Viele dieser neuen Vorhaben wurden durch ausländische Gelder finanziert. Dies war der Hauptgrund für die Unzufriedenheit unter der mexikanischen Bevölkerung während Díaz’ Regierungszeit. Darüber hinaus begünstigte Díaz die reichen Großgrundbesitzer, deren Besitz er durch die Übereignung von Gemeindeland, das eigentlich den Indianern gehörte, noch vermehrte. Als diese sich auflehnten, wurden sie als Leibeigene verkauft. Der Diktator kümmerte sich nicht um die Alphabetisierung des Volkes. Er stand aufseiten der Kirche und beachtete die Säkularisierungspolitik von 1859 kaum. In ganz Mexiko wuchsen die Unzufriedenheit und die Bereitschaft zum Umsturz.
Díaz war sich dieser Unzufriedenheit bewusst. Um seine Wertschätzung der Demokratie zu beweisen, kündigte er 1908 an, dass er bei den Wahlen von 1910 die Aufstellung eines Oppositionskandidaten begrüßen würde. Die liberale Fraktion stellte Francisco Indalecio Madero als Gegenkandidaten auf. Maderos Einfluss wuchs. Nach Díaz’ Wiederwahl 1910 wurde Madero als Anführer einer Volksrevolution anerkannt. Díaz musste 1911 zurücktreten und verließ bald darauf Mexiko für immer.
| 8. | Die Mexikanische Revolution |
Madero wurde 1911 zum Präsidenten gewählt. Er war aber nicht durchsetzungsfähig genug, um die politischen und militärischen Streitigkeiten zu beenden. Andere Rebellenführer, vor allem Emiliano Zapata und Francisco Villa, lehnten es ab, sich der Autorität des Präsidenten zu unterstellen. Victoriano Huerta, der höchste Offizier in Maderos Armee, verbündete sich heimlich mit den Rebellenführern und übernahm 1913 die Kontrolle über Mexiko-Stadt. Huerta setzte sich als Diktator ein und ließ vier Tage nach der Machtübernahme Madero ermorden. Es kam zu erneuten Revolten unter Zapata, Villa und Venustiano Carranza. 1914 trat Huerta zurück. Noch im gleichen Jahr übernahm Carranza die Macht, und Villa erklärte ihm sofort den Krieg. Zusätzlich zu den Bestrebungen der rivalisierenden Militärführer trugen die Interventionen ausländischer Regierungen, die die Interessen ihrer Staatsbürger schützen wollten, zur politischen Instabilität bei. Im August 1915 erkannte eine Kommission aus Vertretern von acht lateinamerikanischen Ländern und den Vereinigten Staaten Carranza als rechtmäßiges Staatsoberhaupt von Mexiko an. Mit Ausnahme von Villa legten die Rebellenführer die Waffen nieder. 1916 überfiel er Columbus im Bundesstaat New Mexico. Villa sorgte bis 1920 für Unruhe im Land.
| 9. | Die Zeit der Unruhen |
1917 wurde eine neue Verfassung verabschiedet. Diese sah arbeitsrechtliche Regelungen vor, verbot eine Wiederwahl des Präsidenten in der folgenden Amtsperiode, enteignete den Besitz religiöser Orden und gab das Gemeindeland an die indianische Bevölkerung zurück. Viele Bestimmungen zu Arbeit und sozialer Fürsorge waren äußerst fortschrittlich und für ihre Zeit radikal. Einige der schärfsten Bestimmungen dienten der Beschränkung des ausländischen Besitzes von Bodenschätzen.
Carranza wurde 1917 zum Präsidenten gewählt, aber die Unruhen gingen weiter. 1920 putschten drei der führenden Generäle, Plutarco Elías Calles, Álvaro Obregón und Adolfo de la Huerta, gegen Carranza, der bei den Kämpfen getötet wurde. 1920 wurde Obregón zum Präsidenten gewählt.
