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Benjamin Franklin
1. Einleitung

Benjamin Franklin (1706-1790), amerikanischer Politiker, Naturwissenschaftler und Schriftsteller, der dank seiner Verdienste um die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten und ihre Verfassung zu einem der größten Staatsmänner seines Landes zählt.

Franklin wurde am 17. Januar 1706 in Boston geboren. Von seinem achten bis zum zehnten Lebensjahr besuchte Benjamin die Schule, arbeitete dann im Geschäft seines Vaters mit und erlernte schließlich bei seinem Bruder James das Druckerhandwerk. Seine Freizeit widmete er der Lektüre und der Weiterbildung.

1721 gründete sein Bruder James Franklin das Blatt New England Courant; Benjamin arbeitete an der Zeitung mit: Tagsüber trug er sie aus und nachts verfasste er Artikel, in denen er bereits in jungen Jahren seine scharfe Beobachtungsgabe unter Beweis stellte. Wegen seiner liberalen Haltung erregte der New England Courant häufig das Missfallen der Kolonialbehörden. 1722 wurde James Franklin wegen eines Artikels, der besonders großen Anstoß erregt hatte, für einen Monat inhaftiert. Außerdem wurde ihm die Herausgabe der Zeitung untersagt, so dass das Blatt eine Weile unter Benjamins Namen erschien.

2. Philadelphia und London

Aufgrund von Meinungsverschiedenheiten mit James verließ Benjamin Boston und ging im Oktober 1723 nach Philadelphia. Dort arbeitete er als Drucker und gewann viele Freunde, u. a. Sir William Keith, den Provinzgouverneur von Pennsylvania. Der überredete Franklin, nach London zu gehen, seine Ausbildung im Druckerhandwerk abzuschließen und dann einen eigenen Betrieb in Philadelphia zu gründen. Franklin folgte seinem Rat, ging im Dezember 1724 nach London und war dort in führenden Druckereien angestellt. Mit seinem Auftreten und seinem Können machte er sich in Literatur- und Verlagskreisen schon bald einen guten Namen.

Im Oktober 1726 kehrte Franklin nach Philadelphia zurück und arbeitete weiter als Drucker. Im folgenden Jahr rief er zusammen mit einigen seiner Bekannten eine Diskussionsrunde ins Leben, die als Junto bekannt wurde, aufklärerischem Gedankengut verpflichtet war und aus der später die American Philosophical Society hervorgehen sollte. Im September 1729 erwarb er die Pennsylvania Gazette, ein eintöniges, schlecht aufgemachtes Wochenblatt, das er durch seinen geistreichen Stil und gute Nachrichtenauswahl zu einer unterhaltsamen und informativen Zeitung machte.

3. Projekte und Experimente

Franklin engagierte sich in zahlreichen öffentlichen Projekten. Unter anderem richtete er 1731 die – wahrscheinlich erste – öffentliche Leihbibliothek Amerikas ein, die spätere Philadelphia Library. 1732 gab er unter dem Pseudonym Richard Saunders erstmals den Poor Richard’s Almanack heraus. Dieses bescheidene Jahrbuch mit hausbackener Philosophie und praktischen Ratschlägen für das alltägliche Leben erfreute sich rasch großer Beliebtheit und weiter Verbreitung. 1736 erhielt Franklin ein Amt bei der Pennsylvania General Assembly (dem Abgeordnetenhaus), ein Jahr später wurde er zum stellvertretenden Postmeister Philadelphias ernannt. Etwa um diese Zeit rief Franklin die erste Feuerwehr der Stadt ins Leben und entwickelte Methoden zur Verbesserung der Straßenbefestigung und -beleuchtung. Um 1744 erfand er den nach ihm benannten Ofen, der bei geringerem Brennstoffverbrauch eine höhere Wärmeleistung hatte.

