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Massachusetts
1. Einleitung

Massachusetts, einer der Neuenglandstaaten der Vereinigten Staaten von Amerika. Im Norden grenzt er an die Bundesstaaten Vermont und New Hampshire, im Osten an den Atlantik, im Süden an die Bundesstaaten Rhode Island und Connecticut, im Westen an den Bundesstaat New York.

Massachusetts trat am 6. Februar 1788 als sechster der 13 Gründerstaaten den Vereinigten Staaten von Amerika bei. Schon bald entwickelte es sich zu einem kulturellen Mittelpunkt, der u. a. durch die Harvard University bekannt wurde. Massachusetts wird auch „Staat der Buchten” genannt; größte Städte sind die Hauptstadt Boston, Worcester, Springfield, Lowell, New Bedford und Cambridge.

2. Land

Mit einer Fläche von 27 337 Quadratkilometern liegt Massachusetts hinsichtlich der Fläche an 44. Stelle der US-Bundesstaaten. Die größte Ausdehnung beträgt etwa 305 Kilometer in West-Ost- und circa 180 Kilometer in Nord-Süd-Richtung. Die Höhenerstreckung reicht vom Meeresspiegel am Atlantik bis zu 1 063 Metern im Mount Greylock im Nordwesten.

1. Physische Geographie

Massachusetts wurde während der vergangenen Eiszeiten landschaftlich stark überformt. Die überwiegend flache Küste im Osten wird von zahlreichen Buchten gegliedert und springt mit der Halbinsel Kap Cod weit in den Atlantik vor. Ihr vorgelagert sind die Inseln Nantucket und Martha’s Vineyard. Der gesamte Küstenabschnitt ist von sandigen Ablagerungen bedeckt. Westlich des Küstentieflandes befindet sich ein hügeliges Gebiet, das den größten Teil des Bundesstaates einnimmt. Bei diesen Hügeln handelt es sich um Moränen, charakteristische eiszeitliche Ablagerungen. Der bekannteste Moränenhügel ist Bunker Hill. Nach Westen steigt die Landschaft allmählich zu den Green Mountains an. Zwischen den Green und den Taconic Mountains liegt das Berkshiretal. Die Taconic Mountains sind hier niedriger als in Vermont; zu ihnen gehört die höchste Erhebung von Massachusetts, der Mount Greylock.

Zu den bedeutendsten Flüssen zählen der Connecticut River im Westen und der Merrimack River im Nordosten. Viele Städte sind durch umfangreiche Dammanlagen geschützt, die nach dem Hochwasser des Connecticut River von 1936 errichtet wurden. Das Quabbin-Staubecken am Swift River im zentralen Massachusetts ist das größte Trinkwasserreservoir des Staates.

2. Klima

Der Osten von Massachusetts hat aufgrund atlantischer Einflüsse maritim geprägtes Klima. Die Sommer sind warm, die Winter relativ mild. Zum Landesinneren werden die Bedingungen kontinentaler, die Temperaturunterschiede im Jahresverlauf steigen. Pittsfield im Westen hat eine Jahresdurchschnittstemperatur von 7,2 °C, Boston im Osten 10,8 °C und Nantucket 9,7 °C. Die extremsten bisher gemessenen Temperaturen liegen bei -37,2 °C im Jahr 1981 in Chester (Westen) und 41,7 °C im Jahr 1975 in New Bedford (Südosten).

Die Küstengebiete werden häufig von schweren Stürmen wie Hurrikans und Tornados heimgesucht. Ein besonders schwerer Tornado verwüstete 1953 das Gebiet um Worcester.

3. Flora und Fauna

Etwa 62 Prozent der Fläche Massachusetts’ sind von Wald bedeckt. Die am weitesten verbreiteten Bäume sind Birken, Rotbuchen, Ahornbäume, Eichen, Lärchen und Kiefern. Zur Flora des Gebiets gehören auch Heidekrautgewächse, Rhododendron, Akelei und Veilchen.

Zahlreiche Tierarten finden hier geeigneten Lebensraum, dazu zählen Weißwedelhirsche, Skunks, Waschbären, Biber, Waldmurmeltiere, Grau- und Rothörnchen sowie Beutelratten. In Binnengewässern leben Forellen, Barsche und Hechte, im Meer Kabeljaue, Heringe, Flundern und Hummer.

3. Bevölkerung

Massachusetts hat etwa 6,45 Millionen Einwohner (2007). Die Bevölkerungsdichte liegt bei 317 Einwohnern pro Quadratkilometer. Besonders dicht besiedelt ist das östliche Drittel des Bundesstaates. Weiße sind mit einem Anteil von 85 Prozent stärkste Bevölkerungsgruppe, 5 Prozent sind Schwarze. Außerdem leben Lateinamerikaner sowie Angehörige asiatischer und indianischer Volksgruppen in Massachusetts.

4. Bildung und Kultur

1821 wurde die erste höhere Schule der Vereinigten Staaten, die English High School in Boston, eröffnet. 1852 wurde Massachusetts erster US-Bundesstaat mit gesetzlicher Schulpflicht. Älteste und eine der angesehensten Hochschulen der USA ist die Harvard University in Cambridge, die 1636 gegründet wurde. In Massachusetts gibt es 31 öffentliche und 91 private Hochschulen (2005) mit einer Gesamtstudentenzahl von etwa 425 000. Neben Harvard ist vor allem die Universität von Massachusetts mit Niederlassungen in Amherst und Boston bekannt.

