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| 3. | Armut in den Industriestaaten |
Laut Statistischem Jahrbuch verfügten in Deutschland im Jahr 2005 von 39,2 Millionen Haushalten knapp 1,3 Millionen über ein Nettohaushaltseinkommen von höchstens 500 Euro pro Monat. Besonders betroffen von Armut sind ältere Menschen, Behinderte sowie soziale Randgruppen, außerdem besteht ein enger Zusammenhang zwischen Armut und Arbeitslosigkeit. Auch viele Kinder leiden unter Armut: In Deutschland leben dem Kinderreport Deutschland 2007 des deutschen Kinderhilfswerks zufolge 2,5 Millionen Kinder und Jugendliche (14 Prozent) in Armut und sind auf Sozialhilfe angewiesen. Der Anteil armer Kinder ist danach zehn Mal so hoch wie 40 Jahre zuvor.
In den Industriestaaten machen heute allein erziehende Mütter und ihre Kinder einen großen Teil der armen Bevölkerung, nämlich etwa ein Drittel aus. Die Gründe hierfür liegen nicht nur in der Tatsache, dass berufstätige Frauen im Allgemeinen weniger verdienen als Männer; für eine allein erziehende Mutter ist es in den meisten Fällen auch extrem schwierig, für die Kinder zu sorgen, den Haushalt zu führen und außerdem noch einen Beruf mit einem angemessenen Einkommen auszuüben. Andere Gruppen, die überproportional unterhalb der Armutsgrenze leben, sind Behinderte und von ihnen abhängige Personen sowie sehr große Familien und Familien, in denen der Hauptverdiener entweder arbeitslos ist oder nur wenig verdient. Gerade in den unteren Lohngruppen liegen die Einkommen oft nur geringfügig über dem Niveau der Sozialhilfe. Krasse Formen der Verelendung, z. B. Obdachlosigkeit, haben in den letzten Jahren in allen Industrieländern zugenommen.
Arme finden sich häufig in einem Teufelskreis gefangen, aus dem es kaum ein Entrinnen gibt. Armut mindert die Bildungs- und damit Aufstiegschancen, kann krank machen, zur Ghettoisierung oder in die Kriminalität führen. Mit Armut ist heute nicht nur der Ausschluss von materiellen Gütern verbunden, sondern auch der tendenzielle Ausschluss aus der Gesellschaft. Während in der Werbung nahezu grenzenloser Konsum propagiert wird, ist ein wachsender Teil der Bevölkerung zu weitgehendem Konsumverzicht gezwungen, obwohl noch nie zuvor in der Geschichte ein solcher Überfluss an Produkten erzeugt wurde.
Seit Ende der siebziger Jahre werden in allen Industriestaaten durch Rationalisierung immer mehr Güter mit immer weniger Beschäftigten produziert. Auf diese Weise hat sich z. B. in der Bundesrepublik Deutschland eine Sockelarbeitslosigkeit gebildet, die scheinbar unaufhaltsam anwächst. Einschnitte in die staatlichen sozialen Sicherungssysteme verschlechtern die Lebenssituation der Betroffenen kontinuierlich, zudem schmälert die Inflation ihren Lebensstandard.
Der Mangel an Bildungsmöglichkeiten ist ebenfalls eine Ursache für Armut. Hiervon sind in den Industriestaaten häufig bestimmte ethnische Gruppen, wie z. B. Afroamerikaner in den Vereinigten Staaten, oder Randgruppen betroffen.