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Bäume
1. Einleitung

Bäume, mehrjährige Pflanzen mit einem meist aufrechten, holzigen Hauptstamm.

Bäume sind nicht nur die größten Lebewesen der Erde, sondern können auch Lebensspannen von mehreren tausend Jahren erreichen. Sie produzieren den wohl wichtigsten Bau- und Werkstoff, nämlich Holz. Ein Baum unterscheidet sich von einem Strauch im Allgemeinen dadurch, dass er nur einen einzigen Hauptstamm bildet. Und im Unterschied zu krautigen Pflanzen besteht dieser Stamm fast ausschließlich aus verholztem Gewebe. Der Hauptstamm kann (wie bei Fichten oder Tannen) bis zum Wipfel durchgehend sein, oder er teilt sich (wie bei Buchen oder Eichen) in einer Höhe von fünf bis zehn Metern in mehrere Hauptäste und entwickelt dadurch eine oft charakteristische Krone. Bäume einiger kleinerer Arten entwickeln manchmal mehrere Stämme, ähnlich wie Sträucher. Die meisten größeren Baumarten wachsen jedoch ausschließlich in der erwähnten typischen Baumform.

Hinsichtlich ihrer Dimensionen findet man bei Bäumen eine erstaunliche Vielfalt. Kompakte, dicke Riesenbäume wie der ostafrikanische Baobab können bei einer Höhe von nur etwa 20 Metern Stammdurchmesser von über zehn Metern haben. Australische Eukalyptusbäume erreichen dagegen Höhen von bis zu 132 Metern; diese Rekordhöhe wurde im 19. Jahrhundert gemessen. Ein als „General Grant” bezeichneter kalifornischer Riesenmammutbaum ist zwar nur 89 Meter hoch, weist aber einen Stammdurchmesser von 12,3 Metern auf. Der verwandte Immergrüne Mammutbaum (auch Redwood oder Küstensequoia genannt) wird zwar nicht so dick, stellt aber mit Höhen bis 115 Meter die derzeit höchsten Bäume der Welt.

Frei stehende Altbäume sind durch Windwurf oder Stammbruch besonders gefährdet, wenn ihr Verhältnis zwischen Höhe und Stammfußdurchmesser den Faktor 50 überschreitet; dies berichtete 2002 ein Wissenschaftler des Forschungszentrums Karlsruhe. Ein 60 Meter hoher Baum mit einem Stammfußdurchmesser von nur einem Meter (dieses Verhältnis entspricht also dem Faktor 60) wäre erheblich gefährdet, weil Wind die Krone des relativ dünnen Baumes weit herabbiegen könnte und der Baum „kopflastig” würde. Einzeln aufgewachsene Bäume haben zumeist einen relativ dicken Stamm (Faktor 25 bis 35), Bäume im geschlossenen Bestand streben jedoch auf Kosten des Dickenwachstums schnell zum Licht und sind daher gefährdet, wenn sie durch forstliche Maßnahmen frei gestellt werden.

Die kleinste Baumart, die Zwergweide, wächst in einigen der unwirtlichsten Gegenden der Erde: in der Arktis, aber auch in Hochregionen der Alpen. Nur wenige Zentimeter groß schmiegt sie sich eng an den Boden und versteckt ihre Blätter zwischen Kieseln, um sich vor den heftigen Winden zu schützen. Ihr Wachstum ist auf wenige, klimatisch günstige Wochen im Sommer beschränkt, während derer auch die kleinen, pelzigen Blüten ausgebildet werden. Man könnte die Bonsaibäume ebenfalls zu den kleinsten Bäumen der Erde zählen. Hier handelt es sich aber um das Ergebnis besonderer Pflegemaßnahmen. Durch Beschneiden und Nährstoffmangel können beispielsweise Ahorn oder Eiche, aber auch viele andere Baumarten, in ihrem Wachstum so eingeschränkt werden, dass hundert Jahre alte Bonsais nur etwa einen halben Meter hoch sind.

