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| 2. | Kreditvergabe |
Die Bank gewährt nur Mitgliedsländern Kredite, und zwar zur Finanzierung besonderer Projekte. Bevor ein Kreditantrag genehmigt werden kann, prüft die Bank, ob der zukünftige Kreditnehmer die von der Bank vorgeschriebenen Konditionen erfüllen kann. Die meisten dieser Bedingungen dienen dazu, sicherzustellen, dass die Kredite produktiv eingesetzt und zurückgezahlt werden. Zu den Konditionen gehört, dass der Kreditnehmer nicht in der Lage ist, den Kredit für das geplante Projekt von irgendeiner anderen Quelle zu angemessenen Bedingungen zu beschaffen, und dass das Projekt technisch durchführbar und wirtschaftlich solide ist. Wenn der Kredit vergeben ist, verlangt die Bank regelmäßige Berichte vom Kreditnehmer sowie von ihren eigenen Beobachtern über die Verwendung der Kreditmittel und den Fortgang des Projekts.
In den Anfangsjahren ihres Bestehens gewährte die Weltbank Kredite hauptsächlich an die kriegszerstörten europäischen Länder. Diese nutzten sie zum Wiederaufbau der Industrien, die durch den 2. Weltkrieg beschädigt oder zerstört worden waren. Seit Ende der sechziger Jahre sind die meisten Kredite jedoch an Entwicklungsländer in Afrika, Asien und Lateinamerika vergeben worden. Der Schwerpunkt lag dabei auf Projekten, die den Menschen in Entwicklungsländern unmittelbar helfen sollten, die Produktivität zu erhöhen und dringend notwendige Infrastrukturmaßnahmen (Wasserversorgung, Abfallbeseitigung, Gesundheitsdienste) durchzuführen, sowie auf direkte Hilfen bei der Familienplanung und Nahrungsmittelhilfen. Die direkte Beteiligung der Menschen an der Wirtschaftsaktivität wurde gefördert, indem man Kredite für die Entwicklung der Landwirtschaft und ländlicher Gebiete, kleiner Unternehmen und Stadtgebiete zur Verfügung stellte. Seit Beginn der neunziger Jahre ist die Weltbank entscheidend an der marktwirtschaftlichen Strukturanpassung Osteuropas beteiligt. Seit dieser Zeit weitet sie ihre Hilfe auch auf die Energiewirtschaft und den Umweltschutz aus.
Die Politik der Weltbank steht aufgrund der harten Auflagen, die sie den Schuldnerländern zur Stabilisierung ihrer Volkswirtschaften erteilt, immer wieder in der Kritik. Ihre Kritiker fordern meist einen generellen oder teilweisen Schuldenerlass, und sie werfen ihr die enge Verknüpfung ihrer Kreditpolitik mit den politischen und wirtschaftlichen Interessen der Vereinigten Staaten vor. Kredithilfe von Weltbank und IWF sei nur zu erhalten, wenn die Strukturanpassungsmaßnahmen als marktwirtschaftlich konforme Politikreformen durchgeführt würden. Diese politisch-ökonomischen Maßnahmen hätten in vielen Fällen zu einer weiteren Verarmung der Not leidenden Bevölkerungsschichten in der Dritten Welt geführt.