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Maine
1. Einleitung

Maine, einer der Neuenglandstaaten der USA. Maine grenzt im Norden und Osten an die kanadische Provinz New Brunswick, im Süden an den Golf von Maine (ein Ausläufer des Atlantischen Ozeans), im Westen an New Hampshire und im Nordwesten an die kanadische Provinz Quebec. Die Nordgrenze wird von den Flüssen Saint John und Saint Francis gebildet; der Saint Croix River bildet einen Teil der Südostgrenze und der Salmon Falls River einen Teil der Südwestgrenze. Die kleine, im südöstlichen Teil des Staates gelegene Halbinsel West Quoddy Head, ist der östlichste Punkt der Vereinigten Staaten.

Maine trat am 15. März 1820 nach der Loslösung von Massachusetts als 23. Staat der Union bei. Ende des 19. Jahrhunderts begann die Industrie eine immer größere Rolle in der Wirtschaft des Staates zu spielen. Die Bezeichnung des Staates stammt vermutlich von englischen Entdeckern ab, die damit das Festland bezeichneten (englisch Mainland); es könnte sich aber auch um die ehemalige Provinz im heutigen Kanada handeln. Bedeutendste Städte sind neben der Hauptstadt Augusta die Städte Portland, Leinston, Bangor, Auburn und South Portland.

2. Land

Mit einer Fläche von 91 647 Quadratkilometern nimmt Maine die 39. Stelle in der Rangfolge der größten Bundesstaaten ein und ist der größte Neuenglandstaat. Die größten Ausdehnungen betragen in Nord-Süd-Richtung 510 Kilometer und in Ost-West-Richtung 330 Kilometer. Die Höhenlage reicht von Meereshöhe an der Küste bis zu 1 605 Meter am Gipfel des Mount Katahdin, der sich im Zentrum des Staates befindet. Die Atlantikküste ist 367 Kilometer lang.

1. Physische Geographie

Maine gliedert sich in drei wichtige geographische Regionen: das Seaboard Lowland, das New England Upland und die White Mountains. Das Seaboard Lowland befindet sich an der Küste und besteht aus einer hügeligen Landschaft, die durch zahlreiche Buchten und Fjorde gekennzeichnet ist. Vorgelagert sind über 1 200 meist bewaldete Inseln. Mount Desert Island ist die größte Insel des Bundesstaates.

Der Großteil Maines gehört zum New England Upland, einer teilweise zerklüfteten Gebirgslandschaft.

Die höchsten Erhebungen Maines befinden sich in der Region der White Mountains, die sich bis nach New Hampshire und Vermont erstrecken. Zu diesem landschaftlich reizvollen Gebiet gehören verwitterungsbeständige Granitberge, wie der Mount Katahdin.

Maine ist zum großen Teil von glazialen Ablagerungen bedeckt. Die äußerst trockenen und unfruchtbaren Böden eignen sich zwar zur Pflanzung von Tannen und dem Anbau von Kartoffeln, für die der Staat berühmt ist, anderweitig sind sie aber kaum nutzbar. Teile des New England Upland und des Seabord Lowland sind von langen Rinnen und Kiesbetten durchzogen. Dabei handelt es sich um Flussbetten, die während der Eiszeit unter den Gletschern entstanden.

In Maine gibt es mehr als 5 100 Flüsse und Bäche. Die größten sind Saint John, Saint Croix und Penobscot. Es gibt mehr als 2 200 Seen.

2. Klima

Maine gliedert sich in drei klimatisch unterschiedliche Regionen: die Küste, das nördliche und das südliche Binnenland. Im Küstenbereich, der etwa 30 Kilometer weit ins Landesinnere reicht, ist das Klima relativ ausgeglichen. Die Wintertemperaturen sind hier wesentlich milder, die Sommertemperaturen kühler als im Binnenland.

