Islamische Kunst und Architektur
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Islamische Kunst und Architektur
4. Architektur

Die Rituale des islamischen Glaubens bestimmen die Struktur der Sakralarchitektur. Dazu gehören die Moschee (Masjid), ein Platz zur Versammlung der Gemeinde und zum Gebet, und die Medrese, die Theologenschule. Weitere Sakralbauten waren Mausoleum, Kloster, Versammlungshäuser der Bruderschaften und Friedhöfe. Die Profanarchitektur hat vor allem Paläste, Bäder, Handelshäuser, Karawansereien und Ingenieurbauten wie Aquädukte, Staudämme und Befestigungsbauten aufzuweisen. Bis auf Privathäuser wurden diese Bauten fast ausschließlich aus Staatsmitteln errichtet, erst im Mittelalter wurden private Stiftungen häufiger, die für Baukosten aufkamen. Alle Bauformen haben gemeinsame strukturelle und dekorative Elemente. Das florale Dekor und Ornament wird nur im Sakralbau eingehalten, bei Profanbauten sind auch bildliche Darstellungen festzustellen. Jede Epoche bzw. Dynastie schöpfte dabei aus einem ihr eigenen Formenvorrat.

1. Sakrale Architektur: Moschee und Medrese

Der erste Bau war das Wohnhaus Mohammeds in Medina mit einem ummauerten, rechteckigen Hof, mit Hütten an einer Seitenwand, den Häusern von Mohammeds Frauen an einer anderen, und einem überdachten Vorraum (Zulla) an der dritten Seite. Fast alle Moscheen bestehen daher aus einem umschlossenen Hof (San), der von Arkaden (Riwak) umgeben ist und an einem Ende einen Gebetsraum aufweist, und bilden so den Grundriss von Mohammeds Haus nach.

1.1. Mihrab

Als die Muslime 636 Syrien eroberten, übernahmen sie viele Kirchenbauten, die im Frühchristentum errichtet worden waren und bauten sie in Moscheen um. Diese Basiliken waren lang gestreckte, oft dreischiffige Gebäude mit geneigten Dächern und einem Altar an der Ostseite. Die Mihrab (Gebetsnische), die die Kibla (Gebetsrichtung) anzeigt, wurde an der Südwand eingerichtet. Eingänge wurden an der Nordseite geschaffen, so saßen die Gläubigen beim Gebet quer zu den ursprünglichen Kirchenschiffen.

1.2. Hof

Wenn der so veränderten Basilika ein umgrenzter Hof angeschlossen wurde, der an den Seiten von Arkaden flankiert war, dann waren alle wichtigen Merkmale des Hauses des Propheten Mohammed in Medina vorhanden. Der erste Bau der Al-Aksa-Moschee in Jerusalem (vor 670) wurde auf diese Art aus der königlichen Stoa (Säulenhalle) des Herodes, einer zerstörten Basilika, entwickelt.

1.3. Das Minarett

Zu Lebzeiten des Propheten rief der Muezzin von einem Hausdach in Medina zum Gebet, später wurde dazu ein spezielles Turmbauwerk, das Minarett, errichtet. Wahrscheinlich führte die syrische Tradition, die vier Ecken eines Gebäudes mit kurzen Türmen zu kennzeichnen, zur Ausbildung des Minaretts, von dem der Ruf zum Gebet erfolgen kann. Dieser Turm kann auch, wie im irakischen Samarra, frei stehend sein (siehe Campanile). Die omaijadische Moschee in Damaskus (705-715), die um eine ältere Basilika gebaut ist, ist die besterhaltene frühe Hofmoschee mit einem Minarett.

1.4. Die Kuppel

Kuppeln, die einen wichtigen Bestandteil der islamischen Architektur darstellen, entwickelten sich aus der sassanidischen und aus der frühchristlichen Bautradition. Die älteste erhaltene Moschee mit Kuppel ist der Felsendom in Jerusalem, der aus dem späten 7. Jahrhundert stammt; die Konstruktion geht auf den frühchristlichen Kuppelbau zurück.

Das Mausoleum, das zu Beginn des 10. Jahrhunderts für den Herrscher von Bukhoro in Zentralasien (ein Seldschukenbau) erbaut wurde, ist ein quadratischer Ziegelbau mit einer Kuppel, die auf Trompen (Gewölbe in den Ecken eines quadratischen Grundrisses) ruhte. Die Trompenkonstruktion der islamischen Architektur stammt aus dem sassanidischen Iran. Sie trug zur Ausbreitung von Moscheen, Mausoleen und anderen überkuppelten Gebäuden in der islamischen Welt bei.

