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| 2. | Flussverlauf |
Der Rhein entsteht westlich der Schweizer Stadt Chur durch den Zusammenfluss des Hinterrheins – der wiederum in der Nähe des San-Bernardino-Passes entspringt – und des Vorderrheins, der aus dem westlicher gelegenen Gotthard-Massiv kommt. Als Alpenfluss ist sein Oberlauf durch eine starke Wasserführung zur Zeit der Schneeschmelze, also im späten Frühjahr und im Frühsommer, geprägt. Ab Chur fließt der Rhein nach Norden bis zum Bodensee. Diesen Abschnitt des Flusses nennt man Alpenrhein. Der Austritt liegt bei Stein am Rhein (Schweiz) am Westende des Bodensees. Von dort aus strömt er als so genannter Hochrhein in westlicher Richtung bis Basel, wobei er südlich von Schaffhausen (Schweiz) als etwa 150 Meter breiter, reißender Fluss den ungefähr 20 Meter hohen Rheinfall bildet, der den größten Wasserfall Mitteleuropas darstellt. Später mündet von Süden her die Aare als erster größerer Nebenfluss ein.
In Basel biegt der Fluss scharf nach Norden und fließt in den Rheingraben, einen flachsohligen tektonischen Graben, der zwischen den Vogesen im Westen und dem Schwarzwald im Osten liegt. Im äußersten Norden des Rheingrabens liegt die französische Stadt Straßburg (französisch Strasbourg), die einen Wasserstraßen-Knotenpunkt darstellt, an dem der aus dem Pariser Becken kommende Rhein-Marne-Kanal in den Rhein mündet. Bei Mannheim fließt der von Südwesten kommende Neckar als zweiter großer Nebenfluss ein.
Nachdem bei Mainz der Main in den Rhein mündet, wird das jahreszeitliche Abflussverhalten des Stroms ausgeglichener. Dort strömt er über einen kurzen Abschnitt nach Westen und dreht anschließend bei Bingen am Rhein – bis dorthin nennt man ihn Oberrhein – nach Nordwesten. Anschließend durchströmt der Mittelrhein in einem steilen, engen Tal den südlichen Teil des Rheinischen Schiefergebirges; linksrheinisch liegt dabei der Hunsrück, rechtsrheinisch der Taunus. Dieses malerische Engtal zieht sich bis Koblenz, wo von Südwesten die Mosel und von Nordosten die Lahn einmünden, und weiter bis Bonn. Dieser Flussabschnitt zwischen Bingen und Bonn zählt zu den schönsten des gesamten Rheinlaufes; er ist von zahlreichen terrassierten Weinbergen und von Burgen gesäumt und spielt sowohl in der deutschen Geschichte als auch in der romantischen Literatur eine zentrale Rolle. Nahe der Stadt Sankt Goar (südlich von Koblenz) befindet sich die Loreley, die berühmte Felswand, die den deutschen Dichter Heinrich Heine zu dem bekannten Gedicht Die Loreley inspirierte. An dieser Stelle ist der Rhein nur ungefähr 115 Meter breit, 23 Meter tief und wird von 200 Meter hohen Felswänden umgeben. Das Obere Mittelrheintal zwischen Bingen und Koblenz wurde im Juni 2002 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.
Von Bonn aus stromabwärts durchzieht der nun bis zur Mündung Niederrhein genannte Fluss das deutsche Bundesland Nordrhein-Westfalen; wichtige Städte an diesem Flussabschnitt sind Köln, Düsseldorf und Duisburg. Entlang der Ruhr, einem kleineren, ostseitigen Nebenfluss des Rheins, der bei Duisburg einmündet, befindet sich das Ruhrgebiet, eines der größten Industriereviere der Welt. Oberhalb dieser Region nimmt der Rhein die ebenfalls von Osten kommende Lippe auf.
An der Grenze zu den Niederlanden (bei Emmerich) ist der Rhein etwa 730 Meter breit. Etwa 30 Kilometer nach der Grenze beginnt das große Delta des Rheins. Hier teilt er sich in zwei parallele Flussarme, den Lek und den Waal; dann durchquert er eine weite sumpfige Ebene und mündet schließlich in die Nordsee. Ein Großteil dieses Gebiets liegt auf Meeresspiegelhöhe oder unterhalb des Meeresspiegels; der Bau von Deichen hat jedoch dazu beigetragen, dass dort eine der am dichtesten besiedelten und wirtschaftlich bedeutendsten Regionen Europas entstand. Der Rhein verursacht gerade in diesem Gebiet jedoch immer wieder Überschwemmungen, die – vermutlich aufgrund zunehmender ökologischer Schäden im Oberlauf des Rheins und seiner Nebenflüsse – immer gravierender werden. Im Januar 1995 kam es zu der bisher schwersten Überschwemmungskatastrophe, bei der in den Niederlanden etwa 250 000 Menschen evakuiert werden mussten, weil die Gefahr drohte, dass er unterhalb von Nimwegen über die Deiche tritt.