Bäume kann man neben der systematischen Gliederung (z. B. in Gattungen oder Familien) auch nach anderen Gesichtspunkten einteilen, etwa in sommergrüne (laubwerfende) und immergrüne Bäume. Immergrüne Bäume tragen ihre Blätter das ganze Jahr über, wobei sie stets einen kleinen Teil ihrer älteren Blätter abwerfen und diese durch neue Blätter, allerdings auf neu gewachsenen Zweigen, ersetzen. Man unterscheidet zwei häufige immergrüne Blatttypen: (1) Nadelblätter, unter denen die festen, schmalen, nadel- oder schuppenartigen Blätter der meisten Koniferen (Nadelhölzer) charakteristisch sind; und (2) die breiten, flächigen Blätter der Bedecktsamer (Angiospermen), deren immergrüne Arten hauptsächlich in tropischen Gebieten vorkommen, aber auch in gemäßigteren Zonen zu finden sind.

Sommergrüne Bäume verlieren ihre Blätter alljährlich, normalerweise vor Beginn der kältesten und dunkelsten Jahreszeit. Der biologische Sinn des hormonell gesteuerten Laubabwurfs besteht vor allem darin, die Transpiration in der kalten Jahreszeit einzuschränken, da der im Winter häufig gefrorene Boden dem Baum keinen Wassernachschub ermöglicht. Problematisch wäre dies besonders an den gelegentlichen warmen und sonnigen Wintertagen. Dann würde der Baum versuchen, Photosynthese zu betreiben, er würde seine Spaltöffnungen öffnen und dabei sofort Wasser verlieren, ohne es aus dem Boden nachsaugen zu können. Der Wasserverlust würde den Baum vertrocknen lassen, was manchmal durchaus bei den eigentlich dagegen geschützten Immergrünen passieren kann und als Frosttrocknis bezeichnet wird.

Ein weiterer Vorteil des Blattabwurfs besteht darin, alte, beschädigte oder durch Umwelteinflüsse beeinträchtigte Blätter samt den akkumulierten Schadstoffen abzuwerfen und durch neue zu ersetzen. Um zu verhindern, dass wertvolle Inhaltsstoffe beim Blattabwurf verloren gehen, werden vorher Zucker, Aminosäuren und Mineralstoffe aus dem Blatt in Stamm oder Wurzel transportiert, wo sie bis zum Frühjahr gespeichert werden. Bei diesem Prozess, der den Herbst durch die Entwicklung prächtiger Blattfarben optisch besonders reizvoll erscheinen lässt, wird der grüne Blattfarbstoff, das Chlorophyll, zerstört. Ursprünglich überdeckte Farben werden sichtbar, aber auch andere, artspezifische Verfärbungen entwickeln sich im Lauf der Absterbevorgänge. Bei Bäumen in Trockengebieten, wo weniger Kälte oder Lichtmangel, als vielmehr Wassermangel der limitierende Umweltfaktor ist, werden die Blätter sinnvollerweise mit Beginn der Trockenzeit abgeworfen.

Das Pflanzenhormon Abscisinsäure sorgt für die Ausbildung eines Trenngewebes aus Kork am Ansatz des Blattstieles, so dass das Blatt im Wind leicht abbricht und zu Boden fällt. Die immergrünen Bäume in den warmen Tropen haben solche Probleme nicht; die in den kalten Breiten hingegen müssen sich sowohl gegen Trockenheit als auch gegen Kälte wappnen. Dafür wandeln sie zu Beginn des Herbstes bzw. mit dem Einsetzen der möglichen Frostperiode die unlösliche Stärke in den Blättern in lösliche Zucker um, die (ähnlich dem Glykol im Autokühler) als Frostschutzmittel dienen. Gegen Trockenheit sind die Blätter durch massive, lackähnliche Blattüberzüge aus Cutin oder durch dicke Wachsschichten geschützt.