Im nördlichen Binnenland, das etwa 60 Prozent der Gesamtfläche des Staates umfasst, herrscht Kontinentalklima vor. In weiten Gebieten liegt die Anbausaison bei unter 100 Tagen im Jahr; die Winter sind in der Regel hart und kühl.

Das südliche Binnenland ist der wärmste Teil Maines. In North Bridgton wurde im Jahr 1911 mit 40,6 °C die höchste Temperatur in ganz Maine gemessen.

Wie im übrigen Neuengland sind Wirbelstürme in Maine eher selten; mitunter wird der Staat aber von Orkanen heimgesucht, die von der Atlantikküste ins Landesinnere ziehen. Häufiger sind Küstenstürme, die so genannten Northeasters, die die Küste mit starkem Wind und Regen bzw. Schneefall heimsuchen.

3. Flora und Fauna

Maine ist zu etwa 90 Prozent bewaldet. Etwa zwei Drittel der Wälder bestehen aus Nadelbäumen (verschiedene Tannenarten und Fichten). Häufig vorkommende Laubbaumarten sind die Schwarzkirsche, die zur Möbelherstellung verwendet wird, und die weiße Esche, die als Nutzholz Verwendung findet.

Zu den in Maine lebenden großen Säugetieren gehören neben Hirschen auch Elche und Schwarzbären. Auch zahlreiche kleine Säugetiere, wie Biber, Bisamratte, Stinktier und Waschbär, sind hier zu Hause. In den Binnengewässern finden sich vor allem Forelle, Lachs, Barsch und Hecht. Maine ist bekannt für seine Meeresfrüchte und -fische. Dazu gehören Hummer, Muscheln, Krabben, Shrimps, Kabeljau und Flunder. Entlang der Küste leben Seerobben.

4. Bodenschätze und Industrie

Wie in den anderen Neuenglandstaaten hat der Abbau von Erzen in Maine nie eine größere Rolle gespielt. In begrenzten Mengen kommen Eisen, Mangan, Kupfer, Blei, Zink, Silber, Gold, Platin und Zinn vor. Zu den nichtmetallischen Rohstoffen des Staates zählen Asbest, Sand und Kies, Stein, Torf, Granit, Kalkstein, Quarz, Glimmer, Feldspat, Graphit und Edelsteine.

Über 95 Prozent des ausgedehnten Waldbestands in Maine befinden sich in Privatbesitz. Jährlich werden beträchtliche Mengen an Zellstoff und Nutzholz hergestellt. Etwa 65 Prozent des geschlagenen Holzes ist Weichholz. Die Fischerei ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Maine; das wertvollste Produkt ist dabei der Hummer.

Anfang der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts waren die wichtigsten Erzeugnisse Holz für Papierwaren und Sägewerke, Transportfahrzeuge, elektronische Geräte, Lederwaren, Textilien sowie Lebensmittelprodukte. Zudem spielt der Tourismus eine wichtige Rolle.

3. Bevölkerung

Die Einwohnerzahl beträgt etwa 1,32 Millionen (2007). Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte liegt bei 17 Personen pro Quadratkilometer. 97 Prozent der Bevölkerung sind Weiße, 0,5 Prozent Schwarze. Der Rest setzt sich größtenteils aus Indianern der Stämme der Penobscot und der Passamaquoddy zusammen.

4. Bildung und Kultur

Die ersten Schulen in Maine wurden zu Beginn des 18. Jahrhunderts gegründet; das staatliche Schulwesen geht auf das Jahr 1828 zurück. In Maine gibt es 15 öffentliche und 15 private Hochschulen (2005), die zusammen von etwa 60 000 Studierenden besucht werden.

Maine verfügt über zahlreiche Kultureinrichtungen. Zu den staatlichen Museen gehören das Portland Museum of Art mit einer hervorragenden Sammlung amerikanischer Gemälde aus dem 19. Jahrhundert, das William A. Farnsworth Library and Art Museum in Rockland und das Bowdoin College Museum of Art in Brunswick mit einer umfassenden Sammlung europäischer, amerikanischer und asiatischer Kunst.

