Exegese
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Exegese
3. Anfänge der kritischen Untersuchungen

Unter den Christen war es Augustinus, der in seinem Kommentar zur Bedeutung der Genesis (De Genesi ad Litteram, 401-415) eine Diskrepanz zwischen dem Weltbild seiner Zeit sowie dem der biblischen Autoren feststellte und aufgrund dessen die Notwendigkeit sah, die biblische Sichtweise kritisch zu untersuchen. Im Osten unterschied der Gelehrte Theodor von Mopsuestia zwischen dem „prophetischen Geist”, d. h. der unmittelbaren Erleuchtung, aus dem ein großer Teil der Bibel hervorgegangen wäre, und einem „Geist der Weisheit”, der bestimmte biblische Autoren wie z. B. den Verfasser des Predigerbuches beeinflusst hätte. Diese legten nach Meinung Theodors nur Ansichten und Betrachtungen dar, die von Menschen und nicht von Gott kämen.

Die Bibelkritik in unserem heutigen Sinn entstand jedoch erst im Zeitalter der Aufklärung. Zu den ersten Bibelkritikern zählten im 17. Jahrhundert die Philosophen Thomas Hobbes und Baruch Spinoza sowie der französische Gelehrte Richard Simon. Die Bibelkritik der Aufklärung ging wiederum auf die Reformation zurück, die das Studium der Bibel wieder einführte und neue kritische Methoden entwickelte.