Nachdem Obregón sich bereit erklärt hatte, die Ansprüche der amerikanischen Ölgesellschaften auf die Ausbeutung der mexikanischen Erdölvorkommen anzuerkennen, erhielt er 1923 die Unterstützung der USA. Später im gleichen Jahr unterstützten die Vereinigten Staaten das Regime Obregón während einer Revolte de la Huertas, die fehlschlug. 1924 wurde Calles zum Präsidenten gewählt, und er begann, Verfassungsreformen, besonders im Hinblick auf die Landwirtschaft, umzusetzen. Er brachte auch die Staatsfinanzen in Ordnung, richtete ein Bildungsprogramm ein und konnte einen Ausgleich im Streit mit den ausländischen Ölgesellschaften erzielen.
Obregón wurde 1928 wieder gewählt, fiel aber einige Monate später dem Anschlag eines religiösen Fanatikers zum Opfer. Der Kongress ernannte Emilio Portes Gil zum provisorischen Präsidenten. Der Einfluss, den Calles ausgeübt hatte, blieb aber übermächtig. Abelardo L. Rodríguez, ein Geschäftspartner Calles’, wurde 1932 vorübergehend Präsident. Im gleichen Jahr legte der Partido Nacional Revolucionario (PNR, die Nationale Revolutionspartei), die offizielle Regierungspartei, ein Sechsjahresprogramm für eine sozialistische Reform der Wirtschaft vor, das arbeitsrechtliche Bestimmungen, staatliche Bauvorhaben, die Verteilung des Grundbesitzes und die Enteignung von Ölquellen im Auslandsbesitz vorsah.
Das Programm des PNR wurde 1934 mit der Wahl von Lázaro Cárdenas zum Präsidenten umgesetzt. Cárdenas legte großen Wert auf landwirtschaftliche Reformen, den Aufbau eines Sozialsystems und Alphabetisierung. 1936 wurde ein Gesetz verabschiedet, das die Enteignung von Privatbesitz vorsah, wann immer es das öffentliche oder soziale Wohlergehen erforderte. Die mexikanischen Eisenbahnlinien wurden verstaatlicht, 1937 auch die Ölgesellschaften. Im gleichen Jahr streikten die mexikanischen Arbeiter, um höhere Löhne durchzusetzen. Nachdem durch eine Entscheidung des Obersten Bundesgerichts ihre Ansprüche bestätigt worden waren und die ausländischen Ölgesellschaften die Zahlung verweigert hatten, enteignete 1938 die mexikanische Regierung deren Besitz. Zur Verwaltung der verstaatlichten Industrie wurde eine staatliche Gesellschaft geschaffen, die so genannte Petróleos Mexicanos oder PEMEX. Die Enteignungen hatten ernsthafte Auswirkungen auf die mexikanische Ölindustrie, denn für Mexiko wurde es schwierig, Öl auf amerikanischem, niederländischem und britischem Gebiet zu verkaufen. Mexiko wurde dadurch zum Tauschhandel mit Italien, Deutschland und Japan gezwungen. Der Ölhandel mit diesen Ländern wurde jedoch durch den 2. Weltkrieg (1939-1945) abgebrochen.
1940 wurde Manuel Ávila Camacho mit Unterstützung der mexikanischen Arbeiter zum Präsidenten gewählt. Er verfolgte eine konservativere Politik als Cárdenas. Die so genannte Politik der guten Nachbarschaft (Good Neighbor Policy) gegenüber den USA wurde in der mexikanischen Regierung vorherrschend. Diese Politik, zu der die enge Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten auf wirtschaftlichem und militärischem Gebiet gehörte, wurde 1941 mit dem bevorstehenden Eintritt der USA in den 2. Weltkrieg weiter ausgebaut. Mexiko erlaubte die Benutzung mexikanischer Flughäfen durch die amerikanische Luftwaffe.