1747 begann Franklin mit seinen Experimenten auf dem Gebiet der Elektrizität. Er entwickelte eine Theorie zur Leidener Flasche, vertrat die Hypothese, dass der Blitz ein elektrisches Phänomen sei, und fand eine Methode, mit der diese Tatsache experimentell bewiesen werden konnte; 1752 führte er sein berühmtes Drachenexperiment durch, mit dem er nachwies, dass Wolken elektrisch geladen sind. Franklin erfand den Blitzableiter und war der Vater der so genannten unitaristischen Theorie, mit der er das Phänomen positiv und negativ geladener Elekrizität erklärte. Als Anerkennung für seine herausragenden wissenschaftlichen Leistungen wurden Franklin von den Universitäten Saint Andrews und Oxford ehrenhalber akademische Grade verliehen. Er wurde auch Fellow der Royal Society of London for Improving Natural Knowledge, von der er 1753 für herausragende Beiträge zur experimentellen Wissenschaft mit der Copley-Medaille ausgezeichnet wurde.

Franklin nahm darüber hinaus auch Einfluss auf das Bildungswesen in Pennsylvania. 1749 verfasste er seine Proposals Relating to the Education of Youth in Pennsylvania (Vorschläge zur Erziehung der Jugend in Pennsylvania), deren Veröffentlichung den Anstoß zur Gründung der Philadelphia Academy (die spätere Universität Pennsylvania) im Jahr 1751 gab. Franklin schlug einen Lehrplan vor, der sich von dem damals üblichen Studium der Klassik abwandte und den Schwerpunkt auf Englisch und die modernen Fremdsprachen sowie auf Mathematik und die Naturwissenschaften legte.

4. Öffentliche Ämter

1748 verkaufte Franklin seine Druckerei und wurde 1750 in das Abgeordnetenhaus von Pennsylvania, die Pennsylvania Assembly, gewählt, in der er bis 1764 einen Sitz hatte. 1753 wurde er zum stellvertretenden Generalpostmeister aller englischen Kolonien ernannt und trug in diesem Amt maßgeblich zur Ausbildung des Postwesens in den Kolonien bei. 1754 nahm er als Abgeordneter Pennsylvanias am Albany-Kongress teil, der sich mit dem drohenden Britisch-Französischen Kolonialkrieg befasste. Franklins so genannter Albany-Entwurf, der in vielen Aspekten der Verfassung der Vereinigten Staaten von 1787 vorgriff, war mit seinem Vorschlag regionaler Unabhängigkeit innerhalb eines kolonialen Verbundes seiner Zeit jedoch noch zu weit voraus, um ratifiziert werden zu können. Bis zu seinem Tode hielt Franklin an der Überzeugung fest, dass die Annahme seines Planes den Nordamerikanischen Unabhängigkeitskrieg verhindert hätte.

Bei Ausbruch des Kolonialkrieges beschaffte Franklin Pferde, Wagen und Nachschub für den britischen Kommandanten General Edward Braddock, indem er seine eigenen Kreditrechte an die Bauern Pennsylvanias verpfändete, die ihm daraufhin die notwendige Ausrüstung lieferten. Die Landbesitzer der Kolonie Pennsylvania, Nachkommen des Quäkerführers William Penn, widersetzten sich allerdings aufgrund ihrer glaubensbedingten Ablehnung des Krieges einer Besteuerung ihres Grundbesitzes, mit der die Mittel für den Krieg aufgebracht werden sollten. Daraufhin entsandte die Pennsylvania Assembly 1757 Franklin nach England, um beim König um das Recht auf Besteuerung des Grundbesitzes in den Kolonien nachzusuchen. Nach Erledigung seines Auftrags blieb Franklin als Vertreter der Kolonie Pennsylvania fünf Jahre lang in England. In dieser Zeit freundete er sich mit zahlreichen bedeutenden Persönlichkeiten an, u. a. mit dem Chemiker und Kirchenmann Joseph Priestley, dem Philosophen und Historiker David Hume und dem Philosophen und Ökonomen Adam Smith.

1762 kehrte Franklin nach Philadelphia zurück; 1764 ging er als Agent für Pennsylvania und andere Kolonien erneut nach England. 1766 wurde Franklin vor dem britischen Unterhaus nach den Auswirkungen des Stempelgesetzes in den Kolonien befragt; seine Aussagen trugen maßgeblich zur Aufhebung des Gesetzes bei. Bald schon legte das Parlament jedoch neue Pläne zur Besteuerung der Kolonien vor, und Franklin war zunehmend hin- und hergerissen zwischen seiner Liebe zu seiner Heimat und seiner Loyalität gegenüber Georg III. Nachdem seine Bemühungen um eine Verständigung zwischen dem Mutterland und den Kolonien gescheitert waren, musste sich Franklin 1775 schmerzlich eingestehen, dass ein Krieg wohl nicht mehr zu vermeiden war. Nach elf Jahren in England trat er die Heimreise an und erreichte Philadelphia am 5. Mai 1775. Dort hatte mit den beiden Schlachten von Lexington und Concord der Nordamerikanische Unabhängigkeitskrieg bereits begonnen. Franklin wurde zum Mitglied des Zweiten Kontinentalkongresses gewählt, war in zehn der dort bestehenden Ausschüsse vertreten und wurde zum Generalpostmeister ernannt.