2. Systematische Einordnung

Alle Bäume sind Samenpflanzen. Man unterscheidet (1) Gymnospermae (Nacktsamer), deren Blüten meist wie Zapfen aussehen (daher der alternative Name Koniferen nach lateinisch conifer: Zapfen tragend) und (2) Angiospermae, die auch als Bedecktsamer bezeichnet werden. Diese eigentümlichen Namen rühren daher, dass man bei den Nacktsamern die Samen direkt in den Zapfen sehen kann, während bei den Bedecktsamern die Samen in einem Fruchtknoten eingeschlossen sind, aus dem die Frucht (beispielsweise eine Apfelsine) hervorgeht. Die Bedecktsamer lassen sich in zwei Klassen unterteilen: die Einkeimblättrigen (Monocotyledonae) und die Zweikeimblättrigen (Dicotyledonae). Diese Namen beziehen sich auf die Zahl der allerersten Blätter nach Keimung der Samen. Von den insgesamt 80 000 bis 100 000 Baumarten sind fast alle zweikeimblättrig. Es gibt nur einige Hundert einkeimblättrige und weniger als 1 000 nacktsamige Arten.

Alle fünf heute lebenden Ordnungen der Nacktsamer bestehen hauptsächlich aus Baumarten. Die bedeutendsten nacktsamigen Ordnungen sind die Coniferales (Pinales) und die Taxales, die zusammen die Koniferen bilden. Unter den Bedecktsamern gibt es nur wenige einkeimblättrige Baumarten. Die einzige einkeimblättrige Familie, die überwiegend aus Bäumen besteht, sind die Palmen, deren Gattungen in den tropischen und subtropischen Regionen der ganzen Welt heimisch sind. Eine weitere baumartige Gattung der Einkeimblättrigen bilden die Drachenbäume, die vor allem auf den Kanarischen Inseln, aber auch in den Bergen von Marokko und auf der Insel Sokotra vorkommen. Allerdings ist anzumerken, dass alle einkeimblättrigen Bäume trotz ihres teils imposanten Erscheinungsbildes (Kokospalmen werden bis 30 Meter hoch) kein festes, stabiles Holz bilden, aus dem sich Bretter schneiden lassen. Vielmehr erzeugen sie wegen ihrer besonderen Wachstumsweise im Stamm nur verklebte Faserbündel, da ihnen eine spezielle Wachstumszone, das Kambium, fehlt.

3. Evolution

Bäume existieren erst seit dem Devon des Erdaltertums (siehe Paläozoikum). Als erste Baumgattung, die zwar noch zu den Sporenpflanzen gehörte, aber bereits die Gestalt und weitere Merkmale von Samenpflanzen aufwies, gilt Archaeopteris. Die ältesten den Paläobotanikern bekannten Samenpflanzen unter den Bäumen gehören zur Gattung Cordaites, deren Ursprung in der frühen Devonperiode liegt und die am Ende des Paläozoikums ausstarb. Die älteste bekannte und noch immer vorkommende Ordnung, die der breitblättrigen, nacktsamigen Ginkgoales, ist heute nur noch durch eine einzige Art vertreten, den Ginkgobaum. Er besitzt eigenartige fächerförmige Blätter, die sich im Herbst leuchtend gelb verfärben, weshalb der ursprünglich aus China stammende Baum heute überall gern in Gärten und Parkanlagen gehalten wird. Nadelhölzer gibt es ungefähr seit Mitte des Karbons. Bedecktsamige Bäume tauchen später in der jüngeren Kreidezeit des Mesozoikums auf, und mit Beginn des Pliozäns im Känozoikum hatten sich alle heute bekannten Gattungen entwickelt. Die Mehrheit der fossilen Baumblätter, die in Felsformationen des Pliozäns gefunden werden, können von den Blättern heutiger Bäume bereits nicht mehr unterschieden werden.