| 10. | Der 2. Weltkrieg |
In Übereinstimmung mit der Politik der Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten brach Mexiko am 8. Dezember 1941 die diplomatischen Beziehungen zu Japan und drei Tage später zu Italien und Deutschland ab. Nachdem zwei mexikanische Schiffe durch Unterseeboote versenkt worden waren, erklärte der mexikanische Kongress am 22. Mai 1942 Deutschland, Italien und Japan den Krieg. Im Juni desselben Jahres unterzeichnete Mexiko die Deklaration der UN. Noch im gleichen Jahr fanden Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko über ein Handelsabkommen mit gegenseitigen Zugeständnissen bei den Zolltarifen statt. Die vollständige militärische Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern trat 1943 mit der Vereinbarung in Kraft, dass beide Länder Staatsbürger des anderen Landes, die innerhalb der eigenen Grenzen lebten, zum Militärdienst einziehen könnten. 1944 erklärte sich Mexiko bereit, den amerikanischen Ölgesellschaften für 1938 enteigneten Besitz 24 Millionen US-Dollar zuzüglich 3 Prozent Zinsen zu bezahlen. Ebenfalls im Jahr 1944 entwickelten Vertreter Mexikos und der Vereinigten Staaten einen Zwanzigjahresplan zum Ausbau der staatlich kontrollierten Ölindustrie.
| 11. | Mexiko in der Nachkriegszeit |
Im Juni 1945 war Mexiko ein Gründungsmitglied der Vereinten Nationen. 1946 wurde Miguel Alemán Valdés Ávilas Nachfolger als Präsident. Er wurde auf der Basis seiner Forderungen nach einer gerechteren Verteilung der Finanzen, intensiven Bewässerungsprojekten und der weiteren Industrialisierung Mexikos gewählt. Alemán hielt die engen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten weiterhin aufrecht. 1947 erhielt Mexiko einen Kredit über 50 Millionen US-Dollar, mit dem staatliche Bauvorhaben und die industrielle Entwicklung finanziert werden sollten. Im gleichen Jahr gab die mexikanische Regierung bekannt, dass man sich mit den britischen und niederländischen Ölgesellschaften, die für enteigneten Besitz 250 Millionen US-Dollar gefordert hatten, auf eine Rückzahlung von 21 Millionen US-Dollar geeinigt hatte. 1948 wertete die Regierung in ihrem Bemühen, die ungünstige Handelsbilanz umzukehren, den Peso ab. Importe, die für die industrielle Entwicklung nicht absolut notwendig waren, wurden stark eingeschränkt. Im März 1949 wurde zwei amerikanischen Ölgesellschaften zum ersten Mal seit den Enteignungen von 1938 erlaubt, überwacht von der PEMEX, nach Öl zu bohren. Mit Hilfe von Anleihen durch das Finanzministerium der Vereinigten Staaten und den Internationalen Währungsfonds konnte die Regierung im Juni den Peso stabilisieren. Am 3. Juli 1949 fanden landesweite Wahlen statt. Die Regierungspartei, umbenannt in Partido Revolucionario Institucional (PRI, Partei der Institutionalisierten Revolution) erreichte einen deutlichen Sieg.
1950 verbesserte sich die wirtschaftliche Lage grundlegend, als Mexiko von der Export-Import-Bank einen Kredit über 150 Millionen US-Dollar zur Finanzierung verschiedener Projekte für Verbesserungen im Verkehrswesen, in der Landwirtschaft und Energieversorgung erhielt. Im folgenden Jahr kam es zu Spannungen zwischen den beiden Ländern wegen der massenhaften illegalen Zuwanderung mexikanischer Saisonarbeiter in die USA. Im März 1952 verabschiedete der Kongress der Vereinigten Staaten ein Gesetz, das für die Anwerbung und Beschäftigung von Ausländern, die illegal ins Land gekommen waren, Geld- und Gefängnisstrafen vorsah.
Der Kandidat des PRI, der frühere Innenminister Adolfo Ruiz Cortines, wurde 1952 zum mexikanischen Präsidenten gewählt. Im folgenden Jahr wurde eine Verfassungsänderung verabschiedet, nach der Frauen das Wahlrecht erhielten. 1958 wurde Adolfo López Mateos, ein früherer Arbeitsminister, der Nachfolger von Ruiz Cortines. 1962 kam es zu einer umstrittenen Verfassungsänderung, durch die die Regierung die Möglichkeit erhielt, Firmen zu zwingen, die Arbeiter am Gewinn zu beteiligen. Während des ganzen Jahres hatten die Bauern ihre Unzufriedenheit durch Streiks und die Besetzung privaten Landbesitzes durch illegale Siedler, so genannte Squatter, gezeigt. Anfang 1963 wurde eine Unabhängige Zentralpartei der Bauern gegründet, die zum Nationalen Bauernbund im vorherrschenden PRI in Konkurrenz stand. Auf der Gründungsversammlung wurde darauf hingewiesen, dass es im Land immer noch drei Millionen Bauern ohne eigenen Boden gebe und dass 9 600 Personen 80 Millionen Hektar Land besäßen, von denen nur 20,2 Millionen Hektar bewirtschaftet würden.
