Mittelalter
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Mittelalter
2. Begriff

Das Bewusstsein von einer Zeit zwischen Antike und Gegenwart, die nichts Beachtenswertes hervorgebracht hat, entwickelten schon die Vorreiter des Humanismus im 14. Jahrhundert. Der älteste Beleg für diese Auffassung findet sich bei Francesco Petrarca, einem der bedeutendsten italienischen Dichter und Gelehrten seiner Zeit. Er schrieb 1341 von einem „dunklen” (lateinisch tenebrae) zwischen dem neuen und dem alten Zeitalter. Schon er, aber auch alle Humanisten nach ihm verklärten antike Wissenschaft und Kultur, vor allem aber das Menschenbild, welches das Individuum in den Vordergrund stellte, und empfanden ihre Gegenwart als Wiedergeburt (Renaissance) der Antike. Dementsprechend finden wir in allen Ländern Europas den Begriff des Mittelalters (media aetas) in begrifflichen Variationen. Diese Dreiteilung in altes, mittleres (dunkles) und neues Zeitalter bezogen die Humanisten allerdings allein auf den ästhetischen Bereich; für die Gliederung der Weltgeschichte behielten sie die traditionellen Schemata bei, z. B. die Zweiteilung in jüdisch-heidnisches Altertum und neuere christliche Zeit oder die Vorstellung der Folge der vier Weltreiche.

Erst der hallesche Historiker Christoph Cellarius machte 1688 in seiner Historia tripartita (dreigeteilte Geschichte), deren zweiter Teil das Mittelalter beschrieb, daraus einen historischen Epochenbegriff. Seinen Siegeszug verdankte der lange Zeit negativ besetzte Begriff der Säkularisierung des Geschichtsbildes in der Aufklärung: Nicht mehr die Offenbarung des christlichen Glaubens durch Jesus Christus, sondern die Christianisierung des Römischen Reiches seit Kaiser Konstantin dem Großen wurde als epochaler Wendepunkt der Geschichte angesehen. Hinzu kam, dass in den europäischen Kriegen des frühen 18. Jahrhunderts das russische (russisch-orthodoxe) und das osmanische (muslimische) Reich in das politische System des europäischen Gleichgewichts eintraten. Das römisch-katholische Abendland wurde durch das multikulturelle Europa als Schauplatz der „Weltgeschichte” ersetzt.