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Borneo
1. Einleitung

Borneo, Insel im Malaiischen Archipel Südostasiens, nach Grönland und Neuguinea drittgrößte Insel der Welt.

Im Nordosten wird Borneo von der Sulusee, im Osten von der Celébessee und der Makassarstraße, im Süden von der Javasee, im Südwesten von der Karimatastraße und im Westen und Norden vom Südchinesischen Meer begrenzt. Der überwiegende Teil von Borneo ist indonesisches Staatsgebiet, im Nordwesten befinden sich die malaysischen Gliedstaaten Sabah und Sarawak sowie das kleine Sultanat Brunei. Die Insel hat eine Gesamtfläche von 751 100 Quadratkilometern.

2. Land

Die ganze Insel wird von stark zergliederten Gebirgsketten durchzogen, die mit dem Mount Kinabalu im Nordosten von Sabah mit 4 101 Metern die größte Höhe erreichen. In den Bergen entspringen viele Flüsse, von denen die wichtigsten Rajang, Kapuas, Barito und Mahakam sind.

Das Klima ist tropisch, die Jahresdurchschnittstemperaturen liegen bei etwa 26 °C und die Jahresniederschläge bei 4 064 Millimetern. Die stärksten Niederschläge fallen zwischen Oktober und Mai während des Nordostmonsuns.

Die dominierende ursprüngliche Vegetation, der tropische Regenwald, wurde insbesondere im Südosten und Osten der Insel durch Brandrodung großflächig zerstört; ehemals von Regenwald bestandene Flächen sind heute zumeist von Grasfluren bedeckt. Verheerende Waldbrände, durch die u. a. die auf Borneo heimischen Orang-Utans in ihrer Existenz gefährdet wurden, gab es in den Jahren 1982/83 und 1997. Zur Säugetierfauna Borneos gehören außerdem Nasenaffen, Koboldmakis, Tupaias und Riesengleitflieger. Im Regenwald wachsen über 50 Nutzholzarten.

3. Bevölkerung

Auf Borneo leben etwa 12,5 Millionen Menschen. Die größten Städte sind Banjarmasin, Pontianak und Balikpapan im indonesischen Teil und Kuching in Sarawak. Die Bevölkerung besteht aus vielen verschiedenen Gruppen. Die Dayak, die hauptsächlich im Landesinneren leben, sind die Ureinwohner Borneos. Während Chinesen auf eigene Initiative eingewandert sind, wurden Javaner gezielt angesiedelt; Minderheiten sind Europäer und Inder.

4. Wirtschaft

Zu den wichtigsten Bodenschätzen Borneos zählen die reichen Erdölfelder, die zum Teil bereits 1888 entdeckt wurden. Ergiebige Vorkommen gibt es vor allem in Brunei und an der Ostküste nahe der Stadt Balikpapan. Im Osten der Insel wird auch Erdgas gefördert. Kohle wird bei Mahakam, Eisenerz bei Pelaihari abgebaut, Bauxit im Westen von Sarawak gefördert. In den letzten Jahren entdeckte man im Nordosten der Insel einige ergiebige Goldminen. Die ausgedehnten Regenwaldbestände verhinderten bisher eine exportorientierte Landwirtschaft. Nur Kautschuk wird in größeren Mengen ausgeführt; Kokosnüsse, Reis, Kaffee, Tabak, Pfeffer und Zimt werden hauptsächlich für den Eigenbedarf angebaut. Die unzureichende Infrastruktur auf der Insel hat bisher einen deutlichen Wirtschaftsaufschwung auf Borneo verhindert.

5. Geschichte

Inschriften bei Kutei lassen auf indische Siedlungen bereits um 500 n. Chr. an den Flussmündungen schließen. Das auf Sumatra liegende Königreich von Srivijaya beeinflusste lange Zeit die westlichen Küstenregionen. Im 14. Jahrhundert kontrollierte das javanische Reich Majapahit einen Großteil des südlichen Borneo. Das Sultanat Brunei, das gegen Ende des 15. Jahrhunderts gegründet wurde, beherrschte im folgenden Jahrhundert den Norden Borneos und die Sulu-Inseln.

1518 erreichten Portugiesen Borneo, 1598 fiel der südliche Teil der Insel an die Niederlande. 1847 annektierten die Briten das nördliche Borneo. 1888 wurden Brunei und Sarawak britisches Protektorat. Von 1942 bis 1945 war ein Großteil der Insel von Japan besetzt. Ende 1949 übertrugen die Niederlande die Souveränität über die südlichen Gebiete (Kalimantan) an Indonesien.

1963 schlossen sich Sarawak und Sabah mit Malaya zum Malaiischen Bund zusammen, das Sultanat Brunei blieb weiterhin britisches Protektorat. Am 1. Januar 1984 wurde Brunei unabhängig.

Nach wiederholten blutigen Auseinandersetzungen zwischen den Dayak und den zugewanderten Indonesiern unterzeichneten Vertreter beider Konfliktparteien im März 2001 ein Friedensabkommen.