1. Sehenswürdigkeiten

Eine Attraktion ersten Ranges ist der sich größtenteils auf Mount Desert Island befindende Acadia Nationalpark mit seinen zerklüfteten Küstenlandschaften. Der Mount Katahdin im Baxter State Park ist der nördliche Endpunkt des Appalachian National Scenic Trails, der im Süden bis nach Georgia reicht.

Zahlreiche alte Landhäuser sowie Gebäude und Kirchen erinnern an die Geschichte Maines. Das Saint Croix Island International Historic Site in der Nähe von Calais umfasst das Gelände einer früheren französischen Siedlung aus den Jahren 1604 bis 1605. In der Burnham Tavern (1770) in Machias schmiedeten die Amerikaner den Plan, das britische Kriegsschiff Margaretta aufzubringen (1775). Das Wadsworth-Longfellow House in Portland ist das Haus, in dem der Dichter Henry Wadsworth-Longfellow seine Kindheit verbrachte.

2. Sport und Erholung

Die Küste, die Binnenseen, Flüsse, Gebirge und Wälder in Maine bieten zahlreiche Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung im Freien. Dazu gehören Schwimmen, Bootssport, Wandern, Angeln und Jagen. Daneben gibt es in dem Staat eine Reihe von Skiorten. Auf der Rennbahn Scarborough Downs in der Nähe von Old Orchard Beach werden Pferderennen veranstaltet.

5. Verwaltung und Politik

Maine wird gemäß seiner aus dem Jahr 1820 stammenden Verfassung regiert. Im selben Jahr trat Maine auch der Union bei. Träger der Exekutive ist der Gouverneur, das einzige Mitglied der Exekutive, das vom Volk gewählt wird. Seine Amtszeit beträgt zwei Jahre. Er kann beliebig oft wieder gewählt werden, jedoch immer nur für zwei aufeinander folgende Amtszeiten. Staatssekretär, Finanzminister und Justizminister werden vom Parlament gewählt.

Träger der Legislative ist das Parlament. Die beiden Kammern bestehen aus dem Repräsentantenhaus mit 151 Mitgliedern und dem Senat mit 35 Mitgliedern. Sämtliche Parlamentarier werden auf zwei Jahre gewählt. Auf Bundesebene ist Maine mit zwei gewählten Senatoren und 2 Mitgliedern des Repräsentantenhauses vertreten. Bei den bundesweiten Präsidentschaftswahlen stehen dem Staat 4 Wahlstimmen zu.

Zwischen 1850 und 1950 dominierte die Republikanische Partei die politische Landschaft in Maine. Dann wurden die Demokraten sowohl auf Länder- als auch auf Kommunalebene immer stärker. 1968 stellte sich mit dem US-Senator Edmund S. Muskie ein Bewohner des Staates als Kandidat für die Wahl zum Vizepräsidenten zur Verfügung. In diesem Jahr konnten die Demokraten den Staat gewinnen, ansonsten führen in der Regel die Kandidaten der Republikaner.

6. Geschichte

Als die ersten Europäer in das Gebiet des heutigen Maine kamen, war das Land von Indianern der Algonkin-Sprachfamilie bewohnt. Sie bildeten eine lockere Organisation, die unter der Bezeichnung Abnaki oder Wabanaki (Volk des Sonnenaufgangs) bekannt ist. Von diesen Stämmen haben nur die Penobscot und die Passamaquoddy bis zum heutigen Tag überlebt. Viele wurden im 17. Jahrhundert von französischen Missionaren zum Katholizismus bekehrt und kämpften in den Französisch-Englischen Kriegen aufseiten der Franzosen.

1. Kolonialzeit

Ausgehend von den Entdeckungen John Cabots ein Jahrhundert zuvor, beanspruchte König James I. von England das gesamte Gebiet Neuenglands und ermächtigte die Plymouth Company 1606 mit der Kolonisierung der Region. Im Jahr darauf gründete die Company an der Mündung des Kennebec auf der Halbinsel Sagadahoc die erste Siedlung, die aber nur ein Jahr gehalten werden konnte. Französische Siedlungen auf den Inseln Saint Croix und Mount Desert Island scheiterten ebenfalls.

