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| 4. | Neufranzösisch (ab dem 16. Jahrhundert) |
Das 16. Jahrhundert war eine wichtige Periode in der Geschichte der französischen Sprache. Das Edikt von Villers-Cotterêts (1539) unter Franz I., König von Frankreich, trug zur Anerkennung des in der Île de France und vor allem in Paris gesprochenen französischen Sprache (das Francien, das „Franzische”) als Volkssprache des ganzen Königsreiches bei. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, während der Herrschaft Heinrichs III. (1574-1589), wurde das Französische von der Pléiade, einer Gruppe französischer Dichter, der auch Joachim du Bellay und Pierre de Ronsard angehörten, zur Literatursprache erklärt. Die Gruppe räumte jedoch ein, dass die Sprache noch nicht den Ansprüchen genügte, und sie forderten eine strenge sprachliche Orientierung französischer Texte an den Meisterwerken griechischer und lateinischer Literatur. Die Grundsätze der Pléiade stellte du Bellay in seiner La défense et illustration de la langue française (1549) dar. Im frühen 17. Jahrhundert bewirkte der Dichter François de Malherbe mit seinen poetischen und kritischen Werken, dass sich im Französischen ein exakter, einheitlicher Wortgebrauch festigen konnte. Damit war die Voraussetzung dafür geschaffen, dass die französische Sprache als Mittel des klaren, präzisen Ausdrucks dienen konnte. Die Normierung und Weiterentwicklung der französischen Sprache wurde im 17. Jahrhundert mit einem von der Académie française verfassten Wörterbuch einen großen Schritt vorangebracht. Die Académie française wurde 1635 unter Ludwig XIII. und dem Staatsmann und Kardinal Richelieu gegründet. Sie begann 1639 mit der Arbeit an dem offiziellen Wörterbuch der französischen Sprache, das 1694 erschien. Sieben weitere Ausgaben folgten, die achte erschien 1932 bis 1935. In der Zeit Ludwigs XIV. (1643-1715) erreichte der Einfluss des Französischen in Europa seinen Höhepunkt: Französisch war als internationale Sprache Europas nicht nur Diplomaten- und Wissenschaftssprache, sondern auch Sprache des gesellschaftlichen Umgangs.
Aufgrund der Kriege mit Italien in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts beeinflusste auch die italienische Sprache das Französische. Etwa 800 italienische Wörter wurden entlehnt, überwiegend aus den Bereichen Kunst, (z. B. fugue und opéra) und Militär (z. B. colonel und soldat). In der Zeit der französisch-spanischen Kriege im frühen 17. Jahrhundert drangen circa 200 Wörter aus dem Spanischen ins Französische ein, so z. B. cigare und nègre. Die deutsch-französischen Kriege im 17. Jahrhundert brachten dem Französischen jedoch nur eine vergleichsweise geringe Zahl an deutschen Lehnwörtern ein. Beispiele sind: blocus („Blockade”) und cible („Ziel”). Im 17. Jahrhundert hatte sich das Französische im Wesentlichen zu der heute bekannten Form entwickelt. Die aus dem Lateinischen übernommenen Flexionsendungen waren zum größten Teil abgebaut; die syntaktischen Beziehungen zwischen Wörtern im Satz wurden stattdessen durch Präpositionalphrasen und durch die Wortstellung angezeigt. Zur Vereinheitlichung des Sprachgebrauchs trugen die Veröffentlichung des Wörterbuches, die geringe Anzahl an Analphabeten und das sehr produktive Druckwesen bei. Der weitere Sprachwandel, dem das Französische unterworfen war, bezog sich seit dieser Zeit fast nur noch auf allmähliche Veränderungen in der Aussprache und auf die Erweiterung des Wortschatzes. Eine Abteilung des 1795 gegründeten Institut de France, Nachfolger der Académie française, gab 1798 ein Wörterbuch heraus, in dessen Anhang sich einige Wörter finden, die nach dem Ausbruch der Französischen Revolution geprägt worden waren. Davon sind z. B. die Wörter divorcer („sich scheiden lassen”), guillotiner („mit einer Guillotine enthaupten”) und bureaucrate („Bürokrat”) noch heute im Französischen lebendig.