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AFL-CIO
1. Einleitung

AFL-CIO (American Federation of Labor and Congress of Industrial Organizations), Dachverband autonomer Gewerkschaften in den USA. Die Organisation bildete sich im Dezember 1955 durch den Zusammenschluss der American Federation of Labor und dem Congress of Industrial Organizations. 13,6 Millionen von über 20 Millionen Gewerkschaftsmitgliedern in den USA gehören zu den 86 Gewerkschaften, die der AFL-CIO angeschlossen sind.

2. Geschichte

Gegründet wurde die AFL im Dezember 1886 in Columbus (Ohio), während einer Zeit ausgedehnter Streiks für einen Arbeitstag von acht Stunden. Die Federation of Organized Trades and Labor Unions of the United States and Canada, die 1881 zur Förderung von Arbeitsgesetzen entstand, schloss sich mit mehreren unabhängigen Gewerkschaften zum AFL zusammen. Ihre vorrangigen Ziele waren die gewerkschaftliche Organisierung der Arbeiter, die Forderung nach Arbeitsschutzgesetzen, die Verminderung der Arbeitszeit und die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Erhöhung der Löhne. Der amerikanische Arbeiterführer Samuel Gompers wurde zum Präsidenten gewählt. Unter ihm unterstützte die AFL politische Kandidaten, die als der Arbeiterschaft freundlich gesinnt galten, unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit.

In den zwanziger Jahren und in der Anfangszeit der Depression zwischen 1929 und 1933 ging die Mitgliederzahl der AFL zurück. Als danach die Gesetzgebung des New Deal die Organisierung in Gewerkschaften förderte und schützte, vergrößerte sich der AFL. Von jeher waren in der AFL Gruppen von unterschiedlichen politischen und wirtschaftlichen Anschauungen willkommen gewesen. Mit Beginn des New Deal kam im Jahr 1933 durch verbesserte Wachstumsbedingungen für Gewerkschaften die Frage auf, ob man die Arbeiter nach Berufen oder nach Branchen organisieren solle.

1935 wurde unter der Führung von John L. Lewis ein Committee for Industrial Organization innerhalb der AFL geschaffen. Seine Aufgabe war es, Arbeiter zu organisieren und sie ohne Rücksicht auf gesetzliche Richtlinien neuen oder schon bestehenden Branchengewerkschaften zuzuweisen. Die Mehrheit der Gewerkschaften stellte die Organisierungsbemühungen des Komitees jedoch in Frage. Innerhalb von drei Jahren wurden acht Gewerkschaften aus der AFL ausgeschlossen. Als Folge davon gründeten diese acht Gewerkschaften den CIO.

Aus der Rivalität zwischen den beiden Gruppen ergab sich sogar ein starker Anstieg bei den Gesamtmitgliederzahlen der Gewerkschaften. Beide Organisationen arbeiteten während des 2. Weltkrieges (1939-1945) mit der Regierung zusammen.

3. Zusammenschluss

Bei Kriegsende wählten die Amerikaner einen konservativeren Kongress, der in Gesetzen die Rechte der Gewerkschaften beschnitt. Dies trug dazu bei, dass die Gewerkschaften untereinander enger zusammenarbeiteten, um das Erreichte zu schützen und weitere Angriffe abzuwehren. Während des Koreakrieges in den Jahren 1950 bis 1953 bildeten die AFL und der CIO das United Labor Policy Committee, das sich mit der Arbeitspolitik der Regierung befasste. Bald beteiligte sich das Komitee auch auf anderen Gebieten an der Zusammenarbeit zwischen den Organisationen.

Im November 1952 wurde Dwight D. Eisenhower zum Präsidenten der USA gewählt. Er war seit 20 Jahren der erste Republikaner im Weißen Haus. Durch das Wahlergebnis wurde den Arbeitern klar, dass sie geeint handeln mussten, um sich gegen die Regierung durchzusetzen. Kurz darauf starben William Green, der Präsident der AFL, und Philip Murray, der Präsident des CIO. Damit lebten zwei Hauptakteure der tiefen Rivalität der dreißiger Jahre nicht mehr, und die beiden Organisationen kamen dem Zusammenschluss näher.

Anfang des Jahres 1955 bildete man das Joint Unity Committee und entwarf eine neue Satzung. Der offizielle Zusammenschluss fand im Dezember des gleichen Jahres statt.

4. Tätigkeiten

Laut Satzung der AFL-CIO kann der Dachverband die Politik der Einzelgewerkschaften nicht festlegen. Er wacht jedoch darüber, dass die Mitglieder eine solide Finanzlage aufweisen, demokratisch und ehrlich verfahren und jegliche Form der Diskriminierung verbieten. Innerhalb dieser Grenzen arbeiten die Gewerkschaften selbständig. Die Hauptfunktion der AFL-CIO ist, den Mitgliedern bei einer Vielzahl verschiedener Programme zu helfen. Dazu gehören Gebiete wie Wirtschaftsforschung, Arbeiterbildung, Interessensvertretung gegenüber Politik und Rechtsprechung, Bürgerrechte, Gemeinde- und Gesundheitsdienste und Arbeitsschutz.

Die AFL-CIO hat ein ständiges Interesse am politischen Geschehen. Über ihr Committee on Political Education (POPE) ermutigt sie ihre Mitglieder, sich im Wählerverzeichnis eintragen zu lassen und ihr Wahlrecht auszuüben. Die finanzielle Unterstützung politischer Kandidaten darf nicht direkt durch Gewerkschaftsgelder betrieben werden. Dazu werden freiwillige Spendenaktionen durchgeführt.

5. Mitgliederzahl

In den 25 Jahren nach dem Zusammenschluss blieb die Mitgliederzahl der AFL-CIO im Großen und Ganzen gleich. Danach begann sie Jahr für Jahr abzunehmen. Im Jahr 1984 waren es nur noch 13 Millionen Mitglieder, gegenüber 16 Millionen im Jahr 1955. Dies lässt sich zum Teil dadurch erklären, dass man über drei Millionen Mitglieder verlor, als die Teamsters Union 1957 wegen Korruption in der Führungsspitze ausgeschlossen wurde. Obwohl die AFL-CIO 1955 30 Prozent aller Arbeitnehmer vertrat, schrumpfte diese Zahl Anfang der neunziger Jahre auf 16 Prozent. Den Rückgang hat man dadurch erklärt, dass sich die Arbeitnehmerschaft nicht mehr so stark in den gewerkschaftlich relativ gut organisierten Industriezweigen mit Massenproduktion konzentrierte, sondern immer mehr in den Büro- und Dienstleistungsbereichen. Dort ist die Stärke der Gewerkschaften zwar ansteigend, aber immer noch gering.