4. Ansprüche an Klima und Boden

Bäume gedeihen überall, wo im größten Teil des Jahres genügend Wasser vorhanden ist und ausreichende Temperaturen gegeben sind. In Wüstengebieten oder Regionen, wo das Wasser gerade für Graslandvegetation ausreicht, gibt es nur wenige Bäume. Hier wachsen Bäume nur bei künstlicher Bewässerung, in Wüstenoasen oder als Galeriewälder entlang von Flüssen oder Bächen, wo sie das Grundwasser nutzen, das auch nach dem Versiegen des temporär fließenden Oberflächenwassers noch verfügbar ist. In hohen Gebirgslagen, z. B. am Kilimanjaro, oder in kälteren Breiten wird das Baumwachstum durch die kurze Vegetationsperiode bestimmt, so dass sich aus der Kombination von niedrigen Temperaturen und/oder geringer Sonneneinstrahlung eine Grenze für das Baumwachstum (Baumgrenze) einstellt. Selbst für die relativ kältegewohnten Koniferen reicht der sehr kurze Sommer nicht aus, um Nadeln und Samen reifen zu lassen. Vereinzelt an der Baumgrenze verkrümmt und verdreht wachsende Bäume werden Krummholz genannt. Unter idealen Bedingungen jedoch wachsen Bäume in großen Gruppen und bilden in Form von Wäldern eigene Ökosysteme.

Die Klima- und Bodenansprüche von Bäumen variieren von Art zu Art. Die meisten Baumarten sind weit verbreitet, wobei aber meist nur ein kleiner Teil ihres Verbreitungsgebiets den Bäumen ein optimales Wachstum ermöglicht. Die häufigste Art in einem bestimmten Gebiet wird als dominant bezeichnet. In vielen Waldgebieten Mitteleuropas dominiert beispielsweise die Rotbuche (siehe Buchengewächse). Wie 1999 im Wissenschaftsmagazin Nature berichtet wurde, entfalten europäische Bäume ihre Blätter seit einigen Jahren durchschnittlich sechs Tage früher, da der Frühling früher einsetzt, und sie werfen die Blätter mit dem späteren Herbstbeginn fünf Tage später ab als in den sechziger Jahren. Diese Verlängerung der Wachstumsphase gilt als Folge der globalen Erwärmung.

5. Grundstruktur

Nimmt man einen älteren Zweig zur Hand und durchdringt in Gedanken von außen nach innen die einzelnen Zonen und Schichten, aus denen er aufgebaut ist, dann ist das braungraue Material, das den Zweig umgibt, die Borke. Sie ist artspezifisch unterschiedlich dick und besteht aus toten Korkzellen, die das innere Gewebe schützen und gleichzeitig verhindern, dass der Zweig (oder Stamm) unkontrolliert Wasser verliert. Man beachte, dass erst die sich nach innen anschließende Schicht als Rinde bezeichnet wird; sie enthält oft noch grüne Zellen und ist ein lebendes Gewebe. Weiter innen liegt eine dünne, zarte, aber lebenswichtige Zone, das Phloem (gesprochen Flo-em). In diesen röhrenförmigen, zarten Zellen wird der Zuckersaft aus den Blättern in den Stamm und die Wurzel abtransportiert. An das Phloem schließt sich nach innen die Wachstumszone (Kambium) an, in der während der Vegetationsperiode ständig Zellen produziert werden: zur Peripherie hin Phloemzellen und nach innen Xylemzellen (siehe den folgenden Abschnitt Meristematisches Wachstum).

Das Xylem ist der eigentliche Holzkörper des Baumes. Es besteht aus stark verholzten Wasserleitungsröhren, die das Wasser mit den Mineralien aus der Wurzel nach oben in die Blätter leiten. Allerdings ist meist nur noch der äußere Bereich dieses Holzkörpers, des Xylems, aktiv und lebendig. Die inneren Bereiche sind abgestorben und dienen (was insbesondere bei dicken, hohen Bäumen leicht einsehbar ist) der Stabilität. Die toten Bereiche des Xylems – auch als Kernholz bezeichnet – sind vor allem bei Tropenbäumen in feuchtheißem Klima mit bunten Farb- und Gerbstoffen imprägniert, um das Wachstum von zerstörerischen Mikroorganismen zu verhindern, die in diesen Klimaten besonders aggressiv sind. Diese Schönheit und Beständigkeit des Tropenholzes führt andererseits zum Raubbau an diesen Hölzern. Im Zentrum des Stammes findet sich ein Speichergewebe, das Mark, das nur im Jugendzustand des Baumes deutlich zu sehen ist.

