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Gilgamesch-Epos, wichtiges Literaturdenkmal des Nahen Ostens, dessen Stoff in Form verschiedener Dichtungen um den gleichnamigen Helden in mehreren altorientalischen Sprachen verbreitet war. Mehrere altbabylonische Überlieferungen wurden in Keilschrift um 2000 v. Chr. auf zwölf Tontafeln zusammengefasst, von denen die meisten aus der bekannten Bibliothek Assurbanipals I. in Ninive stammten.
Hauptfigur des Epos ist Gilgamesch (um 2600 v. Chr.), ein frühgeschichtlicher Herrscher der ersten Dynastie, der über die Stadt Uruk herrschte (in der Bibel als Erech bekannt, heute Warka im Irak), als epischer Held zu zwei Drittel Gott und zu einem Drittel Mensch. Dem Mythos zufolge reagieren die Götter auf die Gebete der unterdrückten Bürger von Uruk, indem sie den wilden Tiermenschen Engidu schicken, der Gilgamesch zu einem Ringkampf herausfordern soll. Als dieser ohne eindeutigen Sieger endet, nachdem Engidu durch sexuelle Vereinigung mit einer Frau der Natur entfremdet und „zivilisiert” worden ist, werden Gilgamesch und Engidu Freunde und gehen gemeinsam auf Abenteuerreise, auf der sie unter anderem den Waldhüter Huwawa töten. Die Berichte ihrer Heldentaten und ihrer Tapferkeit verbreiten sich in vielen Ländern.
Nachdem die Helden nach Uruk zurückgekehrt sind, erklärt Ischtar (Inanna), die Schutzgöttin der Stadt, Gilgamesch ihre Liebe. Als er sie zurückweist, schickt sie den Himmelsstier, um die Stadt durch sieben Hungerjahre zu zerstören. Nachdem Gilgamesch und Engidu ihn getötet haben, bestrafen die Götter Engidu mit dem Tod. Gilgamesch, der sich damit nicht abfinden will, sucht auf einem beschwerlichen Weg über mehrere Jenseitsstationen den Weisen Utnapischtim am Ende der Welt auf, um das Geheimnis der Unsterblichkeit zu erfahren. Dieser erzählt Gilgamesch die Geschichte einer großen Flut, die in ihren Einzelheiten sehr stark dem alttestamentarischen Bericht von der Sintflut ähnelt. Obgleich Gilgamesch eine Bewährungsprobe nicht bestanden hat, enthüllt ihm Utnapischtim, dass sich im Meer eine Pflanze befinde, die ewige Jugend verleihe. Gilgamesch taucht ins Meer und findet die Pflanze tatsächlich, verliert sie aber später an eine Schlange und kehrt unverrichteter Dinge nach Uruk zurück.
Der Gilgamesch-Mythos wurde im Altertum häufig bearbeitet und übersetzt und wirkte weiter in andere Kulturbereiche. Die Schreiber der Bibel scheinen ihren Bericht von der Freundschaft zwischen David und Jonathan nach dem Muster der Beziehung zwischen Gilgamesch und Engidu gestaltet zu haben, und auch die Geschichte der Freundschaft von Achilles und Patroklos in der griechischen Mythologie scheint vom Gilgamesch-Epos beeinflusst.