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| 3. | Schifffahrt und Handel |
Der Rhein ist von seiner Mündung ab flussaufwärts bis Rheinfelden (östlich von Basel) auf einer Strecke von etwa 800 Kilometern schiffbar. Alle Hauptflüsse Westeuropas, darunter Seine, Elbe, Ems, Marne, Rhône und Saône, sind mit ihm durch Kanäle verbunden. Als jüngste dieser künstlichen Wasserstraßen verbindet der 1992 eröffnete Main-Donau-Kanal den Rhein über den Main mit der Donau und damit die Nordsee mit dem Schwarzen Meer; zusammen bildet das Kanalnetz den etwa 3 500 Kilometer langen Rhein-Main-Donau-Großschifffahrtsweg. Der wichtigste Hafen im Deltabereich des Rheins ist Rotterdam, im Binnengebiet hingegen Duisburg. Der Rhein entwässert eines der zentralen Wirtschaftsgebiete Westeuropas, eine Region, die für ihren Reichtum an Bodenschätzen sowie ihre zahlreichen Industriestandorte und die intensive Landwirtschaft bekannt ist. Durch die Schlussakte des Wiener Kongresses (1815) wurde der freie Schiffsverkehr für alle Uferstaaten des Rheins garantiert, und seit den Vereinbarungen der Mannheimer Rheinschifffahrtsakte von 1868 ist der Rhein für die internationale Schifffahrt frei zugänglich. Heute werden auf dem Fluss vorwiegend Kohle, Eisenerz, Getreide, Kaliumcarbonat (Pottasche), Erdöl, Eisen und Stahl, Holz und andere Güter transportiert. Daneben spielt der Ausflugsverkehr auf dem Fluss eine bedeutende Rolle.
Der zunehmende Schiffsverkehr und die immer stärker fortschreitende Industrialisierung der angrenzenden Regionen haben jedoch auch zu gravierenden Umweltproblemen geführt. Besonders in den sechziger und siebziger Jahren trat die Verschmutzung des Rheins immer stärker in Erscheinung, was schließlich 1976 zur Unterzeichnung eines Vertrags zur Verbesserung des Rheinzustands durch die Anrainerstaaten führte. Trotz einiger Probleme bei der Umsetzung des Vertrags verbesserte sich der Zustand des Rheins allmählich. 1986 jedoch machte ein schweres Chemieunglück die Fortschritte von zehn Jahren mit einem Schlag fast zunichte. Etwa 30 Tonnen Giftmüll, darunter auch hochgiftige Fungizide und Quecksilber, liefen in den Rhein. Der folgenschwere Unfall bei der Schweizer Chemiefabrik Sandoz in Basel tötete schätzungsweise eine halbe Million Fische und machte die Schließung von Wasserversorgungssystemen in der Bundesrepublik Deutschland, in Frankreich und in den Niederlanden erforderlich.
Für den Schiffsverkehr auf dem Rhein ist die Kenntnis der Wasserführung unentbehrlich. Ein neu entwickeltes Computermodell ermöglicht seit 1998 noch exaktere Vorhersagen für die Entwicklung der Pegelstände.
Die Umweltminister der Rhein-Anliegerstaaten verabschiedeten am 29. Januar 2001 in Straßburg das Programm „Rhein 2020”. Es sieht eine Wiederherstellung der ökologischen Funktionen des Rheins in den kommenden 20 Jahren vor. Dabei geht es vornehmlich um den Schutz wertvoller Ökosysteme sowie um die Reaktivierung von ehemaligen Überschwemmungsflächen, die in den letzten Jahrzehnten durch Flussbegradigungen verschwanden. Diese Maßnahmen zielen auf eine drastische Reduzierung des Überschwemmungsrisikos, höhere Wasserqualität und verbesserten Grundwasserschutz.
Den im April 2001 veröffentlichten Ergebnissen einer Studie der Umweltschutzorganisation World Wide Fund for Nature (WWF) zufolge hat der Rhein nach ökologischen Kriterien im europäischen Vergleich nur mittelmäßige Qualität.