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| 2. | Körperbau und -funktionen |
Der Körper der Schlangen ist mit Schuppen aus hornigem Epidermismaterial (Material der Oberhaut) bedeckt, die in regelmäßigen Reihen angeordnet sind und sich gewöhnlich dachziegelartig überlappen. Die Schuppen am Rücken und an den Seiten sind in der Regel kleiner als an Kopf und Unterseite. Die am Rücken liegenden Schuppen können glatt sein oder einen erhabenen Kiel aufweisen; zu weiteren Abwandlungen der Schuppen gehören kleine Knoten und winzige Grübchen. Die Haut und die äußerste Schicht der hornigen Schuppen werden regelmäßig in einem Stück abgestoßen (dem so genannten Natternhemd), einschließlich der harten, unbeweglichen Augenlider. Diese schützen die ständig geöffneten Augen und sind daher durchsichtig. Die Häufigkeit der Häutung variiert je nach Art, aber auch innerhalb einer Art je nach Größe und Alter des Individuums. Junge, schnell wachsende Schlangen stoßen ihre Haut häufiger ab als langsam wachsende erwachsene. Einige Arten häuten sich nahezu alle 20 Tage, andere nur einmal im Jahr.
Nach einem 2000 in der Zeitschrift Nature erschienenen Bericht australischer Forscher sind teilweise im Wasser und teilweise an Land lebende räuberische Echsen die Vorfahren der Schlangen. Dies leiteten die Forscher von Schädelknochen im Pleistozän lebender Schlangen (Gattung Wonambi) ab. Die Schlangengestalt wäre danach eine Anpassung an das Schwimmen. Der lange, schlanke Körper der Schlangen enthält eine große Zahl von Wirbeln: nie weniger als 100 und mitunter mehr als 300; mit Ausnahme der ersten beiden hat jeder Wirbel ein Paar Rippen. Das Skelett ist leicht gebaut und abgewandelt, es ermöglicht große Bewegungsfreiheit. Der Schädel ist besonders locker gebaut und oft in mehrere Richtungen dehn- oder spreizbar. Dieser Knochenbau und der flexible Schuppenpanzer ermöglichen es der Schlange, im Verhältnis zur Größe ihres Kopfes und Körpers große Beute zu verschlingen. Die Beweglichkeit zeigt sich insbesondere bei den beiden Knochen des Unterkiefers, die über einen kurzen, beweglichen Knochen mit dem Schädel und vorne lediglich über ein elastisches Band verbunden sind.
In beiden Kiefern sitzt eine große Zahl scharfer, nadelspitzer Zähne, die alle nach hinten gebogen sind. Die Zähne sind in sechs Reihen angeordnet, parallel zur Längsachse des Kopfes: zwei Reihen auf jeder Seite des Oberkiefers und eine auf jeder Seite des Unterkiefers. Wenn eine Schlange Beute fängt, ermöglichen ihr die nach hinten gebogenen Zähne festen Halt. Die Beute wird rasch getötet und durch abwechselnde Bewegungen der Zahnreihen, welche die Nahrung ins Maul ziehen, verschlungen. Im Maul wird die Nahrung eingespeichelt (entgegen einer verbreiteten Meinung speicheln Schlangen ihre Nahrung nicht schon vorher ein). Die meisten Beutetiere werden leicht und rasch verschlungen, das Verschlingen einer wirklich großen Mahlzeit kann jedoch mehrere Stunden dauern und ist ein mühsamer Prozess. Die großen Pythons können Tiere verzehren, deren Körpergewicht größer als ihr eigenes ist; danach nehmen sie mehrere Wochen oder Monate gar nichts mehr zu sich.
Giftschlangen besitzen vorn im Oberkiefer zwei hohle Zähne, die an die Kanülen von Spritzen erinnern und als Giftzähne bezeichnet werden. Sie werden ebenso wie die anderen Zähne periodisch ersetzt; die neuen Giftzähne wandern schon an Ort und Stelle, bevor die alten ausfallen. Somit kann eine Schlange für kurze Zeit auf jeder Kieferseite zwei Giftzähne haben. Bei den solenoglyphen (röhrenzähnigen) Giftschlangen, einer großen Gruppe von Schlangen, zu denen die Klapperschlangen und Vipern gehören, ist der Knochen, welcher den Giftzahn trägt, so am Schädel befestigt, dass die Giftzähne bei Nichtgebrauch nach hinten gegen das Munddach zurückgeklappt werden können. Kobras und Korallenschlangen repräsentieren die andere große Gruppe, die proteroglyphen (vorderfurchenzähnigen) Giftschlangen, bei denen die Giftzähne nicht beweglich sind, sondern ständig aufrecht stehen. Die Giftzähne sind über den Giftkanal mit den beiden Giftdrüsen verbunden; hierbei handelt es sich um abgewandelte Speicheldrüsen, die beiderseits des Kopfes hinter dem Auge liegen. Schlangengift wirkt lähmend, Blut zersetzend oder Gewebe zerstörend (siehe tierische Gifte).