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| 4. | Mittlere Schaffenszeit und Exil |
In seiner mittleren Schaffensphase schrieb Ovid die Metamorphosen (Verwandlungen), ein Versepos in 15 Büchern zu je 700 bis 900 Hexametern, das rund 250 Verwandlungssagen aus der griechischen und römischen Mythologie enthält. Das Epos beginnt mit der Schöpfung des Universums und endet mit dem Tod und der Vergöttlichung Julius Caesars. Viele der Erzählungen stellen die Beziehung zwischen Sterblichen und Göttern dar oder beschreiben die Folgen von Gehorsam oder Ungehorsam, wobei die Menschen durch eine Verwandlung entweder bestraft oder belohnt werden. In den Metamorphoses nahm Ovid die erotische Thematik des Frühwerks wieder auf; hier tritt Ovids universale, auf kosmisch-erhabene Erzählkunst abzielende stilistische Fähigkeit am deutlichsten zum Vorschein. Das Werk wurde als Handbuch der griechischen Mythologie zum Kompendium nachfolgender Generationen: Aus dem Mittelalter, in dem das Werk zu den meistgelesenen Schriften der Antike zählte, sind rund 150 Abschriften und deutsche Übersetzungen erhalten. Das zweite bedeutende Werk der mittleren Schaffenszeit Ovids sind die Fasti (entstanden zwischen 2 und 8 n. Chr.), ein poetischer Festkalender in elegischen Distichen, der die römischen Feste und die mit ihnen verknüpften Sagen beschreibt und bestimmte kultische Rituale erläutert. Von den geplanten zwölf Büchern, eines für jeden Monat des Jahres, wurden allerdings nur die ersten sechs vollendet.
Die Werke aus Ovids Exilzeit sind durchdrungen von resignativer Melancholie und Hoffnung auf eine mögliche Rückkehr nach Rom. Zu den bedeutendsten zählen die Tristia, Klagelieder in fünf Büchern, die das unglückliche Leben in Tomis beschreiben und an die Barmherzigkeit des Kaiserhauses appellieren, sowie die immer mehr ins Zentrum der Forschung rückenden Epistulae ex Ponto (Briefe vom Schwarzen Meer), vier Bücher mit in Gedichtform abgefassten Briefen über das eigene Schicksal. Weiterhin entstanden die Schmähschrift Ibis (nach einer Polemik des Kallimachos) und das nur noch fragmentarisch erhaltene Gedicht Halieutica. Mit Ausnahme der Metamorphoses und der fragmentarischen Halieutica, die beide in daktylischen Hexametern geschrieben sind, ist die gesamte Dichtung Ovids in elegischen Distichen verfasst, einem Versmaß, das er zur Vollkommenheit führte.