5. Diplomat in Kriegszeiten

1775 reiste Franklin nach Kanada, um die Unterstützung Kanadas für den Krieg zu gewinnen. Seine Bemühungen waren vergeblich. Nach seiner Rückkehr wurde er in ein fünfköpfiges Komitee berufen, das die Unabhängigkeitserklärung Amerikas ausarbeiten sollte. Als einer der Unterzeichner dieses historischen Dokuments wandte sich Franklin damals mit den berühmten Worten an die Assembly: „We must all hang together, or assuredly we shall all hang separately” („Wir müssen alle zusammenhalten, oder wir werden alle alleine hängen”). Im September des gleichen Jahres erhielt er zusammen mit Arthur Lee und Silas Deane den Auftrag, in Frankreich um wirtschaftliche Hilfe nachzusuchen. Sein Ruf als Naturwissenschaftler, seine Integrität sowie seine geistreiche und liebenswürdige Art machten ihn in den politischen, literarischen und gesellschaftlichen Kreisen Frankreichs äußerst beliebt. Gegen den energischen Widerstand des französischen Finanzministers Jacques Necker erhielt Franklin dank seines Verhandlungsgeschicks von König Ludwig XVI. von Frankreich großzügige Zuwendungen und Darlehen für die Vereinigten Staaten. Am 6. Februar 1778 schloss Franklin mit Frankreich einen Handels- und Bündnisvertrag, der im Nachhinein gesehen den Wendepunkt des Krieges bedeutete. Sieben Monate später wurde Franklin vom Kongress zum ersten bevollmächtigten Gesandten der USA in Frankreich ernannt.

1781 erhielten Franklin, John Adams und John Jay den Auftrag, einen Friedensvertrag mit Großbritannien auszuhandeln. Der endgültige Vertrag (der Friede von Paris) wurde am 3. September 1783 in Versailles unterzeichnet. Während seines weiteren Aufenthalts in Frankreich erfuhr Franklin zahlreiche Ehrungen für seine beachtenswerten Leistungen auf den verschiedensten Gebieten. Als Mitglied einer der angesehensten Freimaurerlogen in Frankreich hatte Franklin auch Gelegenheit zum Gedankenaustausch mit einer Reihe von Philosophen und anderen, die später zu führenden Köpfen in der Französischen Revolution werden sollten und deren politisches Denken er nachdrücklich beeinflusste. Franklin befürwortete zwar die Liberalisierung der französischen Politik und Regierung, lehnte aber gewaltsam herbeigeführte Veränderungen ab.

6. Die späten Jahre

Im März 1785 verließ Franklin auf eigenen Wunsch seinen Posten in Frankreich, kehrte nach Philadelphia zurück und wurde zum Präsidenten des Exekutivrates von Pennsylvania gewählt (1785-1787). Im Jahr 1787 wurde er als Delegierter in den Verfassungskonvent gewählt und war maßgeblich an der Ausarbeitung der Verfassung der Vereinigten Staaten beteiligt, u. a. mit dem Vorschlag, die Legislative des Bundes in Senat (als Vertretung der Bundesstaaten) und Repräsentantenhaus (als Vertretung des Volkes) zu unterteilen. Im gleichen Jahr wurde er Präsident der Pennsylvania Abolition Society, einer Gesellschaft zur Abschaffung der Sklaverei; und eine seiner letzten öffentlichen Handlungen war am 12. Februar 1790 die Unterzeichnung einer an den US-Kongress gerichteten Petition, in der er die Abschaffung der Sklaverei und des Sklavenhandels forderte. Zwei Monate später, am 17. April, verstarb Franklin im Alter von 84 Jahren in seinem Haus in Philadelphia. Franklin genoss sowohl als Wissenschaftler als auch als Staatsmann internationalen Ruf.