6. Meristematisches Wachstum

Nach der Keimung des Samens und der Entwicklung der beiden Keimblätter bildet sich zwischen Phloem und Xylem (also den Zucker- bzw. Wasserleitelementen) eine Schicht embryonaler Zellen, das so genannte Kambium. Dieses Kambium ist als Meristem (teilungsfähiges Gewebe) für das Dickenwachstum der Bäume verantwortlich. Allerdings trifft dies nur für die zweikeimblättrigen Bäume zu. Einkeimblättrige Bäume hingegen besitzen kein derartiges Kambium, das sie während des Höhenwachstums auch dicker werden lassen könnte. Eine drei Meter hohe Palme weist aus diesem Grund etwa den gleichen Stammdurchmesser auf wie eine 20 Meter hohe; auch die Zahl der Blätter ist gleich. Da Palmen keinen Kambiumring haben, müssen sie erst ihre endgültige Dicke entwickeln, bevor sie mit dem Höhenwachstum beginnen können. Eine Eiche oder Fichte wird hingegen mit der Zunahme von Alter und Höhe auch immer dicker.

Die Kambiumschicht kann durch andauernde Zellteilungen während der Vegetationsperiode sowohl zusätzliche Phloem- als auch neue Xylemzellen hervorbringen, wobei weitaus mehr Xylemzellen als Phloemzellen gebildet werden. Schließlich bildet das Xylem den sogenannten Holzteil eines Baums. Holz besteht zu etwa 70 Prozent aus Cellulose (daraus wird beispielsweise Papier hergestellt) und zu rund 30 Prozent aus Lignin. Letzteres ist der eigentliche Holzstoff. Er besteht aus einem dreidimensionalen Gerüst von sehr stabilen organischen Ringverbindungen (Phenylpropane), die in die Cellulose eingelagert sind und diese ähnlich stabilisieren wie ein Eisengerüst den Stahlbeton. Beim Absterben von Bäumen und deren nachfolgender Zersetzung im Boden wird der Celluloseanteil rasch abgebaut. Nur das Ligningerüst ist für die Bodenmikroorganismen schwer verdaulich, so dass Ligninbruchstücke im Boden lange erhalten bleiben und einen Großteil der organischen Struktur des Humus ausmachen. Der Heizwert von Holz ist etwa zur Hälfte auf den Gehalt am energiereichen Lignin zurückzuführen. Bei der Hocherhitzung von Holz zersetzt sich nämlich das Lignin und es entwickelt sich ein brennbares Gas, das u. a. den Holzalkohol (Methanol) enthält. Mit diesem Holzgas wurden im Zweiten Weltkrieg und in der Nachkriegszeit Automotoren betrieben (anstelle eines Benzintanks hatten diese Autos eine Ladefläche für Holzschnitzel).

7. Entwicklung der Jahresringe

Das Alter von Bäumen lässt sich im Allgemeinen an der Zahl der Jahresringe ablesen. So kann man zur Altersbestimmung beispielsweise einen bleistiftstarken Bohrkern aus dem Stamm entnehmen, ohne den Baum dadurch zu schädigen. Einfacher ist die Altersbestimmung am Stumpf eines gefällten Baumes möglich. Hier sieht man auf der Schnittfläche konzentrische Ringe unterschiedlicher Dicke. Dabei handelt es sich um den jährlichen Dickenzuwachs des Stammes, der durch die winterliche Ruheperiode unterbrochen wird. Das bedeutet andererseits, dass man bei Tropenbäumen kaum Jahresringe vorfindet; allenfalls werden die einzelnen Trockenperioden angezeigt, in denen das Wachstum vorübergehend stagniert. Mit dem beginnenden Wachstum im Frühjahr bildet das Kambium im Stamm entsprechend dem großen Wasserbedarf beim Austrieb neuer Blätter oder Nadeln sehr weite, dicke Xylemröhrenzellen; diese Wassertransportkapazität reicht meist für den überwiegenden Teil des jährlichen Wasserbedarfs, so dass im Sommer nur noch wenige enge Xylemröhren gebildet werden müssen. Diese sich Jahr für Jahr wiederholende Abfolge von dicken und dünnen Elementen ist im Holzquerschnitt klar zu erkennen.

