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| 2. | Technische Voraussetzungen und Materialien |
Die Geschichte der Architektur ist auch die des jeweils verwendeten Materials, da traditionelle Baustoffe wie Naturstein, Backstein und Holz seit der industriellen Revolution vermehrt durch Materialien wie Beton, Stahl, Glas und zahlreiche Kunststoffe ergänzt wurden. Diese materielle Erweiterung bedeutet zugleich die fortschreitende Befreiung der Architektur von Naturgesetzen und von klimatischen und geographischen Abhängigkeiten.
Die Verfügbarkeit von geeigneten Baustoffen ist stark abhängig von der jeweiligen geographischen Region und beeinflusst maßgeblich das äußere Erscheinungsbild des Bauwerks wie auch die Ausprägung entsprechender handwerklicher Fähigkeiten. Bereits in der Konstruktionsphase müssen die spezifischen Eigenschaften von Baustoffen berücksichtigt werden, insbesondere um ein den menschlichen Bedürfnissen adäquates Raumklima herzustellen.
| 1. | Holz |
Holz wird vor allem in Regionen der Erde verwendet, wo die Temperaturdifferenzen zwischen Tag und Nacht und Sommer und Winter sehr hoch sind. In Skandinavien und Russland ist die Holzbauweise deshalb – und wegen der leichten Verfügbarkeit – sehr hoch entwickelt (siehe Stabkirchen; skandinavische Kunst und Architektur). Holz wird auch in industriell geprägten Bauten als Konstruktions- und Ausbaumaterial in einer Fülle von gesägten und verleimten Halbfertigprodukten wie Leisten, Latten, Schichtholz und Sperrholz verwendet.
Siehe auch Holzindustrie
| 2. | Naturstein, Lehm und Ziegel |
Stein lässt sich behauen und ist mit dem alten Handwerksberuf des Steinmetzen eng verbunden. Marmor war in fast allen Zeiten aus ästhetischen und ökonomischen Gründen in der Regel repräsentativen und sakralen Bauten vorbehalten. Heute besitzen Natursteine vor allem in der Fassadengestaltung und in der Innenarchitektur noch eine gewisse Bedeutung.
Lehm wird in heißen Ländern seit prähistorischen Zeiten als Baumaterial verwendet, so etwa in der Lehmarchitektur Vorderasiens und Afrikas, ferner in der Architektur der Puebloindianer in New Mexico. Er hat eine kühlende Eigenschaft nach innen und muss nicht gebrannt werden, sondern wird durch die Sonne gehärtet, sobald er auf ein Gitter aus Schilf oder Stroh aufgetragen wird.
In gemäßigten klimatischen Zonen ist die Ziegelbauweise – oft mit Holzkonstruktionen kombiniert – vorherrschend. Die Eigenschaften des Mauerziegels können innerhalb bestimmter Grenzen durch das Rohmaterial (Lehm, Ton, Mergel) und durch den Brennvorgang gesteuert werden. Wichtige Eigenschaften des Ziegels sind seine Druckfestigkeit und seine Porosität. Die verschiedenen Formen von unverputztem Hartbrandstein, der vor allem im nördlichen Europa Verwendung findet, sowie verputztem Mauerziegel, der in Mittel- und Südeuropa eingesetzt wird, haben die Architektur und das Antlitz ganzer Städte bis heute entscheidend geprägt. Beispielsweise existierten in Berlin Ende des 19. Jahrhunderts ungefähr tausend Ziegelbrennereien. Stahl und Beton wurden seinerzeit nur in der industriell orientierten Architektur verwendet (siehe unten). Im Lauf des 20. Jahrhunderts nahm die Bedeutung der Ziegelbauweise zugunsten von Beton, Stahl, Glas und Kunststoffen ab.
| 3. | Zement, Beton und Stahlbeton |
Zement wurde bereits in der römischen Antike gewonnen. Später fügte man Kies hinzu und erhielt so Beton, ein Material, das erstmals beim Bau der Kuppel des Pantheons in Rom verwendet wurde.
Seit Ende des 19. Jahrhunderts wird, besonders von Chicago ausgehend (siehe Chicago School), Stahlbeton verwendet. Dieser Verbundstoff aus Stahl und Beton gilt heute weltweit als der bedeutendste Baustoff für die Architektur, weil der eingelagerte Stahl die Zugkräfte und der umhüllende Beton die Druckkräfte ableiten kann.
| 4. | Glas und Metalle |
In der Industriearchitektur des 19. Jahrhunderts (siehe Crystal Palace; Eiffelturm) kamen zunehmend Gusseisen und Glas zum Einsatz, da Bauteile aus diesen Materialien in der Fabrik vorgefertigt und dann an der Baustelle zusammengesetzt werden konnten.
In der zeitgenössischen, vor allem in der städtischen Büroarchitektur, spielt Glas eine immer größere Rolle. Die Verwendung von Glas zieht – etwa aus Gründen der Lichtregulierung – die Anwendung neuer Materialien nach sich. So gewinnen zunehmend Textilien zur Beschattung von Gebäuden an Bedeutung (etwa in Form von Markisen).
Aluminium wird von Architekten geschätzt, weil es das am wenigsten witterungsabhängige Baumaterial ist, spiegelnde Eigenschaften besitzt und weitgehend wartungsfrei ist. Es dient daher vor allem zur Verkleidung von Fassaden.
| 5. | Naturmaterialien und Abfall |
Die Nomadenvölker Mittel- und Zentralasiens (siehe zentralasiatische Kunst und Architektur; Jurte) sowie die Indianer (siehe Kunst und Architektur der nordamerikanischen Indianer; Tipi; Wigwam) haben im Lauf ihrer Geschichte eine Zeltarchitektur entwickelt. In den Tropen werden neben Holz und Bambus auch Blätter und andere Pflanzenteile zum Hausbau verwendet.
Die Architektur der Metropolen der Dritten Welt wird von betont modernen Gebäuden (siehe Hochhaus) in den Zentren und von mehr oder weniger improvisierten Bauten aus Materialabfällen wie Pressspanplatten, Wellblech, textilen Materialien, Papier und Erde in den Slums geprägt.