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| 2. | Getreideanbau |
Für drei Viertel der Weltbevölkerung sind Körnerfrüchte die wichtigste Nahrungsenergiequelle. Körnerfrüchte gehören zur Familie der Gräser und werden wegen ihrer essbaren Samen angebaut. Die bedeutendsten dieser Gräser sind Weizen, Reis, Mais, Gerste, Hafer, Roggen, Mohrenhirse und Hirse. Sie alle werden in großem Umfang für die menschliche Ernährung genutzt, sowohl direkt als auch in verarbeiteter Form. Mais, Gerste, Hafer und Mohrenhirse werden auch als Tierfutter verwendet, Stängel und Stroh dieser Pflanzen sind ein wichtiges Raufutter. Körnerfrüchte gehören zu den ältesten Kulturpflanzen, ihr Ursprung liegt etwa 10 000 Jahre zurück.
Weizen, Gerste, Hafer und Roggen werden auf der ganzen Welt in großen Teilen der gemäßigten Klimazonen angebaut, meist in Gebieten mit mittlerem bis geringem Niederschlag (25 bis 76 Millimeter im Jahresdurchschnitt). Dort bringen sie höhere Erträge als Pflanzen, die mehr Wasser benötigen. Höherer Niederschlag, Bewässerung und Düngung können aber die Erträge dieser Getreidearten erheblich steigern. Reis ist in erster Linie ein tropisches oder subtropisches Getreide. Allerdings haben chinesische und japanische Getreidebauern Reissorten für kürzere Wachstumsperioden entwickelt, die an das gemäßigte Klima angepasst sind. Reis wird meist in Wasserreisfeldern kultiviert, die großzügig mit Wasser versorgt sind. Bergreis- oder Trockenreissorten werden nur begrenzt angebaut. Die Mohrenhirse war ursprünglich eine tropische Pflanze, die man in Afrika und Asien als Nahrungsmittel anpflanzte. In den vergangenen 50 Jahren wurde aber ihr Einsatz so weit ausgedehnt, dass sie in Trockengebieten wie dem Südwesten der USA zu einem wichtigen Futtermittel geworden ist. Mais stammt aus subtropischen Regionen, wird aber heute hauptsächlich in gemäßigten Klimazonen mit Niederschlägen von über 63 Millimetern pro Jahr angebaut.
Körnerfrüchte sind gut für die mechanisierte Landwirtschaft geeignet. In den gemäßigten Klimazonen wird Getreide meist in großen Betrieben angebaut, wo man zur Bodenbearbeitung, Anpflanzung und Ernte landwirtschaftliche Maschinen einsetzt. Auf die Tropen und Gebiete, in denen sich das Gelände nicht für den Einsatz von Maschinen eignet, trifft das weniger zu. Hier kultiviert man Getreide in kleinen Betrieben, und ein großer Teil des Anpflanzens, der Ernte und des Dreschens erfolgt noch immer per Hand oder mit einfachen Geräten.
In den sechziger Jahren wurden verbesserte Getreidesorten mit höheren Erträgen und höherer Widerstandsfähigkeit entwickelt, die zudem günstiger auf den Einsatz von Mineraldünger reagieren. Das führte in großen Teilen der Welt zu Produktionssteigerungen. In vielen Gebieten der Tropen lösten solche neuen Entwicklungen die so genannte grüne Revolution aus, einen dramatischen Anstieg der Getreideproduktion. Es waren aber weitere Anstrengungen erforderlich, um die leistungsfähigeren Sorten an örtliche Bedingungen anzupassen. Die Energiekrise, die 1973 begann, verursachte einen Mangel an Mineraldüngern, die aus Erdöl hergestellt werden, sowie an Brennstoff für den Betrieb von Bewässerungspumpen. Dies begrenzte weitere Ertragssteigerungen im Rahmen der grünen Revolution.