1620 ernannte König James John Mason und Sir Ferdinando Gorges zu den Eigentümern der Region zwischen den Flüssen Merrimac und Kennebec, aber sie trugen nur wenig zur Erschließung des Landes bei. 1677 wurde Maine an Massachusetts angeschlossen, 1691 wurde dieser Anschluss in der Charta für Massachusetts bestätigt.

2. Unabhängigkeit

Die Unabhängigkeitsbewegung, die für eine Loslösung von Massachusetts eintrat, gründete sich bereits 1785; durchsetzungsfähig wurde sie aber erst ab 1816, nachdem sie durch die Brunswick Convention populär gemacht wurde. 1819 billigte das höchste Gericht in Massachusetts die Abspaltung Maines, und im selben Jahr wurde in Portland eine verfassunggebende Versammlung einberufen. Im Dezember 1819 beantragte Maine vor dem US-Kongress die Aufnahme in die Union und wurde schließlich 1820 unter den Bedingungen des Missouri Compromise als 23. Bundesstaat zugelassen.

Als Maine unabhängig wurde, war nur etwa die Hälfte der Gesamtfläche des Staates besiedelt. Das übrige Gebiet war zu einem großen Teil noch nicht einmal vermessen. Daraus entwickelten sich Grenzstreitigkeiten mit der benachbarten kanadischen Provinz New Brunswick. Ende der dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts versuchten sowohl amerikanische als auch kanadische Holzfäller das umstrittene Gebiet im heutigen Bezirk Aroonstook County in Besitz zu nehmen. Der so genannte Aroonstook War wurde von amerikanischen Truppen unter General Winfield Scott beendet. Mit dem Webster-Ashburton-Vertrag von 1842 erfolgte eine endgültige Festlegung der bislang ungeklärten Grenzverhältnisse.

3. Der soziale Wandel

Vor dem Amerikanischen Bürgerkrieg beruhte das Wirtschaftswachstum in Maine auf der Versorgung der amerikanischen Nation mit Holzprodukten und Eis zur Lebensmittelkonservierung. Weitere Wachstumsbranchen waren die Granit- und Kalksteinproduktion, die Textil- und Fischereiindustrie sowie der Schiffbau. Die steigenden Anforderungen an das Transportwesen sorgten für eine Forcierung des Eisenbahnbaues. Nach dem Bürgerkrieg trug das Aufkommen von Dampfschiffen und der Abzug der Textilindustrie aus Neuengland zum Niedergang der Wirtschaft bei. Maine verlegte sich zunehmend auf die Produktion von Zellstoff und Papier; zudem spielte ab den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts der Tourismus eine immer größere Rolle.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden in Maine mehrheitlich die Kandidaten der Demokratischen Partei unterstützt. Der Demokrat Edmund Muskie wurde zweimal zum Gouverneur gewählt. Nationale Bekanntheit erreichte er zunächst als US-Senator und später als Außenminister unter US-Präsident Jimmy Carter.

Nach dem 2. Weltkrieg hatte man in Maine mit dem Problem der ländlichen und städtischen Armut zu kämpfen. In den siebziger und achtziger Jahren kam es zu erbitterten Kontroversen um Energie- und Umweltschutzfragen, als Bürgerinitiativen immer wieder versuchten, die Betriebsgenehmigung für das einzige Kernkraftwerk des Staates aufheben zu lassen. In den achtziger Jahren kam es wie in den meisten anderen Neuenglandstaaten auch zu einem Wirtschaftsaufschwung; zwischen 1980 und 1989 stieg Maine in der Rangfolge der Bundesstaaten bezüglich des verfügbaren Pro-Kopf-Einkommens der Bürger vom 39. auf den 21. Platz.