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Hohltiere

Hohltiere, Coelenterata, Sammelbegriff für die beiden wirbellosen Großgruppen der Nesseltiere und der Rippenquallen.

Die Systematik der einfach gebauten Meerestiere ist umstritten; meist werden die Nesselkapseln tragenden Nesseltiere (Cnidaria) als Stamm den Acnidaria gegenübergestellt, deren einzige Klasse die Rippenquallen sind. Die wichtigste Gemeinsamkeit der beiden Gruppen liegt in der Symmetrie ihres Körperbaus: Die auch als Radiata bezeichneten Hohltiere sind radialsymmetrisch und werden allen weiteren Stämmen der Metazoa (den so genannten Bilateria) gegenübergestellt, die primär spiegelbildlich symmetrisch sind, d. h., sie besitzen parallel zur Längsebene des Körpers eine dorsale (Rücken-) und eine ventrale (Bauch-)Seite. Manche Formen der Hohltiere, vor allem viele Rippenquallen, zeigen noch Anklänge einer vermutlich ursprünglichen Zweiseitigkeit. Wie die Plattwürmer und die Schnurwürmer unter den Bilateria bilden die Hohltiere noch kein drittes Keimblatt (Mesoderm) aus; das außen liegende Ektoderm sowie das innere Entoderm bestehen aus jeweils nur einer Zellschicht, zwischen denen lediglich die gallertartige Mesogloea liegt.

Fast alle Hohltiere sind Meeresbewohner; ihr Körper enthält 98 bis 99 Prozent Wasser und nur wenige differenzierte Organe. Typisch ist ein sackartiges, manchmal verzweigtes Gastrovaskularsystem als Verdauungstrakt und einzige Körperhöhle; Mund und After sind ein und dieselbe Öffnung. Das diffuse Nervensystem ist sehr einfach aufgebaut, genauso wie die aus nur wenigen Längs- und Ringsträngen bestehende Muskulatur. Primitive Epithelsinneszellen ermöglichen eine grobe Orientierung. Die weitaus meisten der ungefähr 10 000 Arten der Hohltiere umfasst der Stamm der Nesseltiere. Kennzeichnend sind Nesselzellen, deren Kapseln bei Berührung ein lähmendes Toxin freisetzen; an den Tentakeln sind die Kapseln hoch konzentriert und ermöglichen so eine effektivere Verteidigung und Überwältigung von Beutetieren (Fischen und allen Arten von Kleinlebewesen). Nesseltiere sind in der Regel getrenntgeschlechtig; bei den meisten Formen (Ausnahme: Korallen) tritt ein Generationswechsel zwischen vegetativer (Polyp) und sexueller (Meduse oder Qualle) Generation auf. Die Klasse der Korallen erzeugt Kalkskelette und bildet häufig Kolonien.

Die zweite Großgruppe, die Rippenquallen, enthält lediglich etwa 80 Arten, die sich aber bei näherer Betrachtung deutlich von den Nesseltieren unterscheiden und als eigener Seitenzweig der Hohltierevolution angesehen werden muss. Ihr Körper besitzt zwei aufeinander senkrecht stehende Symmetrieebenen, von denen eine die beiden Tentakel (nicht bei allen Arten vorhanden) und die andere das teilweise stark verzweigte Gastrovaskularsystem enthält; die strenge Radiärsymmetrie ist somit hier durchbrochen. Die nur als frei schwimmenden Individuen vorkommenden Hochseetiere vermehren sich immer geschlechtlich und sind Zwitter.