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| 1. | Einleitung |
Seele, spirituelles Prinzip, das die Quelle aller Körperfunktionen und aller geistigen Handlungen und Vorgänge bildet. In verschiedenen Gesellschaften glaubt man, dass der Mensch mehrere Seelen habe, die sich in unterschiedlichen Körperteilen befinden und verschiedene Funktionen erfüllen. Dabei werden Krankheiten häufig als „Seelen-Verlust” verstanden.
| 2. | Östliche Religionen |
Im Hinduismus gilt die Seele oder das Selbst (Atman) als das Prinzip, das alle Handlungen steuert und das die Identität und das Bewusstsein des Menschen bestimmt. Die Upanishaden identifizieren Atman mit dem Göttlichen (Brahman). Die an die Materie gebundene Seele ist im Kreislauf der Reinkarnationen gefangen, bis sie Reinigung und Erkenntnis erlangt und mit der letzten Realität verschmilzt. Der Buddhismus lehrt, dass die einzelne Seele eine Illusion sei, die durch verschiedene psychologische und physiologische Einflüsse entsteht. Daher gibt es im Buddhismus keine Vorstellung einer Seele oder eines Selbst über den Tod hinaus. Die buddhistische Auffassung von der Reinkarnation sieht diese als Kette von Folgen, die jedoch keine fortdauernde Identität darstellt. Im Volksglauben des Buddhismus wird der Tod jedoch immer noch als Seelenwanderung betrachtet.
In der traditionellen Religion Chinas gibt es eine duale Vorstellung von der Seele, die aus einem niedrigeren, materielleren Teil (p’o) und einem höheren, geistigen Teil (hun) besteht. Der erste Teil stirbt mit dem Körper, nur der zweite Teil überlebt den Tod, wobei nur der letztere im Ahnenkult verehrt wird.
| 3. | Judentum und Christentum |
Im frühen Judentum galt die Persönlichkeit des Menschen als ein Ganzes, es gab keine scharfe Trennung von Körper, Seele und Geist. Im Mittelalter wurde die Seele im Judentum jedoch als Lebensprinzip definiert, das den Verfall des Körpers überlebte. Die christliche Vorstellung von der Seele wurde stark beeinflusst von der platonischen und aristotelischen Philosophie. Die Christen glauben, dass jeder Mensch eine unsterbliche Seele besitzt und dass der Mensch als Ganzes, durch seinen Glauben nach dem Tod an der Gegenwart Gottes teil hat. Bis zu Thomas von Aquin im 13. Jahrhundert, der die aristotelische Lehre übernahm, Seele und Körper seien zwei unterscheidbare Elemente einer einzigen Substanz, herrschte im Christentum die neuplatonische Theorie vor, die die Seele als Gefangene in einem materiellen Körper ansah. Infolgedessen kämpfte das Christentum über lange Zeit mit Richtungen wie dem Gnostizismus und dem Manichäismus, die die Seele als Gefangene in einem materiellen Universum und als getrennt vom spirituellen Reich des Lichtes auffassten.
| 4. | Islam |
Die Auffassung des Islam von der Seele ähnelt den jüdischen und christlichen Lehren. Nach dem Koran gelangt die Seele mit dem Atem Gottes in die Menschen, und beim Tod steigen die Seelen der Gläubigen zu Gott auf.