1. Kultureinrichtungen

Zu den bekanntesten Museen zählen das Museum of Fine Arts in Boston, mit amerikanischen, europäischen und asiatischen Kunstschätzen sowie das Isabella Stewart Gardner Museum in Boston mit Kunstsammlungen aus der italienischen Renaissance. Die erste Bibliotheksgründung in den amerikanischen Kolonien fand 1638 statt, als John Harvard seine Privatbibliothek dem Harvard College vermachte. Diese Bibliothek verfügt mittlerweile über mehr als elf Millionen Bände.

2. Sehenswürdigkeiten

Unter den Sehenswürdigkeiten befinden sich zahlreiche Gedenkstätten der Kolonialzeit und des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges. Zu den berühmtesten Stätten zählen Plymouth Rock, wo die Pilgerväter 1620 landeten, und Plimoth Plantation, eine Rekonstruktion der ersten Kolonialsiedlung in Plymouth. Auch der denkmalgeschützte Stadtteil Boston National Historical Park mit seinen herausragenden Kolonialbauten wird oft besucht.

5. Verwaltung und Politik

Massachusetts wird nach der ergänzten Verfassung von 1780 regiert. Regierungschef ist der Gouverneur, dessen Amtszeit vier Jahre beträgt, und der beliebig oft wiedergewählt werden kann. Die Gesetzgebung liegt beim Massachusetts General Court, bestehend aus Senat und Repräsentantenhaus. Die 40 Senatsmitglieder und 160 Mitglieder des Repräsentantenhauses sind jeweils für zwei Jahre direkt gewählt. Massachusetts entsendet zwei Senatoren und 10 Repräsentanten in die beiden Häuser des US-Kongresses. Der Staat hat 12 Wahlmännerstimmen bei US-Präsidentenwahlen.

6. Wirtschaft

Massachusetts hat nur ein geringes Potential an abbauwürdigen Rohstoffen; dazu gehören Kohle und Baustoffe wie Granit, Marmor, Basalt, Sand, Schotter, Tonerde, Torf und Kalk. Hauptanbauprodukte sind Tabak, Kartoffeln, Gemüse und Preiselbeeren. Daneben sind Milchwirtschaft und Geflügelhaltung von Bedeutung. Hohen wirtschaftlichen Stellenwert hat der Fischfang.

Massachusetts ist einer der führenden US-Industriestaaten. Wichtigste Produktionszweige sind Elektronik und Elektrotechnik. Daneben sind Maschinen- und Motorenbau, Herstellung von Präzisionsinstrumenten und Papier sowie Metall-, Textil- und Schuhindustrie von Bedeutung.

7. Geschichte

Vor Landung der ersten englischen Siedler lebten verschiedene Indianerstämme im heutigen Massachusetts. Giovanni da Verrazano fuhr im Dienst Frankreichs und erkundete 1524 die Küste des heutigen Staates. Im frühen 17. Jahrhundert unternahmen zwei Engländer bedeutende Erkundungsreisen: Bartholomew Gosnold landete 1602 im heutigen Provincetown auf Kap Cod; John Smith fuhr 1614 die Küste entlang und gab der Region den Namen Neuengland.

1. Das koloniale Massachusetts

Die Kolonialgeschichte von Massachusetts begann mit der Landung der Pilgerväter (Mitgliedern einer von der Kirche von England abgespaltenen Religionsbewegung) in Plymouth am 21. Dezember 1620. Sie errichteten die erste europäische Dauersiedlung in Massachusetts. In der folgenden Zeit wanderten zahlreiche Engländer ein und errichteten entlang der Atlantikküste etliche Siedlungen. Die anfangs friedlichen Beziehungen zu den Indianerstämmen brachen zusammen, und es kam zu Kämpfen, bei denen im Lauf des 17. Jahrhunderts mehrere Indianerstämme ausgerottet wurden.

Die Kolonie war führend am Britisch-Französischen Kolonialkrieg auf dem nordamerikanischen Kriegsschauplatz beteiligt; sie hatte auch wesentlichen Anteil am erfolgreichen Militärschlag der Neuengland-Kolonien gegen die Franzosen in Louisbourg (1745).

2. Revolution und staatliche Unabhängigkeit

Massachusetts führte den Widerstand der Kolonien gegen die britischen Steuergesetze vor Ausbruch des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges. Das so genannte Boston Massacre (5. März 1770), bei dem britische Soldaten fünf Kolonisten töteten, steigerte die revolutionäre Stimmung. Drei Jahre später warfen in der berühmt gewordenen Boston Tea Party als Indianer verkleidete Bürger der Stadt eine Ladung britischen Tee in den Bostoner Hafen. Im April 1775 brach der Nordamerikanische Unabhängigkeitskrieg mit dem Gefecht von Lexington Green aus. Mit der staatlichen Unabhängigkeit der USA erlebte Massachusetts einen wirtschaftlichen Aufschwung.

3. 19. Jahrhundert

Massachusetts entwickelte sich im 19. Jahrhundert zu einem wichtigen Industriestaat mit bedeutender Textil- und Schuhproduktion. Das früh entwickelte Bildungssystem, das als eines der besten in den Vereinigten Staaten gilt, trug auch zu außerordentlicher kultureller Blüte bei. In diesem Zusammenhang spielte auch die starke Zuwanderung von Menschen aus europäischen Ländern wie Italien und Irland eine wichtige Rolle. Darüber hinaus ging von Massachusetts die Bewegung der Sklavenbefreiung aus.

4. 20. Jahrhundert

Der Niedergang der einst mächtigen Textilindustrie in den dreißiger Jahren war ein schwerer wirtschaftlicher Rückschlag. Nach dem 2. Weltkrieg entwickelte sich der Bundesstaat zu einem bedeutenden Standort der Hightechindustrie. Besonders der Großraum Boston ist zu einem wichtigen Wissenschaftsstandort geworden.