Zusätzlich gibt die Breite der einzelnen Ringe darüber Auskunft, wie gut die klimatischen Bedingungen und damit die des Wachstums waren. Archäologen untersuchen daher die Jahresringe von Hölzern, um so die klimatischen Bedingungen und Änderungen in der Umwelt früherer Zeiten zu bestimmen. Durch die Analyse von Jahresringen konnten Archäologen eine 4 000 Jahre zurückgehende Klimachronologie ausarbeiten. Dabei beginnt man mit Bäumen, deren Alter bekannt ist, und schließt einen überlappenden Vergleich von deren Ringen mit denen anderer Hölzer an, die beispielsweise aus dem Dachgebälk von Gebäuden stammen. Diese Altersbestimmung mit Hilfe von Jahresringen wird Dendrochronologie genannt. Die Methode wird auch zur Altersbestimmung von historischen Anlagen und Gebäuden genutzt. Wie britische Wissenschaftler 1998 in der Zeitschrift Nature mitteilten, scheint es allerdings für die letzten Jahrzehnte nicht mehr möglich zu sein, von den Jahresringen unmittelbar auf das Klima zu schließen. Zu diesem Schluss kamen die Botaniker, nachdem sie Daten von über hundert Standorten auf der nördlichen Hemisphäre erhoben hatten. Die Holzdichte stimmt danach immer weniger mit den Temperaturen überein. Die Ursachen für diese Entwicklung sind unbekannt.

8. Ernährung

Die Ernährung der Bäume und die physiologischen Stoffwechselprozesse beruhen auf den gleichen Grundlagen wie bei den übrigen Pflanzen auch. Dies kann man bereits daran erkennen, dass sich Bäume wie andere Pflanzen gänzlich ohne Erdboden in Hydrokultur – Wasser und Mineralien – ziehen lassen. Neben den in geringsten Mengen benötigten Spurenelementen wie Eisen, Kupfer oder Molybdän brauchen Bäume für ihr Wachstum vorwiegend die drei Makronährelemente Stickstoff, Phosphor und Kalium. Interessanterweise stellt das Element Natrium für Bäume praktisch ein Gift dar, weshalb der Gebrauch von Streusalz (Natriumchlorid) im Winter drastisch verringert werden musste, um Alleebäume nicht zu schädigen. Tiere benötigen hingegen unbedingt Natrium in Form von Kochsalz für die Funktion ihres Nervensystems, das Bäume nicht haben.

Die im Boden in Wasser gelösten Mineralstoffe werden von den feinen Haarwurzeln aufgenommen und über das Röhrensystem des Xylems nach oben in die Blätter und Wachstumsbereiche transportiert. Nach dortiger Entnahme der Mineralien verdunstet ein Teil des Wassers über die Poren (Spaltöffnungen) in den Blättern, der andere Teil dient zum Lösen der Photosyntheseprodukte der Blätter: Die gebildeten Zucker (vorwiegend Saccharose, der handelsübliche Haushaltszucker) werden über das Röhrensystem des Phloems nach unten zur Versorgung von Stamm und Wurzel transportiert. Das Wasser, das nach Verbrauch der Zucker in der Wurzel ankommt, kann wieder für den Mineralstofftransport aufwärts genutzt werden, womit sich ein partieller Kreislauf schließt.

Der Bedarf an Mineralstoffen ist die eine Seite der Ernährung der Bäume; die andere Seite betrifft den Kohlenstoffhaushalt, denn mit Mineralien allein lässt sich keine organische Materie aufbauen. Wie Pflanzen ganz allgemein, so sind auch Bäume autotrophe Lebewesen: Sie können Kohlendioxid, das von den heterotrophen Tieren als Abfallprodukt an die Luft abgegeben wird, mit Hilfe der Sonnenenergie reaktivieren und in wichtige Bausteine des Stoffwechsels umwandeln. Während also Tiere irgendetwas (oder irgendwen) fressen müssen, können Pflanzen (und damit auch Bäume) die benötigten Verbindungen, sogar das komplexe Lignin, aus einzelnen Kohlenstoffbausteinen, Wasser und Nährstoffen selbst zusammensetzen. Das farblose Gas Kohlendioxid wird von den Blättern über die Spaltöffnungen aufgenommen und in den grünen Chloroplasten, welche die grüne Farbe des Blattes ausmachen, mit Solarenergie assimiliert, also ohne Abfallprodukte in körpereigene Materie umgewandelt. Bei diesem Prozess der Photosynthese wird die gleiche Menge Sauerstoff an die Luft abgegeben, wie gleichzeitig Kohlendioxid der Luft entnommen wurde.

