Schisma
Klicken Sie im Menü Datei auf Drucken, um die Informationen zu drucken.
Schisma
2. Morgenländisches Schisma

Die Entfremdung zwischen der Ost- und der Westkirche hatte tiefreichende kulturelle und politische Wurzeln und bahnte sich über einen Zeitraum von mehreren Jahrhunderten an. Die Kirche in Konstantinopel respektierte zwar grundsätzlich die Vorrechte Roms als der ursprünglichen Hauptstadt des Reiches, lehnte jedoch die Rechtsansprüche ab, die Papst Leo IX. (Regierungszeit 1048-1054) und seine Nachfolger erhoben. Die westliche Kirche wiederum wandte sich gegen den Caesaropapismus (Staatsform, bei der der weltliche Herrscher zugleich auch geistliches Oberhaupt ist), der die Kirche in Konstantinopel kennzeichnete.

Als Michael Kerullarios 1043 Patriarch von Konstantinopel wurde, verschärften sich die Gegensätze zwischen der östlichen und westlichen Kirche, und es bildeten sich Glaubensunterschiede heraus, insbesondere bezüglich des Dogmas vom Heiligen Geist (siehe Filioque).

1054 exkommunizierte der römische Kardinal Humbert von Silva Candida den Patriarchen von Konstantinopel, was als Exkommunikation der gesamten griechischen Kirche gedeutet wurde. Spätere Ereignisse, wie etwa die Plünderung Konstantinopels während des 4. Kreuzzuges (1204), besiegelten den Bruch, wobei alle Versöhnungsversuche erfolglos blieben. Erst 1965 wurden im Zuge umfassender Bemühungen die wechselseitigen Exkommunikationen von Papst Paul VI. und dem Patriarchen Athenagoras I. aufgehoben, um die beiden Kirchen einander näher zu bringen.