Unter den Osmanen wurden Moscheen gebaut, die das byzantinische Erbe der Türkei widerspiegeln. So hat die Moschee Selims II., die von dem türkischen Architekten Sinan in Edirne in der Türkei erbaut wurde, eine mächtige Kuppel mit einem Hof. Dieser ist von einer Arkade umgeben, auf der sich kleine Kuppeln und Halbkuppeln befinden. Dieser Aufbau beeinflusste die Gestaltung von Moscheen in der Türkei, Syrien, Ägypten, Arabien und Nordafrika.

1.5. Iwan

In den abbasidischen Moscheen des Irak wurde ein Iwan, ein offener, gewölbter, zweistöckiger Wandelgang an jeder Seite der Arkaden angebracht, die den Hof umgeben. Der Iwan stammt aus der sassanidischen Architektur des Iran.

1.6. Spitzbögen

Obwohl der runde, hufeisenförmige Bogen eine charakteristische Form der islamischen Architektur ist, vor allem in den frühen Beispielen, war daneben auch der Spitzbogen bekannt. Dieser ist wahrscheinlich syrischen Ursprungs, wurde von den Omaijaden übernommen und war auch ein Kennzeichen der abbasidischen Moscheen.

1.7. Mimbar und Maksura

Der erste bekannte Gebrauch eines Mimbar (Predigtstuhl) ist aus der Moschee von Medina bekannt. Ursprünglich wurde er als Sitz genutzt, entwickelte sich aber bald zur Predigtkanzel. Ein weiterer Innenbau, der für einige Moscheen charakteristisch ist, ist die Maksura (Stellwand), die um die Mihrab (Gebetsnische) gestellt wurde, um die Prediger während des Gottesdienstes zu schützen.

2. Medresen

Unter den Abbasiden entstand im Osten des Iran eine neue Gebäudeart, die Medrese (Lehrgebäude). Dieser Bautyp, der auf sassanidischer Architektur basiert, wurde zu einer neuen Art Moschee weiterentwickelt, die sich in viele Länder verbreitete. Die Medrese und die Medresenmoschee hatten Iwans (Wandelgänge) an vier Seiten, die durch zweistöckige Arkaden verbunden waren. In der Medrese führten diese Arkaden zu Schlafräumen. Die Freitagsmoschee (Gattungsbegriff für Moscheen, die vielen Menschen gleichzeitig Platz bieten) in Isfahan im Iran (11. Jahrhundert) ist ein frühes Beispiel für die Medresenmoschee. In dieser Moschee, wie auch in Grabbauten jener Zeit, wurde das Mukarna, ein Schmuckglied aus Holz oder Stein, das stereometrische Formen verbindet (Stalaktitgewölbe), entwickelt. Dieser typisch islamische Schmuckstil besteht aus einer Wabe von Nischen mit kleinen Vorsprüngen, die in ein gewölbtes Dach oder eine Kuppel gesetzt ist.

Spätere Medresenmoscheen, die beide in Isfahan stehen und aus dem 17. Jahrhundert stammen, sind die Schahmoschee mit ihrer hohen, zugespitzten, geneigten Kuppel hinter dem Hauptiwan und seinen gefliesten Innenwänden und Stalaktiten sowie die Lotfollah-Moschee mit einer gefliesten Kuppel.

3. Weltliche Architektur

Zur Zeit der Omaijaden und der frühen Abbasiden bauten die Prinzen der Kalifenfamilien Paläste in Syrien und im Irak. Einige wurden mit Jagdgehegen und überkuppelten Bädern umgeben, die sich aus der spätrömischen Architektur entwickelt hatten. Die Omaijadenpaläste waren mit Mosaiken, Wandgemälden und Stuckarbeiten verziert, die Hofstaat, Tiere und den Kalifen selbst darstellten. Ein Großteil dieser Malerei entwickelte sich aus der sassanidischen Kunst.

Unter den Abbasiden wurde in der Wüste bei Bagdad die Verwaltungsstadt Samarra gegründet, aber niemals fertig gestellt. Innerhalb von Samarra gab es ein riesiges, von Mauern umgebenes Gebäude, das 175 Hektar groß war, viele Gärten enthielt und in sich eine Stadt darstellte. Es gab dort Verwaltungsbauten, eine Moschee, Bäder und Wohnquartiere. Einige der Regierungsgebäude besaßen figürliche Darstellungen, doch die kunstvollste Verzierung war ein mit geometrischen Mustern beschnitzter Verputz, der sich an türkische und zentralasiatische Motive anlehnte. Geplante Städte wie Samarra und Fustat (bei Kairo, durch Ausgrabungen bekannt) hatten funktionierende Aquädukte und Abwassersysteme. Alle Häuser waren mit Bädern und Toiletten ausgestattet.

Ein weiteres abassidisches Bauprojekt war die Errichtung der Runden Stadt (762), deren Überreste unter dem heutigen Bagdad liegen. Die Runde Stadt bestand aus einer Reihe konzentrischer Ringe, in deren Mitte der Palast des Kalifen und die Moscheen lagen. Dieser Stadtentwurf hatte seinen Ursprung im sassanidischen Iran.