| 12. | Die jüngste Entwicklung |
Während der Wahlkampagne von 1964 betonte Gustavo Díaz Ordaz, der Präsidentschaftskandidat des PRI, die Notwendigkeit, das Elend der armen Bauern zu lindern. Díaz Ordaz wurde am 5. Juli mit Unterstützung der meisten politischen Parteien zum Präsidenten gewählt. Während der Kubakrise weigerte sich Mexiko, einem Beschluss der Organisation der Amerikanischen Staaten nachzukommen, die diplomatischen Beziehungen zu Kuba abzubrechen. Als Erklärung brachte Mexiko seine Politik der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten vor. Im Lauf dieses Jahres beendeten die Vereinigten Staaten ihr Programm, mexikanische Saisonarbeiter ins Land zu holen. Damit wurde Mexiko eine wichtige Einnahmequelle für US-Dollar genommen.
1966 verkündete Präsident Díaz Ordaz einen Fünfjahresplan zur Entwicklung und Wirtschaftsplanung. Im Lauf des gleichen Jahres führte PEMEX ein Programm durch, mit dem die Anzahl der petrochemischen Anlagen erhöht werden sollte. Im Rahmen seiner Bemühungen, die regionalen Wirtschaftsverbindungen zu verbessern, besuchte der mexikanische Präsident 1967 mehrere mittelamerikanische Staaten. 1968 wurde die Regierung mit gewaltsamen Studentendemonstrationen konfrontiert, durch die die Veranstaltung der Olympischen Spiele im Oktober 1968 in Mexiko-Stadt gefährdet wurde. Während der gegen die Regierung gerichteten Ausschreitungen kamen Hunderte von Menschen ums Leben. Die Unruhen ließen 1969 allmählich nach, setzten sich aber bis in die siebziger Jahre fort.
1970 wurde der frühere Innenminister Luis Echeverría Álvarez Präsident. Während seiner sechsjährigen Amtszeit verfolgte Echeverría eine ausgewogenere Strategie, um wirtschaftliches Wachstum zu erzielen. Er führte auch Maßnahmen zur Verringerung des ausländischen Einflusses auf die Wirtschaft und zur Erhöhung der Exporte durch. Die enge Verbindung zu den Vereinigten Staaten wurde etwas gelockert. Stattdessen handelte Echeverría Wirtschaftsabkommen mit mehreren lateinamerikanischen Staaten, Kanada und der Europäischen Gemeinschaft aus. Er traf auch ein Abkommen mit der UdSSR. In der Zeit von 1970 bis 1974 betrug das jährliche Wirtschaftswachstum 6,3 Prozent. Anfang 1975 nahm das Wachstum deutlich ab, und die Inflationsrate erhöhte sich beträchtlich. Um das Außenhandelsdefizit des Landes zu senken, wertete die Regierung 1976 den Peso um über 50 Prozent ab und wechselte von einem festen Währungskurs zur frei konvertierbaren Währung. Eine für die Wirtschaft positive Entwicklung war 1974 und 1975 die Entdeckung großer Erdöllager in den Staaten Campeche, Chiapas, Tabasco und Veracruz. Ende 1976 ordnete Echeverría an, dass etwa 100 000 Hektar erstklassiges Ackerland in den Staaten Sonora und Sinaloa gegen Entschädigung enteignet wurden.
José López Portillo, der vom PRI nominierte Präsidentschaftskandidat, wurde 1976 gewählt. Nach der Übernahme des Amtes im Dezember verfolgte der frühere Finanzminister wirtschaftlich einen Sparkurs. Er rief die Arbeiter dazu auf, ihre Lohnforderungen zu senken, und die Wirtschaft, die Preise niedrig zu halten und mehr zu investieren. Die Inflation blieb zwar weiterhin hoch, in den darauf folgenden Jahren war aber eine deutliche Verbesserung zu spüren. Außenpolitisch festigte López Portillo 1977 die Verbindung mit den Vereinigten Staaten und nahm nach 38 Jahren wieder diplomatische Beziehungen zu Spanien auf.