9. Fortpflanzung

Die Fortpflanzung von Bäumen erfolgt wie bei allen höheren Pflanzen, die auch als Samenpflanzen bezeichnet werden, im Gegensatz zu den Sporenpflanzen (Moosen und Farnen) durch Bildung und Verbreitung von Samen. An der Art der Blüten kann man erkennen, ob der Wind die männlichen Pollenkörner auf den weiblichen Fruchtknoten mit seiner Eizelle überträgt oder ob Insekten, Vögel oder gar Säugetiere wie Fledermäuse diese Aufgabe übernehmen. Die unauffälligen Blüten von Eichen, Ahornbäumen, Buchen, Fichten oder Tannen werden vom Wind bestäubt; bei den üppigen Blüten tropischer Bäume, vor allem den rot gefärbten, holen sich meist Vögel den Nektar aus der Blüte und bestäuben diese dabei. Viele Arten, z. B. Apfelbäume, besitzen so genannte Zwitterblüten, in denen sich sowohl die Pollen produzierenden Staubgefäße als auch der weibliche Fruchtknoten befinden. Andere Blüten, etwa die der Fichte, haben entweder nur weibliche Organe oder nur männliche. Bei Palmen hingegen ist sogar jeder Baum auf männlich oder weiblich festgelegt und trägt nur die entsprechenden Blüten.

10. Lebensspanne

Die Lebenserwartung eines Baumes hängt von der jeweiligen Art ab. Die Individuen einiger Birkenarten sterben normalerweise bereits nach etwa 40 Jahren. Der Zuckerahorn andererseits wird oft mehr als 500 Jahre alt. Einige Eichen leben bis 1 500 Jahre, manche (in Volksliedern besungene) Linden werden bis 2 000 Jahre und Mammutbäume gar 4 000 Jahre alt. Die Grannenkiefer erreicht mit fast 5 000 Jahren ein Rekordalter unter den Bäumen. An der Baumgrenze sind bei solchen uralten Bäumen allerdings meist nur noch wenige Zweige grün und somit am Leben.

11. Nutzen und Gefährdung

Bäume und deren Produkte sind zweifelsohne von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Abgesehen von Holz bieten Bäume eine Vielzahl von Produkten, am naheliegendsten ist natürlich die Erzeugung von Obst. Zu leicht vergisst man allerdings die vielen anderen für uns wertvollen Produkte. Dazu zählen die Gewürze Zimt, Nelken und Muskat und die Arzneimittel Campher und Chinin; hochwertigen Gummi liefert der brasilianische Gummibaum Hevea brasiliensis, dessen Kautschuk auch durch Synthesegummi nicht ersetzt werden kann; sodann sind die Fette aus Ölpalme und Kokospalme (Kokosfett) zu nennen oder die Duftstoffe aus den Blüten des Ylang-Ylang-Baumes (siehe Rahmapfelgewächse) auf Mauritius. Viele Bäume, die als Zierpflanzen in Parkanlagen, an Alleen, an Straßenrändern in Städten und nicht zuletzt in Gärten gepflanzt wurden, haben nicht nur bedeutenden Erholungswert für den Menschen – sie erfüllen auch (insbesondere, wenn es sich um einheimische Arten handelt) wichtige ökologische Funktionen, etwa als Lebensraum unzähliger Tierarten. Wie das World Conservation Monitoring Center 1998 mitteilte, sind wahrscheinlich bereits etwa 77 Baumarten durch unkontrollierten Holzeinschlag oder Feuer ausgestorben. Etwa 10 Prozent aller Baumarten, also rund 9 000 Spezies, werden als gefährdet eingestuft.