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| 3. | Altfranzösisch (9.-14. Jahrhundert) und Mittelfranzösisch (14.-16. Jahrhundert) |
Bereits im frühen Mittelalter begannen sich die nördlich und südlich der Loire gesprochenen Sprachen zu differenzieren. Bis zum Ende des 13. Jahrhunderts hatten sich zwei deutlich voneinander abweichende Sprachen entwickelt: im Norden die langue d’oïl und die langue d’oc im Süden. Die Bezeichnungen leiten sich von den unterschiedlichen Wörtern für „ja” ab: im Norden oïl, im Süden oc. Der wichtigste lautliche Unterschied der beiden Sprachen besteht darin, dass sich der freie unakzuentierte Vokal a des Lateinischen in der langue d’oïl zu einem e wandelte, im Provenzalischen (auch Okzitanisch), dem wichtigsten Dialekt der langue d’oc, hingegen unverändert blieb. So lautete die entsprechende Form für das lateinische Wort mare („Meer”) in der langue d’oïl mer und im Provenzalischen mar. In beiden Sprachen entwickelten sich mehrere Dialekte. Neben dem Provenzalischen waren Gascognisch, Languedocien, Auvergnat, Limousin und Béarnais die bedeutendsten Dialekte der langue d’oc. Ein Großteil der Dichtung und anderer literarischer Werke wurde in der langue d’oc verfasst, und insbesondere im 12. Jahrhundert schien es, als würde sich die langue d’oc gegenüber der langue d’oïl durchsetzen. Nach dem 12. Jahrhundert verlor die langue d’oc jedoch schnell an Bedeutung. Im 19. Jahrhundert gab es Bestrebungen der félibrige, einer literarischen Schule, der auch die Dichter Frédéric Mistral und Joseph Roumanille angehörten, den Gebrauch des modernen Provenzalisch und anderer, noch gesprochener Dialekte der langue d’oc wieder zu beleben – diese Bestrebungen blieben jedoch ohne Erfolg. Heute wird der Dialekt in der Literatur nur noch selten gebraucht. Das moderne Französisch hat circa 500 Wörter aus der langue d’oc übernommen, wie z. B. bague („Ring”), cadeau („Geschenk”) und velours („Samt”). Die wichtigsten Dialekte der langue d’oïl sind nach den fünf nördlichen Provinzen, in denen sie gesprochen wurden, benannt: Île de France, Normandie, Picardie, Poitou und Burgund. Als 987 Hugh Capet den französischen Thron bestieg, wurde Paris Regierungssitz. Da der Pariser Hof für den Adel in den Provinzen politisch große Bedeutung gewann, setzte sich der in Paris gesprochene langue d’oïl allmählich gegenüber den anderen französischen Dialekten durch. Das moderne Französisch ist direkt aus dem Dialekt der Île de France (Pariser Region) entstanden, der im späten Mittelalter allmählich die anderen französischen Dialekte verdrängte.
Im 12. und 13. Jahrhundert war die langue d’oïl in ganz Europa verbreitet. Sie wurde am Hof von Neapel gesprochen; deutsche Prinzen und Barone stellten muttersprachliche französische Lehrer an, die ihren Kindern die Sprache lehren sollten. In England konkurrierte nach der normannischen Eroberung von 1066 zwei Jahrhunderte lang das Französisch als gesprochene Sprache stark mit dem Englischen und ersetzte es fast als Schriftsprache (Siehe anglonormannische Sprache und Literatur). Aufgrund des hohen Ansehens, das die arabische Wissenschaft im Mittelalter unter den französischen Gelehrten genoss, und bedingt durch die Kreuzzüge in arabischen Ländern, fanden viele arabische Wörter Eingang in das Französische. Zu den Lehnwörtern aus dem Arabischen gehören chiffre („Ziffer”), cimetière („Friedhof”), girafe („Giraffe”), épinard („Spinat”) und jupe („Rock”).
Das 14. und 15. Jahrhundert war überschattet vom Hundertjährigen Krieg zwischen Frankreich und England, der weite Teile Frankreichs verwüstete. Der Krieg stärkte das französische Nationalbewusstsein und erhöhte die Akzeptanz der Sprache des Königshofes als nationale Standardsprache.