In der zweiten Hälfte der siebziger Jahre verdoppelte sich die Ölförderung. Dadurch konnte die wirtschaftliche Abhängigkeit von den USA verringert werden.
1982 wurde Miguel de la Madrid Hurtado als Nachfolger von López Portillo zum Präsidenten gewählt. Mitte der achtziger Jahre stiegen die Auslandsschulden sehr rasch an, während gleichzeitig die Ölpreise fielen. Dies führte zu erheblichen wirtschaftlichen Problemen. Die Schäden, die durch ein verheerendes Erdbeben entstanden waren, verschlimmerten die Finanzlage zusätzlich. Aus den Wahlen von 1988 ging Carlos Salinas de Gortari als Sieger hervor. Ebenfalls 1988 verwüstete der Hurrikan Gilbert die Halbinsel Yucatán und richtete in der Region südlich von Texas schwere Schäden an. Die Gesamthöhe der Schäden wurde auf 880 Millionen US-Dollar geschätzt.
1989 beschleunigte die Regierung Salinas die Privatisierung von Firmen und änderte die restriktiven Handels- und Investitionsverordnungen. Es wurde beschlossen, ausländischen Firmen Investitionen in Mexiko zu erleichtern. Im selben Jahr unterschrieben Salinas und US-Präsident George Bush ein umfangreiches Handelsabkommen. Im Juli 1992 wurden durch eine Verfassungsänderung die Beschränkungen aufgehoben, die der römisch-katholischen Kirche 1917 auferlegt worden waren. Im Dezember unterzeichneten Salinas, Bush und der kanadische Premier Brian Mulroney das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (NAFTA). Das mexikanische Parlament ratifizierte das Abkommen 1993, das dann am 1. Januar 1994 in Kraft trat. Damit wurde die größte Freihandelszone der Welt geschaffen.
Die Einrichtung der Nordamerikanischen Freihandelszone und die Privatisierung der staatlichen Industrie waren Teil des Planes, mit dem Salinas die mexikanische Wirtschaft wiederbeleben wollte. Bis 1993 hatte die mexikanische Regierung 80 Prozent der staatlichen Industriebetriebe für 21 Milliarden US-Dollar an private Investoren verkauft und die Inflationsrate von 150 Prozent auf 10 Prozent gesenkt. Allerdings wurden keine wirksamen Maßnahmen ergriffen, um die hohe Auslandsverschuldung zu senken.
Im Januar 1994 kam es im südmexikanischen Bundesstaat Chiapas zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Regierungstruppen und den Zapatistas. Die Aufständischen wollten damit ihre Forderungen nach mehr sozialer Gerechtigkeit für die unterprivilegierte indianische Bevölkerung durchsetzen und beschleunigten mit ihren Aktionen die politischen Reformen in Mexiko. Im August 1994 gewann Ernesto Zedillo Ponce de León vom PRI die Präsidentschaftswahlen.
Präsident Zedillo wurde kurz nach seinem Amtsantritt mit Mexikos bis dahin größter Finanzkrise konfrontiert, die durch ein Haushaltsdefizit von fast 30 Milliarden US-Dollar verursacht wurde. Unter der Leitung von US-Präsident Clinton wurde ein internationales Nothilfepaket zusammengestellt. Zedillo kündigte ein Sparprogramm und die Privatisierung von Staatsbesitz an. Mittlerweile ging der Aufstand im Bundesstaat Chiapas weiter, die Auseinandersetzungen zwischen Zapatistas und Regierung verschärften sich. Im Dezember 1994 hatten die Zapatistas 38 Orte außerhalb der vereinbarten Waffenstillstandszone besetzt. In einer Militäraktion eroberte die mexikanische Armee mehrere kleine von den Zapatistas gehaltene Ortschaften und drängte die Guerilleros zurück, ohne den Aufstand beenden zu können. 1996 wurden die Friedensverhandlungen zwischen Zapatistas und Regierung bis auf weiteres ausgesetzt.