Als Palast dienende Gebäudekomplexe, die denen von Samarra gleichen, wurden später in Kairo, in Spanien, in Nordafrika und in Istanbul errichtet, wo die Osmanen 1454 mit dem Bau des Topkapı-Palastes (heute Topkapı-Palastmuseum) begannen. Diese Tradition setzte sich auch mit dem Bau der Alhambra im 14. Jahrhundert fort.

Die letzten großen islamischen Baumeister im Iran waren die Safawiden, die Brücken und Paläste bauten. Auch eine Kunstgalerie, die Schah Abbas I. für seine Porzellansammlung errichten ließ, gehörte zum Palast.

Die Karawansereien (Rasthäuser; türkisch han) waren eine Entwicklung, die typisch für die Seldschuken war. Karawansereien entlang der Karawanenstraßen hatten Säle mit Gängen und einen Hof für die Tiere.

4. Gräber und Mausoleen

Mausoleen wurden, obwohl die islamischen Glaubensregeln den Bau kunstvoller Grabanlagen verbieten, als Repräsentationsbauten errichtet. Sie stellen, neben Moscheen und Palästen, die kunstvollsten Bauten des Islam dar. Zu ihnen gehört auch die Totenstadt, die aus überkuppelten Gräbern besteht und von den mameluckischen Herrschern Ägyptens im 15. Jahrhundert vor den Toren Kairos gebaut wurde. Im 15. und 16. Jahrhundert wurde von den Timuriden in Samarkand (heute Usbekistan) die Totenstadt Sah-i-Zindeh gebaut, die gemustertes Mauerwerk besitzt und hoch gewölbte Kuppeln hat. Im Iran schufen die mongolischen Ilkhane den Typus einer Grabstätte, deren Besonderheit sich am Mausoleum des Oljaytu in Soltaniyeh zeigt. Dieses im frühen 14. Jahrhundert erbaute Mausoleum besteht aus einem achteckigen Bau, der von einer gewaltigen zweischaligen Kuppel gekrönt wird, die wiederum von ursprünglich acht kleinen Minaretten – einem auf jeder Ecke des Gebäudes – umgeben war. Dieser Bautyp ist der Vorläufer des berühmtesten aller islamischen Mausoleen, des Taj Mahal in Agra (Indien), der in der Mitte des 17. Jahrhunderts von zwei iranischen Architekten gebaut wurde. Das Mausoleum in Soltaniyeh gilt als einer der herausragenden Marksteine in der Entwicklung der islamischen Architektur im Iran und wurde als solcher 2005 in die Liste des UNESCO Weltkulturerbes aufgenommen.

5. Künstlerische Baugestaltung

In und an islamischen Gebäuden wurden Stuck, gemustertes Mauerwerk und bemalte Fliesen zu dekorativen Zwecken eingesetzt. Handwerker in der Stadt Kashan im Iran hatten sich auf die Herstellung bemalter Fliesen spezialisiert. Moscheefassaden, die aus Säulenbändern mit Koraninschriften bestanden, wurden aus bemalter Keramik geschaffen. Zierwandtafeln wurden mit Fliesen verkleidet, die oft sternförmig vorgeformt waren und in der Zusammenfügung Muster bildeten. In der timuridischen Architektur (13. Jahrhundert bis 16. Jahrhundert im Iran) gab es Mihrabbedeckungen aus glänzendem Fliesenmosaik, in dem die Farben getrennt gebrannt wurden, um ihre stärkste Tönung zu erhalten. Im 15. Jahrhundert errichteten Keramiker aus dem Iran Werkstätten zur Fliesenherstellung in der Türkei. Mit der Entwicklung von Werkstätten in İznik hatten die Türken später ihre eigene Bezugsquelle für Fliesen. Im safawidischen Iran wurde ein Großteil der neuen öffentlichen Gebäude mit Fliesen verziert; viele ältere Gebäude bekamen auf diese Weise neue Fassaden.

Holzschnitzereien und Gitterwerk, manchmal in Verbindung mit Elfenbeinintarsien (siehe Elfenbeinschnitzereien), waren weitere Formen der islamischen Baugestaltung. Sie fanden bei der Herstellung von Maksuras, Mimbars, Zwischenwänden, Möbeln und Türen Verwendung. Steinreliefs und Marmorintarsien gibt es in Gebäuden in Spanien, der Türkei und Ägypten (aus der mameluckischen Periode). Obwohl sie nicht Teil des Gebäudes selbst sind, gelten auch Moscheeampeln (Hängeleuchten) und bunte, hochwertige Gebetsteppiche als kunstvolle Dekorationen der Gebäude.