Bei den Parlamentswahlen am 6. Juli 1997 verlor der seit 1929 regierende PRI erstmals seine absolute Mehrheit im Abgeordnetenhaus und darüber hinaus seine Zweidrittelmehrheit im Senat. Aus den Präsidentschaftswahlen vom 2. Juli 2000 ging Vicente Fox vom oppositionellen konservativen Partido Acción Nacional (PAN) als klarer Sieger hervor, und bei den gleichzeitig stattgefundenen Parlamentswahlen löste der PAN den PRI als stärkste politische Kraft ab. Damit endete die Herrschaft des seit 1929 ununterbrochen regierenden PRI. Am 1. Dezember 2000 trat Vicente Fox das Amt des Staatsoberhauptes von Mexiko an. Er suchte sogleich eine weitreichende Steuer- und Wirtschaftsreform durchzusetzen, die u. a. Privatisierungen und Modernisierungen im Energiesektor umfassen sollte und die auch von der OECD gutgeheißen wurde; da er aber nicht über eine absolute Mehrheit im Parlament verfügte, konnte das Programm nur in Teilen verwirklicht werden. Um den Konflikt mit den Zapatistas in Chiapas zu entschärfen und am Ende möglichst beizulegen, ließ er unmittelbar nach Amtsantritt alle Soldaten aus der Konfliktzone abziehen und die dortigen Militärstützpunkte schließen, woraufhin sich die Zapatistas zu einer Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen bereit erklärten. Des Weiteren brachte Fox eine schon Jahre zuvor erarbeitete, aber noch nicht verabschiedete Verfassungsänderung auf den Weg, die den Indios Autonomie- und andere Rechte garantieren sollte; aufgrund der Mehrheitsverhältnisse im Parlament wurde jedoch nur eine sehr reduzierte Version der ursprünglichen Vorlage verabschiedet, die die Indios ablehnten und die Zapatistas mit dem neuerlichen Abbruch der Verhandlungen quittierten. Dennoch blieb es in der Folgezeit in Chiapas und um die Zapatistas weitgehend ruhig, und 2005 erklärte die Organisation, künftig mit friedlichen Mitteln für ihre Forderungen zu kämpfen. Bei den Parlamentswahlen im Juli 2003 musste der PAN erhebliche Verluste hinnehmen (er verfügte nur noch über 155 der insgesamt 500 Sitze im Abgeordnetenhaus), was es der Regierung Fox in ihrer zweiten Amtszeit praktisch unmöglich machte, ihre Vorhaben umzusetzen.
Das Ergebnis der Präsidentschaftswahlen am 2. Juli 2006 fiel äußerst knapp aus: Der PAN-Kandidat Felipe de Jesús Calderón Hinojosa errang 36,7 Prozent der Stimmen, der Linkspopulist Andrés Manuel López Obrador vom Partido de la Revolución Democrática (PRD), bisher Bürgermeister von Mexiko-Stadt, gewann 36,1 Prozent, fand sich jedoch mit dem Ergebnis nicht ab und reichte Klage dagegen ein, da seiner Auffassung nach die Stimmenauszählung zugunsten von Calderón manipuliert worden sei. Die Klage wurde abgewiesen. Aus den gleichzeitig mit den Präsidentschaftswahlen abgehaltenen Parlamentswahlen ging der PAN mit 206 Mandaten wieder als stärkste Partei hervor, gefolgt vom PRD mit 160 Mandaten und dem PRI mit 121 Mandaten. In den Folgemonaten war die politische Lage in Mexiko gekennzeichnet von den Protesten des unterlegenen Obrador gegen das Wahlergebnis, die sich u. a. in (von ihm selbst organisierten) Massendemonstrationen vor allem ärmerer Bevölkerungsschichten, der Hauptklientel Obradors, manifestierten, in der Ausrufung Obradors zum (Gegen-)Präsidenten und der Zusammenstellung einer (Gegen-)Regierung sowie in tumultartigen Auseinandersetzungen im Parlament. Der Wahlsieger Calderón trat am 1. Dezember 2006 offiziell das Präsidentenamt an.